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Barbara Steele – die „Queen of Horror“

Mit der Bezeichnung „Queen of Horror“ hat sie sich heute mit ihren 80 Jahren wohl abgefunden. Altersgelassenheit ist etwas Wunderbares.

Jedesmal, wenn ich mich in ein Grab legen muß, sage ich mir, dies ist wirklich das letzte Mal, Barbara!

Eines ist sicher: ohne ihre „Erscheinung“ (im wahrsten Sinne des Wortes) in den italienischen Gothic Horror Filmen der 60er Jahre hätte Barbara Steele bis heute nicht solch eine große Fangemeinde. Horror oder phantastischer Film, wie man früher häufig dazu sagte, war schon seit seiner Entstehung ein ungeliebtes Filmgenre. Zu schockierend und blutig für die Masse und als Schauspieler konnte man keinen großen Ruhm erlangen, war im schlimmsten Fall darauf abonniert. Noch seltener waren und sind Frauen auf der Horror-Leinwand, also solche, die nicht nur kurz als Opfer oder Frischfleisch dienen. Barbara Steele war die absolute Ausnahme und keine „Scream Queen“ wie Fay Wray und andere. Sie ist bis heute die souveräne, weibliche Horror-Ikone schlechthin. Keine hat es vor, neben oder nach ihr noch mal geschafft, mit ihrer düsteren Anmut, ihrem dramatischen Talent und hervorragender Schauspielkunst für das Genre von Horrorfilmen einer ganzen Nation zu stehen. Und irgendwie wirkt sie in ihren Rollen auch wie die erste Goth Queen.

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Aus England kamen zu jener Zeit die (mir persönlich zu trashigen) Hammer-Horror-Movies. Amerika hatte Roger Corman, der mit seinen Poe-Verfilmungen echte cineastische Wunderwerke des Grusel Horrors erschuf. Doch auch die Italiener konnten nicht nur Italowestern, sondern hatten u.a. mit Mario Bava und Riccardo Freda einige düster-orientierte Regisseure am Start. Weil englische Namen damals mehr Zugkraft hatten, benannten sie sich um – von Mario Bava in John M. Old und aus Riccardo Freda wurde Robert Hampton.

Barbara Steele zu Beginn ihrer Filmkarriere 1958 (Foto (c) moviestar Magazin 02/1996)

Barbara Steele hatte das nicht nötig, denn sie ist nicht, wie ich zuerst vermutete, eine Italienerin, sondern wurde in England geboren, im kleinen Ort Birkenhead in der Nähe von Liverpool. Vor nun genau 80 Jahren am 29. Dezember 1937. Das bestätigen zumindest die meisten Quellen. Sie selbst tauchte früher ihre Herkunft und ihren Geburtstag ins Mysteriöse, wie sich das für eine „Queen of Horror & Mystery“ wohl gehört:

Ich wurde in Irland geboren, am gleichen Tag wie Fellini, aber nicht im gleichen Jahr. Also bin ich Steinbock.[1]

Schon als Kind spielte Barbara Steele leidenschaftlich gern Theater und hatte früh Schauspielunterricht. Zudem spricht sie neben Englisch auch Spanisch, Italienisch, Französisch, kann Klavier spielen und studierte Malerei und Tanz an der Chelsea Art School in London sowie an der Pariser Sorbonne. Nach ihrem Studium trat sie auf diversen Bühnen auf und wurde im Citizen’s Theatre von Glasgow für den Film entdeckt. Neben ihrem Spiel war sie auch optisch ein besonderer Blickfang: eine dunkelhaarige Schönheit mit großen, grünen Augen, hohen Wangenknochen und aufgeworfener Unterlippe.

Original-Filmplakat „Black Sunday“

Nach ihrem Debüt „Bachelor of Hearts“ (1958) folgten ein Thriller, eine Komödie und zwei Krimis, bis sie von ihrem ersten Studio an ein anderes nach Hollywood verkauft wurde. Dort hatte man aber keine Verwendung „für ihren Typ Frau“ mit dunklen Haaren und für die damalige Zeit mit 1,68cm recht groß. Doch Mario Bava, der damals noch als Kameramann bei der Galatea Films arbeitete, entdeckte sie als passend düstere Hauptdarstellerin für seinen ersten eigenen Film „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ (engl: Black Sunday | ital: La Maschera del Demonio – 1960). Da Gruselfilme und Gothic Horror zu dieser Zeit dank Hammer & Co. gefragt waren, erlangte „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ schnell Flughöhe und internationale Verbreitung. Mario Bava löste mit diesem Grusel-Klassiker eine Welle von italienischen „gotischen“ Horrorfilmen aus, die ein ganzes Jahrzehnt anhielten und beeinflusste viele Regisseure maßgeblich. Barbara Steele gelang mit ihrer Doppelrolle der Prinzessin Katia (gif unten) und der Hexe Asa der Durchbruch und sie wurde über viele Jahre hinweg entsprechend besetzt. Der Film blieb jedoch die einzige Zusammenarbeit zwischen Bava und ihr.

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Ich finde, „Black Sunday“ sollte man als Gruftie nicht nur der gothischen Bildung willen gesehen haben, sondern auch weil er wirklich ein beeindruckender Gruselfilm der ganz eigenen italienischen Machart mit einer interessanten Story ist, die um Längen besser ist als ihr Filmtitel suggeriert. Es ist keine typische Vampirgeschichte, sondern es dreht sich um Hexenverfolgung innerhalb der Familie und Rache nach Jahrhunderten.

Barbara in „The pit and the pendulum“

Nach diesem Erfolgsfilm wurde Roger Corman auf Barbara Steele aufmerksam und engagierte sie direkt für seine nächste Poe-Verfilmung „Das Pendel des Todes“, bei dem sie sich an der Seite des großartigen Vincent Price mühelos behaupten konnte. Und so ging es weiter, die meisten ihrer Filme drehte sie in Italien, u.a. mit Riccardo Freda zwei gruselige Filme um den Arzt Dr. Hichcock (Name aus Vermarktungsgründen ;)), der nekrophile Neigungen hat und seine originellen, medizinischen Erfindungen an seiner Ehefrau oder sich selbst ausprobiert: „L’Orrible Segreto del Dr. Hichcock“ und „Lo Spettro | The Ghost | Das Gespenst“ – beide von 1962. Ebenfalls sehenswert und Filme, die man so nicht in Amerika oder England gedreht hätte. Das italienische Gothic Horror Kino ist bildgewaltig, üppig bis schwülstig (eher die Giallo Filme), nekromantisch und inzestuös, okkult, freizügig und phantasiereicher als alles, was aus den Staaten oder England kommt. Es ist näher am französischen Kino, aber wiederum nicht ganz so schräg. Schaut euch einfach einige der Barbara-Steele-Filme an, viele gibt es komplett auf YouTube.

 

Klar war Barbara nach diesem Jahrzehnt als Gothic Horror Queen abonniert auf derartige Filme. Zwischendurch versuchte sie auch einige Male dem Genre zu entfliehen. So hatte sie eine beeindruckende Nebenrolle in Frederico Fellinis „Achteinhalb“ oder in „Der junge Törless“ (Volker Schlöndorff), aber es half ihr nichts. Sie war am besten als düstere Femme Fatale – darin waren sich ihre Fans und die Regisseure & Studios einig.

Apropos Fan: Mein Freund fütterte mich jahrelang mit alten Grusel- und Horror-Filmen und erst jetzt beim Recherchieren für diesen Artikel fällt mir auf, dass bei denen immer Barbara Steele mitspielte – und sei es nur in einer Nebenrolle. Außerdem besitzt er seltene Filmplakate und gesammelte Artikel, von denen ich bisher noch nichts wusste. 🙂 Und wer hat sich als Besucher unserer Elektronischen Nacht schon mal gefragt, wer dieses Wesen auf schwarz im mittigen Fenster ist? Genau, Barbara Steele als Hexe Asa in „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ – persönlich gemalt von M.Synthetic. Und ich möchte beim nächsten Mal nicht wieder hören, das sei Michael Jackson!

Seit 1980 war Barbara Steele vermehrt als Produzentin von Fernsehfilmen und -serien tätig und nur noch selten vor der Kamera aktiv. Zuletzt auf der Leinwand sah man sie 2014 in Ryan Goslings Regiedebüt „Lost River“ in einer Nebenrolle. Den Film hab ich noch nicht gesehen, sieht aber vom Trailer her recht interessant aus.

Unsere „Best of Barbara Steele“

 

Oben im Bild sind unsere Lieblingsfilme mit Barbara Steele zu finden, mein absoluter Favorit ist „Danse Macabre | Danza Macabra“ und der mit dem wunderschönen Titel „Die langen Haare des Todes | I lunghi capelli della morte“. Auch ihr späterer Auftritt in David Cronenbergs „Parasiten-Mörder“ (1975) hat mir gefallen, wie auch der Film an sich. Cronenberg konnte sie nur mit einem riesigen Blumenstrauß dazu bewegen, erneut in einem Horrorfilm mitzuspielen.

Ich wollte die Sache überhaupt nicht machen. Aber dann stand David Cronenberg an einem stürmischen Tag mit diesem enormen Blumenstrauß vor meinem Haus – er muss den ganzen Laden leergekauft haben. Naja, da kam dieser laufende Blumenstrauß und irgendwo dahinter verbarg sich ein Mann. Wie konnte ich da noch wiederstehen?

Heute wird Barbara Steele 80 Jahre alt. Zurückgezogen, aber unvergessen, verehrt, geliebt von Fans des Dunklen und Düsteren. Die  wunderschöne, unsterbliche Femme Fatale der italienischen Horror-Grusler – Happy Birthday, Miss Steele! ♥

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  1. [1]demnach müsste sie am 20. Januar geboren sein, wie der Regisseur Federico Fellini | aus „Moviestar Dossier Barbara Steele“ und einer Presse-Information der AIP (American International Pictures)

Einfach Dranbleiben!

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2 Responses to Barbara Steele – die „Queen of Horror“

  1. Nighttears 30. Dezember 2017 zu 08:12 #

    Guten Morgen,

    erst einmal Danke für den interessanten Artikel über Barbara Steele! Ich habe ihn im Dunklen Leben verlinkt.

    Nun möchte ich die Gelegenheit gleich mal nutzen und dir einen guten Rutsch (bitte nicht wörtlich nehmen) in das neue Jahr wünschen!

    Liebe Grüße
    Nighttears

  2. Shan Dark 30. Dezember 2017 zu 19:45 #

    Lieber Nighttears,
    DANKE fürs Verlinken und die Rutschwünsche 🙂 tendenziell besteht zwar die Gefahr, dass es auch wörtlich einen Rutsch geben kann, weil wir auf einen Hügel gehen zur morgigen Mitternacht, aber ich werde versuchen, mich ordentlich aufrecht zu halten. Ich wünsche Dir auch einen schönen Jahreswechsel und ein tolles 2018 mit Gesundheit & Genuss am Leben von allen Seiten – der hellen und der dunklen. 🙂
    Liebe Grusels
    Shan Dark

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