Gothic Friday – Januar – Bin ich schon drin?

2011 startet das Projekt „Gothic Friday“ auf dem Spontis-Blog. Jeden Monat wird es ein besonderes Thema rund um Gothic geben, zu dem jeder, der Lust hat, einen Artikel schreiben kann. Wenn Du keinen eigenen Blog oder Webseite hast, dann kannst Du Deine Gedanken gern in einem „Gastartikel“ hier auf dem schwarzen Planeten veröffentlichen. Schicke mir dazu einfach eine Nachricht – alles weitere klären wir dann per E-Mail. Jeder der mitmacht – egal ob als Blogger oder mit einem Gastartikel – kann bei der halbjährlichen Verlosung ein „schwarzes Gewinnpaket“ mit Hör-/Büchern und CDs gewinnen. Das Thema des Gothic Friday im Januar lautete:

Wie bist Du in die Gothic-Szene gekommen?

Mein Gothic-Dasein schlich sich eher so an. Erst machte es kurz ein Punkgesicht, dann zog es lange eine Metalfratze und irgendwann hat es dunkle Ohren bekommen. „Bin ich jetzt schon drin?“ habe ich mich jedenfalls in den Jahren dieses Entwicklungsprozesses nie gefragt.

Trotz manch düsterer Vorzeichen – in der Gothic-Szene gelandet bin ich erst nach meinem Umzug von Ost nach West vor 11 Jahren. Bedingt durch ein neues Umfeld und neue Freunde. Vorher hab ich 7 Jahre in Leipzig gewohnt und nie das WGT besucht. Unglaublich. Ärgerlich! Aber es hatte seine Gründe und es war damals eben noch nicht ‚meine Szene’ und meine Musik. Ich war in gar keiner Szene. Auch wenn ich schon schwer schwarz angehaucht war, Friedhöfe aufsuchte und düsteren Metal hörte.

Musik musste für mich immer hart sein – am besten mit einer ausdrucksstarken und ganz tiefen Männerstimme. So etwas entdeckte ich zuerst im Hardrock und Heavy Metal. In der 8. Klasse hatte ich bei einer faszinierenden Grufti-Wave-Klassenkameradin auch mal The Cure gehört, aber „Boys don’t cry“ & Co. waren mir einfach zu lasch. Das ergriff mich damals nicht.

me-studiwohnheim-1994

Ich 1994: Mein Zimmer im Studentenwohnheim war wirklich ein Gruselkabinett – in Bezug auf die Möbel und die Kakerlaken, die aus der Multikulti-Küche nebenan rübergekrabbelt kamen.

Zu Anfang meines Studiums in Leipzig (1993) hörte ich Punk (Ramones, The Exploited und viel Oi), Crossover und Alternative (Clawfinger, RATM, Suicidal Tendencies, Chili Peppers) und Hardcore von Sepultura, Machinehead, Biohazard, Pantera – es musste bis in die Eingeweide vibrieren. Ich schüttelte dazu mein Haupthaar auf der Tanzfläche und sah in schwarzen Jeans und dunklem T-Shirt ziemlich wie die meisten anderen aus.

In der Moritzbastei (Leipziger Studentenkeller) waren wir jeden Mittwochabend zur Disko. Immer um Mitternacht legte dieser spezielle DJ die Sisters mit „Temple of Love“ und „Black No. 1“ von Type O Negative auf. Beide Stücke gefielen mir sehr sehr gut, mehr aber noch Type O Negative wegen der Stimme und weil das Lied mehr Wucht hatte. Ich ging der Sache nach, kaufte mir ihre ersten zwei Alben und Pete Steele avancierte zu meinem Traummann. 2 Meter groß, lange schwarze Haare, bleiches markantes Gesicht, Vampirzähne … damals sah er jedenfalls umwerfend aus und dann noch diese erotisch-tiefe Stimme… **dahinschmelz**

Im Nachhinein sehe ich Type O Negative als meinen ersten Berührungspunkt mit der Gothic-Szene. 1994 oder 95 spielten Type O Negative live irgendwo in der Nähe. Leider gaben meine Freunde für diese Art von Musik nicht ihr rares Geld aus. Ich wollte aber nicht allein dahin, also machte ich einen Aushang am schwarzen Brett in der Uni (heute macht man das über Facebook 🙂 ): Wer kommt am XX mit zum Type-O-Negative Konzert in Halle? Erst als das Konzi vorbei war (ohne mich), meldete sich jemand. Sie hatte den Aushang zu spät gesehen und fragte, ob wir stattdessen zu Anathema die Woche darauf fahren wollen. Ina wurde zu einer meiner besten Freundinnen und ist es bis heute.

me-and-jerry-1997

1997: die Kreaturen der Nacht fühlten sich schon immer zu mir hingezogen 😉

Ich bin überhaupt dankbar, dass ich einfach die ‚richtigen’ Leute als Freunde und Partner kennengelernt habe. Einige hatten einen großen Einfluss auf meine musikalische Entwicklung oder sagen wir besser: auf die Bands, die ich kannte und gern hörte. Früher war nicht YouTube, sondern als ich 14 war gab es noch Kassette und Walkman. CDs gab es dann auch bald, aber es dauerte noch gefühlt ewig bis das mit dem CD-Brennen soweit war. Das hier soll kein Ausflug in die Musik-Steinzeit werden, ich will damit nur sagen: es war nicht so einfach an (untergrundige) Musik heranzukommen oder in etwas hineinzuhören, was einem irgendwo mal in einer Disko oder so gefallen hatte. Schon gar nicht, wenn man kein Geld hatte. Ich kann mich erinnern, dass ich von einer Band namens „Die Krupps“ gehört hatte, aber niemanden kannte, der mir mal eine CD von denen ausleihen konnte. Krass, war aber so. Für die, die jetzt sagen: Konntest ja in den Mediamarkt gehen und dort mal reinhören. Das war auch nicht so einfach, denn es dauerte – zumindest im Osten –  einige Zeit, bis es dank verstärkter Nachfrage dort ein „Alternative/Underground-Regal“ gab. Wirklich rare Perlen hatten die natürlich auch nicht. An die kam man nur über 3 Ecken und persönliche Beziehungen.

Über meine Freundin Ina geriet ich zu Studentenzeiten absolut in die Doom-/Death-/Goth-Metal-Ecke. Meine damaligen Lieblingsbands waren: My Dying Bride, Samael, Cemetary, Gorefest…später auch Ministry. Ich lernte aber auch ruhigere, atmosphärische Sachen kennen und lieben: In The Nursery, Dead Can Dance, The 3rd And The Mortal, Ordo Equitum Solis. Wir tauschten Musik aus (häufig CDs überspielt auf Kassetten), stöberten bei Bekannten nach neuen, unbekannten Klängen, gingen auf Konzerte oder fuhren zusammen nach Berlin um Second-Hand-Klamotten zu kaufen. Wir teilten die Faszination für Friedhöfe und Ruinen, skurrile oder andersartige Kunstwerke (u.a. Giger), schräg-düstere Filme, Literatur von Poe, Hawthorne, Lovecraft, Byron. Eigentlich die besten Ausgangsbedingungen für die Gothic-Szene, aber mit denen kamen wir aufgrund des anderen Musikgeschmacks nicht zusammen. Damals hatte die Metalszene auch noch mehr eigene Veranstaltungen und Lokalitäten als heute, so dass man sich gar nicht über den Weg lief.

Als ich zur Jahrtausendwende von Leipzig ins Rhein-Main-Gebiet zog, kannte ich hier ja niemanden. Um Leute kennenzulernen bin ich in ‚Etablissements’ und auf Veranstaltungen gegangen, die auch meine Musik spielten: das Steinbruch-Theater in Darmstadt, den Biergarten Dieburg oder das KUZ in Mainz. Dort lief weniger Düster-Metal, sondern eher Gothic Wave, EBM, 80er und der gerade aufkeimende Futurepop.

So nach und nach lernte ich auf diesen Dark Parties neue Freunde kennen. Man versorgte sich gegenseitig mit düsterer Musik und da ich mich an Goth-/Doom-/Death-Metal auch ziemlich überhört hatte, war ich offen für Neues. Es durften jetzt z.B. auch elektronische Klänge in meine Gehörgänge (was zu meinen Metalzeiten ‚verpönt’ war – außer Ministry). Anfangs war ich von der Musik nicht allzu begeistert. Bei den meisten Bands fehlte mir entweder die Härte, das Verrückte oder die Abwechslung in den Stücken. Als ich dann aber Alien Sex Fiend, Bauhaus, Skinny Puppy und die alten EBM-Sachen von Nitzer Ebb, Front 242, Mentallo & The Fixer, Numb, FLA usw. entdeckte, war ich musikalisch glücklich. Da öffneten sich ganz neue Musikwelten!

me-2004

Ich beim WGT 2004

Ich merkte auch, dass ich meine Kreativität hier gut ausleben kann. Das ist außer als Musiker nach meiner Erfahrung in anderen Szenen so nicht möglich. Punk und Metal sind fast ausschließlich musikbezogene Szenen. Zugegeben, als Punk musste man auch kreativ sein um ohne Arbeit und kapitalistischen Arbeitgeber zu überleben 😉 Jedenfalls ist mir keine Szene bekannt, die so facettenreich ist wie die Gothic-Szene, bei der neben der Musik besonders die Kleidung, aber auch Poesie, Literatur, Filme ein Gesamtbild ergeben. Alle anderen (düsteren) Dinge, die ich mag, ergänzen sich hier mit der Musik. Wenn man tiefer eintaucht sieht man erst, wie alles irgendwie miteinander zusammenhängt. Gothic ist für mich zum Lebensstil und zur gefühlten ‚Heimat‘ geworden.

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27 Responses to Gothic Friday – Januar – Bin ich schon drin?

  1. orphi 9. Januar 2011 zu 21:13 #

    Diese Aktion hier gefällt mir mit jedem Beitrag mehr. Es wird deutlich, aus welchen unglaublich unterschiedlichen Richtungen die Leute in die Szene gekommen sind. Vielleicht lüften wir so bald das Geheimnis, was des Gothics Kern ist. 🙂

    „Bin ich schon drin?“ ist ja so ein genialer Titel. Ich hab mich fast weggeschmissen vor Lachen. Die Musik scheint nach wie vor der Magnet zu sein, oder?

  2. Robert 9. Januar 2011 zu 22:47 #

    Vermeintlich Einblicke in die Lebensgeschichte von Menschen sind Lebensläufe, kalte aneinandergereihte Fakten, chronologisch sortiert und lückenlos gefüllt. Doch sie verraten nichts über den Menschen selbst. Dein Bild von Dir lässt Dich in einem ganz neuen Licht erstrahlen und zeigt eine andere als die von einem Blatt Papier mit dem Namen „Lebenslauf“ ich bin stolz, dankbar und froh das du teilgenommen hast und die Aktion mit deinem Artikel bereicherst.

    Ich finde es immer wieder spannend, wie man das Bild das man über denjenigen am anderen Ende des Monitors korrigieren, verbessern und neue formen muss um dann letztendlich doch zu merken, das man sich geirrt hat 🙂

    Eine wirklich tolle Zusammenfassung, die wieder einmal deutlich macht: Nichts ist klassisch, berechenbar und vorherzusehen. Wirklich ein toller Artikel!

  3. Guldhan 10. Januar 2011 zu 14:41 #

    […]„Die Krupps“ gehört hatte, aber niemanden kannte, der mir mal eine CD von denen ausleihen konnte. Krass, war aber so. Für die, die jetzt sagen: Konntest ja in den Mediamarkt gehen und dort mal reinhören. Das war auch nicht so einfach[…]

    Ja, das kenne ich auch noch zur Genüge. Und erlebe ich nun erneut. Denn ich war damals intelligent genug, die Kassettenhüllen leer zu lassen. Frei nach dem Motto: »Ich weiß ja was drauf ist«
    Ja, damals wusste ich das. Heute suche ich verzweifelt die Stücke, die ich irgendwann vor 14 Jahren mal überspielte und mich weder an Interpreten noch an den Titelnamen erinnern kann.

    Auch wenn es damals schwerer war hineinzuhören, so hatte es doch einen entscheidenden Vorteil zu heute. Man war nicht so übersättigt. Damals musste man suchen und war euphorisch, wenn man endlich das Album besaß.
    Heute bekommt man eine 50er-Spindel vollgepackter Rohlinge auf den Schreibtisch geworfen. Und mit den Worten: »Höre mal rein. Wirf weg, was du nicht brauchst« im Raum stehen gelassen. Damals was es noch gehuldigte Sammelware. Heute ist es gewöhnliches Massenprodukt.

    Post scriptum: Grüße an Leipzig, wenn du dort mal wieder bist. Nachdem ich von meiner Expedition in den Westen Deutschlands zurückkehrte, hatte ich das Vergnügen in dieser Stadt zwei Jahre zu studieren.

  4. shan dark 11. Januar 2011 zu 09:42 #

    @Guldhan: Oh, das ist natürlich kompliziert mit unbeschrifteten Kassetten. Hm. Aber wenn Du dann die mittlerweile unbekannten Stücke enträtselt hast, ist Dir die Euphorie sicher – so wie damals, wenn man eine gewünschte Musikperle endlich in den Händen hielt. Ich sehe das absolut genauso wie Du und krieg auch immer das kalte Grauen, wenn mir jemand eine CD mit zig mp3-files zum Reinhören oder wahlweise zum Entsorgen gibt. Es sei denn ich habe darum gebeten, was selten ist. Da sind wir einfach einen ganz anderen Umgang mit Musik gewohnt.

    Ich bin auch gern auf Youtube und freue mich, was man da alles entdecken kann – auch viele alte Sachen. Ich möchte das echt nicht mehr missen. Aber es gibt auch immer noch Raritäten, die man da oder bei itunes nicht findet. Wo man noch so richtig danach suchen muss oder sich bei Discogs auf die Warteliste setzen lässt. Um dann das Gefühl zu bekommen: mein Musikgeschmack ist so speziell, den gibt es nicht gratis für die breite Masse ;o) – so wird diese Musik auch wieder zum Geheimtipp und Musik-Geheimtipps sind heutzutage schon schwierig. Das muss man ehrlicherweise auch mal erkennen.
    Irgendwie wäre das auch mal ein gutes Diskussionsthema, vllt. auch für den Gothic Friday 😉

    @Robert: Danke, danke! *rotwerd* War das also ein positiver Irrtum? 🙂

    @Orphi: Ja, auch aus meiner Sicht ist die Musik wirklich zentral. Nicht immer der Grund für den Einstieg, aber grundlegend für den Verbleib in der Szene. Ich könnte mir gut vorstellen, dass einige der zeigefreudigen Gothic-Lolita-Modenschau-„Bitte-fotografiert-mich“-Püppchen auf dem WGT erstmal nur wegen der Mode mit der Szene in Kontakt kommen. Weil man hier eben auch diese Facette gut ausleben kann. Und weil ihnen die Aufmerksamkeit unbestritten sicher ist, wenn es schöne Kleider und sie selbst gut zurecht gemacht sind. Aber ich glaube nicht, dass eine(r) ohne irgendeine der Gothic-Musikströmungen zu mögen, in die Szene einsteigt. Die Auswahl ist ja groß genug. Oder umgekehrt wie früher in meinem Falle: Ich fand schon früher immer, dass die Dark Waver wesentlich besser und interessanter aussahen als alle (Düster-)Metaller zusammen, aber die Musik war damals eben nicht meins – zumindest nicht das, was ich davon kannte.

  5. Guldhan 11. Januar 2011 zu 14:29 #

    […]Aber wenn Du dann die mittlerweile unbekannten Stücke enträtselt hast, ist Dir die Euphorie sicher – so wie damals[…]

    In der Tat. Wobei die Euphorie sogar noch größer ist, als beim Erstkontakt. Denn etwas verloren geglaubten wiederzufinden ist emotionaler, als dieses erstmals zu erhalten. Dank meiner besseren Hälfte und eines sehr guten DJs hatte ich sogar schon das vergnügen. Über zehn Jahre suche ich eine Version von Moving Hands von The Klinik. Ich wusste, dass dieses auf einem Sampler gewesen war, der in der ersten Hälfte der 90´er herausgegeben worden war. Und so viele gab es ja nun auch nicht, zumal ich die „Verdächtigen“ auch eingrenzen konnte. Aber keine Chance. Den Originaltitel bekommt man hinterher geworfen, nachdem ich recherchierte, von wem das Stück gewesen war. Aber diese barbarische Live-Version mit PNE im Schlepptau war verloren…nun ja, fast.

    Auch wenn ich dahingehend fortschrittsfeindlich bin, so wich auch bei mir schon der Kassettenstapel plus Walkman dem iTunes. Und das CD-Wechseln erledige ich nun durch einen Schwenk mit dem Mousecurser. Aber dennoch würde ich nicht auf den Gedanken kommen, für ein reines mp3-Album Geld zu bezahlen. Ich finde dabei fehlt die Seele. Es wirkt farblos und banal. Somit hoffe ich, dass die Generation nicht irgendwann so stillos geworden sein wird und den materiellen Wert, den der Kauf eines Albums auch für den Käufer darstellt, für unnötig erklärt.

    […]Aber es gibt auch immer noch Raritäten, die man da oder bei itunes nicht findet.[…]

    Dieses merke ich immer wieder, wenn ich mich in den Gefilden des DarkAmbient oder selbst des Neofolk bewege. Dort liegen Schätze verborgen, die aber nicht um ihre Gunst werben. Die kaum gefunden werden können, wenn man nicht intensiv sucht. Ich habe das Gefühl, dass diese Sparte noch sehr viel wert auf Verschwiegenheit legt.
    Der Blaue Reiter beispielsweise. Ein unbeschreibliches Projekt, das man allerdings auch dementsprechend suchen muss.

  6. Karnstein 11. Januar 2011 zu 21:18 #

    Grandios – und sehr sehr parallele Grundentwicklung wie bei mir, so mit Punk > Metal > Goth 🙂
    Gerade den letzten Punkt finde ich auch besonders interessant und wertvoll an der schwarzen Szene – die Unabhängigkeit von Musik, was in meinen Augen auch an der in den letzten 20 Jahren gewachsenen Heterogenität der Szene liegt, die natürlich wiederum ein zweischneidiges Pferd ist.

    „Gothic ist für mich zum Lebensstil und zur gefühlten ‘Heimat’ geworden.“
    Amen, Schwester 🙂

  7. Madame Mel 12. Januar 2011 zu 12:23 #

    Ein schön geschriebener Bericht und interessant zu lesen, dass auch hier wieder die musikalische Initialzündung den Weg zur schwarzen Laufbahn geebnet hat.

    Bei mir war es im Jahre 1987 eindeutig die Musik von The Cure, Sisters, Siouxsie and the Banshees, Dead can Dance, The Mission, Clan of Xymox und Christian Death, die ich noch heute rauf und runter hören kann. Die Ärzte (die alten Songs wie Mysteryland, Dein Vampir) und Depeche Mode finde ich ebenfalls immer noch super. Von Bauhaus und Joy Division mag ich nicht alles und mit Alien Sex Fiend konnte ich mich nie richtig anfreunden (auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt mit virtuellen faulen Tomaten beschmissen werde). Auch die alten EBM-Klassiker finde ich noch gut, allen voran Poison/ Weatherman oder Damascus/Richard Strange. Mein erstes Vinyl war „The Head on the Door“ von The Cure.

    Ach, das war so ´ne Sache mit den alten Kassetten und apropo „unbeschriftet“:
    „Ich habe da einen neuen Song aufgenommen.“ „Oh ja, lass mal hören!“ Dann wird gespult und gespult… „Der ist bestimmt auf der anderen Seite!“… und es wird wieder gespult und gespult… „Nee du, der muss doch auf einer anderen Kasette sein“! Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spulen sie noch heute.

  8. Karnstein 12. Januar 2011 zu 12:59 #

    Oh mein Gott, ich habe wirklich „zweischneidiges Pferd“ geschrieben… das kommt davon, wenn man ursprüngliche Versprecher zu blöden Witzen macht und die dann so oft benutzt, dass es schon normal wird… 🙂

  9. orphi 12. Januar 2011 zu 13:37 #

    @Karnstein

    🙂 Wenn ich blöde Abkürzungen gut fände, würde ich jetzt LOL schreiben, wenn nicht sogar ROFL. 🙂

    @Madame Mel
    Ich stärk Dir mal den Rücken – von wegen virtuelle Tomaten – ich habe auch nie Bauhaus, Joy Division oder Alien Sex Fiend gehört. Nicht einmal The Mission oder The Damned. Hat mir nicht gefallen.

  10. shan dark 12. Januar 2011 zu 13:38 #

    @Karnstein: Da ich so schmunzeln musste, habe ich das Pferd drin gelassen…hihi. Sehr schön!

    @Madame Mel: He, Du bist ja ähnlich wie Orphi auch ein Gruftie/Waver der ersten Stunde. WOW! Ja in den 80er hatte Gothic von der Musik her schon einiges zu bieten… Die beiden von dir genannten Ärzte-Songs waren auch meine Favoriten, das zugehörige Album „Im Schatten der Ärzte“ ist bei mir hoch und runter gelaufen. Und keine Angst: wegen Alien Sex Fiend wirste nicht gesteinigt, ich finde von ihnen auch nicht alles toll – ich kann das von keiner meiner Lieblingsbands behaupten.

    Also nach der Kassettenzeit sehnt sich vermutlich niemand mehr zurück. Dieses Spulen war echt supernervig!

    @Guldhan: Wahr gesprochen: Bei mp3 fehlt die Seele. Es sind ja auch nur Dateien, zu denen man keine Beziehung entwickeln kann. Der haptische Aspekt fehlt. Die wärmsten Songs kommen irgendwie eh von Platte. Noch mal wg. dem lost-Klinik-Stück: wer oder was meinst Du mit PNE?

  11. Madame Mel 12. Januar 2011 zu 13:55 #

    @orphi
    Danke, dass ich in Hinblick auf ASF nicht alleine da stehe 😉

    @shan_dark
    Oh Mann, ich fühle mich gerade so unsagbar alt … wo ist mein Sarg? Wie das klingt, Waver der ersten Stunde… nun, ich kann es nicht verleugnen, wobei ich eher die 2. Generation nach den Batcavern bin 😉

  12. Robert 12. Januar 2011 zu 20:47 #

    @shan_dark: „War das also ein positiver Irrtum?“ So ist es, wobei ich sagen muss dass das Ausgangsbild in meinem Kopf nicht negativ war. Ein Irrtum war es, zu glauben, das es nicht noch besser sein würde 😉

    Übrigens: Ich bekenne mich zur Seelenlosen Musik! Als eingefleischter Musikhüpfer (mir fällt beim hören eines Songs immer ein weiterer ein den ich unbedingt hören muss) habe ich irgendwann alle meine Platten und CD’s in digitale Form gebracht und verbinde mit der festen Form nur nostalgische Gründe. Ich kaufe auch Alben als reine MP3, vor allem rein kommerzielle Sachen. Natürlich liebe ich auch weiterhin CD’s, allein schon wegen der Tatsache, das ich (wir) Musik hören, die nicht unbedingt immer als MP3 zu kaufen ist.

  13. Guldhan 12. Januar 2011 zu 22:39 #

    PNE…Kurzform für: Plastic Noise Experience. So war es auch auf dem Sampler verzeichnet »PNE & Dirk Ivens – Moving Hands« Deshalb brauchte es auch Jahre der Recherche, bis ich erstmal wieder herausfand, dass der Titel eigentlich unter Ivens The Klinik-Projekt lief.
    Jedenfalls ist PNE bei dieser Live-Version wohl die treibende Kraft. Denn so sehr ich Ivens auch mag, aber dessen Stimme eignet sich nur zum Flüstern. Jegliches Bestreben nach energischerem Ausrufen kann der Knabe knicken.
    Während hierbei der andere Kerl in alter Verzerrermanier gebieterisch mitgrölt. Und so dem Titel mehr Bösartigkeit verleiht.
    Zudem habe ich das Gefühl, dass bei der Aufnahme kein schnöder Rhythmuscomputer vor-sich-her-dümpelt. Sondern dass das Tier von der Muppet Show persönlich den Takt in die Boxen drischt. Alles in allem: Wer Moving Hands im Original mag, wird diese Version lieben. Eignet sich übrigens auch bestens um VNV-Groupies zu verschrecken oder Cyber wegzurempeln.

    Soviel ich weiß existiert eine ähnliche Variante auf einem PNE-Album. Theoretisch das Best of »Dead Or Alive« Aber eben nicht jene Version. Was mir aber nun egal ist, denn ich bin ja wieder stolzer Besitzer von dieser. Im Grunde fehlen mir nur noch drei Stücke…somit hochgerechnet 30 Jahre und ich habe alle Klassiker meiner Jugend wieder beisammen 😉

  14. shan dark 12. Januar 2011 zu 23:10 #

    @Guldhan: Aaaaah, Plastic Noise Experience! **an die Stirn fass** Ich muss dem Stück mal nachgehen. Du bist nicht zufällig auf dem WGT 2011 und kannst es mir auf Kassette mitbringen?? 😉 Naja, ich grabe schon mal vor…
    Toll, da hast sozusagen deine musikalische Jugend fertigrekonstruiert…
    Und sag doch bitte nicht „Knabe“ zu Dirk Ivens. Er hat schon eine markante Stimme, finde ich, aber andere haben bessere. Zum Bsp. der Sänger von Click Click.

    @Robert: Hach, da bin ich froh…
    Was den Musikhüpfer-Bekenner angeht: ich hab auch nicht behauptet, dass ich keine mp3s habe. Nur ich hab sie nicht so lieb 😉

    @Madame Mel: Stimmt, nur die Batcaver sind noch älter als Du 😉 …das war gemein, aber natürlich nicht so gemeint – sondern eigentlich bewundere/beneide ich Dich nur!! Peter Strange kannte ich übrigens noch nicht – gefällt mir gut. Danke.

  15. Guldhan 12. Januar 2011 zu 23:38 #

    Nun…der Knabe Kerl…Belgier hat eine markante Stimme. Ohne Frage. Und beweist bei den Verknüpfungen in meinem Artikel (Blok 57, DIVE) dass diese einen interessanten Kontrast zur Musik bildet. Aber eben nur im ruhigen Tonfall. Aggressives Brüllen kann man bei ihm nicht ernst nehmen.

    WGT 2011…ist es doch schon so spät. Gut möglich, dass wieder für einen Tag vorbeischaue. Oder mal wieder komplett auf dem Gelände herumturne. Wohne ja quasi um die Ecke. Aber aus dem nostalgischen Erleben einer Kassette wird es wohl nichts werden, da mir dahingehend sämtliche Aufnahmegeräte an Altersschwäche zusammenbrachen. Aber ich schätze ein Silberling würde es auch tun. … was ist Click Click?

  16. shan dark 13. Januar 2011 zu 07:35 #

    Kerl trifft es schon besser ;o)
    Wäre echt schön, wenn wir uns auf dem WGT mal in live treffen könnten, zum Austauschen von Gedanken und Silberlingen.
    Click Click gibt es auch schon ewig – britischer, eigenwilliger Elektro – hier eines meiner Lieblingslieder The Sack zum Reinhören.

  17. Madame Mel 13. Januar 2011 zu 14:57 #

    @shan dark
    Unsere Augenzwinkerei bzgl. des Alters geht völlig in Ordnung. Humor ist, wenn man auch mal über sich selbst schmunzeln kann 🙂

    Kurz was zu Robert Strange, der in unserem Land leider zu wenig Popularität gefunden hat: Er schauspielerte in Tim Burtons „Batman“ und war Mitglied der Proto-Punk-Band „Doctors of Madness“ (die einige ganz gute Stücke haben), die wiederum Bands wie Sex Gang Children und auch Alien Sex Fiend musikalisch und visuell inspirierten. David Letts „Vanian“ (der mit dem Vampir-Outfit) von „The Damned“ ist ein ehemaliges Mitglied von DoM.

    Mein London-Tipp (ich war selbst noch nicht drin, da „brandnew“): Strange´s „Cabaret Futura“, dazu ein Link http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/music/features/say-hello-again-to-the-new-romantics-1969896.html

  18. orphi 13. Januar 2011 zu 21:30 #

    Click Click klingt super!! Danke für den Tipp 🙂 Hab ich noch nie gehört vorher…

  19. tobikult 20. Januar 2011 zu 13:30 #

    So lange in Leipzig zu leben und dem WGT fern zu bleiben, wow, Deine Fähigkeit Dich von der Umwelt abzuschotten sind beeindruckend :-))

  20. shan dark 20. Januar 2011 zu 16:39 #

    Das geht schon – wenn man an Pfingsten immer nach Meck-Pomm fährt… 😉

  21. Tanzfledermaus 30. November 2015 zu 20:29 #

    Das Thema Musik entdecken und (wieder-)finden ruft auch bei mir einige Erinnerungen wach.

    Da ich in den später 80ern/frühen 90ern noch etwas abgeschieden auf einer Nordseeinsel lebte, kam ich auch nur nach und nach zu neuem musikalischen Input. Hauptsächlich durch schwarze Brieffreunde, die mir Kassetten überspielten oder durch Bandvorstellungen bzw. Plattenrezensionen im „Zillo“. Nach ein paar Reinfällen sah ich jedoch davon ab, mein eh schon rares Taschengeld durch euphorische „Blindkäufe“, die oft zu Enttäuschungen führten, zu verschwenden. Witzigerweise bescherte mir der Blindkauf meiner Mutter eine Stone Roses-LP, die ich inzwischen sehr mag. Ich habe es dann vorgezogen, bei meinen Berlin-Besuchen mit einer langen Liste in die Musikläden zu gehen, wo man sich Alben probeweise anhören konnte. Da verbrachte ich dann Stunden…

    Ein Freund von mir ist auch heute immer noch auf der Suche nach Songs, die er sich früher aus diversen Radiosendungen aufgenommen hat. Er nannte die Tapes bezeichnenderweise „Unknown Pleasures“ – nach dem Joy Division Album – und konnte auch mithilfe des Internets noch nicht alles entschlüsseln.

    Ich hab in den 80ern auch einige Radio Kassetten aufgenommen und war immer furchtbar enttäuscht, wenn ich zu spät reinschaltete und den Titel nicht mitbekam oder dieser erst gar nicht genannt wurde. So hatte ich z.B. sehr lange Zeit „true faith“ von New Order auf Band, ohne zu wissen, von wem das ist. Als der Song dann mal in einem Club lief und ich ihn erkannte, raste ich natürlich sofort nach dem Tanzen zum DJ, um die Bildungslücke zu schließen 😉

    Vor wenigen Wochen überraschte mich dann beim Gucken des „Tatorts“ am Sonntag eine Szenerie, wo ein recht 80er-wavig-angehauchter Song im Hintergrund gespielt wurde. Meine ersten Assoziationen waren Cocteau Twins oder The Vyllies. Aber es war ein Song von 2009 der Band Desire, die sonst keine wirklich wavige Musik macht… Den Songtitel („under your spell“) bekam ich aber auch erst nach sehr mühsamer Recherche heraus.

  22. Shan Dark 2. Dezember 2015 zu 23:10 #

    Hallo @Tanzfledermaus,
    danke Dir für Deine Erinnerungen und Geschichten – sehr interessant und man wird ein bisschen melancholisch. „Unknown Pleasures“ ist ein schöner Albumtitel. Heute kann man solche Alben mit Unbekanntem kaum noch zusammen stellen. Vieles ist digitalisiert oder wird von Apps erkannt. Wiederum hat mein Freund auch noch einige ihm unbekannte Stücke, die keine App kennt und auch sonst bisher niemand. Still searching…
    Dieser Artikel „von Plattentouristen und Musikjägern“ könnte Dir auch gefallen – ähnliches Thema 😉

    Parallel läuft hier gerade das Stück von Desire, was mir auch gut gefällt.

  23. Gruftfrosch 26. Februar 2016 zu 16:00 #

    Könnte sein, dass man sich im Biergarten Dieburg vielleicht sogar unbekannterweise schon mal über den Weg lief?! War dort seit meiner Ausbildung ab 2004 mit einem Kumpel ein paar Mal und auch danach bis etwa 2012 durfte ein Abstecher dorthin nicht fehlen, wenn ich mal für nen Lehrgang im RMG war.

    Mit Alien Sex Fiend werd’sch irgendwie nicht so richtig warm. Ich würde lügen, wenn ich sage (schreibe), ich hätt’s nicht versucht…Würd nüscht.

  24. Gruftfrosch 26. Februar 2016 zu 16:10 #

    @Kann man hier auch editieren und ich bin bloß wieder mal zu blöd, das zu entdecken? Egal…

    Mit mp3 verhält es sich, wie mit den E-Books…sehr praktisch…schon klar…aber mir sind „echte“ Bücher mit all ihren Gerüchen, ihrem Vergilben, ihrer Haptik einfach lieber…da bin ich nostalgisch…

    Too many screens in my life…

    Die Welt des Internets und mp3 eröffnen die Chancen auch an Musik zu kommen, deren Tonträger längst vergriffen, unsagbar teuer oder verschlissen sind. Gerade bei Ersterem ist meine Ungeduld (bin Widder…durch und durch) dem Gegenüber ganz und gar nicht verschlossen. 😉

    Click Click is ja geil…Merci Beaucoup

  25. Shan Dark 26. Februar 2016 zu 19:03 #

    Lieber @Gruftfrosch: Nein, leider kann man in meinem Blog nicht editieren. Ich muss mal gucken, ob ich das nachrüsten kann, nutze ich nämlich auch oft bei Spontis.
    Wusste ja gar nicht, dass Du Deine Ausbildung hier gemacht hast in Rhein-Main!? Glaube fast nicht, dass wir uns begegnet sind im Biergarten, weil ich echt sehr selten da war, zumindest ab 2004 echt selten. Es war schon ein Eck weg von Mainz. Und leider, Du weißt es vllt. schon, war dort vor 2 Wochen die Closing Party. Er macht zu, mittlerweile zu wenige Gäste. Gerade ist hier im RMG auch ein ziemliches Partysterben und -verringern. Aber wir sind trotzdem noch gut dran, im Vergleich zu anderen Regionen, was ich immer so höre.

    ASF sind wirklich polarisierend: entweder es packt einen gleich oder nie, würde ich behaupten. So mit durch mehrfach hören dann dran gewöhnen, das geht bei Alien Sex Fiend einfach nicht. Aber freu mich, wenn es mit Click Click geklappt hat. Weiterer Tipp zum Hören, von einem der letzten/neueren Alben „Rats in my bed“. Die sind schon sehr geil und stehen noch auf meiner Must-see-live-Liste.

  26. Shan Dark 26. Februar 2016 zu 19:11 #

    Also Hurra, ich hab nachgerüstet – Du/Ihr könnt die Kommentare jetzt 5min lang nachbearbeiten / editieren. Hätte ich schon längst tun sollen, daher danke für den Anstoß, @Gruftfrosch!

  27. Gruftfrosch 26. Februar 2016 zu 23:55 #

    Ach echt, vor 2 Wochen erst? Ich habe ehrlicherweise gedacht, der Biergarten hätte schon lange zu. Da läuft schon seit Jahren immer weniger und man stieg auch immer mehr um auf so Mainstream-Scheiß…Klar, in der Not. Ich hab mit meinem Kumpel mehr als einmal gegrübelt…was da los is, dasses net mehr zieht…Schade eigentlich, aber du kannst den Hund nicht zum Jagen tragen.

    Jo, die Ausbildung war zum Großteil in Langen.

    Supi, das mit dem Editieren, wo ich doch immer schneller denke als schreibe und somit einen Fehler nach dem Anderen produziere….Danke 😉

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