Von Plattentouristen und Musikjägern

Musikerinnerungen unter Denkmalschutz

Seitdem das Internet flächendeckend um sich greift, werden alle zu Zeitzeugen, die vor 1980 geboren sind. Denn nicht nur Tonträger haben sich verändert vom „schwarzen Gold“ (=Schallplatten) über Kassetten und CDs hin zu praktischen mp3-Dateien. Auch die Art und die Möglichkeiten der Suche und ‚Musikjagd’ nach seltenen, untergrundigen Stücken ist heute eine andere. Schwierig war es – und erforderte mehr als nur daheim bei eBay, Discogs, Amazon oder Youtube die Suche-Funktion zu bedienen.

Aber wie kamen wir früher an neue, unbekannte und alternative Sounds? Was gehörte zum Handwerkszeug eines Musikjägers am Ende des letzten Jahrtausends? Als es noch kein Internet gab, keine mp3-Dateien und keine USB-Sticks, um Musik auszutauschen?

Kennt noch jemand…

  • einen Plattenladen-Besitzer?
    So als Freund? Das war in den 80er/90ern sehr wichtig, wenn man neue, alternative Musik ergattern wollte. Hattest Du einen guten Draht zu deinem „local Dealer“ sagte er dir schon vorher, welche neuen Alben bald das Licht der Welt und seinen Laden erblicken.  War es wirklich ein Freund und/oder du als kaufkräftig bekannt, rief er dich auch an, sobald die Schätzchen im Plattenladen eintrafen. Dann war vor allem eines wichtig: UNVERZÜGLICH den Laden aufsuchen! Du musstest noch vor den DJs in town dort eintreffen, die von den Inhabern exklusiv mit „Neuware“ versorgt wurden und meist die spärlich gelieferten Raritäten restlos wegsaugten.
  • Plattenbörsen?
    Perfekt für Freaks und Sammler zum „Vinylshopping“, wie man es heute auch nennt würg. Plattenbörsen sind wie Flohmärkte für schwarzes Gold und Silberlinge – meist kauft, ab und zu tauscht man dort auch. Die gibt es noch heute, aber selten. Auf einer Plattenbörse befanden wir uns in einem längeren Rausch. 4-5 Stündchen waren rum, bis wir völlig unterzuckert und mit starrem Blick von den Plattenkisten aufblickten und entfremdet unsere schwarzen Fingerkuppen betrachteten. Tatsächlich, die waren schwarz vom Plattenhüllen durchwühlen!
     
    Außergewöhnliche Alben erfragten wir direkt beim Plattenverkäufer. Falls wir mal ein Stück aus dem Radio aufgenommen hatten, von dem uns weder Interpret noch Titel schwante, hängten wir dem Verkäufer unseren Walkman (mobiles Kassettenabspielgerät) mit dem aufgenommenen Stück ans Ohr. Manchmal wusste er, was es ist – meist aber nicht. Von einer App, die Musik erkennt wie „SoundHound“ oder „Shazam“ konnten wir noch nicht mal träumen, weil wir nicht wussten, dass so etwas überhaupt möglich ist.
  • Plattentourismus?
    In fremde Städte zu fahren, nur um etwas anzusehen – schön und gut. Perfekt war es aber, wenn wir dort einen Plattenladen oder Shop für Underground-Fashion und darin die ein oder andere Rarität ausfindig machen konnten. Eventuell ergatterten wir dort etwas, was in den heimischen Breiten niemand hatte oder kannte – YEAH! Die Plattentüten dazu bewahrte mein Freund auf – damit er den Shop beim nächsten Städtebesuch auch wiederfand (meist war ja die Adresse vermerkt).
Schallplatten-Tueten-small

Plattentourismus: Erinnerungen in Tüten ODER Tüten voller Erinnerungen

 

  • Mailorder-Kataloge von Infrarot oder Indietective?
    Ja, wir reden nicht von Online-Shops (bei Indietective übrigens inklusive Augenkrebs). Auf der Suche nach Raritäten durchforsteten wir die drögen Papier-Kataloge im A5-Format, in denen Schallplatten, MCs und CDs in in Schriftgröße 8pt oder eher noch kleiner gelistet waren. Kein Spaß, aber öfters mal erfolgreich!
  • WOM, Virgin Stores oder Saturn-Hansa in Frankfurt?
    So richtig Musik zum Anfassen, Stöbern und vor allem Reinhören. Die WOM-Filialen gibt es heute gar nicht mehr (nur noch online) – die hatten aber die breiteste Auswahl an untergrundigem Zeugs und auch Alben weniger bekannter Bands. Bei WOM habe ich das eine oder andere entdeckt, weil man auch mal „reinhören“ konnte. Das war vor YouTube nämlich auch so ein Problem: selbst wenn wir in Szene-Zeitschriften von Bands und Alben erfuhren, war noch lange nicht klar, wie es klang und ob es einem gefiel. Mitte der 2000er Jahre brachten dann genau aus diesem Grund die Gothic-Magazine Zillo oder Sonic Seducer regelmäßig CD-Beilagen mit Neuvorstellungen heraus. Aber früher galt: Gehe in einen WOM oder Virgin Store und du kannst mal ohne Geldausgeben horchen, ob es dir gefällt. Musikläden waren theoretisch auch geeignet, aber die waren nicht alle so freizügig mit dem Öffnen von Platten oder versiegelten CDs. Und mein schlechtes Gewissen war zu groß, wenn ich es dann doch nicht kaufte.

granny djHeute sind alle fünf Musikerinnerungen fast tot und überleben nur noch bei Nostalgikern. Kaum einer wünscht sich diese alten Zeiten der Musikjagd zurück. In den 80/90ern gehörte eine Menge Zeit, Aufwand und Enthusiasmus dazu, ein bestimmtes Stück oder Album zu finden. Manchmal dauerte es tatsächlich JAHRE! Freunde in der Underground-Musikszene sendeten sich Kassetten mit Aufnahmen zum Reinhören zu – „Vitamin B“ war wesentlich wichtiger als heutzutage. Kanntest du keinen, der viele Platten oder Musik hatte und dich damit etwas ‚versorgte’ oder mit dem du tauschen konntest, dann war alles noch zeit- und geldintensiver als so schon. Man musste eben ein echter Freak sein und „Musikbesessenheit“ war Grundvoraussetzung.

Der Vorteil, den ich damals zu heute sehe: gute und seltene Szene-Musik hatte eine gewisse Exklusivität und Stellenwert. Als erfolgreicher Musikjäger ergatterte man etwas Besonderes, das kaum einer kannte und auf das man stolz sein konnte. Es war Beute, die man „für sich“ hatte. Es war nicht in YouTube zu finden und wurde nicht auf Facebook gepostet. Es ist nur eine Vermutung, aber nach einer erfolgreichen Musikjagd hatten vielleicht die wenigsten Lust darauf, ihre Raritäten mit dem halben sozialen Netzwerk zu teilen. Das hob man sich für besondere Anlässe auf, wie die nächste private Fete oder um Mädels zu beeindrucken (am Ende geht es immer nur darum 😆 ).

Wiederum konnte sich Musik auch nicht so schnell verbreiten und bekannt werden, wie das heute der Fall ist. Ich schätze, das ist auch der Grund, warum man aktuell so viele Untergrund-/Minimal-Sachen aus den 80er findet, die man damals einfach nicht zu hören bekam. Zum Beispiel Bands wie „Keine Ahnung“ oder „Berlin Express“, deren Alben in den 80ern wohl nur in einer kleinen Auflage gepresst wurden oder es gar nicht erst bis dahin geschafft haben, aber später vielleicht auf einen Sampler mit draufgenommen wurden.

Auch heute ist es nicht soooo leicht, ein seltenes Musikschätzchen zu ergattern, was wirklich gut und unbekannt ist. Gerade weil mittlerweile alles zugänglich ist. Zum Entdecken eignen sich Unterground-Parties in anderen Städten und besonders auf dem WGT sehr gut. Dort hört man nicht nur die lokalen „Szene-Hits“, sondern die DJs spielen das, was sie mögen oder in ihren Clubs gut läuft und daher gänzlich unbekannt ist. In solch einem Fall einfach den DJ nach dem Interpreten fragen… Ist dieser dann weder bei YouTube o.ä. zu finden oder nicht anhörbar wegen „Das-tut-uns-leid“-Musiklizenzen, kann man bei Discogs danach stöbern oder sich bei eBay auf Dauerlauer legen. Etwas warten gehört schon dazu, aber die Zeit kann man heute ja auf der Couch verbringen…

Was sind eure Musikjagd-Erlebnisse – von früher oder heute? Wünscht sich noch jemand „die alten Zeiten“ zurück?

 

0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes

Einfach Dranbleiben!

Skurriles, Düsteres, Morbides im Abo! Vernetze Dich mit dem schwarzen Planeten & Shan Dark:

,

12 Responses to Von Plattentouristen und Musikjägern

  1. ulf_der_freak 5. März 2012 zu 00:27 #

    Zurückwünschen? Weniger. Meine Plattensammlung nimmt im mp3-Format sehr viel weniger Platz weg und ist gleichzeitig viel leichter zu durchsuchen nach irgendwelchen Sachen.

    Klar macht stöbern auch Spaß, aber ich bekomme ja meine Exoten frei Haus geschickt und bin dann der, der die Tips verteilt… 😀

  2. Schatten 5. März 2012 zu 01:15 #

    Wunderbarer Artikel! Ich bin ja selbst großer Platten-Freund und Sammler, die Teile sind aber auch einfach genial, meine erste Platte habe ich mir sogar gekauft noch bevor ich einen Plattenspieler hatte 😀
    Hab mir für Platten dann immer die Zeit genommen, mich ewig lang in unser Gartenhaus zu setzen da wir nur da nen Plattenspieler hatten.
    War übrigens Live in NYC von den Casualties 😉

    Seitdem is meine Plattensammlung stets gewachsen vorallem dank dem Fach in der verschwindend kleinen Vinyl Abteilung im Saturn in Fürth mit der Aufschrift „Diverse Platten 5 €“ Da hab ich schon so einige nach Gutdünken gekauft einfach in der Hoffung das sie gut sind 😀
    Irgendwann hab ich dann den kleinen Plattenladen entdeckt der auf meinem Schulweg liegt und in dem ich schon so einige tolle Sachen erstehen konnte, auch da hab ich einige neue Entdeckungen gemacht, da der eine Kiste hat mit günstigen Platten die alle nicht mehr als 3 meistens 2 Euro koste und so musste ich in dieser Kiste immer nur drauf achten das auf den Aufklebern auf der Hülle über dem Preis in kleiner Schrift „Wave“ steht. 😉 Auch nutze ich gerne große Flohmärkte wo man manchmal Platten zu Spottpreisen kriegt. So kam ich zum Beispiel an Styx’s Kilroy was here, den Lost Boys OST und ne Platte von Nichts für gesamt 3 Euro, nicht alle meine Beutestücke von dem Tag aber schon ein guter Einblick.

    Natürlich sind nicht alle Platten so billig ich hab auch schon oft genug Platten für 20 Euro gekauft, was aber eher länger gehegte Wünsche waren.

    Und ich freue mich jedes Mal bei ner neuen Scheibe wie ein Schneekönig =D
    Wenn man mal vom Internet absieht, sind Platten heute sogar noch schwerer zu bekommen, da die nicht mehr in jedem Laden erhältlich sind^^

    So zum Schluss noch ein Kommentar dazu:
    „Das hob man sich für besondere Anlässe auf, wie die nächste private Fete oder um Mädels zu beeindrucken (am Ende geht es immer nur darum 😆 ).“

    Ja, wenn man es bei den richtigen Mädels macht funktioniert das sogar immernoch, ich muss es wissen ich mache das 😀 Hach ja meine Original „Seventeen Seconds“ von ’80 hat so viele tolle Aspekte xD

  3. solitary_core 5. März 2012 zu 06:06 #

    ich weis das mein Vater in der DDR bewaffnet mit Magnetband-Band-Gerät laufend Radiosendungen mitschnitt und später auch die Lieder vom quasselnden DJ befreit hatt, sofern er mehrere Aufnahmen desselben Songs hatte …

    da ich ’81 geboren wurde gehöre ich eher zu den spätgeborenen, allerdings spüre auch ich heute die immer kleiner werdenden MusikLäden, vorbei die Zeit als die TechnoEcke beim Elektronik-Fachmarkt deiner wahl sich auf 3-10meter Regale ausweitete, heute is es eher glück mal nen Album zufinden, mein einziges Album was ich habe is „Angerfist – Retaliat3“ 2011 , war tatsächlich Glück das ding bei MM zu finden

    inzwischen hab ich das Gefühl das alle andren nur noch HipHop höhren, einige Metal und Rockfans scheint es auch noch zu geben aber die Techno-Abteilung ist verdammt geschrumpft, selbst sachen wie DreamDance und so is schwer zu finden in meiner Gegend …

    in meiner Schulzeit kamen die CD’s ja auf in meiner Gegend, damals hatt mich die Thunderdome-Reihe am meisten beeinflusst, in gewissen Foren war das auch die MainstreamZeit von Hardcore 😀

    Wir hatten damals eben alle Kassetten-Recorder und Walkmans (hab die Dinger bis 2001 benutzt XD ) und die Schule war meist der Hauptumschlagsplatz für Musik.

    soviel hatt sich im Grunde also nich geändert, immernoch werden Radiosendungen mitgeschnitten, auch wenn es dank des Internets nun eine deutlicher grössere Auswahl gibt, noch immer wird an Schulen Musik getauscht ( oder eben Klingeltöne im Handy … ), nur is es gelegentlich einfacher an Sachen ranzukommen wenn man weis wo man suchen muss 😀

    MailOrder Dinger kenn ich auch, auch wenn ich eher beim TheoKranz-Versand geordert hatte, und auch keine Musik sondern VideoGames, Jugendschutz und so gabs ja auch schon ’94 rum [ Killer instinct für das SNES, netter Prügler mit nen Alien, nen Roboter, nen Klondino, nen WerWolf und nen Skelett, abgedreht bis zum gehtnichmehr XD ], EMP war bekannt aber die waren ja eher Metal/Rock …

    heute gibs ja eBay und Amazon, gegebenfalls auch an InternetRadio-angegliederte Shops (der Rige-shop zb von hardcoreradio.nl ), richtige Raritäten findet man ab und zu auch in An und Verkäufen habe da ne Erstauflage von der 1992er Thunderdome gefunden 🙂 (damals gabs noch „german editions“ , heute weis ich das die in der Regel die härteren waren mit weniger „happy hardcore“ Anteilen )

  4. mattensan 5. März 2012 zu 09:21 #

    Wundervolle Erinnerungen. Auch bei mir stand erst die Platte zu Hause, dann wurde erst das entsprechende Abspielgerät dazu erobert. Die Mechanismen die du beschrieben hast waren für den geneigten Metalfreak wie mich absolut identisch. Allerdings haben in den 80ern / 90ern sämtliche Metalheads, die was auf sich hielten auch selbst irgendwas in irgendeiner Band gespielt, woraus sich eine Beschaffungsmöglichkeit als besonders wichtig herauskristallisierte: Vitamin B und der persönlich Austausch. Wobei man natürlich nur mit den allerbesten Kumpels die wirklich wichtigen Sachen tauscht 😉
    Für Kinder vom Land waren die Plattenläden eigentlich grundsätzlich mit einer beschwerlichen Reise verbunden, auf jeden Fall vor Erreichen der Volljährigkeit. Aber genau das machte den Ausflug in die nächste grooooße Stadt immer zu solch einem phantastischen und befriedigendem Erlebnis: Voller Vorfreude rein in den ÖPNV, nach 2 Stunden Fahr- und Wartezeit raus und ab in die von irgendwelchen Bekannten empfohlenen Läden. Stundenlanges Stöbern (schon allein, um die im Laden laufende Musik zu geniessen), und dann die gegenseitige Präsentation eroberter Schätze auf der Rückfahrt. Hach.
    Inzwischen weiß ich allerdings auch die Bequemlichkeiten der heutigen Jagd zu schätzen. Ich denke, ich bin vom Jäger zum Sammler mutiert, denn jagen ist das ja nicht mehr wriklich heute, eher finden. Aber die Möglichkeiten des vorherigen Hörens finde ich durchaus angenehm. Allerdings verliert man doch recht schnell den Überblick über die eigene Sammlung, vieles ist sogar noch ungehört. Unerhört! Naja, falls noch mal ein Umzug ansteht freut man sich wieder, nicht 5000 Alben oder CD’s einpacken und schleppen zu müssen. So, jetzt gehe ich mal wieder etwas sammeln, habe schließlich einen Tag Urlaub. Ok, ich „sitze“ jetzt mal etwas sammeln….

  5. Marcus 5. März 2012 zu 09:43 #

    Dem Gefühl, dass Musik früher scheinbar einen „höheren“ Wert hatte, kann ich mich nicht verwehren. Trotzdem wünsche ich mir diese Zeit nicht zurück. Mittlerweile bevorzuge ich durchaus das „handliche“ MP3-Format. Die damalige Zeit der „Musikjagd“ möchte ich allerdings auch nicht missen. Hat so manch ergattertes Vinyl doch ein breites Grinsen auf das Gesicht gezaubert. Zwar war das „Stöbern“ in Katalogen durchaus beschwerlich (oh ja, die Schrift war wirklich verdammt klein), nichtsdestotrotz stellte es eine schöne Freizeitbeschäftigung dar. Auf Verdacht habe ich mir regelmäßig LPs für je eine Mark bestellt. Zugegeben: Manche davon fanden den Weg auf meinen Plattenspieler nur selten. Doch hin und wieder befanden sich unter diesen Verdachtskäufen wahre Schätze. Und in Zeiten von Youtube ist es umso erstaunlicher, wenn von diesen im Internet keinerlei Klänge zu hören sind. So muss dann doch der gute, alte Plattenspieler seinen Dienst verrichten.

    Gerne erinnere ich mich an den kleinen Plattenladen meines Vertrauens. Zum Reinhören in die Platten stand ein einziger Plattenspieler zur Verfügung. Ohne Kopfhörer. Der komplette Laden wurde beschallt. So entdeckte ich u.a. die „Dead Kennedys“. Als eine allzu grausliche Popscheibe abgespielt wurde, musste anschließend unbedingt für einen Gegenpol gesorgt werden. Und da ich in diesem Augenblick gerade den Punk-Bereich durchforstete und dabei das legendäre „Fresh Fruit For Rotten Vegetables“-Album in Händen hielt, ließ ich dieses kurzerhand auflegen. Es war eine helle Freude, die Veränderungen in den Gesichtszügen der anwesenden Charthörer zu beobachten. Die Platte wurde natürlich umgehend in den eigenen Bestand aufgenommen…

  6. Pixella 5. März 2012 zu 20:14 #

    Ich liebe Platten! Die Vinylschätze haben für mich im Gegensatz zu CDs noch einen richtigen Wert. Auf Flohmärkten werden immer alle Plattenkisten durchwühlt und tollerweise haben wir hier in MS mehrere Läden in denen man noch Platten kaufen kann.:D
    Kassetten sind in unserem Haushalt übrigens genauso beliebt.;)

  7. Ma Rode 6. März 2012 zu 07:38 #

    Ich bin großgeworden mit Schallplatte und Tonbandgeräten. Die Musik-Kassette war damals eine Revolution! Im Radio gab es täglich (?) eine Sendung, die Mitschnittservice anbot: „Duett – Musik für den Recorder“. Das hiess, zweimal eine halbe Stunde Musik zum Mitschneiden ohne reinquasseln. Vorher wurden die Titel angesagt. Das half beim Archivieren. Wie anstrengend. Wie kultig!

    Am eindrucksvollsten war für mich, in den 1980er Jahren in Ungarn eine Schallplatte gekauft zu haben, die es bei uns nicht gab (nicht mal unterm Ladentisch): Jean Michel Jarres Zoolook.

  8. r@zorbla.de 11. März 2012 zu 10:19 #

    Oh. Ich gehöre dazu… Ich kannte mehrere Händler in verschiedenen Orten. Teilweise rieche ich förmlich noch das durchdringende After Shave des einen und den muffigen Plastikduft beim andern.

    Und obwohl ich es durchaus auch praktischer finde mit digitalen Formaten zu arbeiten (man stelle sich z.B. mal einen mobilen Plattenspieler „für die Hosentasche“ vor ;-)) bin ich dem Vinyl nicht gänzlich abgeneigt. Einer meiner ollen Technics hat voriges Jahr sogar einen neuen Tonabnehmer spendiert bekommen.

    Was ich mir jedoch hauptsächlich zurückwünsche ist nicht das Format an sich – auch wenn es z.B. viel kultiger ist, die großen Maxi-Cover anzusehen statt nur Bilder davon auf einem Bildschirm zu betrachten. Ich wünsche mir eher die Qualität der Inhalte zurück. Ich habe den Eindruck, dass heute einfach Masse statt Klasse zählt. Da gibt es dann von einem Titel eine „EP“ oder „Single“ im MP3-Format, und da sind dann mehrere ganz üble Nullachtfuffzehn-Remixe drauf, die sich keine Sau anhören will. Auf meinen Vinyls sind derartige Fehlgriffe dagegen äußerst selten zu finden.

    Und die wirklich interessanten alten Sachen werden auch nur manchmal ins digitale Zeitalter geholt. Mein Fazit: Der Plattenspieler hat noch nicht ausgedient.

  9. shan dark 13. März 2012 zu 22:44 #

    Hach HERRLICH, Eure Erinnerungen zu lesen… **schmelz** toll!!

    In einigen Geschichten fand ich mich richtig wieder, z.B. dass es in den meisten Läden nur einen Plattenspieler gab oder dass man länger im Laden blieb um die ‚laufende‘ Musik zu genießen (wenn sie denn gut war). Und tatsächlich lassen sich heute auf dem Flohmarkt oft Platten für 50 Cent bis 1 Euro erstehen – kaufen wir auch noch oft. Auch wenn (leider) nicht immer ein Schildchen mit „Wave“ draufklebt :D.

    Von Sendungen, die extra „ohne Reinplappern“ zum Aufnehmen ausgestrahlt wurden und das in der DDR, hab ich dagegen noch nie was gehört – aber extrem zuvorkömmlich. Ich habe es gehasst, wenn die da immer was reingesabbelt haben – oder zur Abwechslung dann bei einem tollen Lied die Kassette zuende war. Nee, also nach Kassetten sehne ich mich gar nicht mehr. Das war mir alles zu umständlich und auch von der Qualität her auf die Dauer nix. Unerreicht sind Kassetten nur, wenn es um Mixtapes geht – totaler Kult. Mixtapes auf CD sind einfach nicht dasselbe!

    Apropos Qualität: Gebe Dir völlig recht, r@zorbla.de – aber kann es mir nur so erklären, dass ein mp3-file eben nicht mehr so hohe Produktionskosten (wenn überhaupt) hat. Daher wird weniger ausgesiebt.

    Solitary_core, irgendwie hast du recht damit, dass es heute in einigen Bereichen immer noch so ist. Bei allem, was nicht einfach erhältlich ist wie Spiele z.B., weil zensiert, verboten, teuer oder rar geht das so ähnlich ab wie früher bei der Musik.

  10. Schattenloser 27. März 2012 zu 20:47 #

    In Mainz kannte ich einen guten Plattendealer. Rockpile hieß der Laden und war in den frühen 90igern meine Anlaufstelle, um von ihm persönlich und maßgeschneidert mit neuer Musik versorgt zu werden.
    Er stellte mir im Jahr 1993 das Debut einer vollkommen unbekannten Gruppe aus Norwegen mit einem unaussprechlichen Namen vor 😉 (Apoptygma Berzerk).

    Ansonsten war das Zillo seit der Ausgabe 1 im Januar 1990 mein absoluter Favorit, um die neuesten Infos über meine Musik zu bekommen.

    In den frühen 80iger Jahren gab es vereinzelt im Musik-Express die ein oder andere Seite über die sogenannte Indie-Musik. Das merkwürdige Spex-Magazin habe ich mir auch immer wieder mal zugemutet. Damals waren zumindest für mich Informationen über den musikalischen Underground nur sehr schwer zu beziehen. Das mag auch daran gelegen haben, dass ich als musikalischer Einzelgänger ohne Clique unterwegs war.

    Wenn ich noch weiter zurückdenke, also an meine Vinyl-Frühphase, fallen mir die Jahre zwischen 1981 und 1984 ein. Der Beginn meiner noch immer andauernden Musikleidenschaft.
    Die klassische Zeit des New Wave, in der ich die Schallplatten von Flock of Seagulls, Tears for Fears oder Kim Wilde im Kaufhaus in Mainz ergattern konnte.

    In regelmäßigen Abständen bin ich damals in die sehr gut sortierten Schallplattenabteilungen von Karstadt oder Massa (heute Real) gepilgert und habe mit großen Augen nach Neuvorstellungen meiner Lieblinge gesucht.
    Manchmal mußte ich entäuscht und mit leeren Händen den Heimweg antreten, meist mit dem Rad eine halbe Stunde zurück nach Rüsselsheim.
    Aber das ein oder andere Glücksgefühl, wenn ich eine Platte finden konnte, ist mir heute noch sehr gut in Erinnerung.

    Diese Schätze waren mir so wichtig, dass ich Datum und Kaufpreis notierte.
    So kann ich noch immer nachvollziehen, dass ich am 28. April 1983 für 14,90 DM die LP „Listen “ von Flock of Seagulls in Mainz bei Karstadt gekauft habe 🙂

    Ab Mitte der 80iger Jahre erweiterte sich mein Einzugsgebiet. Mainz ließ ich für einige Jahre mehr und mehr links liegen. Die großen Läden wie WOM, Virgin oder HMV in Frankfurt wurden zu meinen Pilgerstätten. Es gab eine so riesige Auswahl an Platten, später auch CDs, für den Underground, dass man heute beim Besuch bei WOM Tränen in die Augen bekommt.

    Aufgrund dieser Erfahrungen genieße ich heute die einfache Möglichkeit zum Kauf von CDs über Amazon sehr!
    Aber die schönen Erinnerungen an die mühsame Beschaffung der alten Schallplatten kann mir auch niemand mehr nehmen 🙂

  11. ProtoVision! 17. Mai 2012 zu 04:26 #

    Wunderbares Thema, schön welche Erinnerungen sich dabei teilen lassen, keine Ahnung wie ich meine Erlebnisse schildern soll, es sind so viele! Obwohl ich leider erst 1987 begann Platten zu kaufen, hatte mich der Vinylvirus sofort befallen und jede übrige Mark ging ins schwarze Gold! Im beschaulichen Aschaffenburg gab es einen tollen Laden mit gutem Sortiment für alles was den Dancefloor antrieb der Ohrwurm hieß! Dort kauften damals die DJ’s der Region und alle die Abseits des Mainstreams unterwegs waren ein. Ebenfalls wurde natürlich das WOM/Saturn und andere Frankfurter Shops immer wieder abgeklappert, dann im ganzen Rhein-Main Gebiet und die dt. Metropolen.

    Anfang der 90er als es mit dem Vinyl Abwärts ging und viele Plattenläden schlossen oder abgegrast waren, wurde die Plattenbörsen interessant – bis hin zu den Megabörsen von ARC, die größte in Utrecht war von 97-2001 zweimal im Jahr für mich Pflicht, bis ebay so etwas überflüssig machte, im Nachhinein wirklich schade, aber der „Fortschritt“ kommt leider schleichend! Genauso wie die digitale Revolution, die bei mir bis heute kaum zugeschlagen hat…
    …ich kann Musik so nicht genießen, ist mir einfach zu clean, sogar den schlechten Rips von Vinyl fehlt der Charme und wenn DJ’s mit dem Laptop auflegen, wirkt es für mich immer als wenn die Leute im Büro sitzen – vom Mixprogramm für den sauberen Übergang ganz zu schweigen!

    Anfang der Neunziger war es auch, als mir eine englische Pressung von der Speak & Spell in die Hände fiel und mir der Unterschied zu meiner dt. Pressung bewusst wurde, das Artwork des Covers wurde auf dem Label und der Seitenfalz fortgesetzt, die hiesigen Pressungen hatten auf der schmalen Seite eine Einheitsschrift und das Label war langweilig einfarbig, außerdem war anstatt Dreaming Of Me das Lied Sometimes I Wish I Was Dead darauf, weil die Engländer die Tracks der Singles oft nicht mehr auf das Album packten!!! Also verkaufte ich alle meine Platten die nicht aus Deutschland kamen und holte mir die Sachen aus den Länder aus denen der Künstler stammte, war eine Heidenarbeit und erst durch die int. Börsen in Utrecht, Mailand, London, ein New York Trip und später ebay/Discogs zu schaffen.
    Dazu kommt noch die verschiedenen Pressungen, es gibt unzählige Beispiele wo sich eine Erstpressung von einer späteren unterscheidet, mal unwichtig (Matrixnummer) oder gravierend wenn ganz andere Coverfotos verwendet oder Stücke ausgetauscht wurden oder andere Aufnahmen verwendet wurden! Logo, Nerd pur 😉

    So etwas macht sich dann auch preislich bemerkbar sofern es einem Glückspilz nicht in einer Ein-Euro-Kiste in die Hände fällt! Mein lukrativster Fund machte sich erst vor ein paar Monaten bemerkbar, ich hatte viele Ausgaben der Hunky Dory von Bowie und vor 15 Jahren gab es kaum Informationen über das Original und nur weil ein glänzendes (weil laminiert) Cover mir besser gefiel, behielt ich diese und erst neulich las ich, dass dies eine Erstpressung ist, kleine Stückzahl und heute für bis zu 500 GBP gehandelt wird, da waren meine 15 DM damals gut angelegt! Aber auch Zitterpartien waren dabei, als ich am 11.09.2001 kurz vor den Anschlägen in den Staaten, 200 GBP für eine in eBay ersteigerte Platte Bar im Brief nach England per Luftpost schickte und es dann 14 Tage dauerte bis das Geld ankam…

    Wenn man bedenkt wie nah manche Originale am Künstler „dran“ waren. Wie die ersten Joy Division oder Sisters Veröffentlichungen, die auf privaten Label erschienen! Durch diese DIY-Kultur entstanden unzählige Kunstwerke, die selbst vertrieben wurden – wie speziell das zweite Album von „John Bender“ Plaster Falling – das Cover wurde komplett eingegipst und mit Kugelschreiber individuell beschriftet, nur durch ziehen eines Fadens, die den Gips aufriss, konnte man die Öffnung zum Vinyl schaffen, genial! Oder handnummerierte Kleinstauflagen, wie die „Der Künftige Musikant“ Veitstanz E.P. (200)!

    Wie auch immer – logisch, die Art des Musikkonsums wird sich dauernd wandeln und wenn Filesharing die Leute befriedigt, OK! Für mich wird es nichts Schöneres geben als ein lange gesuchtes Stück Vinyl aus einer Plattenkiste zu fischen, etwas zu feilschen und nicht abwarten können das Teil, natürlich vor gründlicher Reinigung, zuhause aufzulegen und das Artwork/Insert/Lyrics etc. zu studieren während man die Musik genießt!

    Schwarzrillige Grüße, PV

  12. Uli 11. April 2013 zu 09:29 #

    Toller Artikel…da werden eigene Erinnerungen wach. Mindestens einmal im Jahr muß ich wegen dem Feeling auf eine Börse fahren….Vinyl schnuppern….

Schreibe einen Kommentar