Gevatter Anubis

Zu Besuch bei einem Tierbestatter

Begraben Sie Ihr Tier“, sagte Jud. „Ich rauche inzwischen eine Zigarette. Ich würde Ihnen gern helfen, aber Sie müssen es selber tun. Jeder begräbt seine eigenen Toten. So wurde es immer gehalten.“ … Er brauchte weitere zehn Minuten, um die Steine aufzuschichten, die Jud ihm nacheinander reichte. Als er es geschafft hatte, lag ein niedriger, kegelförmiger Steinhaufen auf Churchs Grab, und Louis empfand tatsächlich eine Art schwacher, erschöpfter Befriedigung. Irgendwie sah es richtig aus, wie er da neben den anderen im Sternenhimmel aufragte. Wahrscheinlich würde Ellie das Grabmal nie zu Gesicht bekommen – schon der Gedanken, dass er sie durch den Sumpf mit dem Schwimmsand führte, würde Rachels Haare erbleichen lassen – aber ER hatte es gesehen, und es war gut.

„Friedhof der Kuscheltiere“ – Stephen King

Auch ich habe das Grab meiner Hamster Susi und Bärli nie gesehen. Meine Mama fand beide tot im Stall, legte sie in einen Schuhkarton und begrub sie schnell bevor ich aus der Schule kam und sie selbst fand. Mama wollte mir den Anblick und die Trauer ersparen. Sie transportierte sie auf dem Moped in einem Schuhkarton und begrub sie im kleinen Wäldchen nahe unserer Neubau-/Plattenbausiedlung. Lebendig zurück kam nur Susi – und dass obwohl es im Wäldchen gar keinen Tierfriedhof der Micmac-Indianer gab…?! Zurück kam auch eher Susi II – ein neuer Hamster, den mein Papa noch am selben Tag besorgte, weil ich nicht merken sollte, dass Susi I gestorben ist. Susi II sah Susi I sehr ähnlich (es war auch ein Albino-Hamster!), war aber wesentlich kleiner. Das entging mir dann doch nicht: „Warum ist denn Susi heute so klein?“, fragte ich. „Weil Du sie sowenig gefüttert hast. Du musst Dich mehr um sie kümmern.“
Mal ehrlich: meine Eltern hatten doch das mit der Erziehung echt drauf! 😉

Nur das Begraben von Haustieren war damals zu wilden DDR-Zeiten wie heute verboten – jedenfalls in Wäldern und öffentlichem Gelände. Wegen der Seuchengefahr, weil Wildtiere den Kadaver wieder ausgraben könnten und vor allem weil bei eingeschläferten oder zuvor erkrankten Tieren die Medikamente ins Grundwasser gelangen können. Wenn man heute erwischt wird drohen Strafen von bis zu 20.000 €.

ANUBIS-Tierbestattungen in Mainz Mombach

ANUBIS-Tierbestattungen in Mainz Mombach

Trotzdem werden viele tote Haustiere noch immer im Wald oder hier in der Gegend sogar unten am Rheinufer begraben. Davon weiß Birgit Nehring – Tierbestatterin aus Mainz-Mombach bei „Anubis Tierbestattungen“, die ich in ihrer Filiale besuche. Sie muss mich über Tierbestattungen ersteinmal aufschlauen. Da ich seit meinem 12. Lebensjahr kein eigenes Haustier habe, brauchte ich mich damit nie auseinander zu setzen. Ich kenne aber Freunde, deren Lieblinge starben – und da war bei den Meisten die Trauer ebenso groß wie bei Verlust eines Menschen. Warum auch nicht? Gerade Hunde und Katzen, die einen 20 Jahre lang begleiten können, werden zu Freunden und ersetzen bei vielen Menschen auch den Partner. Tiere sind die besseren Menschen, sagen Manche. „Wir helfen, wenn Freunde gehen“ lautet denn auch passend das Motto der ANUBIS-Tierbestattungen.

Der letzte Wagen für verstorbene Tiere.

Der letzte Wagen für verstorbene Tiere.

Dem hat sich die gesamte Familie Nehring verschrieben – die ANUBIS-Tierbestattung in Mainz ist ein Familienbetrieb. Allein würde es Birgit Nehring auch gar nicht schaffen: sie ist rund um die Uhr an 365 Tagen erreichbar für Tierbesitzer. Sie bringen tote Haustiere zu ihr oder Frau Nehring holt sie bei ihnen zuhause ab. Als Tierbestatter ist sie für den gesamten Rhein-Nahe-Kreis in Rheinland-Pfalz zuständig – in meinen Augen ein riesiges Gebiet. Auf Wunsch fährt sie auch weiter und holt die verstorbenen Lieblinge ab. Oft helfen ihre zwei erwachsenen Töchter oder die Schwiegersöhne. Alle sind mit Leib und Seele dabei. Eine sehr freundliche, herzliche Familie!

Tierbestattungen sind der menschlichen Bestattung in vielem ähnlich. Jedoch sind die gesetzlichen Vorschriften etwas anders, nämlich in dem Maße lockerer, wie ich es mir auch für Menschen wünschen würde. Mal ganz abgesehen von Sterbehilfe, die bei Tieren ja auch erlaubt ist, aber unerklärlicherweise nicht beim Menschen darf man zum Beispiel auch die Asche seines Tieres in einer Urne mit nach Hause nehmen.

So sieht Tierasche aus - grobe Sache.

So sieht Tierasche aus – grobe Sache.

Die Asche eines Pitbull-Terriers ist auch das Erste, was mir Herr Nehring kurz nach dem Hallo-Sagen in die Hand drückt – in einem Plastikbeutel. Die sieht ja ganz anders aus als die vom Menschen! Ich erkenne noch Knochenteile und nachdem mich Frau Nehring darauf hingewiesen hat sogar noch ein Stück vom Kiefer. Sie erklärt mir, dass Tierasche nur bei 1100°C verbrannt, aber danach nicht – wie Menschenasche – zermahlen wird. So kann man anhand der Überreste feststellen um was für ein Tier es sich handelt, denn viele Besitzer wollen sehen, ob wirklich die Asche ihres Tieres in der Urne ist. Die Skepsis der Tierbesitzer sei hier groß, so Frau Nehring. Das hätte ich nicht erwartet. Aber wer eine Tierbestattung bezahlt, will danach sichergehen, dass er seinen Hund in der Urne hat und keinen Kanarienvogel.

Welche Tierbestattung ist erlaubt?
Darf man seinen Hund im Garten begraben?

Zunächst einmal: In Deutschland dürfen alle Tiere – außer Huftiere – bestattet werden. Huftiere müssen aufgrund seuchenhygiene-technischer Bedenken immer über die Tierkörperbeseitigungsanlage ‚entsorgt’ werden. Das gilt leider auch für Pferde. Für diese gibt es aber den Umweg über die Niederlande, sagt Frau Nehring. Ein dort ansässiges Bestattungsunternehmen lässt die Pferde (bereits verstorben oder noch lebendig) in Deutschland von einem deutschen Transportunternehmen abholen und nach Holland bringen. Diese Beauftragung darf Frau Nehring von Deutschland aus gar nicht vornehmen. Leben die Pferde noch, werden sie auf weichem Stroh eingeschläfert, verbrannt und die Asche wird zum Besitzer geschickt oder er holt sie in Holland ab.

Wenn ein Haustier stirbt, gibt es grundsätzlich 3 verschiedene Möglichkeiten:

1. Entsorgung in der Tierverwertung

Das hat mit Bestattung nichts zu tun und ist schon gar nicht würdevoll. Es ist das, was der Name sagt – das Tier wird entsorgt. Immer dann nämlich, wenn (beim Tierarzt) keine Tierbestattung gewünscht ist, wird das tote Haustier mit einem Kadaver-Sammelfahrzeug (vergleichbar mit einem Müllfahrzeug) in eine Tierkörperbeseitigungsanlage gebracht. Dort erfolgt eine Weiterverarbeitung zu Tiermehl als Energieträger für Zementfabriken, Schmieröl oder Biodiesel. Auch das ist übrigens nicht umsonst, sondern man zahlt dafür dem Tierarzt einen Unkostenbeitrag.

Absolutes No-Go in meinen Augen, aber passiert leider immer noch oft genug, wohl weil es Geld spart: das tote Tier wird in der Biotonne ENTSORGT. Aber ein Haustier, das mich jahrelang begleitet hat, kann ich doch nicht in den Müll werfen! Zumal das nur erlaubt ist für Kleintiere, also alles mit ‚Zwerg’ im Namen, und auch nicht in die Biotonne (Gesundheitsgefahr!), sondern in einer Plastiktüte verpackt in den Restmüll. Aber NEIN!

2. Einäscherung im Tierkrematorium

Tierurnen mit Herz

Tierurnen mit Herz

Tierbesitzer können ihre Tiere auch in einem speziellen Tierkrematorium verbrennen lassen und die Asche in einer Urne aufbewahren. Entweder bleibt diese als Andenken daheim oder im eigenen Garten. Die Urne kann aber auch auf einem Tierfriedhof oder in einem (Tier-)Friedwald beigesetzt werden. In Deutschland liegt die Zahl der Verbrennungen bei ca. 3% bis 5%,  womit wir in Europa so ziemlich das Schlusslicht bilden.

3. Erdbestattung eines Tierkadavers auf eigenem Grund und Boden

Tiersärge für Meerschweinchen und Kaninchen

Tiersärge für Meerschweinchen und Kaninchen

Den Wellensittich, das Meerschwein oder den Hund im Garten zu begraben ist bis zu einem gewissen Gewicht gestattet. Tierbestatter beraten auch hier, denn es ist besonders bei Katzen und größeren Hunden nicht ganz trivial. Die Bestattung kann entweder in einem Sarg, in einer Urne oder eingewickelt in eine Decke erfolgen. Das Tier muss jedoch mindestens 3m Abstand zu jedem öffentlichen Weg und mindestens einen halben Meter (bei kleinen Tieren) sowie bei größeren mindestens 80cm tief vergraben werden. In Grundwasser-Schutzgebieten (Rhein!) ist zudem eine Genehmigung, manchmal sogar mit Gartenbegehung durch das Veterinäramt notwendig. Wird man ohne Genehmigungsbestätigung erwischt, kann das bis zu 10.000 € Strafe kosten. Frau Nehring kennt einen Fall, in dem der Tierhalter 3.000 € bezahlen musste, weil an der Stelle nicht begraben werden durfte.

Ich frage nach Tierheimen. Die haben meist einen festen Tierbestatter, dem sie ihre verstorbenen Schützlinge anvertrauen, der wiederum die Tiere prinzipiell einäschern lässt. Meist in einer Sammeleinäscherung, also mehrere Tiere gemeinsam – aber auch in Einzeleinäscherung. Die Asche wird dann vom Tierkrematorium beigesetzt oder auf einer Streuwiese verstreut. Manche Tierheime verfügen über einen Tierfriedhof, auf dem sie die Einzelurnen beisetzen, so z.B. das Tierheim in der Mainzer Zwerchallee.

Tierurnen und Tiersärge

tierbestatter-mainz-anubisIch schaue mich in der ANUBIS-Filiale um. Den typischen Trauerflor von Bestattern kann ich nicht erkennen. Hier machen warme Farben in rot-orange mit etwas blau und viel hellem Holz den Trauernden neuen Mut. An den Wänden hängen Tierbilder – einige sind von Frau Nehrings Kater Loki, für den sie auch schon die Urne hat erstellen lassen. Sie steht auf ihrem Schreibtisch. Es ist Loki – aus Keramik. Der Hersteller Gräff fertigt diese Tierurnen nach einem Foto individuell an.

Frau Nehring führt mich durch die Welt der Tierurnen, die es in allen erdenklichen Varianten gibt. Sehr gern genommen werden die für mich arabisch anmutenden Tierurnen sowie Gedenkmedaillons, also Anhänger mit der Asche des Haustieres drin. Für Umweltbewusste gibt es speziell auf eine schnelle Verwesung in der Erde ausgelegte Bio-Urnen auf Salz-/Sandbasis.

Bilderrahmen-Urnen mit Aschekästen hintendran

Bilderrahmen-Urnen mit Aschekästen hintendran

Sehr beliebt: Mond-und-Sterne-Urnen

Sehr beliebt: Mond-und-Sterne-Urnen

Mir gefallen die Bilderrahmen mit einem kaum auffälligen, 5cm breiten Aschekasten hintendran sehr gut. Diese werden im Fachjargon „Rahmen-Holzurnen“ genannt und sind schon ab 99 € für den kleinsten Rahmen á 16x16cm zu haben. Etwas mehr kostet eine individuelle Airbrush-Porträt-Tierurne. Hier tragen Künstler das Bild des Haustieres auf eine Kupferurne auf und gravieren noch den Namen mit Geburts- und Sterbedatum ein. Dafür zahlt man dann schon 150 €, eine Kupferurne z.B. im Design „Mond und Sterne“ kann je nach Größe auch bis zu 300€ kosten.

Die Größe der benötigten Urne richtet sich natürlich nach dem verstorbenen Tier. Eine Deutsche Dogge erzeugt mit 4 Litern mehr Asche – weil nicht zermahlen – als ein Mensch, dessen Urne nur 3 Liter Asche fassen muss. Beim Pferd sind es sogar 28 Liter!

Bitte nicht verwechseln: das sind Tiersärge, keine Kindersärge!

Bitte nicht verwechseln: das sind Tiersärge, keine Kindersärge!

Auch Tiersärge gibt es: einfache aus Holz oder in blau gebeizt und in der Klassik-Variante sogar geliefert mit Ruhekissen, Absenkseil und Trauerkarte. Ich schüttele ein wenig ungläubig den Kopf. Ein Katzensarg kostet z.B. etwa 100 €. Es gibt noch kleinere Tiersärge für Hamster und Meerschweinchen oder Kaninchen. Diese stehen gut sichtbar in der Auslage, während sich die größeren Tiersärge in einer Ecke des Schaufensters  verstecken. Über der Tierbestattung hat ein Kinderarzt seine Praxis…

Mich überrascht, dass es sogar Abschiedsräume gibt, in denen man von seinem Tier in Ruhe Abschied nehmen kann. Auf Wunsch sogar mit Aufbahrung des toten Lieblings auf einem Sargkissen und einer Sargdecke. Das kann allerdings ganz schön in die Nase gehen. Denn dazu muss das verstorbene Tier bereits ein paar Stunden zuvor aus der Kühlung geholt und sorgfältig hergerichtet werden. Im Abschiedsraum riecht es dann ziemlich stark. Dennoch dauerte der längste Abschied mehr als drei Stunden (!), erzählt Frau Nehring.

Der Abschiedsraum für Aufbahrungen

Der Abschiedsraum für Aufbahrungen

 

Ist eine Sofortkremierung (= sofortige Verbrennung des Tierleichnams) gewünscht, geht es direkt nach dem Abschied mit dem Tierbestatter ins Tierkrematorium – nach Heilbronn oder Wesel. Man steht in diesem Fall direkt neben dem Kremierungsofen und kann auf diese Weise sein Tier auf dem letzten Weg begleiten, „jedoch schauen meist die Männer – die Frauen gehen lieber raus.“

[stextbox id=“grey“ bcolor=“4d673c“]PROSPEKT ANUBIS Tierbestattungen Mainz – Die wichtigsten Infos zur Tierbestattung jetzt herunterladen: Anubis-Flyer – Teil 1 und Teil 2[/stextbox]

 

Gedenkmedaillons und Ascheanhänger - Schmuck vom Liebling

Gedenkmedaillons und Ascheanhänger – Schmuck vom Liebling

 

Am häufigsten bestattet Frau Nehring Hunde, am zweithäufigsten Katzen. Erst kürzlich hat sie eine Katze beerdigt, die 24 Jahre, also in Menschenjahren 112 Jahre alt geworden ist. „An viele Tiere kann ich mich immer noch erinnern“, sagt Frau Nehring und lächelt etwas versonnen, „wenn auch nicht mehr an den Namen“.

Was war das exotischste Tier, das Sie bisher bestattet haben?

Das war ein afrikanischer Weißbauchigel von einer Studentin aus Mainz. Da musste ich selbst ersteinmal googeln, was das für ein Tier ist.

Und die individuellste Tierbestattung, an die Sie sich erinnern können?

Tierurne für Papageien, die bis zu 50 Jahre alt werden können

Tierurne für Papageien, die bis zu 50 Jahre alt werden können

Da gibt es eigentlich keine. 70-80% der Tierbesitzer lassen die Asche zu Hause stehen. Gern wird auch ein vergoldetes Amulett genommen – aber das ist nichts Außergewöhnliches. Einmal wollte jemand sein Kätzchen ausstopfen lassen. Das hätten wir veranlasst, aber dann hätte es sofort nach dem Tod auf Eis gelegt und binnen 24h zum Präparator gebracht werden müssen. Sonst ist das Fell struppig. Dafür war es schon zu spät.

Anubis ist der Gott der Toten in der ägyptischen Mythologie und auch der Begleiter von verstorbenen Menschen und Tieren ins Totenreich. Er steht als Symbol auch in den Regalen und sogar metergroß in den Räumen der Mainzer Tierbestatter. Wie Gott Anubis wachen Birgit Nehring & Familie bis zur Tierbestattung über die verstorbenen Lieblinge und begleiten die Hinterbliebenen in ihrer Trauer mit Rat und Tat. Sie und ihr Mann haben zuletzt vor 4 Jahren Urlaub gemacht. Bei einem Geschäft, was erst vor zwei Jahren eröffnet wurde, ist das nachvollziehbar. Zuvor arbeitete sie als Business-Analyst bei Hewlett Packard in Rüsselsheim. Die Erfahrungen im Bürojob bei HP kann sie jetzt gut für das Finanzielle und Buchhalterische nutzen. Alles andere aber war neu.

Wie sind Sie zur Tierbestatterin geworden? Das Thema „Tod und Bestattung“ liegt ja nicht so vielen Menschen. Wie hat Ihre Familie anfangs reagiert auf Ihre Idee?

Birgit Nehring mit Anubis

Birgit Nehring mit Anubis

Wenn man – wie ich – mit Tieren aufgewachsen ist und immer mit welchen zusammengelebt hat, fragt man sich irgendwann: Gibt es denn nichts anderes als den Tierarzt oder den eigenen Garten? Tierverwertungsanlagen finde ich ganz schlimm – das kam sowieso nie in Frage. So wuchs die Idee einen Tierfriedhof zu eröffnen. Allerdings ist es hier in der Gegend nicht einfach, eine Genehmigung dafür zu bekommen – wegen Grundwasserschutz und dem Rhein. Aber trotzdem ist das nach wie vor mein Traum.

Von der Idee, Tierbestatter zu werden, waren eigentlich alle in der Familie sofort begeistert. Ich musste niemanden groß überzeugen – das ist ja auch familiär mit unseren Haustieren gewachsen.

Welche Herausforderungen hat der neue Job mit sich gebracht?

Man hilft Menschen, aber ist auch selbst auf Hilfe angewiesen. Bei Abholung einer Deutschen Dogge mit 80kg Gewicht muss man um Mithilfe bitten – als Einzelkämpfer geht das nicht. Überhaupt will die gesamte Logistik organisiert sein. Auch die behördlichen Vorschriften waren eine Herausforderung. Es mussten extra Wände für Kühlräume eingesetzt werden usw. Es war nicht immer einfach, aber wir haben es geschafft.

Täglich sind sehr unterschiedliche Situationen zu meistern, besonders vom Menschlichen her. Vielen Menschen fällt es schwer damit umzugehen, dass ihr Tier nicht ewig lebt. Manche sind beim völlig überrascht und können nur schwer loslassen. Sie können dann kaum erwarten, dass die Urne zurückkommt. Am liebsten innerhalb einer Woche, aber so schnell geht es nun wirklich nicht! Es dauert ihnen einfach zu lange, bis der verstorbene Freund „wieder da ist “ – wenn auch in anderer Form. Die Urne gibt ihnen Halt.

tierurne-engelDie psychologische Seite fällt Birgit Nehring leicht. Sie weiß aus Erfahrung wie schwer der Abschied von einem geliebten Tier fällt und kann sich sehr gut auf verschiedene Menschen einstellen. Jeder reagiert anders auf den Tod. Ihre Stimme ist ruhig und sanft. Sie hat eine warmherzige, sehr natürliche Ausstrahlung und ohne Zweifel auch viel Einfühlungsvermögen. Bei ihrem Mann höre ich noch etwas heimatlich sächsischen Akzent, der bei Birgit Nehring nur noch schwach wahrnehmbar ist. Sie stammen aus der Leipziger Ecke und sind noch vor der Grenzöffnung über Ungarn in die BRD geflüchtet.

Was fasziniert Sie am meisten an diesem Job? Was macht am meisten Spaß?

Der Umgang mit den Kunden. Das ist das, was mir am meisten am Herzen liegt. Dass man Mut machen kann und sagt: Das Leben geht weiter – es kommt noch was. Es ist nicht zu Ende, wenn ein Freund geht.

Die Meisten kommen über Empfehlungen zu uns. Das gibt mir die Bestätigung, dass es richtig ist was und vor allem WIE ich es tue.

Gibt es so etwas wie ‚Testamente’ von Besitzern für ihre Tiere?

Der ägyptische Totengott Anubis als Tierurne

Der ägyptische Totengott Anubis als Tierurne

Es gibt einige ältere Menschen, die Geld auf die Seite gelegt und gespart haben, falls dem Tier mal was passiert. Immer häufiger wird auch eine gemeinsame Beisetzung gewünscht. Mensch-Tier-Bestattungen – wie im alten Ägypten – liegen wieder im Trend. Menschen möchten die Urne ihres Tieres mit ins Grab nehmen. Warum auch nicht – wo ist der Unterschied? Asche zu Asche.

Haben Sie eigentlich den Film „Friedhof der Kuscheltiere“ gesehen?

Natürlich! Das ist ja ein Klassiker.

Und gefallen hat er ihr auch. 😉

1.000 Dank an Birgit Nehring für das interessante & sympathische Interview!

—————————————

Habt Ihr schon mal ein Haustier bestattet oder bestatten lassen? Wie war das?

Was wäre Eure bevorzugte Variante, wenn Euer Liebling stirbt und warum?

 

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7 Responses to Gevatter Anubis

  1. solitary_core 12. Oktober 2013 zu 20:25 #

    hm derzeit hab ich kein Haustier, dachte eher auch an was andres als die allgemeinen Hund, Katze und so, dachte eher an Fauchschaben … mal sehen 😀

    dennoch hab ich schon eine Tierbestattung auf dem Land vorgenommen, in Absprache mit dem Tierarzt.
    Es war die langjährige Familien-Schäferhündin meiner Exfreundin und nachdem ich bei ihrer Einschläferung auch schon zugegen war(genauer gesagt sie entschlief in meinen Armen), habe ich dann auch das Grab herrichten dürfen, in Ihrer Kuscheldecke wurde sie dann zur letzten Ruhe gelegt, und oben als Andenken eine Rose gepflanzt.

    Klar war ich todtraurig, aber es ihr in dem Sinne leichter gemacht zu haben hatt mir damals Trost gegeben, die Beerdigung war dann ein Abschluß.

    Werde es wohl bei solchen engen Bindungen wieder so machen, warum soll man Freunden den letzten Abschied auch verwehren ?

    gut hab auch andre Bestattungen vorgenommen, meist Innerreien und Federn vom Geflügel, sowas bleibt halt nich aus bei Nutzvieh, und ich weis was es an Arbeit macht Geflügel zu halten und nachher auch zu rupfen, ausnehmen und so; das war aber alles eher zweckmäßig weil man so eben keine ungebetenen Räuber anlockt

    etwas offtopic :

    Klasse Artikel, hätte mir aber ne klarere Abgrenzung zwischen Frau Nehring’s Antworten und deinen weiterführenden Kommentaren gewünscht, das die Kursiv sind sieht man eher wenn man auf Details achtet, wird zumindest mir nich auf den ersten Blick klar, ansonsten weiter so 😀

  2. Shan Dark 12. Oktober 2013 zu 22:42 #

    Lieber solitary
    Ja, ich find mittlerweile auch ‚ausgefallene‘ Haustiere – im Rahmen des in Deutschland möglichen – interessanter. So Echsen oder Gottesanbeterin. Fauchschaben wären jetzt nicht meine Wahl, aber ich kenne einige, die sich welche halten. Immerhin darfst du Fauchschaben im Garten ohne Genehmigung vergraben 😉 – es empfiehlt sich ein Sammelgrab.

    Find ich eine schöne Idee mit der Rose auf dem Grab der Schäferhündin. So würde ich es wohl auch machen, wenn ich einen Hund oder anderen langjährigen Gefährten begraben müsste. Etwas, das bleibt und erinnert, aber man nur selbst deuten kann, weil man die Geschichte dazu kennt.
    Muss jetzt etwas schmunzeln, weil Du die Innereien und Federn erwähnst – musste auch erstmal überlegen, was Du meinst, aber ist klar. Kann man aber nicht als Bestattung bezeichnen so wirklich. Es sei denn, Du hast es zu einem Ritus erhoben a la „hier liegen die geheiligten Eingeweide und Überreste von Huhn Gerda“… 😀

    Danke für Dein Feedback zum Artikel. Ich habe es wohl echt zu sehr vermischt. Hätte erst meine Beobachtungen und die allgemeinen Infos und danach in der 2. Hälfte das Interview mit Frau Nehring am Stück bringen sollen (wobei das auch nicht so klassisch ‚am Stück‘ stattfand). Da haste recht, so muss man ganz schön aufpassen beim Lesen, dass klar wird, wer was sagt. Für die nächsten Interviews nehme ich mir das mal zu Herzen. merci.

  3. Bloodsnail 17. Oktober 2013 zu 18:07 #

    Nimm es nicht persönlich, aber als ich an die Stelle kam, an der die Frage aufkam, warum Euthanasie unbegreiflicherweise beim Menschen nicht so einfach durchgeführt werden kann, konnte ich mich nicht weiter auf den Text konzentrieren.
    Aus einer „naiven“, natürlichen Sicht sollte das möglich sein, ist es aber nicht, da alte und/oder behinderte Menschen immer wieder aus Kostengründen umgebracht werden und eine Legalisierung auch in Deutschland für einen Dammbruch sorgen würde, wie in den Niederlanden oder in Belgien. Töten statt Unterstützung und Heilung oder Gleichberechtigung in der Gesellschaft wäre dann die Wahl.
    Hier leben Menschen völlig unnötig unter menschenverachtenden Bedingungen, die schwer bis gar nicht zu ertragen, aber eigentlich (!) veränderbar sind, da muss die „Sterbehilfe“ als gesellschaftliches Thema weit aussen vor bleiben.

    Anubis merke ich mir, danke für diesen Tipp. Hoffentlich werde ich ihn so schnell nicht nutzen müssen, ich liebe meinen Kater.

    Was ich gelesen habe wirkte spannend und gut recherchiert.

  4. Shan Dark 20. Oktober 2013 zu 17:15 #

    Lieber Bloodsnail,
    schade, dass dich mein im Artikel eher beiläufig geäußerter Wunsch nach einer Öffnung der deutschen Gesellschaft für Sterbehilfe so aus dem Gesamt(kon)text geworfen hat. Aber ich verstehe es. Das Thema ist nun mal hoch emotional und daher nicht umsonst heiß diskutiert und umstritten. Mir ist klar, dass Du aus Deiner Situation heraus anders an das Thema herangehst. Man darf das auch mit Bezug auf die Nazi-Gräueltaten der Vergangenheit sehr kritisch sehen und nicht ‚leichtfertig‘ daran gehen. Ich habe jedoch dazu ganz und gar keine ’naive‘ Meinung, sondern leider aufgrund persönlicher Erfahrungen im allerengsten Familienkreis eine gefestigte Meinung: ich bin ganz klar FÜR Sterbehilfe, auch für aktive und hoffe, dass ich das noch erleben werde, bis ich sterbe (ob selbstbestimmt oder nicht). Ich habe mit ansehen müssen, wie sich meine Mutter aufgrund eines schweren Krebsleidens ihr letztes halbes Lebensjahr gequält und fürchterlich an ihren Schmerzen leiden musste. Kein Arzt konnte ihr mehr helfen, OPs wurden abgelehnt – sie wollte den Tod (wir nicht, aber auch nicht, dass sie so leidet). Sterbehilfe bezieht sich nicht darauf, dass Menschen getötet werden, wenn sie noch geheilt oder gepflegt werden können – und erst recht aus Kostengründen sollte niemand gehen. Derartige Fälle sind mir auch nicht bekannt, aber Dir vielleicht. Wenn es das jetzt schon gibt, dann hat es nichts mit Sterbehilfe ja/nein in DE zu tun, sondern da ist etwas anderes mächtig faul. Fast schon kein Wunder bei der Lage unseres Pflege- und Gesundheitssystems, wo man versucht an jeder Ecke zu sparen. Mit Blick darauf, muss es für Sterbehilfe sehr enge Regeln und Bedingungen geben, da bin ich bei Dir.

    Aber was aktive Sterbehilfe angeht: Es ist schon schwer genug, die Beendigung seines eigenen Lebens zu beschließen – für einen selbst und die Angehörigen – und das Ausführen der Sterbehilfe nimmt auch kein Arzt auf die leichte Schulter. Sterbehilfe ist eine der schwierigsten Entscheidungen, die man im Leben treffen muss. Aber ich möchte bitte als Mensch auch die Freiheit haben, diese Entscheidung treffen zu können. Wie gesagt: jeden Hund darf man einschläfern, wenn er nur noch leidet – ein herzensschwerer Liebesdienst (!), den man aber einem Menschen nicht erfüllen kann auf seinen eigenen Wunsch hin. Selbstbestimmtheit wird in unserer Gesellschaft sonst in allen Bereichen groß geschrieben, sie sollte auch für den Tod gelten. Kostengründe haben hier nichts zu suchen. Für mich schließt das eine das andere nicht ein. Weshalb Sterbehilfe nur unter strengen Bedingungen erfolgen darf, so dass sie nicht ‚einfach‘ missbraucht werden kann, wie Du es befürchtest. Einen sehr guten und sensiblen Artikel darüber, wie es in den Niederlanden gehandhabt wird, hat Alex von buurtaal geschrieben: http://www.buurtaal.de/blog/sterbehilfe-niederlande
    So wie dort wünsche ich mir das auch für DE.

    Dein Kater hat sicher noch viele Jahre vor sich – genießt die Zeit miteinander!

    Liebe Grusels
    Shan

  5. KillSnail 21. Oktober 2013 zu 15:29 #

    Liebe Shan,

    grundsätzliche verstehe ich Dich, auch vor dem Hintergrund Deiner eigenen Angelegenheiten. Ich habe bereits gehört, daß die Schmerzbehandlung in Deutschland sehr schlecht ist und Krebs ist wirlich eine grausame Angelegenheit. Für mich selbst kann ich mir auch nicht vorstellen, um jeden Preis am Leben zu bleiben, ich will es auch keinem aufzwingen.
    Mit „naiv“ meine ich übrigens unverstellt, unverdreht, naheliegend, quasi im Sinne von einer gesunden Sichtweise. Leider haftet dem Wort ein negativer Beigeschmack nach „Blödheit“ an, der mit Dir nichts zu tun hat.

    Belgien und die Niederlande werden für mich keine positiven Beispiele sein können. So schön sich die Statements zur „Sterbehilfe“ und die Versicherungen zu den strengen Bedingungen auch lesen mögen. In Holland werden zunehmend Säuglinge getötet, die gar nicht einwilligen können. Aus Belgien kursierte erst vor kurzem eine Nachricht durch die Medien und sozialen Netzwerke, daß sich ein Belgier aufgrund psychischer Probleme töten ließ. Daß dort auch andere aufgrund psychsicher Krankheiten getötet werden, höre ich schon seit längerem.
    Auch in Deutschland wird getötet (oder soll ich lieber sagen gemordet?), nur wird es nicht legalisiert. Darüber bin ich froh, denn wie ich sehe, ist der befürchtete Dammbruch („Dammbruchtheorie“) nicht bloß theoretisch denkbar, er passiert.

    Mensch und Tier zu vergleichen oder bei der Euthanasie in Zusammenhang zu bringen, erinnert mich an die Preisverleihung für ein Tierforschungsprojekt an einen „Ethiker“ vor nicht einmal drei Jahren, der schon seit Jahrzehnten für das Töten von Säuglingen, insbesondere behinderter Säuglinge und das Ermorden für Demenzkranke eintritt, aus Kostengründen und für die „Gesamtmenge des Glücks“, die er immer wieder vorschiebt.
    Eigentlich wollte ich diese Themen endlich ruhen lassen und mich mit ganz anderen Dingen beschäftigen, als diese elende Preisverleihung hineinplatzte und mir klar wurde, worauf das letzlich hinauslaufen wird. Aber keine Angst, ich werde es nicht mehr oft thematisieren, einfach, weil es mir persönlich nichts bringt und ich schon genug schwieriges Zeug, das herunterziehen und letztlich krank machen kann, an der Backe habe. Meine Reaktion auf Deinen Artikel war vielleich auch etwas unbedacht, doch da ich an anderer Stelle quasi eine Erwiderung angekündigt habe, wollte ich nicht einfach wortlos weitergehen.
    Was ich noch sagen will ist, daß für mich kein zwingender Zusammenhang zwischen Nationalsozialismus und Euthanasie besteht. Das, was für die verbrechen umgesetzt wurde, waren keine Ideen der Nazis.

    Echte und legale Sterbe*hilfe* in Deutschland leisten übrigens Hospize. Ich selbst bin bei einem Hospiz Mitglied. In ihnen wird keiner aktiv getötet, aber das Leben wird – auch mit Schmerzbekmpfung – zu einem menschenwürdigen Abschluß geführt. Ausserdem habe ich eine Patientenverfügung eingerichtet (wozu man kein Hospiz benötigt), um nicht um jeden Preis am Leben gehalten zu werden, falls mir etwas passieren sollte.
    Sterbehilfe und das was in den Niederlanden passiert, sind für mich nicht das selbe.

    Ich wünsche Dir einen schönen Wochenstart

    Liebe Grüße!

  6. Shan Dark 22. Oktober 2013 zu 22:51 #

    Lieber Bloodsnail/Killsnail (bald komme ich bisschen durcheinander ;)),

    Danke noch mal für die etwas tiefergehende Erklärung Deiner Sicht und Dein Wissen. Solche Taten sind mir nicht bewusst/bekannt. Ich kann mich Dir in vielen Punkten anschließen und auch in DE gibt es Möglichkeiten wie z.B. inaktive Sterbehilfe und auch Hospize leisten wirklich sehr gute Arbeit. Aber das ist nur eine Lösung für Sterbenskranke. Was ist mit Menschen a la „Million Dollar Baby“? Da greift auch keine Patientenverfügung (die hab ich übrigens auch). Wenn ich mich in diese Situation hineinversetze…phew… da wäre ich schon sehr froh, wenn ich selbstbestimmt mein Leben beenden dürfte. Aber warten wir es mal ab – es ist ein Gesellschaftsthema, das wir zwei sowieso nicht beeinflussen können. Es hilft aber schon mal eine Meinung dazu zu haben und über das Thema nachzudenken. Die meisten setzen sich mit sowas leider gar nicht auseinander – da ist es wie mit dem Tod, der gern weggeschoben wird. Ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann…

    Liebe Grusels von Mainz nach Mainz 😉
    Shan

  7. SleepySnail 23. Oktober 2013 zu 11:53 #

    …mein Schneckenname passt sich den Gegebenheiten an; eigentlich sollte jeder Mensch nach einschneidenden Erlebnissen, egal ob positiver oder schlechter Art, einen neuen, den passenden Namen bekommen. Das hätte natürlich auch seine schlechten Seiten… 😉

    Grüße
    Schnarchmolluske

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