Proud to be a Goth

10 Gründe Gothic zu sein

Schön hier, in der schwarzen Szene! Aber warum eigentlich? Ich habe heute mal meine 10 ganz persönlichen Gründe aufgeschrieben, warum ich mich schon seit vielen Jahren in der schwarzen Szene so wohl fühle.

1. Anderssein können: Das bin ich von innen heraus, in meinem Geschmack, oft im morbiden Humor, auch im Denken und mit meinen Ansichten. Vom Äußeren her manchmal mehr, manchmal weniger deutlich. Ich schätze es, sehr individuell sein zu können und trotzdem ein Zusammengehörigkeitsgefühl mit Gleichgesinnten zu spüren.

2. Die Farbe Schwarz: Meine Garderobe ist zu 90% schwarz – ich mag keine andere Farbe an mir lieber. Zudem macht schwarz schlank ;-), ist mit allen anderen Farben kombinierbar (wenn ich es denn wöllte), für Business und Freizeit gleichermaßen geeignet und hat nur in zwei Situationen Nachteile: bei 40°C im Sommer und bei Katzenhaaren!

meine-schwarze-Garderobe
Mein offener Kleiderschrank ist leicht monofarblich 😉

3. Geld spielt keine Rolle: Wenn die Welt voller Gothics wäre, würde vermutlich die Weltwirtschaft zum Erliegen kommen. Klar brauche ich auch mal was Neues zum Anziehen, einen fahrbaren Untersatz und (teures) Make-up für den blassen Teint. Ich kann mich dem Konsum leider nicht verschließen. Aber Marken(produkte) und Statussymbole wie ‚tolle-teure‘ Autos oder Diamantschmuck sind mir total schnuppe. Die neuesten Manolo Blahniks oder ein BMW-Cabrio würden in unserer Szene gar nicht gewürdigt werden, so wie man andere Menschen auch nicht mit einer handgeschmiedeten Grablaterne oder durch das Vorfahren im Leichenwagen begeistern kann. Geld spielt insofern also keine Rolle, als dass es mir bei anderen egal ist, wie viel sie für ihr neues Auto ausgegeben haben oder ob sie daheim auf einer teuren Kloschüssel von Villeroy & Boch sitzen. Es beeindruckt und beeinflusst mich nicht in meiner Einstellung zu ihnen. Wie alle anderen Gothics, die ich kenne, beurteile ich Menschen nicht nach Habitus, Verdienst oder Status – sondern danach, wie sie sind.

4. Stil jenseits von Trends: Die Laufstege sind mir egal, Dolce & Gabbana auch. Ob die halbe Welt plötzlich Tunikas und wieder Stiefel im Sommer trägt – ich kümmere mich nicht drum. Ich hab meinen eigenen Stil entwickelt und der Mode hinterher zu hecheln kann ich nur belächeln. Wie will man da seinen eigenen Stil finden oder bewahren?

5. Keep out! Fussball, BILD, Hitparade, TV-Programm, Mein-Haus-mein-Auto-mein-Boot, Stars & Sternchen, Skiurlaub, Golf, Aktiengeschäfte, Männer-Frauen-Stereotypen, Robinson Clubs… damit muss ich mich als Gothic nicht beschäftigen. Das sind einfach keine Themen bei uns – wie herrlich!

me-20146. Unendliches, düsteres Universum: Gothic als Genre und alles was „darin“ steckt ist extrem facettenreich und kommt mir vor wie ein unendliches Universum. Ganz oft entdecke ich etwas interessantes Neues oder bis dato völlig Unbekanntes oder miteinander Verzahntes, egal ob in der Gothic Literatur, Musik, Mode, Geschichte, in Filmen oder an skurrilen Orten. Auch wenn es vielleicht so scheint, als würden wir uns nur mit toten Dingen beschäftigen – es ist und hält mich ganz schön lebendig!

7. Abschreckungsfaktor: Meistens bin ich ein ziemlich netter Mensch. Aber es gibt da draußen auch Leute, die einem gepflegt auf den Geist gehen können, einen ungefragt zutexten oder den „Wachturm“ in die Hand drücken wollen. Sieht man aber anders oder schräg aus, ist die Hemmschwelle zum Ansprechen schon mal größer und die Nervrate geringer.

8. Party bis ins Grab: Grufties bleiben länger jung 😉 – sounds funny, aber ist die Wahrheit. Als „Beweis“ bitte folgende Frage beantworten: Welcher „Normalo“ geht mit 35+ noch in die Disco (wohlgemerkt: wir reden nicht von Tanzabenden, Ü30-Parties oder Oldie-Nights)? Ältere Gothics können auf Dark Parties gehen ohne dabei peinlich zu wirken. Ohne dass mir die Jüngeren den ganzen Abend einen bedauernswerten Gammelfleisch-Blick zuwerfen. In dieser Szene kann ich alt werden und gleichzeitig jung bleiben.

9. No drugs: Party ja, Drogen nein. Mit Drogen meine ich nicht Alkohol und Zigaretten, sondern die wirklich heftigen Sachen wie Heroin, Kokain, Crack, Crystal, LSD… Für mich sind Drogen mit das Schlimmste, was die menschliche Zivilisation hervorgebracht hat, deshalb reagiere ich an der Stelle auch sehr radikal. Denn Drogen lassen Menschen zu Müll und Abfall mutieren – bei lebendigem Leibe und Geiste verrotten. In der Gothic-Szene und meinem Umfeld kannte und kenne ich niemanden, der „sich mal was einwirft“ oder „drückt“. Eine weitestgehend drogenfreie Szene (mal abgesehen von einigen Musikern früher) und der rationale Hauptoberlieblingsgrund, warum ich mich in ihr so wohl fühle.

10. Werte und Miteinander: Ich schätze das rücksichtsvolle, friedliche und doch recht höfliche Miteinander der Gothics untereinander. Man wird nicht angepöbelt, nicht runtergeputzt, nicht geschubst beim Tanzen und fällt einer mal beim Pogen oder Moshen aufs Parkett, dann wird ihm aufgeholfen. Rumgröhlen, Saufgelage oder Randale gibt es bei uns nicht oder nur sehr selten. Wir haben Stil und können uns „benehmen“ – das unterscheidet die schwarze Szene von vielen anderen und macht sie so angenehm.

Jetzt will ich natürlich wissen: Wie ist das bei euch? Ähnlich oder habt ihr ganz andere Erfahrungen und Beweggründe? Weshalb seid ihr gern in der schwarzen Szene?

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148 Kommentare zu „Proud to be a Goth“

  1. Erstmal danke für diesen Beitrag. Momentan versuche ich mich viel über diese Szene zu informieren, da ich gerne dazu gehören möchte. Und nichts falsches wissen möchte.
    Mich hat dies immer schon fasziniert. Dazu bin ich sozusagen damit groß geworden. Da meine Mutter zu dieser Szene eine ganze Weile dazu gehört.
    Jetzt mit meinen 16 Jahren (relativ jung ich weiß) möchte ich mehr erfahren und selbst „beitreten“.
    Dazu liebe ich auch den Kleidungsstyle und das was ich bis jetzt gelesen habe bringt mich dazu noch mehr einzutreten.
    Dazu bin ich noch froh über die Kommentare wegen diesen Kommentaren.
    <3

  2. Bärbel Hempel

    Hi, ich gehöre ganz sicher nicht zur Szene aber ich kenne wirklich viele Leute aus der Szene. Und durchgehend sind die Leute liebenswert. Ich bewundere die Konsequenz im Kleidungsstil und finde da auch viele Sachen wirklich geschmackvoll. Ich mag Euch aber eine kleine Bitte hätte ich, nehmt Leute, die nicht der Szene angehören auch ernst.

  3. Ich weiß ja nicht, aber Ski-Urlaube sind eine tolle Sache. Das ist Sport, Freiheit, Natur. Das ist Leben. Und in-und out groups wird es immer geben, solange wir Menschen sind. Wenn Punks und Gothics aufeinander treffen, dann halten die ‚Schwarzen‘ womöglich zusammen. Aber es wäre mir neu, dass tatsächlich alle im Sinne der 68er bei den Goths einander lieben und respektieren, das gibt es in keiner Gruppe.
    Des Weiteren bin ich der Meinung, dass viele nicht mal annähernd Erfahrungen mit dem Tod gesammelt haben, z.B. eines nahestehenden Menschen und dass man da was preist und feiert, wovon man keine Ahnung hat. Sorry Leute, ihr seid bestimmt toll, wie ihr seid, aber denkt nicht, ihr hättet die Weisheit, Lebenssinn oder irgendwelche Weisheiten mit allen Löffeln gefressen.

  4. Ich liebe es ein Gothic zu sein. Ich kann entlich irgentwo sein wie ich bin. Ich wurde nie respektiert von meiner Art her und mein Leben war so gut eie im Arsch. Dann bin ich auf den Gothic gestoßen und ne Woche später ,,beigetretten“. Es ist einfach ein tolles Gefühl entlich respektiert zu werden wie man ist. Bei mir war es halt so das ich schon immer gern getötet habe und habe ständig tote Tiere mit nach Hause gebracht und habe mich geritzt bis ich im Krankenhaus und dann in der Klappse war, aber seit dem ich dem Gothic angehöre tue ich das nicht mehr. Ich hin zwar erst 13 Jahre alt. Aber icb muss sagen die Klappse hat garnichts gebracht.

  5. Hallo zusammen.
    Ich bin für ich euch gesehen wohl noch ein „wannabae“, da ich noch 17 bin und erst vor ein paar wochen mich mehr mit der schwarzen Szene auseinander gesetzt habe. So habe ich auch schnell gespürt wie mich die gothic kultur am meisten interessiert und praktisch auch angezogen hat. Ich infomiere mich weiterhin sehr viel darüber und versuche es etwas in meinen (Schul) Altag mit reinzuleben jedoch fehlen auch mir Kontakte zu solchen Menschen.
    Nun ich komme aus dem Freiburger Raum, soweit ich mitbekommen habe , sollte die Szene hier relativ groß sein, aber sind die einzigen schwarzen szene anhänger, die ich vermehrt sehe und treffe, Punks. Habt ihr Quellenvorschläge für mich, wo man auch (Internet) Kontakte knüpfen kann. Es wäre super, dann müsste ich nicht als einsamer Goth mein Leben für mich leben sondern könnte mich auch ausstauschen mit jemanden, der mich eher versteht als andere.

    LG Little J

  6. @orient:

    danke für einen kommentar, ich habe mir darüber als ich jünger war, ich oft nen kopp gemacht ( habe selber südosteuropäischen migrantionshintergrund). mein bedürfnis nach zugehörigkeit war als jugendliche/junge erwachsene eben größer und gothic war immer etwas, was ich mir im gegensatz zu meinen wurzeln selbst ausgesucht hat, bzw, was sich MICH ausgesucht hat, wie ich es gern sage. man denkt in dem alter wohl auch oft etwas dramatischer.
    wenn mal was dummes kam, hab ich mir immer nur gedacht: die sind ja nur neidisch auf deine haare, weil du die nicht färben brauchst und dir die klamotten besser stehen und habs eben mit humor genommen. mittlerweile – auch dank internet und natürlich lebenserfahrung- habe ich meinen horizont erweitern können diesbezüglich und sehe es nicht mehr als etwas, „was den deutschen gehört und worauf ich kein anrecht habe oder so“.

    aber so krasse sachen, wie du beschreibst, habe ich nie erleben oder assoziieren können.

  7. Hey Orient,

    Deine Frage nach dem wieso“ ist angebracht und Deine Einschätzung ist vor allem im Kontext Deutschland sehr richtig: Die Rechte Neigung ist sehr real und sie hängt auch konkret mit Deiner Beobachtung zu Punkt 4/5 zusammen.

    Gothic als Underground Kultur bietet ihren Anhängern eine Umgebung die unveränderlich ist. Das bedeutet: Die Playlists die DJ ändern sich kaum oder sehr langsam, die Fan Loyalität ist sehr hoch und man steht Veränderungen meistens ablehnend gegenüber. Viele Szenegänger sind bereits sehr lange mit dem Phänomen verbunden und haben eine konkrete Vorstellung davon wie ein Event, wie die Kleidung, das Verhalten auszusehen hat und grenzen sich auch im “inneren” der Szene gerne gegen andere Einflüsse ab. Das hat eine konkrete Funktion: Gothic bietet in einer sich schnell verändernden Welt Sicherheit und Unveränderlichkeit. Eine mystifizierte Vergangenheit mit romantisierten Mittelalter Einflüssen spielt da ebenso mit rein wie eine Melancholie, eine gefühlte Erinnerung an alte, “besseren” Zeiten die es nie gab.

    Gothic ist also ein konservativer Underground. Er bietet keinen brodelnden Abenteuerspielplatz für neue Ideen, sondern eher eine Festung für Menschen, denen das Leben selbst zu abenteuerlich geworden ist. Ein sicherer Hafen, Schutz, Heimat. Und das ist erstmal eine Funktion die völlig OK ist, aber das hat Schattenseiten.
    Veränderung wird schnell als Bedrohung begriffen wenn man Sicherheit sucht, Menschen beginnen Stolz zu empfinden auf das Kartenhaus das sie nicht selbst errichtet haben und sie beginnen Ablehnung gegen Menschen zu entwickeln die sie nicht kennen.

    Daraus leiten sich Gemeinsamkeiten mit rechtskonservativen Gemeinschaften ab: Es gibt ein “Die” und ein “Wir” und es gibt Traditionen und Verhaltenscodes die das “innen” und “aussen” so klar umreissen dass die Szene schon vor Jahrzehnten begann sich innerlich in kleinere Untereinheiten zu zerlegen.
    Einer der tragischen Höhepunkte dessen war die Welle der T-Shirts die mit Statements wie “Halte deine Szene sauber” einen inneren Prozess der “Reinigung” dokumentierten, die Ü30 Goth Parties um junge Menschen raus zu halten etc..
    Eine seit Jahrzehnten existierende rechte Durchdringung der Szene wie zum Beispiel beim WGT mit dem Geschichtsrevisionistischen Verlag VAWS wurde dabei immer wieder ignoriert. – Auch dann wenn die Veranstalter immer wieder in Symbolen, Sprache und Gesten ihre Nähe zum rechten Spektrum andeuteten. – Bei einem so multinationalen Festival kann eben nicht sein was nichts sein darf.

    Der Umkehrschluss daraus, also Goth = Rechts, ist dabei nicht zulässig. Die große Mehrheit ist harmlos und friedliebend und in der Tat häufig sehr aufgeschlossen.

    Leider ist harmlos und friedliebend meistens so ausgeprägt, dass niemand Fragen stellt wenn plötzlich im Artwork einer Band Autonome von Uniformierten mit Kopfschüssen hingerichtet werden.

    jl

  8. Hallo zusammen,

    ich hab grade die 10 Gründe durchgelesen und mir sind da ein paar Fragen in den Sinn gekommen.

    In den Punkten 4 & 5 wird quasi alles verteufelt was nicht zur schwarzen Szene gehört und ich frage mich-Warum? Ich kenne Gruftis die sich für Fussball intressieren und auch Fernsehen gucken, wieso wird schlecht geredet? Ist Gothic nicht auch Mode?

    In Punkt 10 steht das man respektvoll miteinander umgeht. Gilt das auch für Leute die nicht deutscher Herkunft sind? Ich bin kein Türke, komme aus dem Orient und muss feststellen, dass viele Leute aus der schwarzen Szene eine Rechte Neigung haben-Wieso?

    Mfg Orient

    1. Hallo Orient,

      Danke für deinen Kommentar und auch Fragen kann man haben. Allerdings finde ich deine schon etwas eigenartig: Du behauptest und unterstellst in deinen Fragen etwas und fragst dann warum? Es sind keine offenen, interessierten Fragen, sondern welche mit Vorurteilen ohne diese zu begründen. Das finde ich unpassend. Woher hast du dein „Wissen“? Bist du Gothic oder warst schon öfter in der schwarzen Szene unterwegs?

      Ich möchte mir daher auch nicht so viel Zeit nehmen und nur kurz antworten.
      Zu den Punkten 4+5: ich habe sie mir noch mal durchgelesen, weil ich den Artikel vor längerer Zeit geschrieben habe. Ein „Verteufeln“ lese ich da nicht. Ich sage lediglich, dass mich und viele andere in der Szene diese Themen wie Fußball, die neuesten Fernsehserien, Modetrends, Skiurlaub, Marken & Statussymbole nach außen zeigen etc. nicht interessieren. Deshalb sind es keine Themen bei uns. Wir unterhalten uns lieber über etwas anderes, z.B. Musik, skurrile Reiseziele, ModeRTrends (das hatte ich gerade als Vertipper ?), das nächste anstehende Konzert, Literatur, Filme, Natur etc. Ich empfinde das im Gegensatz zu den anderen von mir in 4+5 genannten Punkten als bereichernd und mit mehr Substanz. Und das ist auch das, was uns in unserer Subkultur von anderen unterscheidet/abgrenzt.

      Zu Pkt. 10: Hast du schon Rücksichtslosigkeit aufgrund Deiner Herkunft in der schwarzen Szene erlebt? Falls ja, dann tut mir das leid. Ich bin seit mehr als 15 Jahren in der schwarzen Szene, ich habe das nie feststellen können oder davon gehört, dass andere Gothics aufgrund ihrer Herkunft oder eines Migrationshintergrundes schlecht behandelt wurden. Im Gegenteil, ich kenne auch einige, die sich bei uns sehr wohl fühlen. Es hat natürlich auch immer etwas damit zu tun, ob man selbst respektvoll und ohne Vorurteile anderen in der Szene gegenübertritt.

  9. @Charly: Wo kommst’n Du her?

    – Für mich hat „Goth sein“ immer noch etwas damit zu tun in sich hineinzuhören, was da wirklich ist, und das dann auch nach außen zu tragen – egal, was andere darüber denken oder sagen. Eine gewisse innere Unabhängigkeit. – Andererseits ist der Mensch von seiner Natur her aber auch ein soziales Wesen und doch nicht so unabhängig von der Meinung anderer, wie er es sich vielleicht manchmal wünscht… Schwierig da für sich einen guten Mittelweg zu finden…

    Laß´ Dich nicht unterkriegen ;-).

    Lieben Gruß,
    die Vivi

  10. Ich stimme dir in vielen Punkten zu und finde es gerade unglaublich toll, den Blog hier gefunden Zu haben.
    Nur am letzten Punkt muss ich sagen dass ich leider auch sehr negative und unfreundliche Erfahrungen mit Goths gemacht habe. Ich bin nicht stark „in der Szene“ verankert, kenne recht wenige Gothics und bin mit meinem Sein eher ein bisschen für mich selbst. Das liegt weniger daran, dass ich keine Lust hätte sonder mehr, dass in meiner Gegend es einfach enorm wenig gleichgesinnte gibt. Und genau diese legen ein wenig höfliches miteinander an den Tag und sind dazu enorm oberflächlich. Ich kann mir keine Aufwändigen Klamotten leisten und zum nähen fehlt mir das Geschick, was heißt dass ich meistens gedeckt aber eben mit H&M ect. Klamotten rumlaufe. Dazu erdreiste ich mich tatsächlich manchmal, bunte Klamotten zu tragen und sogar offen zu sagen, dass das meine Lieblingsweste ist. Deshalb wurde ich von den örtlichen Gothics als „Poser“ und „Möchtegern“ beschimpft und „soll mich doch möglichst fern halten“.
    Klar ist mir bewusst, dass das nicht representativ für die gesammte Szene ist, aber leider gibt es eben auch solche Menschen. Solche Menschen machen es als außenstehenden leider echt schwer, gleichgesinnte zu finden…wobei ich inzwischen zu dem Schluss gekommen bin dass diese sowieso keine Gleichgesinnten sind.

    Aber genug Kritik: Der Text ist klasse und ich kann das von den wenigen größeren events wo ich war ( okay…dem einen größeren Event) und den paar Konzerten genau so unterschreiben.

    1. @Charly: Danke für Deinen Kommentar – freut mich! Ich betrachte das auch nicht als Kritik, sondern Du hast es eben in Deiner Umgebung anders erfahren als ich in meiner, meine Beobachtungen stützen sich auf die Mehrheit der Situationen, die ich erlebt habe. Sicher hatte ich auch schon unhöfliche Erlebnisse mit Gothics, aber die könnte ich an einer Hand abzählen. Und da stellt sich mir dann immer die Frage: Waren das überhaupt welche? Oder ist hier mehr Schein als Sein. Es gibt den ollen Spruch: „True Goth is from the inside“, den ich sehr mag. Vivi hat das in ihrem Kommentar noch einmal anders auch gut ausgedrückt. Sich zu verbiegen haben diese Menschen, die wie Du schon erkannt hast wohl auch keine Gleichgesinnten sind, dann auch nicht verdient. Wer nur nach dem Äußeren geht… oberflächliche Menschen sind mir zuwider. Mach dein eigenes Ding und ganz sicher wirst du auch irgendwann deinen Leute finden, die dich verstehen. Und wenn es dann nicht unbedingt Gruftis sind, nun ja, auch nicht schlimm. Hauptsache man ist sich gegenseitig eine Bereicherung. Für den gothikalen Austausch gibt es ja das Internet. 😉

      Liebe Grusels
      Shan Dark

    2. Ich wurde in den 80ern geboren und war ein gutes Jahrzehnt aus vollstem Herzen Mitglied der Schwarzen Szene.
      Zu einer Zeit, als es noch nicht viele Goths mit dunklerer Hautfarbe gab, hab ich auf Szeneparties und Festivals schon ziemlich hervor gestochen, fühlte mich aber trotzdem viel akzeptierter als in der Mainstream Gesellschaft. Ich hatte eine sehr traumatische Jugend und bin bis heute sehr sensibel und künstlerisch veranlagt. Die Szene war somit nicht nur ein Pflaster für meine Seele, sondern auch der beste Ort um meinen Charakter zu entfalten. Viele der tiefgründigsten Menschen habe ich in der Szene getroffen. Durch Model Shootings kam ich in Kontakt mit ein paar Fotografen oder Musikern, die zumindest nach meiner Erfahrung durchweg intelligente und überraschend bodenständige Leute waren.

      „Die anderen“ gab es aber auch schon immer, da gebe ich einigen hier recht. Arrogante Goths die einen von oben herab behandelten. Leute die einem den Zugang zu ihrem Grüppchen verwehrten. Mobber und Menschen mit schlechtem, gemeinem Charakter. Und „Poser“ die mit Ende der Studien- und Partyzeit sofort ihr Schwarzsein ablegten. Gothic hängt nun mal mehr mit der Seele zusammen als mit Outfits, und diese Menschen sind schwer zu finden und zu erkennen.

      Man muss eben auch in der Szene mit Menschen aufpassen, so wie ausserhalb. Da BDSM, Sex und das Spiel mit Fetischen einen Platz in der Szene haben, fühlen sich auch einige Leute angezogen die keine Grenzen respektieren. Kann mich da an Grabscher, seltsame Angebote und unerlaubtes Filmen erinnern, weshalb ich schon die Polizei kontaktieren wollte. Das waren damals Ausnahmen, ich weiss nicht wie es heute aussieht.
      Um 2014 rum (weit nach der HIM und Evanescence etc. Welle) habe ich die Szene verlassen, einfach weil es mir viel zu kommerziell gepusht war. Es kam ne Menge Publikum das nach meiner Ansicht nichts Gutes brachte … nach und nach gingen Lieblingsbands „in Rente“ wodurch meine seelische Heimat sich änderte. Bis heute treibe ich mich auf Friedhöfen rum, mag Classic Horror, True Crime und Fantasy, kleide mich überwiegend schlicht dunkel und bin immer noch depressiv. Aber eben alleine. Vieles aus meinem Besitz was szenetypisch war habe ich irgendwann verkauft. Trotzdem ändert sich das Innere nicht automatisch mit dem Äußeren. Manche Leute finden mich immer noch „seltsam“.

      Mir tut es leid wenn ich lesen muss wie einige innerhalb der Szene auf Ablehnung oder verdecktes rassistisches Verhalten stossen. Sowas gab es auch damals vereinzelt. Kann nur raten Kontakt zu solchen „Goths“ zu meiden und sich andere Leute zu suchen. Solche sind meist reines Partyvolk, haben nicht die Philosophie der schwarzen Szene verstanden oder wollen das gar nicht.

      1. Schade, dass Du Dich irgendwann gezwungen gesehen hast, die Szene zu verlassen und jetzt mehr oder weniger „allein“ unterwegs bist… Mein Kontakt zur Szene ist auch nicht mehr so eng, wie er einmal war, aber ab und zu gebe ich noch einmal ein „Lebenszeichen“ von mir :-).
        Und Du hast Recht: Die „schwarze Seele“ bleibt :-).
        Liebe Grüße!

  11. torben.wiencke

    Also ich finde die gothic so geil, man ist anders, es gibt oberhammer klamotten. und die musik ist das beste Gothic4ever

  12. Für mich existiert die Scene nicht mehr wirklich, nach dem Split zwischen ca. 93-95….früher hatte man sich seine Klamotten noch selbst genäht, gebastelt sozusagen…sich auf der Straße gegrüßt, und nicht herablassend betrachtet von oben herab, wenn man mal einen anderen „Schwarzen“ oder Gothic Girl sah…auch von wegen „Schockfaktor“ da ist nichts mehr geblieben, heutzutage rennen doch fast alle, oder sagen wir extrem viele Randgruppen in schwarz herum, d.h. normalen Alltagschwarz, und selbst typische Sceneklamotten fallen unter diesem gar nicht mehr wirklich auf…und dann gibt es da solche abgehobenen, total arroganten, introvertierten Personen, die meinen etwas total besseres als alle anderen zu sein, die nicht laufen, sondern durch die Gassen & Straßen „schweben“, extremst aufgetakelt sind, und dann so erhaben tun & sich geben, als hätten sie das Wissen der kompletten Wikipedia und noch bis 4000 v.Chr. intus…sorry, solche
    Figuren kann ich nicht ab…peinlich einfach nur….nunja, andererseits bin ich froh, so „alt“ zu sein wie ich bin…denn das was z.B. hier zu einer bekannten Disse oftmals wandert, da kann ich mich oftmals nur fremdschämen…mit „Gothic“ hat das ungefähr soviel zu tun wie
    Elvis Presley mit melodic Doom-Death Metal…sad, but true…

    dF

  13. @Seele: Kann ruhig jeder wissen ;-).

    @all:

    Ist doch wahr – die Entwicklung hat stattgefunden und lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

    Deshalb bleiben aus meiner Sicht nur zwei Optionen: Entweder man bleibt in der Szene, sucht sich seine Leute zusammen und sch… auf den Rest, oder es kotzt einen alles dermaßen an, dass man sich komplett von der Szene lossagt und fortan nur noch sein eigenes Ding macht. So sehe ich das.

  14. @Seele: Die, die das Leben erfrischt, bin wohl ich, wa ;-)?

    @doomed forever: Ich kann verstehen, dass Du gefrustet bist, wie viele andere auch. Aber macht´s das besser? – Es gibt so ´nen schönen Spruch: „Besser eine Kerze anzünden, als über die Dunkelheit zu klagen.“ 😉

    – Man kann auch „Goth“ sein, wenn man sich außerhalb der Szene bewegt. Wenn einen die Szene dermaßen „ankotzt“ – es zwingt einen keiner hinzugehen ;-).

  15. hallo zusammen

    noch ein Kommentar wo ich denke, das di Szene nix für mich ist…..
    habe auch nu ein paar kennen gelernt via Internet. leider noch nicht live und in farbe.
    aber wenn ich mir diese ganzen komentare so an höre und lese, kommt immer wieder dieser nette spruch: es ist ein höfliches des intresse.
    dann der spruch: über tot kann man sich ja unterhalten. aber wird er konkret, laufen alle weg.
    so viel ich weiß, soll es mal anders gewesen sein. leider verkommt jede Szene. ist traurig aber war. umso größer eine Szene wird, umso dümmer wird sie. vor allem wenn die von den medien auch noch gepuscht werden.
    aber zum glück habe ich schon mal 2 Personen getroffen im netzt die wirklich das leben was sie sind. eine davon erfrischt mein leben. die andere ist leider verschwunden. aber das sagte sie von anfang an zu mir. daher kann ich damit leben.
    aber ich denke das macht auch das alter. die ganzen kiddies wissen doch gar net mehr was gothic ist bzw. mal war. aber wie auch wenn keine von den erwachsenen sich mühe gibt und die richtigen werte vermittelt. so kann eine Szene nur verkommen. aber gut. so ist das halt. zum glück gibt es menschen da draußen mit den ich mich austauschen kann. mal schauen wie viele es werden. zum glück bin auch aus dem alter raus, wo ich mich einer Szene zu gehörig fühlen muss. mir sind die menschen wichtig und nicht eine Szene und in jeder Szene sind tolle menschen. man muss sie nur finden.

    mfg seele

  16. doomed forever

    Seit dem großen Scene-Splut anno 93-95, ist nichts mehr wie vorher…nein, in FFM wurde man als schwarze Seele belästigt, vorallen von Türken, stupide angemacht, provoziert, ja regelrecht durch die Viertel gejagt, weil man(n) anders ist – anders aussieht…und deswegen ja gleich „Satanist“ oder dergleichen ist, so der Gedankengang dieser Toastbrot IQ Fraktion…erbärmlich. Ferner, manchmal muss ich mich wirklich fremdschämen, wenn ich sehe, welches Volk hier in die Matrix läuft…einfach nur (noch) peinlich…sorry, mit „Gothic“ im Sinn des Wortes hat es absolut nichts mehr gemeinsam…genauso wenig wie Hardcore EBM, oder sagen wir besser: Techno, Rave…der Gasmasken Trend, sowie die ganzen Knicklichter, auch Cyber genannt – sorry Leute, das ist KEIN Gothic mehr ! Und, früher hatte man sich seine Sachen selbst zusammen geflickt, in Second Hand Shops gesucht, etc…es gab keine X-Tra-X Scheisse (pardon) gibt es zum Glück anno 2015 auch nicht mehr, EMP hat das Zeug gekauft – und es ist schon mehr als eine stupide Anmaßung, wenn man gedisst wird, nach dem Motto: Aeh…der Fummel den Du heute trägst, ist aber kein Aderlass oder Lip Service….solche Markenposer….habe zwar auch Klamotten davon, aber laufe nicht 24h damit herum…dafür sind mir die Sachen zuschade…bleibt noch anzumerken, das anno 2015 nichts mehr ist…wie es scheint…oder einmal war…mir zumindest kommt die schwarze Scene hierzulande nur noch wie ein einiger Poppclub e.V.
    vor, schaut man sich mal die Gestalten an, die zur Trixxe pilgern…peinlich, widerlich…nein, früher war einiges anders, manches wirklich -ernsthaft- besser…als heutzutage…zum Glück bin ich schon lange keine 25, 35 mehr….

    Carpe Noctem
    ~dF~

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