Survival-Tipps: Goth at work

Nein, man hat mich nicht eingeschläfert. Es ist hier nur so still, weil es beruflich gerade so laut ist. Ich reise von Mainz nach Bonn nach Berlin zurück nach Mainz und wieder nach Bonn. Dabei arbeite ich im Online Marketing und könnte das alles remote machen. Aber Vorträge halten und Netwörking erfordern immer noch körperliche und manchmal sogar geistige Anwesenheit. Noch dazu bin ich ein Corporate Slave 😉 und Home Office ist nicht gern gesehen. Also schleife ich meinen Körper täglich zur Tür hinaus und abends wieder hinein. Und auf Arbeit können wohl die Wenigsten von uns ihre dunkle Seite so zeigen wie in der Freizeit. Aber wie bleibt man Goth trotz Kleidungscodex in der Firma und Erwartungen des Chefs und von Kollegen? Es sind manch saure Äpfel dabei, in die man beißen muss. Nicht jeder hat das Glück, sein eigenes Tattoo-Studio zu besitzen, in einem Plattenladen, Friseur oder Musikstudio zu arbeiten – selten ist das Aussehen passend oder sogar förderlich für den Beruf. Auch wenn in unseren Zeiten Piercings, Tattoos[1] oder manch schräge Body Modification niemanden mehr schockieren – wenn’s ums Geld und das heilige Firmenimage geht werden oft andere Maßstäbe gesetzt.

Ich habe aus meinen persönlichen Erfahrungen im Arbeitsalltag ein paar Survival-Tipps abgeleitet, mit denen ich bislang erfolgreich bin ohne meine Seele zu verkaufen :). Vielleicht helfen sie euch auch und ich bin natürlich sehr gespannt auf eure Erfahrungen.

Gothic-Sein oder Nicht-Sein auf Arbeit?

Tipp 1: Zeig wer Du bist, aber in homöopathischen Dosen.

Dem eigenen Kleidungsstil zu entsagen für eine Handvoll Dollar – darauf haben viele keine Lust. Ich auch nicht. Aber wenn man auf den Job wirklich angewiesen ist oder ihn beim Bewerbungsgespräch unbedingt haben möchte, sind Kleidung und Aussehen nun mal entscheidend. Ich halte es da mit dem Motto „Reduce to the max“, das ich gleich erkläre.

Fast jeder Job, Ausbildungsstelle und Position lässt ein Mindestmaß an persönlichem Stil zu. Selbst wenn man eine Betriebsuniform oder Schutzkleidung tragen muss, sind Ohrringe, ein Piercing oder schwarzer Lidstrich möglich. Ausnahmen: Personen in Forschungslaboren mit gefährlichen Kontaktstoffen (die in den weißen Raumanzügen mit den Imkerhelmen auf) und Ärzte im OP, die aufgrund von Quarantäne-Schleuse und Mundschutz leider eh nur ein wandelndes Augenpaar unter vielen sind. Alle anderen haben einen mehr oder weniger großen Freiraum zur Selbstexpression über Kleidung und Accessoires. Oberste Regel: anders sein, aber immer gepflegt.

schwarzes-schaf-goth-at-workReduce to the max –> Reduziere Deinen Stil zu Beginn auf ein Minimum, mit dem Du Dich noch wohlfühlst, aber die neuen Kollegen nicht mit dir selbst überforderst. Die meisten verstehen uns ja sowieso nicht und haben einen anderen Geschmack (oder gar keinen). Es lohnt sich daher nicht, sie mit deinem Goth-Sein oder Aussehen beeindrucken zu wollen und von deinem Können abzulenken. Du steckst schneller in einer Schublade, als du zeigen kannst, was für eine/r du bist und was du drauf hast! Pech gehabt, wenn es die falsche ist.

Besonders bei der Kleidung habe ich bereitwillig Kompromisse gemacht. Ich halte es da mit dem alten Sprichwort: Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing. Natürlich nicht ganz so eng gesehen, aber ich passe mich an und trage auf Arbeit ‚Business Chic’. Eher unaufgeregte Klamotten – dafür fast immer in schwarz, ab und zu mit dezenten Akzenten in farbenfrohem Grau, Petrol oder Khaki („Oh, Du bist ja heute so farbenfroh!“). Problematisch waren als Berufsanfängerin meine Schuhe. In Doc Martens mit Stahlkappe konnte ich nicht erscheinen und was anderes hatte und wollte ich eigentlich nicht. Es dauerte etwas länger, bis ich Schuhe gefunden hatte, denen ich ohne Antipathie begegnen konnte.

Bei Schmuck und Accessoires lasse ich mir nicht reinreden und die Meinungen anderer sind mir so ziemlich egal. Ich würde es nur machen, wenn es hygienetechnisch oder arbeitsschutzrechtlich zwingend erforderlich ist – und das ist bei Computerarbeit selten der Fall. Wenn ein Chef oder Firma tatsächlich ein Problem mit meinem Piercing an der Augenbraue (und früher noch in der Nase), Kettenanhängern oder Ringen hat, hat man wohl auch mit anderen Sachen ein Problem. Davon gehe ich zumindest aus und dann es ist von vornherein not the perfect match mit uns.

Es ist schon Jahre her, da habe ich mich auf einen Vertriebsposten für Finanzdienstleistungen beworben. 😯 Muss ich damals verzweifelt gewesen sein! Beim Vorstellungsgespräch saßen zwei degradierte Finanzvorstände vor mir, hauchten vor jedem Satz etwas Staub aus und kneteten mich und meine Motivationen für den Job durch. Die einzige Motivation war wohl, ein Gefühl für den eigenen Marktwert zu bekommen und bewerbungstechnisch etwas in Übung zu bleiben. Den Kracher hoben sich die McMoneys für die letzte Frage auf: „Wären Sie denn bereit, für die neue Position ihr Piercing herauszunehmen?“ Welches Piercing denn? Ach so, MEIN Piercing. Es war und ist schon so eins mit mir, dass ich es gar nicht mehr wahrnehme. Es gehört zu mir. Ich antwortete erstmal verdattert mit „Ja, natürlich“, was mir vermutlich eine peinlich berührte Situation ersparte, aber spätestens damit kam die Stelle für mich nicht mehr in Frage.

Zum Vorstellungsgespräch rate ich auf jeden Fall das anzulegen, worauf du an dir selbst auf keinen Fall verzichten möchtest, wenn du die Stelle bekommst. Es ist falsch, total stino zum Gespräch zu gehen und dann in der ersten Arbeitswoche den Obergruftie raushängen zu lassen. Das ist nicht ehrlich, nicht authentisch und verprellt nur die Leute. Beim Vorstellungsgespräch für meine jetzige Stelle hatte ich an allen 10 Fingern Ringe. Es war mir sehr wichtig – das war ICH und ich legte sie früher auch nachts nicht ab. Ich wurde trotz der Silber-Overdose eingestellt, selbst mit zwei Piercings. Meine damalige Chefin – die ganz die Business-Karriere-Frau war – sagte ein paar Monate später zu mir: „Es war gut, dass Du deinen Schmuck damals auch so im Bewerbungsgespräch getragen hast. So wussten wir gleich, was auf uns zukommt und wir wären ziemlich irritiert gewesen, wenn Du erst im Nachhinein in voller Montur erschienen wärest.“

Du kannst also auch du selbst bleiben mit wenigen Dingen. Für den Business-Goth-Look kreativ zu werden kann sogar Spaß machen. Erstmal schauen, was beim Arbeitgeber vom Stil so (durch)geht. Nach und nach kannst Du ein Schippchen Goth drauflegen. Gibt es keine negativen Reakionen oder Anmerkungen „von oben“ oder von Kundenseite und hast du eine zunehmende Jobsicherheit erreicht, darf das dunkel-schräge Element gern immer mehr durchfunkeln. Je mehr Akzeptanz, desto mehr Goth. Allerdings ist der Spielraum endlich. Ich habe mittlerweile mein Maximum gefunden – den Rest lebe ich in der Freizeit aus.

Tipp 2: Got(h) Hair?

me-businessWichtig für Waves & Gothics schon immer: die Haare. Auch im Job geht da einiges und man kann Akzente setzen. Meine Faustregel seit Jahren: Hingucker ja, Schocker nein. Farbexperimente oder auch lange Haare bei Männern ja, Undercut oder mein Sidecut nein. Daher trage ich Mittelscheitel und der Sidecut ist bisher kaum jemandem aufgefallen (zumindest spricht mich kaum einer darauf an^^). Kräftige Farben und Strähnen kommen aber gut an. Diese Erfahrung haben auch Freunde von mir gemacht. Als ich jedoch mal nach einem eher missglückten Färbeakt zu Vertragsverhandlungen mit konservativen Schweizern anrückte – nämlich mit zwei frischen tiefschwarzen Strähnen, die mein Gesicht wie Pech umrahmten, war selbst mein echt toleranter (Lieblings-)Chef sichtlich geschockt. Ich sagte ihm hinterher, dass ich das Gefühl habe, es sei etwas „too much“ und murmelte mir ein Sorry ab. „Ach Frau L., bei ihren Haaren schockt mich gar nichts mehr“, sagte er nur versöhnlich.

Tipp Nr. 3: Nehmen die mich ernst?

Leider besteht die Gefahr, dass manche es nicht tun, wenn man nicht in das normal-seriöse Raster passt. Ich werde das wohl auch nie verstehen, weil ich völlig anders gepolt bin und es gerade toll finde, wenn die Kollegen oder Chefs einen erkennbar eigenen Stil haben oder irgendwie anders sind. Vom Aussehen schließe ich grundsätzlich nie auf die Kompetenz einer Person – da kann man ordentlich auf die Nase fallen.

Notausgang-gothic-at-workIch kannte mal einen Abteilungsleiter in der IT, mit dem ich öfters mal zu tun hatte und der sich immer abweisend und mürrisch mir gegenüber verhielt. Er vermied den Augenkontakt und gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass er es kaum erträgt, wenn wir beide in einem Raum sind. Nun hat man nie überall Freunde. Aber ich konnte es mir bei ihm nicht erklären, war immer besonders freundlich und versuchte, ihn mit Worten etwas aufzulockern. Es half nichts. Irgendwann sagte mir ein vertrauter Kollege, der ihn gut kannte, dass er mir die übertragenen Kompetenzen nicht zutrauen würde „so wie ich aussehe“. Aha. Weil ich zwei Piercings im Gesicht und an jedem Finger einen Ring hatte?!? Das kann ich bis heute nicht verstehen. Auch Freunden von mir ist sowas ähnliches schon passiert. Besonders gern wird die Kundenkeule geschwenkt um die eigenen konservativen Abneigungen gegen den Look des Bewerbers zu rechtfertigen: „Ich bin mir sehr sicher, dass Sie dafür qualifiziert sind, aber sie wirken nicht seriös genug und unsere Kunden könnten Sie so nicht ernst nehmen.“ Okay. Danke fürs (Vorstellungs-)Gespräch.

Mit solchen Menschen muss man es einfach lassen und sie am besten ignorieren. Gern auch eine Prise Arroganz bei der nächsten Begegnung hinzufügen. Es bringt nichts, sich hier zu verbiegen, denn sie sind nicht zu überzeugen oder nur die Wenigsten. Mir ist es jedenfalls nie mit dem IT-Chef gelungen, aber als ich den Grund für seine Abneigung erfuhr hat mir mein Stolz verboten hier weiter „mit dem Schwanz zu wedeln“, den ich nicht habe. Wer derartige Vorurteile und Probleme mit jemandem hat, nur weil er anders aussieht und nicht ins vorgefertigte Raster passt, hat auch Probleme mit sich selbst. Auch ich habe gegen einige Menschen von vornherein Antipathie und bei so manchem Businessheini stellen sich mir die Nackenhaare auf. Aber ich bin trotzdem nicht festgejuckelt und gern bereit, diese zu revidieren, was schon paar Mal passiert ist.

Tipp Nr. 4: Wähle gut, mit wem Du „darüber“ redest.

Über Goth und die Welt unterhalte ich mich gern mit Gleichgesinnten. Aber nicht unbedingt mit Kollegen. Ich mag es nicht zu erklären, warum ich „so bin“, zumal das sowieso schwer zu erklären ist. Beeindrucken will ich damit auch niemanden, sowas Besonders ist es nun auch wieder nicht. Man sollte sich nicht zu wichtig nehmen – ich habe einfach nur einen anderen Geschmack. Ich möchte keine Extrawurst sein, sondern nur in Ruhe arbeiten können.

business-gothBei mir auf Arbeit wissen es nur wenige – wobei ich nicht weiß, wie hoch die Dunkelziffer ist 😐 . Wirklich intensiv habe ich nur mit gerade mal einer Handvoll Leute darüber geredet. Die meisten in meinem Arbeitsumfeld – da bin ich mir sicher – merken es noch nicht einmal oder können es nicht einordnen, weil sie Gothic nicht so kennen. Ist auch gut so.

Sobald man es jemandem erzählt, macht man sich auch angreifbar. Nicht alle sind so tolerant wie meine Kollegen und Chefs. Manche erzählen, dass sich über sie lustig gemacht wird a la „Na, wart ihr am Wochenende wieder Gräber ausheben?“ – „Nein, den ganzen Friedhof.“ 😆  Auch wenn es nur als Scherz gemeint ist, mich würde es auf die Dauer nerven. Daher halte ich es lieber unter Verschluss. Wenn mich natürlich jemand darauf anspricht, ob ich Gothic bin, antworte ich gern mit „Gut beobachtet. Sieht man mir das etwa an?“. Anhand der Antwort merke ich dann schon, ob ich mit demjenigen intensiver darüber reden möchte oder nicht.

Tipp Nr. 5: Trenne online Job und Goth.

Nur dann wichtig, wenn dein Beruf mit Gothic nichts gemeinsam hat und dir eine Verknüpfung deines richtigen Namens mit deiner düsteren Seite nichts oder gar Nachteile bringt. Man muss halt immer davon ausgehen, dass es beruflich mit der Toleranz nicht allzu weit her ist.

Bei mir haben Gothic, Reiseziele, Morbides & Skurriles jetzt wenig mit Online Marketing zu tun. Einige Kenntnisse aus meinem Beruf nutze ich zwar für den schwarzen Planeten, aber thematisch trenne ich das sehr strikt. Ich trenne daher auch meine dunkle und berufliche Seite im Web und in sozialen Profilen. Beruflich bin ich mit meinem echten Namen unterwegs, bei Xing und Google+ und bei berufsbezogenen Kommentaren in anderen Blogs (meistens). Bei Goth-Themen bin ich Shan Dark. Der einzige Kanal, wo sich das etwas unschön mischt, weil man nicht gruppenbezogen senden kann, ist Twitter. Da werdet ihr auch mit meinem Jobzeugs zugedingst, aber ich nutze Twitter auch eher beruflich als Infoquelle statt privat (da eher Facebook).

Natürlich findet man durch Online-Recherchieren auch trotz dieser Trennung schnell heraus, dass ich nicht die typische Marketingtussi bin, sondern schwarz angehaucht. Aber das muss einem nun nicht gleich bei Google auf Seite 1 ins Auge springen, oder? Ich möchte Fremden nicht sofort auf die Nase binden, was mich privat bewegt. Zudem ist manches hier auf dem Planeten auch grenzwertig für zarte, bislang davon unberührte Gemüter – und vielleicht verschließen sich dadurch einige Job-Türen?

Daher bin ich online quasi eine gespaltene Persönlichkeit. Ich füge nichts hinzu, sondern lasse bei jedem Profil nur das andere Ich weg. Aber ist nicht so schlimm, wie es sich anhört, wenn auch manchmal bisschen kompliziert. Macht das eigentlich noch jemand so? Ich kenne viele, die nur mit ihrem Nick online sind, aber kein Profil für ihren richtigen Namen haben, weil Web-Suchergebnisse für ihren Job auch nicht wichtig sind (wenn man im Online Marketing arbeitet, ist es das schon). Auch gibt es einige, die beides verbinden und ihr Goth-Sein im Beruf nach außen tragen, wie z.B. der Forensiker Mark Benecke (Zitat: „Wenn Du jemandem nützt ist es völlig egal, wie Du aussiehst.“) oder auch Prof. Dr. „Dunkelmunkel“ Spannagel.

Wie überlebst DU auf Arbeit?

Hattest du bislang die megatoleranten Chefs und Kollegen? Bist du auch schon mal/öfters angesprochen worden auf deine Haare, Schmuck oder Kleidung? Redest du mit deinen Kollegen darüber und wissen sie bescheid?

Lasst wissen! Mich interessieren eure Erfahrungen und Meinungen sehr – auch die von Anderen, nicht unbedingt nur auf Gothics bezogen.

Gern können die Blogger unter euch auch einen eigenen Blogpost dazu schreiben. Ein Link in eurem Artikel hierher wäre nett; ich nehme euren Beitrag dann auch hier mit auf. Bin gespannt!

 

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  1. [1] In Deutschland ist bereits jeder 10. tätowiert – ich hätte gedacht, es sind noch mehr.

Einfach Dranbleiben!

Skurriles, Düsteres, Morbides im Abo! Vernetze Dich mit dem schwarzen Planeten & Shan Dark:

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45 Responses to Survival-Tipps: Goth at work

  1. solitary_core 25. März 2013 zu 13:04 #

    da ich eh eine sagen wir unglückliche Vorgeschichte hab, bin ich selbst eher weniger auf das Ansehen andere Leute aus, im Grunde misfällt es mir sogar eher mich dem standard anderer Erwartungen anpassen zu müssen.

    Soll heissen es ist mir größtenteils Egal was andere sagen, da ich derzeit weder im Verkauf oder Kundenbetreuung unterwegs bin, muss ich das ja auch nich …

    Wenn ich mich da dann aber den Gepflogenheiten anpasse dann eher um die corperate identity zu erfüllen, nicht weil mein Schef das will.

    Hm sollte wohl doch andere Ringe ins Auge fassen, mit mein Glieder-Ring in Wirbelsäueln-Optik is nich so gut zu tippen, zumal das sich dann auch nich gut anhört beim auf Keyboard rumhacken 😀
    aber gut beim zocken hab ich den auch nich auf =P

    interressanter is dann eher das Thema Musik im Auto und Mitfahrer, halte es meistens so das ich dannauf ein „geregeltes Maß“ runterdreh aber solange ich fahr, is halt meine Musik im Player, wenn auch einige ausgwählte Stücke, mit splittercore und so sind dann doch die wenigsten einverstanden

    ^^°,…,°^^

    Die Trennung Shan und Real-Person find ich klasse, mach ich auch nich anders, auch wenn das dann eher auf OnlineGames und Foren meist bezogen, da will ich auch nich als realperson angesprochen werden sondern reicht mir ein schlichtes core oder eben Kashu’Rasz oder so ^^

  2. Andreas 25. März 2013 zu 13:28 #

    Auf Arbeit trage ich überwiegend schwarze Hemden und schwarze Hosen, das passt, ist Business-like. Wenn ich mal was Graues anhabe, fragen mich die Kollgegen, ob ein besonderer Tag ist, weil ich so „farbenfroh“ sei! 😀
    Hatte mal in nem Praktikum bei ner Zeitung Probleme, da ich ein Metal-Shirt anhatte. Die stellvertretende Chef-Redakteurin wollte mich gleich rausschmeißen. Ist dann aber noch mal gut gegangen. Beim Zivi im Katholischen Krankenhaus (!) waren Metal-Shirts und Springer kein Problem. Nichts ist so, wie es scheint! Erst Recht nicht beim Thema Individualität und Toleranz!

  3. clerique noire 25. März 2013 zu 16:45 #

    oh ha,

    ganz anders als Andreas hatte ich im Kathol. Klinikum Probleme. Das eine mal eine Abmahnung wegen eines T-Shirts und das andere mal mußte ich mein T-Shirt „links“ herum anziehen weil sich jemand gestört fühlte.

    Mittlerweile gehöre ich ja zu den namenlosen Augenpaaren im OP.
    Davon abgesehen habe ich nur schwarze (z.T. Bandshirts) auf Arbeit an. In kritischen Situationen wird der Kittel halt zu gemacht. Schmuck gibt es, bis auf die Uhr, gar nicht. Aber wenn man sich bitte vorstellt, was man dabei alles abgekommen kann, möchte man seine private Kleidung und Schmuck auch eher schützen.
    Den meisten, die mich auf der Arbeit kennen, ist Gothic nicht klar oder bewußt. Aber allen ist klar, daß ich niemals die große Gala-Dame bin oder werde, daher tolerieren sie meinen Stil, auch wenn sie ihn nicht (er)kennen. Meist huscht ein leichtes (Be)Lächeln über ihre Gesichter.
    Da mein Job nahezu nichts mit online zu tun hat, bin ich hier nur clerique noire. Auch um mein berufliches Leben zu schützen, denn die „alte-Herren-Liga“, die meine Chefs darstellen, ist katastrophal intolerant.

    Allen die sich da draußen durchschlagen wünsche ich auf jeden Fall viel Kraft!

  4. Lucretia 25. März 2013 zu 19:30 #

    Ich hatte bis jetzt glücklicherweise kaum Probleme.
    Momentan arbeite ich als freizeitpädagogische Betreuerin im Kinder- und Jugendbereich und laufe dabei meist ganz in schwarz herum. Leute mit Ahnung von der Materie würden mich (aufgrund entsprechender Schuhe und Schmuckstücke) wohl als Gruftie erkennen, zu denen gehören meine KollegInnen und die Kinder allerdings nicht.
    Meinen KollegInnen und ChefInnen ist es relativ egal wie ich aussehe, solange die Kleidung praktisch und nicht zu freizügig ist (was auch für mich vollkommen selbstverständlich ist) und die Kinder sind größtenteils neugierig. Viele fragen mich ob ich Metallerin oder Emo bin (den Begriff „Gothic“ kennt kaum jemand). Meine Antwort darauf fällt unterschiedlich aus, je nach Kind und je nachdem wie viel Zeit wir haben.

    Ich muss bei meiner Arbeit nicht zwingend immer und zu 100% schwarz tragen und es ist mir herzlich egal ob mich andere als Gruftie erkennen oder nicht, aber wohlfühlen will ich mich schon.

    Was das von dir beschriebene Zuschreiben oder Aberkennen von Kompetenzen betrifft, da stimme ich dir vollkommen zu!
    Ich wundere mich immer wieder über Leute die denken bloß weil jemand tätowiert ist oder gepierct kann er/sie nicht mit Kindern/Computern/Geld oder was auch immer umgehen. Mir ist es doch bitte schön egal ob die Frau in der Bank blonde oder grüne Haare hat, ob sie viel oder wenig Make-up trägt, ob sie ein Kopftuch oder einen Sidecut hat, das alles sagt ja nichts darüber aus ob sie ein sympathischer Mensch ist oder wie gut sie in ihrem Job ist!

  5. alice 25. März 2013 zu 21:00 #

    Ich trenne meine Kleidung d.h. ich habe Klamotten für die Arbeit und private Kleidung. Auf der Arbeit trage ich schlicht Schwarz. Auf meine Docs kann ich allerdings Sommer wie Winter nicht verzichten. Da meine Erscheinung sehr schlicht und unauffällig ist, steckt mich keiner (außer einer Kollegin, die es vermutet hat) in die Gothicszene/Schwarze Szene. Doch im ersten halben Jahr bin ich nach und nach zögerlich von 5 verschiedenen KollegInnen aufgrund meiner schwarzen Kleidung angesprochen worden. Da mir meine schwarze Kleidung schon ewig vertraut ist, wird mir erst in solchen Momenten bewusst, dass Schwarz-Tragen doch auffällt, vor allem im Sommer. Eine Kollegin hat sogar eine Verbindung zur Szene herstellen können und bewundert stets meine Docs 😉 … ansonsten halte ich mich sehr bedeckt, und da wir eigentlich eh so gut wie nie private Themen haben und nur über die Arbeit reden, weiss niemand wo ich mich so in meiner Freizeit bewege. Ich trenne so etwas ganz klar. Von daher würde ich mich auch nicht mit Kollegen befreunden können, habe da aber auch schon meine schlechten Erfahrungen gemacht. Auch würde ich sie nicht in einem sozialen Netzwerk adden wollen. Mein letztes WGT, an dem ich Urlaub beantragte, umschrieb ich mit Festival (…da ich danach gefragt wurde, wo es denn hingeht ). Eine meiner KollegInnen verband mit Festival Rock am Ring, ich ließ sie in diesem Glauben 🙂

  6. RandmHero 25. März 2013 zu 22:33 #

    Vermutlich ist das in der IT alles etwas entspannter. Zumindest konnte ich bislang tun und lassen was ich wollte – in einem alltagstauglichen Rahmen. Soll heißen, dass ich nicht mit Nieten-gespicktem Jacket in die Arbeit gehe und der Nietengürtel bleibt tagsüber auch im Schrank liegen. Andere, für den Otto-Normal-Bürger eher untypische Dinge, wie New Rock’s oder Totenschädel-Gürtelschnallen sind aber absolut unproblematisch. Auch bei Kundenschulungen stehe ich schon mal mit Schiebermütze und Septum da und labere mir einen ab. Vermutlich hat die Leute bisher interssiert was ich zu sagen hatte.

    Bisher hatte ich nur einmal einen Mini-Konflikt mit meinem Vorgesetzten, als ich auf das T-Shirt mit Firmenaufdruck verzichtet habe. Die Aussage, dass das viel über meine Einstellung zur Firma aussagt, fand ich dann doch etwas arg… unglücklich formuliert. Denn auch wen einem Vorgesetzen nicht schmeckt was man tut/trägt, so hat er meiner Meinung dennoch die Fassung und auch die Grenzen der Höflichkeit zu wahren.

    Ganz anders erging es einem Azubi-Kollegen von mir. Post-Punk der alten Schule und praktisch immer mit hochgradig personalisierter Lederjacke und grün angemalten Springerstiefeln am Platz anzutreffen. Seine Leistungen waren hervorragend und der gute Mann ist ein hoch kreativer Kopf. Scheinbar hat sein Äußeres unserem Obersten dann doch die Sicht versperrt und so wurde er – als einziger und trotz einwandfreiem Zeugnis – nicht übernommen.

    Erklären kann ich mir dieses leicht schizophrene Verhalten nur durch eine, mit dem Lineal gezogene Grenze unseres Chefs, an der ich bisher immer entlang wandern konnte. Es ist also wie du sagst: Für uns die wir anders sind in den Augen anderer, bleibt es eine alltägliche Gradwanderung zwischen beruflicher Perspektive und Aufgabe der Identität. Ich für meinen Teil würde einen Job, in dem ich nicht ich sein darf, ablehnen. Meine Identität – und das ist auch wer ich nach Außen hin bin – ist mir zu viel Wert, als das ich sie verkaufen würde.

    Stand your ground!

  7. solitary_core 26. März 2013 zu 09:28 #

    @ randmHero netter Name 😀

    das is immer die Frage inwieweit man sich verbiegen will für die corperate identity … im Verkauf Kundenbesuch etc sollte das schon sein, innerhalb der Firma wenn man keinen Kunden über den Weg läuft is es eher fragwürdig ^^

    Solange man das nicht als störende Maske empfindet hatt man auch kein Problem damit 😀

    kommt auch immer darauf an in wieweit man sich mit seinen Aussehen abgrenzen muss von der inneren Moral her, wenns eher zwanghaft wird ist es meist ein Problem als Arbeitnehmer ._.

  8. Alice 26. März 2013 zu 10:19 #

    In der Grundschule (Praktikum) hatte ich totale Panik, dass entweder meine Piercings, meine Dreads, meine Haarfarbe oder die (nichtvorhandenen) Augenbrauen ein Problem darstellen, also hab ich Kleidung so normal und langweilig wie möglich gewählt. Im Nachhinein hat sich rausgestellt, dass nichts davon ein Problem war. Diese (private ev.) Grundschule war darauf ausgelegt Kinder zur Akzeptanz und Toleranz zu erziehen, was offensichtlich funktioniert. Keiner der Lehrer hat mich mit diesem „boasiehtdieseltsamaus“ Blick angeschaut, sonder einfach nachgefragt. Auch die Kinder waren neugierig, klar, aber keineswegs geschockt oder gar ängstlich.
    Innerhalb dieser 3 Wochen Praktikum wurde dann auch meine Kleidung immer schwärzer ( in angemessenem Maß….Korsett, Plateauschuhe oder langes schwarzes Kleid sind natürlich unangebracht, genau wie schwarze Flecken um die Augen :D) und keiner behandelte mich deswegen anders, im Gegenteil, ich blieb freiwillig 3 Tage länger als nötig :).
    Das hat mir gezeigt, dass man auf jeden Fall man selbst bleiben sollte, wenn auch nur in kleinen Dosen, aber verkleiden macht auf Dauer nicht glücklich.

  9. Sonja 26. März 2013 zu 12:18 #

    Ich habe bislang auf der Arbeit nie optisch gezeigt, das ich Gothic bin. Warum? Nun gerade wegen der ständigen Diskussionen, denen ich teilweise ja schon auf dem Weg zu Konzerten ausgesetzt bin. Ich verstehe es nicht, warum ich mich ständig erklären muss. Wieso soll ich begründen, dass ich so bin, wie ich bin … ich frag ja auch keinen „Normalen“ warum er eben „normal“ ist *kopfschüttel* Folglich habe ich aufgrund meines Erscheinungsbildes auch nie erfahren, wie es eventuell ist, im Job angefeindet zu werden.

    In meinem letzten Job hatte ich allerdings eine Kollegin, die genau so unauffällig durch die Lande geschlichen ist, wie ich auch. Wir beide waren zwar immer etwas dunkler gekleidet als die anderen aber generell halt nicht weiter auffällig. Irgendwann hat sie sich mal ein Herz gefasst und mich in der Pause angesprochen und lange um den heißen Brei herum geredet, bis dann schließlich herauskam, sie ist ebenfalls Gothic. Inzwischen sind wir die besten Freundinnen, haben zwar die Arbeitsstelle gewechselt und schlagen uns nun jeder in unserem neuen Job mit dem Problem des „Andersseins“ herum.

    Allerdings muss ich sagen, dass es mir sehr gut getan hat jemand Gleichgesinnten auf der Arbeit zu haben. Ich kann mein „Ich“ ja nicht komplett auf der Arbeit abschalten und so tun, als sei ich ein anderer Mensch. Für mich persönlich kann ich daher sagen, dass es mir gar nicht so sehr darauf ankommt auch auf der Arbeit äußerlich zeigen zu dürfen wer ich bin sondern vielmehr, dass ich dort Menschen habe, die mich und meine Ansichten akzeptieren. Ich gehe daher verhalten offen mit dem Thema Gothic auch auf Arbeitskollegen und Vorgesetzte zu und ich habe die Erfahrung gemacht, so lange, wie man optisch „angepaßt“ bleibt, darf man auch seine „andersartigen“ Ansichten vertreten so lange wie man sie nicht mit Gothic in Verbindung bringt ;o)

    Auf meiner neuen Arbeitsstelle darf ich so sein, wie ich bin und das ist ein weitaus angenehmeres Arbeiten als jemals zuvor! Hier begegnet man dem Thema eher mit Neugier als mit Unverständnis oder gar Hohn!

    Ansonsten kann ich nur sagen, als Gothic alleine unter „Normalen“ zu arbeiten, ist ein täglicher Drahtseilakt! Schade, dass es nach wie vor so viele Berührungsängste und immer noch so wenig Akzeptanz gibt!

  10. solitary_core 26. März 2013 zu 14:44 #

    @ Sonja : da biste aber nich alleine, auch leidenschaftliche Videospieler genießen heute immernoch nich den besten Ruf, auch aufgrund diverser Massenmedien … insofern habe ich nun 2 Grenzlinien die es zu wahren gilt, darf nicht zu dunkel rüberkommen oder zu verspielt 😀

    noch schlimmer sind dann sicher noch die LARP Spieler … wen sie dann doch mal einen blauen Fleck oder so davongetragen haben das vor den Kollegen erklären zu wollen …

    aber da ich weder LARP noch CosPlay mache is das eher nebensächlich für mich 😀

  11. Tialda 27. März 2013 zu 09:49 #

    Ich hab das Glück, in einem sehr toleranten Büro zu arbeiten und hab auch schon im Vorstellungsgespräch (nach dem Probearbeiten) nachgefragt, ob meine Piercings und Tattoos denn ein Problem darstellen. Einziger Kommentar: Nein – wir mögen Individualisten, solange es gepflegt aussieht und du darauf achtest, dass deine Kleidung Bürotauglich ist.
    Ich bin also weiterhin in schwarz unterwegs, nur eben auf etwas elegantere Art und das Ganze abgerundet mit meinen typischen Accesoieres wie z.B. Schmuck und Armstulpen und schminke mich eher „Pin-up-like“ (Lidstrich, dunkle Augenbrauen, roter Lippenstift) anstatt superdunkel – damit kann ich ganz gut leben.
    Ich werde liebevoll „unser Bürogrufti“ genannt und fühl mich hier richtig wohl, weil auf meine Leistung und nicht auf mein Äußeres geachtet wird.
    Allerdings weiß ich nicht ob das in einem „normalen“ Büro klappen könnte – unser Büro ist mit 10 Leuten recht klein und hat mit Brandschutz zu tun – es arbeiten hier also hauptsächlich Architekten und die sind sowieso ein ganz… „besonderer“ Schlag Mensch. Hier hat jeder irgendwie ne andere Seltsamkeit an sich. Mein Freund nennt das Büro „AllyMcBeal“-Büro 😀

  12. Prinzessin 28. März 2013 zu 09:56 #

    Och, ich habe es jetzt nicht so offen erzählt, aber inzwischen wissen das hier ziemlich viele. Das schwarze Auto mit dem ASP-Heckscheibenaufkleber hat wohl dazu beigetragen.
    In der neuen Abteilung dauerte es etwas länger – wurde dann aber mit positiver Neugierde aufgenommen.
    (Ein Kollege steht total auf Steampunk und hat sich wahnsinnig gefreut, neue Adressen von mir zu bekommen!)
    Schuhe waren lange auch mein absolutes Problem, hat sich jetzt erledigt – Sicherheitsstiefel.
    Unschön ist eigentlich nur die Wetterschutzjacke mit neon-orangem Kragen. Aber was muss..
    Vermutlich habe ich ziemlich viel Glück – auch meine bunten (grün, pink, blau, türkis) Haare haben hier niemandem gestört. (Und das, obwohl ich bei einem Amt arbeite!)
    Ich habe noch immer viel „bunte“ Arbeitskleidung, laufe aber nie ohne etwas schwarzes rum. Das einzige, was mich stört: Röcke und Kleider gehen nicht. Aber das ist berufsbezogen. Wenn man ständig unter Schreibtischen krabbelt oder auf Leitern klettert, sind Hosen bei einer komplett männlichen Kollegenschaar einfach die bessere Wahl.

  13. Celina 29. März 2013 zu 17:46 #

    Ich weiß nicht, ich würde mich nicht unbedingt als Goth bezeichnen, ich mag die Kultur und so, bin aber nicht sonderlich „tief drin“. Nunja, ich habe lila Haare und Piercings im Gesicht. Mein Glück ist, dass ich im Tierheim arbeite und das dort niemanden interessiert. Klamottentechnisch… da habe ich eben meine Arbeitskleidung im sexy Tierpfleger-Khaki und blau, also muss ich mir darüber keine Gedanken machen 🙂
    Ich bin mit meinem Job ganz happy, was das Äußere angeht, bei uns ist alles okay.

  14. Parasita 30. März 2013 zu 19:51 #

    An der Hochschule ist der Dress Code zum Glück nicht so streng – und mit schlichtem schwarz kommt man ziemlich gut durch, auch in exponierteren Positionen. Der existentialistische Look der Soziologen war schon im Studium stilbildend, ein Grufti fällt da nicht weiter auf. Die Kollegen fragen auch nicht weiter nach und wer doch mehr wissen will, bekommt auch Antworten. – Viel auffallender ist die schwarze (Alltags-)Kluft an meinem zweiten Hauptaufenthaltsort: auf dem Spielplatz unter lauter bunt gestreiften und geblümten Kindern (und ihren Eltern) 🙂

  15. Shan Dark 30. März 2013 zu 20:53 #

    An alle lieben Dank für Eure Berichte und Meinungen zu diesem Thema. MEGAspannend, wie unterschiedlich die Erfahrungen teilweise sind und was Manche/r schon so erleben musste. Bin daher froh, dass doch so ziemlich alle hier aktuell zufrieden mit ihrem Job-Dasein sind oder ihren Mittelweg und „Arbeits-Stil“ gefunden haben.

    @Sonja: Gleichgesinnte auf der Arbeit zu finden ist etwas Tolles. Das lerne ich in meinem momentanen Job auch kennen – sometimes it even makes my day ;). Vorher war das aber nicht der Fall und nun ja, ich habe auch überlebt bzw. es auch nicht so sehr vermisst. Ein Drahtseilakt war es für mich nicht. Vielleicht weil ich irgendwann meinen Chef einweihen konnte, der es bemerkt hat und tolerant war bis zu einem gewissen Punkt. Ich gebe da RandmHero und einigen anderen recht: sich soooo stark zu ‚tarnen‘, dass man nicht mehr man selbst sein kann, bringt nix.

    Wir hatten kürzlich eine interessante Diskussion über dieses Thema. Meine Meinung war, dass – abhängig vom Job/Branche – doch auch der Arbeitgeber und das Geschäft davon profitieren kann, wenn es einen „schrägen/schwarzen Vogel“ im Team gibt. Kann gut sein fürs Team, für die eigene Kreativität und Arbeitsleistung (weil man sich selbst freier entfalten und dadurch ggf. besser einbringen kann *giltnichtfüralleBerufe*) und eine andere Herangehensweise an bestimmte Themen oder Kunden (!) schadet mMn auch niemandem. Die Diskussion ergab, dass vor allem im Kundenverkehr die Angst, Kunden mit dem anderen Aussehen zu irritieren und damit ihn von der Leistung abzulenken größer ist als das zusätzliche Potential, was gesehen wird. Es war eine traurige Erkenntnis zu hören, dass ein nur leicht vom „Standard“ abweichendes Äußeres dazu beitragen würde, dass ein anderer Bewerber mit genau der gleichen Qualifikation vorgezogen würde. Begründung: die Kunden haben bestimmte Erwartungen und diese könnten enttäuscht werden oder eben zumindest irritierend wirken. Ich kann das akzeptieren, aber ich kann es nicht verstehen. Es kommt doch letztendlich immer darauf an, wie der/diejenige rüberkommt und es zählt nicht nur der erste Eindruck. Wir sind ja nicht beim Casting! Sicher muss man oft doppelt so gut sein, um den Kunden zu überzeugen. Aber das kriegen wir ja schon hin 😉 Vielleicht kommen manche Kunden gerade deshalb wieder, weil sie es nicht mit Mr. 08/15 zu tun hatten, sondern weil sie sich den/diejenigen gleich besser „merken“ konnten? Oder weil sie so ein positives Erlebnis hatten, was ihnen im Gedächtnis geblieben ist (oder von dem sie den Anderen erzählen können). Wenn jmd im MediaMarkt super von einem Verkäufer beraten wird, der 3 Piercings im Gesicht hat – warum sollte der Kunde nicht wiederkommen? Egal, ob er anfangs irritiert war. Ich traue unserer Gesellschaft da mittlerweile viel mehr zu und ihr?

  16. Melle Noire 1. April 2013 zu 18:22 #

    Hi!

    Ich finde das Thema auch grad sehr spannend, da ich mich selbst damit demnächst näher befassen muß. Ich will eine Ausbildung im Büro machen ( läuft wohl auf Bürokauffrau hinaus ). Nun habe ich mich neulich mit einem guten Kumpel darüber unterhalten, der zwar in der schwarzen Szene unterwegs aber im Kopf recht konservativ ist. Der riet mir, ich solle mir ein Kostüm fürs Berufsleben kaufen, ich könne keinesfalls in meinen gewohnten Boots erscheinen, Miniröcke würden gar nicht gehen, ich solle mir – wenn auch nur fürs Vorstellungsgespräch – die Augenbrauen nachwachsen lassen ( geht für mich gar nicht, ich rasiere die sicherlich schon seit 15 Jahren ab und im Alltag renne ich dann halt „oben ohne“ rum, da ich mich da nicht schminke ) usw…

    Ich bin allerdings kein Mensch, der sich gern verbiegen läßt. Ich bin es gewohnt, mich auch im Alltag dunkel nach außen hin zu präsentieren.

    @ Shan: Du sagst, man solle beim Vorstellungsgespräch seinen gewohnten Schmuck anlegen, den man sonst im Alltag trägt. Bei mir ist das im Wesentlichen mein Nietenhalsband. Das ziehe ich vor allem im Sommer ständig an ( im Winter hab ich eher nen Schal um den Hals ). Ist das wirklich ratsam ? Den Kopf zerbreche ich mir auch darüber, daß ich in den warmen Monaten des Jahres sehr oft in zerrissenen Strümpfen herumlaufe. Das wird im Berufsleben wohl kaum gehen, nur finde ich nackte Beine bei mir nicht so toll, will mich im Sommer aber auch nicht totschwitzen. Nylons wären noch eine Alternative aber die finde ich ja ( im undurchlöcherten Zustand ) dermaßen DRÖGE… O.o ( und mit den Dingern bleibt man ja auch überall hängen und kassiert Laufmaschen ). Für mich ist das ein echtes Dilemma. Im Winter ist es für mich einfacher, denn da trage ich meist absolut blickdichte Wollstrumpfhosen.

    Ich habe jetzt demnächst erstmal einen Beratungstermin beim Arbeitsamt. Mal schauen, wie ich dort aufkreuzen werde ( wahrscheinlich ganz normal – also für meine Verhältnisse… 😀 ). 

    Dunkle Grüße !
    Melle

  17. Shan Dark 1. April 2013 zu 21:36 #

    @Melle Noire: Nietenhalsband und zerlöchterte Strumpfhosen gehen in keinem Job, wenn Du mich fragst – beides ist einfach too much für Otto Normalbürger und wird in fremden Köpfen mMn gleichgesetzt mit Punk und ‚Verwahrlosung‘. Jedenfalls fällt mir kein Beruf/Stelle ein, wo das durchgehen würde. Rasierte Augenbrauen sehe ich jetzt nicht als Problem, die solltest Du Dir ggf. aber „aufmalen“, wenn Du auf Arbeit gehst oder – wenn es aber nicht zu krass aussieht – kannst Du auch in natur ohne zum Vorstellungsgespräch/Arbeit gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, warum man jemanden wegen fehlender Augenbrauen nicht einstellen sollte.

    Mein Tipp fürs Vorstellungsgespräch – so ist das im Artikel gemeint: ziehe Dich so an, wie Du bei einer Einstellung jeden Tag auf Arbeit kommen würdest. Ich halte es für falsch, im VG brav zu erscheinen und bei Einstellung dann wesentlich gruftiger. Da kann es Dir passieren, dass Du die Probezeit deswegen nicht überstehst. Es ist auch nicht fair und ehrlich/“geschummelt“ dem Arbeitgeber gegenüber. So kann er schon beim VG einschätzen, ob er damit leben kann, Du ins Team und ggf. zu Kunden passt. Es ist jedenfalls wichtig, einen Mittelweg zu finden, mit dem beide Seiten leben können. Deswegen schon etwas „abrüsten“ im Outfit, aber noch Du selbst bleiben.

    Dir würde ich zum Vorstellungsgespräch konkret raten: ohne Augenbrauen (s.o.), dezentes Make-up (falls nötig), als Schuhe irgendwo ein paar normale Stiefeletten (die trag ich immer, das geht ganz gut) nachrüsten beim Deichmann oder so und stinknormale, dröge, schwarze Strumpfhosen anziehen (ohne Löcher ;)). Ob es jetzt das Kostüm sein muss… ich würde das erstmal checken, wie die Firma da so drauf ist und schauen wie weit ich mit einem schwarzen, eleganten Rock (knielang) und schwarzer Bluse/Oberteil komme und auch damit zum Gespräch gehen. Und nicht zu viel Haut zeigen 😉

    Viel Erfolg auf jeden Fall!

  18. Melle Noire 2. April 2013 zu 07:00 #

    Ich werds erstmal mit meinen Boots versuchen, denn darin kann ich den ganzen Tag bequem durch die Gegend rennen ( in Stiefeletten breche ich mir nur irgendwo unterwegs die Haxen ). Ich dachte beim Bewerbungsgespräch an einen Pulli und einen geeigneten Rock ( keine Bluse, ich bin kein Blusenmensch ). Das mit dem Nietenhalsband finde ich jetzt bitter, vielleicht finde ich aber auch einen toleranten Arbeitgeber.

    Übrigens gibt es immerhin Aushilfsjobs in Callcentern, wo man kommen kann, wie man will. Ich habe mal einen gemacht mit 20, da bin ich damals in voller Montur zum Bewerbungsgespräch. Der Chef dort dann zu mir: Also, wenn Sie so mutig sind, so hier aufzukreuzen, dann traue ich Ihnen auch ohne weiteres zu, daß sie am Telefon Verkaufsgespräche führen können. LOL 😉

    Dunkle Grüße ! 🙂
    Melle

  19. kleine Eule 7. April 2013 zu 16:18 #

    …..die Tipps finde ich an sich schon wirklich gut. 🙂

    Allerdings habe ich bezüglich der Kommunikation mit den Kollegen eine gegenteilige Erfahrung gemacht. Viele sind einfach sehr neugierig, weil sie nicht kennen was sie gegenüber stehen. „Halbprivate Dinge“ kommen da ganz gut an. Man muss natürlich schauen, wie man es sagt, aber wenn man es „erklärt und in ihre Sprache übersetzt“, erntet man durchaus Verständnis und verständiges Kopfnicken.
    Auch halte ich es so, dass ich sage, dass ich mich betont offen gebe („man darf mich alles fragen“) – kommt sehr gut an und die Kollegen gehen ganz anders mit einem um. Je selbstverständlicher man die Dinge nach aussen trägt, um so selbstverständlicher akzeptieren es die Menschen um einen rum.
    Gut, ich wurde gebeten auf mein Patchouli zu verzichten, aber wenn man den ganzen Tag zusammen im Büro sitzt kann ich es eingeschränkt nachvollziehen wenn man den Geruch nicht mag. Wäre bei mir das Gleiche wenn sich z.B. jemand mit Vanille einsprayen würde.
    Auch decke ich meine Tattoos ab und verzichte auf Nieten – aber das ist ein kleiner Kompromiss an die teils ältere und sehr konservativen Kollegen ^^.
    Arbeit ist eine Notwendigkeit da das System dieser Gesellschaft nun mal auf Geld basiert – und um Miete, Strom ect zu zahlen braucht man nun mal Geld. Man kann sich einschränken – wie Du auch sagst – aber nur soweit dass man sich noch wohl fühlt. Einschränken schön und gut – aber man sollte nicht so weit gehen sich selbst zu verkaufen. Man hat nur dieses eine Leben.

  20. kleine Eule 7. April 2013 zu 16:25 #

    @Mel:
    Ich arbeite auch im Büro.
    Rangers sind bei mir zumindest gar kein Problem – im Sommer hat sich eine Kollegin nur geäussert ob mir das nicht zu warm wäre. Aber die sind akzeptiert. Genau wie mein langer Mantel ohne den mich die Kollegen gar nicht mehr kennen ^^
    Eine Kollegin meinte sogar, sie würde sich Sorgen machen wenn ich auf einmal mit etwas mit bunt ankäme ^^
    Auch trage ich mein Gesicht bleich und schwarz und stutze die Brauen. Wenn man damit langsam anfängt (wie Shan schreibt) und z.B. erst Eyeliner, Lidschatten, dann Brauen, dann Gesicht, dann Lippen, Nägel mal so nebendrin schwärzen, fällt es keinem auf. Ich gehe niemals ungeschminkt zur Arbeit. 🙂

  21. Shan Dark 8. April 2013 zu 21:49 #

    @kleine Eule: Danke Dir für Deine Tipps und Erfahrungen – echt gut, besonders: „Je selbstverständlicher man die Dinge nach aussen trägt, um so selbstverständlicher akzeptieren es die Menschen um einen rum.“ Das sehe ich auch so. Wobei akzeptieren nicht verstehen heißt. Aber das erwarte ich auch nicht, nur Akzeptanz. Ist die nicht gegeben, fehlt die Grundlage für das Miteinander. Akzeptanz = Einverständnis (in den Anderen), aber nicht zwangsläufig Achtung vor dem Anderen. „Verstehen“ wäre dann nochmal das next level, was es zumindest bei mir im Team selten gibt und was ich umgekehrt aber auch bei einigen Kollegen nicht schaffe. Es ist wohl auch nie mit und von allen möglich und ist auch nicht nötig. Aber zu akzeptieren, dass jeder Mensch anders ist und manche ihr Inneres auch nach außen tragen wollen und nur dadurch vielleicht gerade am besten sind, weil sie sich wohl und selbstsicher fühlen, das MUSS sein.

  22. Cbeed 11. April 2013 zu 19:48 #

    Habe meinen ersten Arbeitstag noch vor mir und muss mich noch „outen“. Bei meiner Bewerbung habe ich „Cybergothic“ bei „Interessen“ angegeben, aber ich denke, das wurde nicht gelesen. Ich switche ständig zwischnen meinem Stil und normal hin und her (je nach Klientel), aber das ich zur Bewerbung als „Normalo“ gekommen bin, finde ich im Nachhinein jetzt etwas unehrlich.
    Ich habe mich schon daran gewöhnt, dass es in meinem Alltag, also der Schulalltag, kein Problem war, so rum zu laufen wie ich wollte nur jetzt muss ich mal schauen…
    Kajal muss auf jeden Fall drin sein (bin männlich, deswegen etwas problematisch).

  23. kleine Eule 12. April 2013 zu 20:44 #

    @Shan:
    Danke für das Kompliment 🙂

    Hm, das erinnert mich daran als ich an einen Schreibtisch versetzt wurde wo ein megakitschiger ekelhafter Kunststoffmarienkäfer (die echten mag ich aber die künstlichen sind iiiiiiiiiiihhhhhhh kitschig pfui) auf dem Telefon klebte. Ich habe es dann ausgetauscht gegen das der Kollegin. Als sie es nicht verstand habe ich den Minitotenkopf von meinem Schreibtisch gezeigt und gesagt, es sei ungefähr so wie wenn sie den da den ganzen Tag auf ihrem Telefon hätte. Nur eine Kleinigkeit aber ein gutes Beispiel für das was ich meine 🙂

  24. Shan Dark 12. April 2013 zu 22:07 #

    @kleine Eule: hehe, gutes Beispiel – ich verstehe. 🙂 Und dann auch noch auf’m Telefon, wo man jedesmal/oft draufguckt.

    @Cbeed: Wenn Du beim Gespräch normal gekommen bist, dann würde ich es die ersten Tage/Wochen auch eher so halten und langsam steigern. Kajal würde ich aber gleich vom ersten Tag an tragen, denn das ist Dir wichtig (Dein MUSS) und kommt ja blöd, wennste die erste Woche ohne kommst und die zweite dann mit Kajal. Dann denken vllt. manche, Du hättest Dich extra für sie bzw. die Arbeit geschminkt. 😉 – Ich vermute, dass sie Cybergothic nicht überlesen haben, sondern dass sie damit nix anfangen konnten und es ihnen nicht wichtig schien in Bezug auf den Job. Ich würde bei Interessen in Bewerbungen nur das angeben, was für den Job nützlich sein könnte bzw. wo es Parallelen geben könnte, über die man im Vorstellungsgespräch spricht. Hättest natürlich auch einen sehr offenen Personalmenschen/Chef erwischen können, der Dich fragt, was das ist. Aber die meisten scheuen es wohl eher, offen zuzugeben, dass sie etwas nicht kennen und sich das dann in einem Bewerbungsgespräch erklären zu lassen. Was ich meine: „Cybergothic“ hätte ich z.b. angegeben, wenn ich mich für ein Musikmagazin oder Label oder Stylekram oder entsprechende Läden beworben hätte. Oder man gibt als Interessen was an, wo jeder mitreden kann und man im besten Fall mit dem Personaltypie bzw. künftigen Chef „Gemeinsamkeiten“ herstellen kann, wenn man darüber redet, wie z.B. Fussball *hust*, Reisen, Golf spielen, Surfen, Sex on the beach… 😛

  25. Robert 17. April 2013 zu 00:33 #

    Goth & Arbeit. Ein sehr komplexes Thema. Grundsätzlich können wir ja froh sein, dass wir 2013 haben und uns in Deutschland befinden. Hier erscheinen mir die „Regeln“ für die Existenz im Beruf lockerer oder zumindestens aufgeklärter zu sein. Soweit ich das überblicken kann, sind höchstens die Schweden oder Dänen noch lockerer. Ist aber nur ein subjektiver Eindruck 🙂

    Ich selbst komme, was die Klamotten angeht, in keinen Konflikt, da ich im Lebensmittelbereich arbeite und dort sowieso eine Art „Uniform“ vorgeschrieben ist. Auch die Frisur, Haarfarbe ist egal, solange ein Haube drüberpasst. Konfliktpotential liegt hier im Schmuckbereich. Es darf kein nach außen sichtbarer Schmuck getragen werden. Aus hygienischen Gründen versteht sich 🙂 Das schließt Piercings mit ein. Und ich liebe diese Form der „Verschönerung“. Dem ein oder anderen wird aufgefallen sein, dass ich im Gesicht keine Piercings trage (außer in den Ohren, aber da geht ja die Haube drüber). Das ist einzig und allein dem Beruf geschuldet. Glaubt mir, wenn ich könnte wie ich wollte.. 🙂

    Das Bewerbungsgespräch. Ich glaube, da kann man keine pauschale Aussage treffen. Ich denke, dass jeder, der einen Job will, sich zumindestens so kleiden sollte, dass sein Qualifikation im Vordergrund steht und nicht sein Aussehen. Eine Form der Anpassung ist unerlässlich. Da ich aufgrund meiner Ausbildung beide Seite der Bewerbung kenne, empfehle ich auch für das Bewerbungsfoto einen Style, der zum einen nicht die Neigung versteckt, aber gleichzeitig auch dem Job entsprechend gewählt wird. Das gilt natürlich auch für das Bewerbungsgespräch.

    Ich denke, dass ein sauberes und gepflegtes Äußerers nicht von der Art der Kleidung abhängt. Auch Gothics können sehr gepflegt aussehen. Aber wie gesagt, das hängt vom Beruf ab. Beim Bewerbungsgespräch finde ich es unvorteilhaft, die volle Szene-Klamotte zu tragen, da die von mir als Bewerber eher ablenkt. Schlicht sollte es sein. Piercings, Tattoos oder Frisuren würde ich nicht verstecken, dass ist sonst doof wenn es irgendwann mal rauskommt. Grundsätzlich sollte man nicht „verstecken“ was man ist, sondern offen mit der Vorlieben umgehen. Alles andere ist nur Selbstbetrug. Natürlich ist Anpassung unerlässlich, aber verstecken sollte man sich nicht.

  26. solitary_core 22. April 2013 zu 14:33 #

    sind grade dabei deinen Blogeintrag im „Unterricht“ durchzunehmen, weil wir ja grad bei Handlungskompetenz, äußeres Erscheinungsbild und Büro-Organisation und so sind…

    schönen Gruß und immerschön auf Fledermäuse achten 😀

    ^^°,…,°^^

  27. Shan Dark 22. April 2013 zu 15:03 #

    @solitary_core: Uh, fühle mich geehrt. Dunkle Grüße an alle im „Unterricht“ und viel Spaß. Ist ja mal ein nicht so trockenes Thema, denke ich.

    @Robert: Danke für Deine Erfahrungen (Beileid wegen der nicht-möglichen Piercings). Ja, die Qualifikation sollte immer im Vordergrund stehen, das Aussehen zumindest zu Beginn nicht davon ablenken. Wenn man sich im Team oder mit den Kunden länger kennt oder gar keinen Kundenkontakt hat, kann man es etwas lockerer sehen.

  28. solitary_core 22. April 2013 zu 16:20 #

    und ich hatte schon Angst dasich etwas tat, das vieleicht falsch ist, im Sinne von deine Blogwelt publik zu machen, andererseits ist ja das dann Paradox wenn man soetwas online stellt und dann keiner lesen soll 😀

    gab rege Diskusion generell mit dem Thema „Persönlichkeit versus Corperate Slave“ und dein Beitrag hatt eben doch sehr schön gezeigt das es eben auch geht ohne sich zu sehr zu verbiegen, verkleiden und die eigne Seele zu verunstalten, daher fand ich es ganz passend, sah meine Dozentin genauso und hatt es Vorgelesen.

    Aus meinen Unterricht nehm ich zumindest mit das ich kein Intresse hab an Rechnungswesen, dafür is mir da alles zu statisch und muss zu penibel sein, allerdings gab es mir einen Einblick darin was es eben heist Buchhaltung zu machen, nein damit mein ich nicht Regale zu bauen, eher das andre Ding mit Bilanzen, T-Konten und Kontierungen etc ^^

  29. Shan Dark 23. April 2013 zu 00:03 #

    Sehr gern 😉 ich freu mich, dass ich ungeahnterweise etwas zu eurem Thema beitragen konnte und sogar Danke an Dich!

    Haha, wenn Buchhaltung was mit Regalen zu tun hätte, wäre ich da vllt eher rangekommen. Hatte das auch mal in der Ausbildung / es war das Grauen! Teilkontenrechnung und so Kram – ich hab’s auch nicht gerafft. Aber was hat das mit Anderssein auf Arbeit zu tun? Vermute, ihr seid da einfach vom Hundertsten ins Tausende gekommen.

  30. Ian von Nierenstein 6. Mai 2013 zu 00:08 #

    Ich persönlich mache mir wegen schwarzer Kleidung nicht sonderlich Gedanken. Viele Büro-Menschen tragen schwarz, darin sehe ich gar nicht das Problem. Nun gut, auf meine Boots könnte ich schon verzichten, solange ich im Büro sitze. Es ist vielmehr die Form der Frisur. Interessanterweise sieht man sehr oft Menschen mit Glatze, aber auch langhaarige Leute. Was in der Branche offensichtlich ein absolutes No-Go ist, sind Iros und Undercuts, was ich persönlich absolut nicht nachvollziehen kann. Es gibt doch schon einen optischen Unterschied zwischen einem „zerrissenen“ Straßenpunk und einem gepflegten Schwarzkittel. Leider sieht der „Normalbürger“ dazwischen keinen großen Unterschied. Das ist mitunter sicher auch ein Grund, weshalb man Türmchen und Iros heute kaum noch in der Szene findet, da diese längst aus ihrer Zeit als „Jugendkultur“ (wo man zu Schulzeiten noch machen und aussehen konnte was und wie man wollte) herausgewachsen ist. Es ist schwierig, aber ich fürchte, auch ich muss mich demnächst von meinen ausrasierten Seiten trennen und die typische langweilige „Banker“-Frisur sprießen lassen müssen. Das klingt hart, aber wie gesagt, müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass wir nun mal keine Jugendlichen mehr sind und die Arbeit vor geht. Wie du schon schreibst, wessen Brot du isst, dessen Lied du singst. Es ist nun mal ein Geben und Nehmen. Du hast einen sicheren Job, musst dich aber halt dementsprechend in die Corporate Identity einfügen. Manche Firmen wollen nur Blonde, manche nur Rothaarige, manche wollen nur Asiaten, das ist nun mal so und hat nichts mit Diskriminierung zu tun, denn jede Firma hat ihre eigene Philosophie, das ist auch ganz legitim – und ein offensichtlicher „Gruftie“ hat z.B. in kirchlichen Einrichtungen einfach nichts verloren. Da muss man halt Kompromisse eingehen: Sind einem die Haare und Piercings jetzt so verdammt wichtig? Dann ist es womöglich der falsche Job. Denn verbiegen sollte man sich auf gar keinen Fall. Weder für die eigene „Szene“ noch für den Job, denn (ob man das jetzt glaubt oder nicht) genau so etwas kann auf die Gesundheit schlagen.

  31. V. 9. Mai 2013 zu 22:12 #

    Ob meine Chefs & Kollegen „megatolerant“ sind, ist mir nicht klar. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass ich eher normal (jedoch in schwarz) „herumlaufe“ und so die wirklichen Grenzen nicht erfahre, sie aber auch nicht erfahren möchte.
    Ich arbeite in einer kirchlichen Einrichtung und von alt bis jung, also entsprechend tolerant, ist dort alles vertreten.

    Mit Hose, Bluse/Pulli (die/der gerade noch so den Nietengürtel verdeckt), minimal mehr Schminke, gemischtem Schuhwerk und ohne auffälligen Haarschnitt/-farbe, ohne Piercings & Tattoos gehe ich eigentlich als Normalo mit Chic-Tendenz durch, auch privat. Nur manch Detail möchte ich nicht ablegen, bevor ich nicht darum gebeten werde. Ich trage gerne Schmuck, der z.B. kleine Särge darstellt, einfach, weil ich es niedlich finde.
    Nur damals bei den Vorstellungsgesprächen war ich zu feige und habe mich von meinen kleinen Särgen getrennt.
    Sehr selten findet sich mal so etwas wie eine Schnalle an einer Jacke.
    Deswegen hat es mich schon ein paar Mal verwundert, als ich darauf angesprochen wurde, zumal das meist an genau den Tagen war, an denen echt nichts hätte auffällig sein können.

    Der Blick mancher meiner Kollegen bleibt an eben diesen kleinen Details wie Schmuck hängen. Doch nur von den wenigsten wurde und werde ich angesprochen, ob ich denn zu den „Gotiks“, „Gottickern“ o.ä. gehöre oder „Pfingsten mit dorthin gehe“, weil ich „so schwarz“ gekleidet bin.
    Erst letzte Woche wurde ich von einer Mitarbeiterin (jedoch ungewohnt neutral u. interessiert) wegen eines Kettenanhängers angesprochen, der an dem Tag das einzige Detail war. Sie hat sich sogar einfach die Zeit genommen, was ich irgendwie positiv fand.
    Die Abteilungsleiterin starrt immer ziemlich auf einzelne meiner Schmuckstücke, sagt aber nichts dazu, sondern äußert normal ihre Arbeitsanliegen. Sie redet aber eher „spaßig“ (?), ob diese und jene Feiern etwas für mich wären und wenn ich ausnahmsweise doch ein lila Oberteil trage, sagen viele Kollegen: „Mensch, heute mal in Farbe?!“

    Direkt mit meinen Kollegen/anderen Mitarbeitern darüber gesprochen habe ich demzufolge nicht, möchte ich auch nicht. Ich muss dazu sagen, dass ich versuche nicht viel Privates zu erzählen, sondern eher über allgemeine Themen zu reden, wenn es grad nicht um die Arbeit geht. Abgesehen davon sind meine Kollegen oberflächlich und engstirnig. Das einzige Thema, was über Essen, Körperfigur und Benzinpreise hinausgehen darf, ist die Arbeit selbst. Gespräche werden minutengenau geführt. Von daher …

    Was die Kombination Äußeres & Job angeht, bin ich zufrieden. In der Ausbildung musste ich in gelben und weißen Kitteln oder pinkfarbenem Kasack herumgeistern, worunter ich mich nicht wohl gefühlt habe. Andererseits war in manchen dieser Einrichtungen das Arbeitsklima schöner, dann achtet man nicht mehr darauf, ob man grad lieber etwas schwarzes tragen würde. In anderen Abteilungen meiner Einrichtung müsste ich auch entsprechende Einheitskleidung tragen.

    Ich sehe auch selbst überhaupt kein Problem darin, wenn jemand – abhängig vom Beruf – Piercings o. Tattoos trägt oder sich anderweitig zurecht macht. Es sollte nicht übertrieben wirken. Fragt sich jetzt, was übertrieben ist … Mir ist aber aufgefallen, dass z.B. individueller aussehende Personen aus dem Verkaufsbereich auch ganz anders auf einen Kunden wirken, also auch sympathischer. Sie sind vom Verhalten offener, lockerer und sind oder wirken dadurch sogar motivierter als ihre 0815-Kollegen. So zumindest meine bisherige Beobachtung, Ausnahmen gibt’s aber auch.

    Gruß,
    V.

  32. Shan Dark 11. Mai 2013 zu 15:38 #

    Hallo V.,
    danke für Deinen langen Kommentar und Deine echt interessanten Erfahrungen. Bei mir ist vieles wie bei Deiner jetzigen Arbeit, auch wie ich darüber empfinde und Deinen Beobachtungen kann ich absolut zustimmen. Vor allem dem letzten Absatz, dass schräger aussehende Leute häufig wirklich motivierter und offener bei der Arbeit/im Verkaufsbereich/Kundenkontakt wirken. Sie versuchen dadurch wohl auch unterbewusst den „Irritationseffekt“, den sie beim normalen Gegenüber auslösen, wettzumachen. Die Erwartungshaltung ist ja häufig ’negativ‘ (was das denn für eine/r?!) oder bestenfalls noch ’neutral‘ bei den Meisten, dass muss man auffüllen und sich dadurch auch bisschen mehr anstrengen. Eigentlich ungerecht (und schizo), aber so ist unsere Gesellschaft nun mal. In anderen Ländern ist es meist aber noch schlimmer als in DE. So zumindest meine Erfahrung.

    Klar, sind die Kollegen häufig oberflächlich interessiert – das ist genau der Grund warum ich empfehle wie Du nicht zu viel darüber zu reden. Wiederum bin ich auch oberflächlich wenn sich meine Kollegen über Weber-Grills oder Golf unterhalten. Da bin ich streckenweise sogar so oberflächlich, dass ich das Weite suche 😉

    Was meinst Du mit „Gespräche werden minutengenau geführt.“? Darunter kann ich mir grad nix vorstellen.

  33. V. 12. Mai 2013 zu 02:06 #

    Hallo Shan Dark.

    Mit „minutengenau geführte Gespräche“ meine ich, dass die direkten Kollegen nahezu auf die Uhr schauen, wenn sie sich ausnahmsweise privat unterhalten bzw. es wird sich nur privat unterhalten, wenn im Hintergrund mal 5 min der Wasserkocher brodelt. Nicht mehr und nicht weniger und eben nur über diese 0815-Themen, die mir zeigen, dass diese Menschen eigentlich gar kein Leben führen. Jedenfalls wird einem nicht mehr zugehört, wenn man über diese Zeit hinaus ist, egal, um was es geht. Arbeit geht über alles. Die Mittagspause habe ich schon nach einer Woche nicht mehr mit ihnen verbracht. Wahrscheinlich so eine „Flucht“ … Teilweise sind meine Kollegen so, dass ich in der Probezeit überlegt hatte, was ich falsch mache, weil sich zwischenmenschlich nix aufbaute. Weder positiv, noch negativ, selbst neutral wäre der falsche Begriff. Und genau das hat sie mir mit der Zeit äußerst unsympathisch gemacht.

    Ich habe in der Einrichtung eine Hand voll Leute, die sehr herzliche Menschen sind und mit denen ich keine so oberflächlichen Gespräche führen muss. Natürlich plaudere ich mit denen auch nicht viel Privates, aber das wenige, was wir uns abseits vom Thema Arbeit (aber auch im Rahmen dessen) unterhalten, beruht auf wirklichem Interesse, was man richtig merkt.
    Daher schrieb ich das wohl so komisch. Einfach, weil meine Kollegen im Vergleich zu anderen aus dem Haus wirklich einen Extremfall darstellen, was eben selbst diejenigen bemerken, die gar nichts mit uns zu tun haben. Ich werde von Anfang darauf angesprochen, wie ich so mit denen klar komme und überhaupt arbeiten kann … eben weil sie so eigenartig sind. Viele meinen, sie könnten das nicht. Ich kann das an der Stelle nicht weiter beschreiben, das würde auch den Rahmen sprengen. Muss man eh erlebt haben, wenn Du verstehst. 😉 Das hat mit deinem eigentlichen Blogeintrag nicht mehr viel zu tun. Aber ich sag’s mal so, mit den „herzlichen“ Kollegen _könnte_ ich mich vielleicht eher über etwas Goth-relevantes oder anderes wirklich Privates unterhalten, als mit meinen direkten Kollegen.

    Zu der Sache mit dem „Irritationseffekt“:
    Selbiges kam mir auch in den Sinn, als ich meinen Kommentar schrieb. 🙂 Entweder versuchen sie unterbewusst durch ihr Verhalten zu zeigen, dass sie entgegen ihrem provokanten Äußeren dennoch freundliche Menschen sind und müssen sich so erst einmal behaupten. Oder es ist Teil des Charakters. Natürlich gibt es überall schüchterne und offenere Leute. Aber ich denke hinter dieser Kombination stecken doch meist (nicht immer) offenere Menschen, zumindest wirkt das so auf mich.
    Mit Kombination meine ich in diesem Falle das Äußere, welches automatisch Aufmerksamkeit bedeutet & einen Beruf, in dem Schüchternheit einen nicht weiter bringt. Da steckt meist schon eher jemand dahinter, der offen und locker ist … und sich einfach gut zu verkaufen weiß.

    Gruß,
    V.

  34. Eulchen 22. Dezember 2013 zu 14:26 #

    ….hm, ein Coach hat mal in einem Seminar hat beim Thema Aussenwirkung im Job sinngemäß gesagt:
    „Die Leute, die auffällig im Job rumlaufen bzw. so zu Bewerbungsgesprächen gehn tun das in der Regel weil sie den Job nicht wollen, so dumm sind es nicht zu merken, oder weil sie es sich leisten können weil sie so gut in ihrer Arbeit sind dass sie wissen dass sie sich keine Sorgen machen müssen.“

  35. Melle Noire 24. Dezember 2013 zu 07:57 #

    @ Eulchen: Boah, ist das zynisch… Da fehlen mir die Worte… o.O Ich hasse diese elende Konformität in der Arbeitswelt… Immerhin werde ich irgendwann einen großen Teil meines Lebens arbeitend verbringen, da will ich doch schon auch noch ein Stück weit ich selbst bleiben dürfen… Und was nun bereits „auffällig“ ist und was nicht, interpretiert jeder wieder anders. Was ich ganz normal und cool finde, provoziert sicher bei so manchem nen Schreikrampf. Wenn man Pech hat, gerät man an einen ganz konservativen Arbeitgeber… :/ Ich bin jetzt ab Januar erstmal Quasselstrippe in Teilzeit im Callcenter, dort scheint es etwas lockerer zuzugehen…

  36. Melle Noire 3. März 2014 zu 17:53 #

    Zwischenbericht : Ich bin jetzt erstmal Kundenberaterin für eine Telekommunikationsfirma am Telefon im Outbound (ich verkaufe) und kann soweit bisher alles anziehen, was ich will. Angestestet habe ich neulich auch mal mein Nietenhalsband. Da hab ich nichtmal nen Augenbrauenhochzieher von IRGENDjemandem bemerkt. Nichtmal mein Chef hat merklich gezuckt. O.o Allerdings haben wir ja jetzt auch noch Winter – mehr oder weniger. Schaun wir mal, wie die in meiner Firma auf meine Sommermode reagieren… 😀 Könnte interessant werden… Auf jeden Fall geht es da bei uns sehr tolerant zu, man hat da wirklich Leute ALLER Coleur…

  37. Shan Dark 3. März 2014 zu 18:45 #

    Ich drücke Dir die Daumen, Melle, dass sie weiter so tolerant bleiben. Aber wenn ich eine Prognose wagen darf: es sieht gut aus! 🙂 Telefon ist allerdings noch was ganz anderes als direkter Kundenkontakt.

  38. Melle Noire 3. März 2014 zu 22:31 #

    Danke Dir! Ja, das stimmt! Allerdings ist die Arbeit auch ganz schön anspruchsvoll, das hatte ich so nicht unbedingt erwartet. Ich dachte ja, ach joa, ich suche mir dann mal „übergangsweise nen anspruchslosen Telefonjob zum Geldverdienen“… PFFFF… Also ANSPRUCHSLOS ist an dem Job mal gar nix 😀 Am Anfang dachte ich nur: HILFE, mein Kopf EXLODIERT… Man muss da erstmal so vieles lernen, muss so viel im Gespräch beachten (auch rechtlich), das ist alles ganz schön komplex. Und auch nach 5 Wochen stehen noch regelmäßige Coachings an, ich kriege zB auch noch Feinschliff usw, umfassende Gerätekunde steht noch auf dem Stundenplan die Woche USW… Die grauen Zellen werden jedenfalls ganz schön beansprucht, der Job fordert mich ganz schön. Und ich will meine Arbeit möglichst perfekt abliefern, kann bislang teilweise sogar am WE davon kaum abschalten (ich arbeite daran aber)… Ich suche ja eigentlich noch nach ner Ausbildung. Dazu fehlt mir im Moment schlichtweg die Zeit. Ich arbeite zwar nur 4 Std am Tag aber hier gibt es ja auch noch bei uns daheim immer etliches zu regeln, ich mache ja hier alles Organisatorische, kümmer mich um die Finanzen usw, ich wurde auch schon von Kollegen gefragt, ob ich Kinder hätte (eben weil ich nur in TZ arbeite )… Nö, ich habe HOBBYS 😀 Und die Wochenenden sind für all das, was ich eigentlich meist vorhabe, viel zu kurz, so vieles bleibt grad einfach auf der Strecke… :/

  39. Vivi 30. April 2014 zu 08:46 #

    Innerlich bin ich immer „Grufti“, äußerlich sieht man mir´s nicht immer an bzw. kann es bestenfalls nur ahnen…
    That´s all ;-).

  40. Noire Mari 17. Februar 2015 zu 14:25 #

    Also ich hatte eine Ausbildung als Bürokaufmann gemacht, war aber nie glücklich im Bürowesen, habe einige Jahre in Callcentern gearbeitet, aber die waren bis auf weniger Ausnahmen nicht sehr tolerant. Ich bin allerdings kein Mensch, der sich gern verstellt, was zeigt was er nicht ist. Daher ich bin es nicht gewohnt, mich auch im Alltag schwarz nach außen hin zu zeigen oder Piercings rauszumachen oder noch peinlichere Scheisse, wie überkleben. Auch meinen Sidecut verberge ich nicht 😉

    Da ich nach und nach, wie geschrieben, merkte das dies nicht meine Welt ist, habe ich mich entschieden nochmal eine Ausbildung als Jugend- und Heimerzieher zu machen, hier sind die Menschen tolerant, auch wenn es nicht jeder versteht. Manche sind aber interessiert und fragen nach, die kriegen auch ne ehrliche Auskunft und wer es nicht abhaben kann: What the fuck!

  41. Leananshee 12. April 2015 zu 13:01 #

    Ich selbst habe es auf Arbeit relativ einfach, soll heißen ich muß mir nicht viele Gedanken über meine Kleidung machen.
    Als Hebamme in einer Klinik trage ich den Standard-Kasachstan und eine helle Hose, wie meine Kolleginnen. Nicht mein privater Geschmack, aber nett genug und ich kann damit gut leben. Oben leuchten meine weinroten Haare heraus, im Dutt, weil sonst einfach unpraktisch. Dafür mit edlen Haarnadeln. Armreifen und Ringe darf ich nicht tragen, aber drei Ringe in jedem Ohr, große Kettenanhänger, dunkler Lidstrich stört niemanden, solange das Gesamtbild gepflegt ist . Ich habe durchaus auch Kolleginnen mit großen Tattoos auf den armen oder „schrägen“ Haarschnitten. Wer allerdings gute Arbeit macht, darf sich das bei uns leisten, wie gesagt, Hauptsache gepflegt. Den Frauen, die wir betreuen, ist vor allem wichtig, dass wir ehrlich und echt sind, uns nicht verstellen. Ansonsten wünscht sie sich nur zugewandte Betreuung. Da ist egal, ob jemand mit oder ohne Piercing für dich da ist.

  42. TheRaven 8. Januar 2017 zu 15:43 #

    Ich grabe das hier mal wieder aus, weil ich mich gerade im Zwiespalt befinde..

    Es wird bei mir in der Ausbildung gestellte Arbeitskleidung getragen, jedoch gibt es Situationen wo man eben ohne diese herumläuft.
    Aber prinzipiell ist nichts oder wenig an Schmuck erlaubt.. wenn ich dann mal ohne rumlaufe, fällt es schon sehr auf weil ich eben schwarz trage und es kommen dumme Kommentare der Mitschüler und fragende Blicke/Fragen der Ausbilder (häufig zB „Sind Sie etwa in Trauer?“ *augenverdreh*). Meist jedoch mit negativer Betonung..
    Finde sowas sehr schade und frage mich doch immer wieder wieso man sich denn dauernd rechtfertigen muss, zumal ich wirklich in normalen Klamotten herumlaufe – eben nur in Schwarz.
    Fühle mich zeitweise schon sehr eingeschränkt.

    Habt ihr einen Tipp, wie man damit besser zurecht kommt?

  43. Shan Dark 12. Januar 2017 zu 10:46 #

    Hallo TheRaven,
    danke für deinen Kommentar – das Thema kann man ruhig gern noch mal aufwärmen, ist ja fast zeitlos. 😉

    Traurig, ich dachte, dass sich schwarz generell schon durchgesetzt haben sollte als akzeptable, nicht-Trauer-bezogene Farbe. Aber bei dir im Umfeld scheint das noch nicht angekommen zu sein. Das tut mir leid für dich, kann nachempfinden, dass derartige Bemerkungen echt nerven, vllt. auch verletzen. Einen richtig guten tipp habe ich da auch nicht, dazu müsste ich mehr wissen, wie die Leute drauf sind bei dir. Aber versuche es einfach auszuhalten und dir eine Verärgerung nicht anmerken zu lassen. Wenn sie merken, dass sie dich damit nicht ärgern können, dann lassen sie es auch irgendwann. Lege dir ein bisschen Panzer zu. Vielleicht auch mal ein paar Sprüche zum Entgegnen sammeln wie z.B.
    – Einer muss ja hier mal bisschen Farbe reinbringen. 😉
    – Ich kann ja auch nix für, mein Kleiderschrank spuckt nix anderes aus.
    – Sind ja auch traurige Zeiten…
    – Ihr seht halt aus wie Fasching, muss ja auch nicht sein. (nur zu den Mitschülern)
    – Mit Schwarz bin ich halt immer schnell gut angezogen.
    – Schwarz passt halt zu allem, selbst zu euch.

    Einiges ist bisschen arg bissig, muss vllt. nicht, aber das kannst du selbst am besten dosieren/entscheiden. Zu mehr als einem dummen Spruch würde ich mich allerdings nicht hinreißen lassen. Würde mich weder erklären noch rechtfertigen noch viel von Gothic erzählen (nur auf ernst gemeinte Nachfragen). Das alles musst du auch nicht, denn das Problem liegt klar auf deren Seite, nicht auf deiner. Du machst ja nichts „falsch“.

    Schmuck würde ich allerdings auch weglassen, wenn es nicht erlaubt ist. Das sollte man dann auch auf ARbeit nicht ausleben, wäre mein Tipp.

    Liebe Grusels
    Shan Dark

  44. TheRaven 13. Januar 2017 zu 21:43 #

    Vielen Dank für deine Antwort.
    Mit Rückfragen bei dummen Kommentaren von Ausbildern erreiche ich mittlerweile zumindest, dass diese ihr Handeln etwas hinterfragen. Aber wie du schon sagst, bei den Leuten an sich lohnt es sich (leider) auch nicht, groß zum Nachdenken anzuregen – geschweige denn etwas zu erzählen..
    Deine Sprüche find ich teilweise echt super, muss ich mal ausprobieren 😀

    Ganz allgemein finde ich es auch schwer zu akzeptieren, dass man einfach immer noch Kompromisse machen muss.. wieso nicht auf der Arbeit auch komplett „ausleben“ können ohne daraus irgendwelche Nachteile zu ziehen, wenn man sich doch wohl fühlt..?
    Bin ich denn auf der Arbeit ein anderer Mensch oder muss ich das sein, stellt sich mir öfter die Frage..
    Da gibt es ja kaum einen Beruf, bei dem das für „uns Schwarze“ möglich ist, so zu sein wie wir sind..

  45. Shan Dark 24. Januar 2017 zu 22:27 #

    Hi Raven,
    immerhin, wenn Du ein Nachdenken erreichst ist das auch schon viel wert und vllt. ändert sich dann auch was. Ich gebe dir recht: es ist traurig, dass man immer noch Kompromisse machen muss – in manchen Berufen ist das mMn unbegründet. Was anderes ist es dort, wo Hygienevorschriften herrschen oder der Arbeitsschutz Vorrang hat. Im Büro finde ich es oft schade, im Kunden-Verkehr würde es manchmal auch gut tun, mal etwas ausgefallenere Wesen zu sehen. Aber da geht natürlich keiner gern ein Risiko ein, wenn die Gefahr besteht, dass durch das andersartige Aussehen Kunden verprellt werden könnten. Mein Credo als Chef wäre: man muss gepflegt aussehen und es darf nicht arbeitsbehindernd sein (also mich oder gar andere bei der Ausübung der Arbeit stören). Der Rest wäre mir egal. Je wohler sich jemand in seiner Kleidung fühlt, desto besser arbeitet (neudeutsch: performed) er – so zumindest meine Erfahrung.

    Liebe Grusels
    Shan

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