Riesenfinger und Zwergencharme

Links zum Abbiegen – Feb 2013

Der Februar ist wie immer recht kurz angebunden. Da werden mal flott 28 Tage ausgehustet, eine gleichbleibende Wolkendecke in strahlendem Grau darüber gelegt und wir alle mit einer fiesen Grippe ins Bett verfrachtet. Die Tage rieselten dahin – manche mit Schnee, als hätte ihn El Mariachi mit seinem „Und es ward Winter…“-Fotopoesiebeitrag erneut heraufbeschworen. Jetzt freue ich mich aber auch auf die ersten Schneeglöckchen & Krokusse, mildere Temperaturen und ähm, auf die Elektronische Nacht am 2. März :).

Nicht alle Links zum Abbiegen wurden als Beiträge jetzt im Februar 2013 veröffentlicht. Aber das ist auch kein Gesetz, an dem ich mich selbst aufhänge. Hier soll es einfach monatlich skurrilen oder düsteren Lesestoff auf anderen Seiten geben, unabhängig davon, wann er erschienen ist. Merci auch an alle Linktipp-Geber diesen Monat!

Der Gruselfinger

Der Finger unserer Riesen-Vorfahren? (Foto: Gregor Spörri)

Wem gehört der Finger? (Foto: Gregor Spörri)

38cm lang – und wir reden hier von einem menschlichen Finger! Während einer Ägyptenreise im Frühjahr 1988 bekommt der Basler Discothekenausstatter Gregor Spörri vom Nachfahre einer Grabräuberfamilie einen uralten, 38 Zentimeter langen abgehackten Finger gezeigt. Der scheint von einem humanoiden Riesen zu stammen, der im Verhältnis eine Größe von 5-6 Metern gehabt haben müsste. Der Finger sei leicht gewesen – höchstens 300g, mit ledriger Haut und er roch nicht mehr ganz so frisch. Ist der Finger ein Beweis für die Legende, nach der früher göttergleiche Riesen auf der Erde gelebt haben (unter anderem die Nephilim)? Spörri untersuchte und fotografierte das mumifizierte Objekt, dessen Bilder um die Welt und hierzulande in die BILD gegangen sind. Meine Lieblings-Skeptiker vom Dienst – Alex und Alexa vom genialen Hoaxilla-Podcast – haben die Geschehnisse um den schlimmen Finger geprüft, sogar unseren Mark Benecke um seine Forensiker-Meinung gefragt und versucht, das Riesenrätsel zu lösen. Hört Euch unbedingt die Podcast-Folge zum Relikt von Bir Hooker an! Irgendwie faszinierend gruselig ist die Sache schon…

Der Kleine mit dem großen Charme

„Der Fluch des Abnormalen“ trifft auf den nur 1,17m großen Roland Hofer nicht zu – höchstens in seiner Kindheit, als der Kleinwüchsige von seinen Schulkameraden in Südtirol schikaniert wurde. Seitdem hat er es von der Jahrmarktbude bis ans Zürcher Schauspielhaus geschafft. Roland Hofer hat sich nie verkrochen vor der Öffentlichkeit, sondern zu seiner Andersartigkeit gestanden. Das sympathische Portrait eines Optimisten, Charmeurs und schlagfertigen Schlitzohres.

Chikan!

„Chikan“ ist das japanische Wort für „Sittenstrolch, Perverser“ und es hat sich eingebürgert für eine spezielle Form der sexuellen Belästigung in Japan; nämlich bezogen auf das vorgeblich versehentliche Berühren von Frauen im engen Gedränge in öffentlichen Verkehrsmitteln. Zufällige Berührungen sind dort geradezu unvermeidlich, werden aber auch gern von Männern ausgenutzt zum gezielten Befummeln. Zum Schutz davor gibt es sogar spezielle Frauenwaggons. Wer im japanischen ÖPNV von einer Frau lautstark als „Chikan“ bezeichnet wird, dem droht eine mehrjährige Freiheitsstrafe – es sei denn er kann seine Unschuld beweisen, was nahezu unmöglich ist. Die Not von belästigten Frauen nutzen jetzt kriminelle Jugendliche, um Geld von zu Unrecht angeklagten Männern zu erpressen, die hohe Summen zahlen aus Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung als „Grapscher“.  

Ungewöhnliche Friedhöfe

Den Friedhof der Kuscheltiere kennen wir alle. Aber es gibt auch Friedhöfe für ausgediente Flugzeuge, Schiffe und Boote, Panzer, ja sogar für Taxis und englische Telefonzellen. Fast schon ein Outdoor-Kunstwerk ist der Friedhof für Anker in Portugal. Friedhofs-Fotos der etwas anderen Art!

The Postpunk Project

Support the Postpunk-Bildband! (Quelle: <a href="https://www.facebook.com/postpunkproject">Facebook THE POSTPUNK PROJECT</a>)

Support the Postpunk-Bildband! (Quelle: Facebook THE POSTPUNK PROJECT)

Bleiben wir gleich bei Fotos der anderen Art: Big Hair, Pikes, Spitze, Lack und Nietenarmbänder – die Postpunk- und Goth-Szene der 80er könnte bald ihren ersten und einzigen und ihr euren eigenen Bildband haben. Allerdings nur, wenn durch Spenden das nötige Kleingeld in Höhe von 8.000 Dollar für die Produktionskosten zusammenkommt. Es sind allerdings nur noch 3 Tage Zeit zum Spenden! Das schaffen wir! Ich hab heute gespendet und ich hoffe, wer auch nur ein bisschen kann, dass ihr dabei seid, um diese wunderbaren Wurzeln der schwarzen Szene in Bildern zu erhalten. Ihr zahlt natürlich nur, wenn die 8.000 Dollar zusammen kommen – der Bildband wird dann 2014 erscheinen. Bei der The Postpunk Project Facebook-Fanpage könnt ihr am einfachsten auf dem Laufenden bleiben.

„Die Szene hat kein Alter“

Es gibt nicht viele TV-Berichte über Gothics, die man sich ansehen kann ohne Fremdschämen – entweder für die „Szeneangehörigen“ oder für die Reporter, die das Elend verzapft haben. Eine der ganz wenigen wirklich guten Dokumentationen habe ich bei Spontis‘ YouTube-Kanal entdeckt. Im Rahmen der WDR-Doku-Serie „Menschen hautnah“ werden vier Gothics bis in die Tiefen ihres Privatlebens mit Kamera und Mikrofon verfolgt. Sie sprechen für sich selbst – ohne Wertung seitens WDR, weshalb der Beitrag wahrscheinlich auch so gut ist. Nur ein Mal, wenn die Reporterin über das WGT berichtet, entgleitet es leicht, aber das kann man kaum übel nehmen. In ihren „Gothic-Alltag“ lassen Petra (43) und ihr Sohn Julian (17) blicken, sowie das schwarzromantische Pärchen Elena (21) und Erik (30). 45min lang erhalten wir Einblicke in „Schwarzes Glück – Gothics sind anders“, so der Name der Doku. Gerade Elena und Erik sind mir sehr sympathisch und sie leben in ihrer ’selbstgeschaffenen‘ Welt, die sich an manchen Stellen durchaus mit der meinen deckt. Von Erik stammt auch der fast schon weise zu nennende Satz „Die Szene hat kein Alter.“ Klar. Denn was man einmal in sich entdeckt und geweckt hat, verliert man nicht im Laufe des Lebens, sondern man vertieft es – solange es gut tut.

Einfach ausdrücken, bevor man geht…

Die wirklich wichtigen Fragen des Ablebens werden wie immer auf dem Bestatterweblog erörtert: Was passiert eigentlich mit meinen Pickeln, wenn ich sterbe? Ich erspare Euch ein Bild dazu :).

 

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7 Responses to Riesenfinger und Zwergencharme

  1. Kara Ben Nemsi 1. März 2013 zu 13:24 #

    coole sache mit dem finger aber so wie ich meine ägypter kenne haben die das ding selbst gebaut. es gibt nichts was die nicht fälschen können.
    auf jedenfall ein schönes mitbringsel fürs heimische kuriositätenkabinett… bin mir sicher das man sowas auch heute noch herstellen lassen kann. in luxor gibts da künstler für alles.. mumien wurden seit dem mittelalter von denen gefälscht um die nachfrage nach „mumia-pulver“ für den europäischen medizinmarkt abzudecken.. vielleicht ist das fingerchen ja noch aus dieser zeit.. die ägypter selbst sind ja sehr abergläubig und vielleicht wurde das relikt über generationen weiter vererbt und zum schluss glauben die besitzer selbst an seine echtheit. mir wurde berichtet das unfruchtbare frauen heute noch in die tempel gehen und sich da gesteinspulver aus den wänden kratzten und sich wasser aus den heiligen seen abfüllen.. und das trotz islam und zig fatwas gegen zauberei. die spuren sieht man dort überall…schlecht für die denkmäler aber irgendwie auch cool.

  2. Kara Ben Nemsi 1. März 2013 zu 13:43 #

    in Sachen Kuriositäten empfehle ich ganz sehr das Museum im sächsischen Waldenburg.. die fürstliche Sammlung sollte so manches Gruftiherz höher schlagen lassen..

    http://www.museum-waldenburg.de/?id=2f00e&s=nature

  3. Kara Ben Nemsi 1. März 2013 zu 14:01 #

    http://www.isis-und-osiris.de/isisosiris/main/phpBB2/viewtopic.php?t=28211&highlight=waldenburg hier hatte ich mal paar bilder eingestellt

  4. Shan Dark 1. März 2013 zu 15:53 #

    @Kara Ben Nemsi: Cool, vielen Dank für den Tipp und die pics – das Museum in Waldenburg will ich auch unbedingt noch besuchen. Ein echtes skurriles Reiseziel im schönen Sachsen, steht schon länger auf meiner Liste. Aber immer wenn ich in der Heimat bin, bleibt keine Zeit für sowas. *seufz*

    Du könntest gut recht haben mit der Fälschung des Fingers. Das Problem ist, dass nur diese Fotos existieren, denn Spörri durfte ihn zwar ansehen und löhnte dafür 300 Dollar, aber ihn nicht kaufen. Auch ein cleveres, vermutlich typisch ägyptisches Geschäftsmodell. Passt gut zu dem, was Du berichtest. Ich dachte immer, die Asiaten/Chinesen sind die Meister der Plagiate, aber scheinbar stehen die Ägypter ihnen in nichts nach. Spörri ist später noch mal nach Ägypten gereist und hat versucht, den Mann ausfindig zu machen, der ihm den Finger damals in den 80ern gezeigt hatte. Aber er war wie vom Erdboden verschwunden. Jedenfalls ist an der Story vieles mysteriös. Genau das nutzt Gregor Spörri aber, um auf seinen aktuellen Roman „THE LOST GOD“ aufmerksam zu machen: http://www.thelostgod.com/„der ultimative Endzeitthriller basierend auf einer wahren Geschichte“. jaja.

  5. caravaggio 4. März 2013 zu 12:57 #

    http://www.orf.at/#/stories/2169833/

  6. solitary_core 5. März 2013 zu 23:10 #

    und ich dachte schon wir ham ein Beweis für die Konstruktuere ._.

    na dann hoffe ich mal dir gehts jetz wieder besser, nich das unsre Schneekönigin ihren Planetenthron ins Bett verlegt 😀

    Der Finger erinnert mich an die Fiji Meerjungfrau und so^^

    http://en.wikipedia.org/wiki/Fiji_mermaid

  7. Shan Dark 6. März 2013 zu 10:31 #

    @solitary_core: Ganz ehrlich – an die Konstrukteure musste ich bei dem Finger auch als erstes denken! Ich bin mir aber auch sicher, dass die Fiji Meerjungfrau „fingiert“ war, also nicht echt sondern gut zusammengebastelt. Aber sie hat ihren Zweck des Geldverdienens gut erfüllt.

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