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GOTHOTHERAPY in Warschau

Warschau: JA oder NEIN? Was kann man von der polnischen Hauptstadt erwarten – so als Grufti? Nach einer kleinen, nicht repräsentativen Umfrage unter Warschau-Besuchern in meinem sozialen Umfeld war ich nicht viel schlauer. Die Meinungen über Warschau reichten von „schön modern mit post-sozialistischem Charme“ über „vergleichbar mit Frankfurt“ bis hin zu „kann man auch lassen“. Für Schwarze war die Stadt offenbar nichts. Also würden wir nicht extra dahin fahren, sondern nur, wenn es auf dem Weg liegt. Und genau da lag es plötzlich!

Unser Zeltversteck - wild campen ist in Polen nicht erlaubt

Unser Zeltversteck – wild campen ist in Polen nicht erlaubt

Wir kamen vom polnischen Berg der Kreuze in Grabarka ganz im Osten von Polen und suchten in die Heimwärtsrichtung gen Westen einen Campingplatz. Wir fanden keinen und in Ermangelung einer anderen Bleibe mitten auf dem Land suchten wir eine geschützte Ecke zum Wildzelten. Letztendlich bauten wir unser Zelt gegenüber einem Dorffriedhof auf, unsichtbar hinter einer Böschung am Straßenrand. Die Friedhöfe sind in Polen in ländlichen Gegenden immer außerhalb der Ortschaften. Wir dachten: bei einem Friedhof sind wir ungestört abends. Weit gefehlt in Polen! Da ist abends auf Friedhöfen Action angesagt! Denn die Polen nehmen ihre katholische Religion noch ernst – und dazu gehört, dass nachts die Grablichter im Gedenken an die toten Seelen brennen und dafür zuvor angezündet werden müssen. Das bedeutete für ‚unseren’ kleinen Dorffriedhof zwischen 19 und 21 Uhr mehr Unruhe als erwartet: ständig kamen Menschen mit Autos oder Fahrrädern, entzündeten die Grabkerzen und fuhren wieder weg. Erst bei Einbruch der Nacht waren wir für uns und konnten das Zelt aufbauen. Gegenüber leuchteten viele kleine Seelen wie Glühwürmchen auf dem Friedhof.

Kuchen-Frühstück in Polen

Frühstücksgenuss: Allein wegen dem Kuchen sollst Du Polen besuchen.

Am nächsten Morgen stellten wir beim Blick auf die Karte fest: die schwarzen Truppen von Shan Dark stehen ja nur eine knappe Stunde vor Warschau! „Na dann können wir auch mal reinfahren!“ Gesagt, gefahren. Und tatsächlich: im Erstkontakt ähnelt die polnische Hauptstadt wirklich Frankfurt. Wolkenkratzer, fette Betonklotze, sozialistische Monumentalbauten, fragwürdige postmoderne Architektur, überall Baustellen, viel Stau, Umleitungen. Bei der Einfahrt in die City verging uns die Lust. Ich suchte über das Navi Hotels in der Innenstadt – wild campen ging hier schlecht. 🙄 Aber wir hatten kein Glück mit freien Zimmern und als wir in die Nobellobby vom Novotel traten irgendwie keinen Bock mehr. Aber ich hatte mir mal irgendwo einen Flyer für das Oki Doki Hostel Warschau mitgenommen und geistesgegenwärtig sogar in den Polen-Reiseführer gelegt – et voilá: Zimmer frei!

Frühstücksraum im Oki Doki Hostel Warszawa

Frühstücksraum im Oki Doki Hostel mit frisch geraspeltem Licht von Decke 🙂

Im Oki Doki Hostel checkten wir für 50 € pro ÜN im DZ mit Frühstück ein. Ein Glücksgriff und absolut oki doki! Sauber, gechilled, sympathisches Personal, humorvoll-kreativ eingerichtet, nah an der Innenstadt. Jedes Zimmer sah anders aus – unseres weiß/rot/schwarz im modernen Stil („The House of Maiden“). Das Oki Doki Hostel befindet sich im ehemaligen Landwirtschaftsministerium von Polen (wenn ich das richtig in Erinnerung habe…), einem alten mächtigen Bau mit 70cm dicken Mauern. Dank dieser war es trotz der 42°C in unserem Zimmer im 4. Stock noch verhältnismäßig kühl. Wir genossen den Blick auf einen kleinen, hübsch bepflanzten Platz. Ganz der ehemals sozialistische Osten: was das Anlegen von Gärten und Parks angeht, hätte sich der effizient denkende Westen hier mal eine Scheibe abschneiden können. Aber einfach nur schön bepflanzte Parks zur Erholung bringen leider kein Geld, sondern kosten nur welches.

Gothic in Warschau?

Gothic Karneval in Warschau? Diesen Fotos nach zu urteilen waren wir auf einer heißen Spur…

 

Stadtbummel in Warschau

Gässchen in der Warschauer Altstadt

Gässchen in der Warschauer Altstadt

Vom Oki Doki Hostel in die Altstadt waren es ca. 20 min. Wir ließen uns treiben und mussten feststellen: Warschau ist eigentlich doch recht hübsch. Auch hier stimmt wieder der Vergleich mit Frankfurt – wohl eine unterschätzte Stadt mit Vorurteilen. Viel Grün, schöne Parks, eine wunderschöne Altstadt mit sehr alten Häusern, Gässchen, Lädchen, umgeben von einer teilweise erhaltenen Stadtmauer mit Barbakane. Die Warschauer Altstadt wurde nach der völligen Zerstörung im 2. Weltkrieg von 1949 bis 1955 fast originalgetreu – zumindest in den Außenfassaden – wieder aufgebaut. Böse Zungen behaupten, man hätte es jetzt mit Attrappen zu tun, aber das stimmt nicht. Ganz ehrlich: wenn man es nicht weiß, sieht man’s nicht – so originalgetreu wurde hier rekonstruiert.

Marktplatz in der Altstadt

Marktplatz in der Altstadt

 

Museum von Frederic Chopin - links die Treppe runter rennt man direkt in einen coolen Plattenladen

Museum von Frederic Chopin – links die Treppe runter rennt man direkt in einen coolen Plattenladen

Wir ließen uns treiben, fanden einige Platten- und Antikläden, viel Kultur und schräge Kunst (Studentenstadt!), immer wieder interessante Details an Häusern und das Museum vom „Sohn der Stadt“: Frederic Chopin. Aber bei der Hitze setzten wir uns lieber auf ein kühles Bier an die Weichsel. Was ein Fluss – da müsst ihr hin! Breit wie der Rhein, aber unbegradigt, natürlich bewachsen, viele kleine Badestellen und alternative Strandbars. Hier war alles entspannt, wenige Touristen … traumhaft zum Luftholen zwischendurch!

Roman Polanski Star

Ach Roman, Du hast so gute Filme gemacht!

Zurück in der Innenstadt enterten wir die historische Einkaufs- und Touristenmeile schlechthin – die Ulica Nowy Świat (Neue-Welt-Straße). Hier ist es natürlich etwas teurer mit Touri-Preisen, aber auch echt hübsch. Wer gern mal „Leute guckt“ sollte sich in eines der Restaurants oder Cafés setzen. Und man kann es sich leisten: 1 Zloty = 0,25 Euro.

 

Der Warschauer Kulturpalast - ein Geschenk des Sozialismus an die Polen, daher auch "Stalintorte" oder "Stalinstachel" genannt. Das höchste Gebäude in Polen, heute mit Theater, Kino, Museen.

Der Warschauer Kulturpalast – ein Geschenk des Sozialismus an die Polen, daher auch „Stalintorte“ oder „Stalinstachel“ genannt. Das höchste Gebäude in Polen, heute mit Theater, Kino, Museen.

Von der Nowy Świat bogen wir in eine Seitenstraße und da sah ich ein Schild mit der Aufschrift „Absinth“. Auf dem Schild war zwar ein Korsett abgebildet, aber wer weiß, vielleicht macht polnischer Absinth ja schlank? Dem musste ich nachgehen! Manchmal führen solche etwas ausgefallenen Läden, die sich noch dazu in Hinterhöfen befinden, zu einer grufti-esken Erfahrung. So auch diesmal. Der Laden hatte zwar null mit Absinth zu tun, sondern von ihm nur den Namen entliehen. Stattdessen erwarteten uns eine Goth-Frau und zahlreiche, von ihr genähte gruftig-edle Korsetts in einem winzigen Räumchen mit rot gestrichenen Wänden. Wir schauten uns nach Flyern um. Fehlanzeige. Dann fragte ich sie auf Englisch, ob man in Warschau irgendwo „auf dark gehen kann“. Naja, so natürlich nicht.  😉 Aber ob es in der Stadt Gothic, Dark oder Alternative Parties gibt. War auch gerade Samstag. Die schwarze Madame lächelte freundlich und holte ihren Freund aus dem Hinterzimmer, der offenbar besser Englisch antworten konnte. Er sah einschlägig aus: gepierced, getunnelt, tätowiert, in schwarzen „Infrastruktur“-Cargo-Hosen, mehr so der Metal-Alternative-Typ. Der musste einen Tipp haben! „Oh, hm, I think you are in the wrong city for that!“ What?? Diese Worte werde ich nie mehr vergessen. Aber dann strich er sich noch mal übers Kinnbärtchen und es fiel ihm was ein. „But hey, you are lucky, tonight there is GOTHOTHERAPY at the VooDoo Club. Maybe this is something for you.“

G.O.T.H.O.T.H.E.R.A.P.Y. Genau das, was wir brauchten!  😆

 

Gothic Party im Voodoo Club

gothic-party-voodoo-club-warschauKleidertechnisch leicht aufgerüstet fuhren wir gegen 23 Uhr per Taxi zur Gothotherapy-Sitzung. (Dieser Name! Ich muss beim Schreiben ständig vor mich hin glucksen vor Lachen…). Mir kam es so vor, als sei der VooDoo Club außerhalb von Warschau gelegen, wir fuhren ca. 15 min von der Innenstadt über Schnellstraßen. Mit Taxi oder Auto ist der VooDoo Club wohl schon am besten zu erreichen. Auf die öffentlichen Verkehrsmittel würde ich mich vor allem für den Heimweg nicht verlassen. Mutige könnten aber Bus No. 105 in Betracht ziehen. Aber in Polen kann man sich schon mal ein Taxi leisten…

 

DJ Iwona

Iwona (Foto: VooDoo Club)

Der VooDoo Club Warszawa befindet sich auf einem stillgelegten Fabrikgelände in einem sympathischen Gemäuer aus Klinkersteinen. Beim Einlass wurden wir von Iwona begrüßt, die wir später noch in Action als DJane sahen – oder wie man in Polen sagt: DJka. So etwas freundliches wie sie hab ich noch nie in irgendeinem Club erlebt: wir wurden von Iwona gleich beim Einlass als „neue, unbekannte Gäste“ identifiziert und gefragt, wo wir herkommen – aber auf sehr angenehme Art. Als wir Deutschland sagten, fragte Iwona, ob wir auch auf dem WGT waren. Gleich hatten wir ein Gesprächsthema. Sie war auch dort gewesen und fand es soooo toll, dass sie unbedingt wieder hin möchte. Aber für das WGT muss man als Pole praktisch 4x so viel sparen. Sie schwärmte so davon, war so begeistert! Auf meine Frage nach der Warschauer Gothic Szene erzählte Iwona, es wäre eine sehr kleine, familiäre Szene und bunt gemischt, was die subkulturellen Musikrichtungen angeht. Und jeder kennt jeden. Daher hätte sie gleich gesehen, dass wir Fremde sind.

VooDoo Club Warszawa innen - in der Mitte die VooDoo Puppe (Foto: VooDoo Club)

VooDoo Club innen mit VooDoo Puppe (Foto: VooDoo Club)

 

voodoo-club-dollEs ging ein paar Treppen ab nach unten in den renovierten Keller des Gebäudes. Alles war neu, aber schon geschmackvoll, auch wenn mir rotten mit Gewölbedecke lieber gewesen wäre > Bilder. Der VooDoo Club besteht aus zwei großen Räumen, von dem einer ein Tanzfloor und der andere der Aufenthaltsraum mit Sitzmöbeln ist, sowie einem kleinen extra Bar-Raum. Bevorzugt wurden hier Wodka, Shots oder 0,5er Bier bestellt (das leckere „Tyskie“). Im Aufenthaltsraum steht eine riesige, pummelige VooDoo-Puppe aus Kartoffelsäcken, die dazu auffordert, dass man auf den neben ihr liegenden Zettelchen eine Nachricht in sie hineinsticht. Taten wir nicht, aber amüsierten uns über das, was bereits an ihr hing. 😈

voodoo-doll-notesDie Musik war über den ganzen Abend… nun ja, eher so semi, aber auch nicht so wichtig. Für uns war ja alles neu und daher schon cool genug. Einfach die Atmosphäre atmen, die Leute anschauen. Natürlich hatten sich die meisten Ladies zurecht gemacht, aber es war sehr entspannt, kein Schaulaufen, die meisten trugen nur schlichtes Schwarz. Hier waren die Gäste alle noch was jünger als auf den Parties im Rhein-Main-Gebiet, eher so Anfang 20 bis Mitte 30. Auf diesen Bildern des Abends könnt ihr euch einen Eindruck verschaffen, vielleicht entdeckt ihr sogar uns… :mrgreen:

Tanzflächengelichter

Tanzflächengelichter

Während ein grauenhafter DJ im Keller utz utz Hellectro in Abwechslung mit Future Pop ablieferte, legten Iwona und zwei andere DJka’s draußen auf vorm Club-Biergarten – und das ziemlich gut. Sie spielten mehr so die Everdarks a la The Cure, aber auch Batcave, Minimal, Dark Synthie Pop und Angesagtes wie Lebanon Hanover. Auch wenn man hier auf dem Boden aus Kieselsteinen nicht wirklich tanzen konnte. Aber die DJ-Ladies rissen es musikalisch raus und nicht nur wegen der Hitze hielten wir uns daher gern draußen auf. Wir kamen dabei ganz einfach ins Gespräch mit einer Gruppe von Leuten und ich fragte sie, ob es in Warschau einen sehenswerten Friedhof gäbe. Jaaaaaa, aber natürlich, den Powazki Friedhof!!! Alle gerieten wie auf Kommando ins friedhöfische Schwärmen, AAAHs und OOOHs und Daumen hoch waren angesagt. In dieser Runde waren zufällig auch der Gitarrist und Schlagzeuger der mittlerweile aufgelösten Band Miguel and the Living Dead. Ich kannte von ihnen immerhin ein Stück, nämlich „Salem’s Lot“, wusste aber nicht, dass sie aus Polen kommen. Polnischer Gothabilly – als „Schublade“ sehr treffend.

Im VooDoo Club finden regelmäßig schwarze Veranstaltungen statt, auf Facebook bleibt ihr auf dem Laufenden.

 

Powazki Friedhof

Außerhalb der Tore Warschaus wurde 1792 der Powązki-Friedhof angelegt, eine der größten und schönsten Nekropolen des 19. Jahrhunderts. Er hat absolut umwerfende Grabmale und Statuen zum Niederknien. Nie hätte ich hier so etwas vermutet! Der Powazki Friedhof ist definitiv in meinen TOP 5 Friedhöfen gelandet und gerade jetzt beim Bilderanschauen und Auswählen könnte ich schon wieder *schwärmen*…

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Oh nein, wieder beim falschen Powazki Friedhof abgestiegen!

Oh nein, wieder beim falschen Powazki Friedhof abgestiegen!

Wichtig ist, dass ihr den alten Powazki Friedhof ansteuert – auf polnisch: stare Powązki cmentarz. Er liegt an der sehr langgezogenen ulica (Straße) Powazkowska und ist eingeschlossen von der ul. Tartarska und der ul. Okopowa. Hier ist ein Plan des alten Powazki Friedhof. Denn „Powazki Friedhof“ ist quasi der Sammelbegriff für mehrere Friedhöfe dort. Ca. 1 km vom alten Powazki Friedhof entfernt, aber auch an der Powazkowska gelegen, gibt es noch einen großen und berühmten Militär-/Kriegsgräber-/Kommunalfriedhof, den Powazki wojskowe, auf dem die Opfer des Warschauer Aufstands liegen. Wer auf grobe Steinkreuze und Soldatengräber in langen Reihen steht sollte da hin.

Die richtig gruftige Friedhofskultur gibt es allerdings nur auf dem alten, römisch-katholischen Powązki-Friedhof mit der großen, weißen Karl-Borromäus-Kirche (direkt an der Powazkowska Straße gelegen) zu sehen. Der Powazki Friedhof wird von der Kirche verwaltet und beherbergt rund 2,5 Millionen größtenteils katholische Begräbnisstätten. Die anderen Konfessionen u. a. lutherische, calvinistische, jüdische und tatarische besitzen eigene Friedhöfe im gleichen Komplex. Sicher ist der jüdische Friedhof auch noch interessant, den schafften wir aber nicht mehr. Wir waren schon mit dem katholischen zeitlich überfordert. Verteilt auf zwei Tage verbrachten wir hier etwa 7 Stunden und haben immer noch nicht alles gesehen. Weil fast jedes Grab ein Hammer ist!

So stelle ich mir die Statue auf meinem Grab vor!

So stelle ich mir die Statue auf meinem Grab vor!

 

Rein von der Anlage her ist der Powazki Friedhof gar nicht mal so etwas besonderes, aber diese Grabstätten… Kulturdenkmäler der schönsten Art: ausgefallene Statuen, viel (mittlerweile rostige) Schmiedekunst, außergewöhnliche Grabarchitektur und Bildhauerei, jede Menge Schädel und Memento Mori. Das alles üppig begrünt und von Pflanzen erobert, mit morbidem Charme verfallen. Grufti-Paradies!

 

powazki-friedhof-3Im Gegensatz zu unserem polnischen Dorffriedhof wird der Powazki Friedhof pünktlich um 20 Uhr geschlossen. Er besitzt ziemlich hohe Mauern, falls ihr wisst, was ich damit sagen will. Obwohl die Kirche gerade viele Grabmale restauriert, sind viele auch geöffnet. Die Grabstätten des katholischen Powazki Friedhofs boten im 2. Weltkrieg guten Unterschlupf für die polnische Heimatarmee, die u.a. auch das Warschauer Ghetto versorgte. Unterschlupf findet ihr in und zwischen den Gräbern auch heute noch für eine Nacht, falls ihr den Torschluss verpasst. Man kann sich ja von wilden Pflanzen und (Un)Kräutern ernähren, nur mit Wasser sieht es schlecht aus. Die Friedhofswasserhähne geben sehr belastetes Wasser. Ich habe es in einer Notlage ohne Trinkwasser bei 40°C probiert. Wenn ich Durst habe, kann ich nicht mehr klar denken. Schmeckte halt brackig, aber schlimmer war, dass es mich nach kurzer Zeit total schwerfällig und müde machte. War vielleicht Blei drin oder sowas? Als ich mich dann alle zwei Grabsteine auf selbige setzen musste und auf einer Grabplatte beinahe einschlief, war für mich der Friedhofsbesuch leider vorbei.

Hier noch mal meine drei Tipps für den Powazki Friedhof:

  • am besten einen ganzen Tag einplanen (vor allem wer Fotos macht)
  • genügend Essen und vor allem Trinken (!) mitnehmen
  • pünktlich um 20 Uhr am Friedhofstor sein, es sei denn ihr wollt da übernachten

Ca. 10 Gehminuten entfernt, von der Okopowa Straße schon zu sehen ist ein riesiger Einkaufstempel namens „Arkadia“ mit Kino und allem Zipp und Zapp. Dort kann man sich danach etwas stärken.

 

Route planen zum Powazki Friedhof & Gothic Guide Warschau

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10 Responses to GOTHOTHERAPY in Warschau

  1. solitary_core 26. April 2016 zu 10:30 #

    😀
    Sehr schöner Artikel und interesante Wortwahl, hatte beim Lesen den Eindruck das das hier neben dem Erinnern an die vielen denkwürdigen Momenten auch einiges an Spaß gemacht hatt beim schreiben selber =P

    ps. wenn ich beim Schädelsuchbild nich doch was übersehen hab war er zielmlich eindeutig, is zwar ein Spoiler falls man ihn noch nicht gefunden hatt aber das ding Zentriert in die Bildmitte zu hieven und dann suchen lassen funktioniert eben nicht immer, „hidden in plain sight“ is immer son ein Ding das nicht 100% klappt 😀

  2. Spökenkieker 26. April 2016 zu 22:09 #

    Powązki ist riesig! Vielleicht nicht so gewaltig wie der Wiener Zentralfriedhof, doch dafür mit etwas mehr düsteren Ecken. Auch die jüdische, orthodoxe und muslimische Abteilung sollen nicht so schlecht sein. Und beim Anblick dieses vierbeinigen Teufelsbratens, der sich auf dem Grabstein räkelt, würde der durchschnittliche Warschauer sofort die Finger kreuzen. Polen können enorm abergläubisch sein.

    Warschauer Leitungswasser ist scheiße, weil es aus der Weichsel (iiiiiihhhh!!!!) entnommen und mit über 100 Jahre alter Apparatur gesäubert wird. Sollte es nach Metall geschmeckt haben, war Blei in gesundheitsschädlicher Dosierung drin.

    Ansonsten ist Warschau, naja, eine noch ärgere «cité obscure» als Brüssel: mehr Wolkenkratzer und Plattenbauten als Sehenswertes.

  3. Shan Dark 26. April 2016 zu 22:24 #

    Danke @solitary_core und @Spökenkieker – ihr wisst wie man Planetenköniginnen glücklich macht: Kommentare *freufreu*! 😀

    solitary_core, ich musste ja sehr lachen über deine ‚Beschwerde‘ zum Schädelsuchbild. Ich gelobe das Level beim nächsten Mal zu steigern… 🙂 und ja, das Schreiben hat mir auch Spaß gemacht.

    Spökenkieker, das hab ich auch schon festgestellt, dass die Polen ziemlich abergläubisch sind. Man sieht auch öfters Leute, die sich bekreuzigen. Ich fand das aber eher faszinierend als negativ. Ziel wäre, dass sich mal einer bei unserem Anblick bekreuzigt. 😛

    Jetzt wird mir im Nachhinein noch Angst und Bange wegen dem Bleiwasser und werde gleich mal googeln, ob ich mir da bleibende Schäden eingefangen habe. Die gesundheitsschädliche Dosis würde meine körperliche Reaktion auf jeden Fall erklären. Und aus der Weichsel… herrje!

    Klar, mit Krakau oder Danzig kann Warschau natürlich und absolut nicht mithalten. Aber es kommt immer darauf an, was man erwartet. Und hier waren die Erwartungen doch recht niedrig, umso überraschender fand ich, dass es doch einiges zu bieten hatte.

  4. Schwarzer Nieswurz 27. April 2016 zu 19:01 #

    Liebe Planetenkönigin, das ist wieder ein sehr schöner lesenswerter Artikel, danke! Sowas macht dem Anspruch ein Schwarzer Reiseführer zu sein wirklich Ehre. Wie weit kommt man denn in P. ohne Sprachkenntnisse? Naja, bei den Absinthkorsetts ging es ja englisch. Hast Du Dich mit der DJka Iwona auch auf englisch unterhalten?
    Gothotherapy ist echt ein herrlicher Name. Wenn man bedrückt und traurig ist, dann eine intensive Ladung düsterer trauriger Musik mit Grablichtern im Dunkel – dabei erholt sich die Stimmung des Goth.
    Auf den Bildern des Abends sah ich euch nicht, aber das Ganze erinnerte mich an das „1880“ in Leipzig-Lindenau.
    Die Fotos vom Powazki Friedhof finde ich richtig einladend.

  5. Hasejoe 27. April 2016 zu 23:29 #

    @Schwarzer Nieswurz. Doch doch, die Planetenkönigin ist zu entdecken in der Gallerie! Das scheint das schwerere Suchbild zu sein 😉

    Wiedermal ein sehr schöner und aufregender Artikel; die unfreiwillige Nacht auf dem Friedhof bei dieser Hitze hört sich nach richtigem Überlebenskampf an.
    Eine andere Art von Überlebenskampf hatten wir vor Jahrzehnten in Polen, als meine Eltern beim Geldwechseln professionell übers Ohr gehauen wurden und sich im erst abends gefundenen Hotel das vermeintliche gute polnische Geld als falsch herausstellte.

    Jetzt ist bestimmt alles anders und besser, dennoch würde ich (auch) nicht extra nach Warschau reisen wollen. Dann erstmal Krakau – oder Wroclaw zu diesem schönen, szenepassenden Musikfestival im Herbst.

  6. Shan Dark 29. April 2016 zu 14:30 #

    @Schwarzer Nieswurz: Danke dir! Man kommt in Polen sehr gut auf Englisch zurecht (ja, mit Iwona und den Leuten bei der Gothotherapy auch Englisch), bei den Älteren klappts auch öfters mal noch auf Deutsch. Du hast recht: so witzig wie „Gothotherapy“ ist, so treffend ist der Name auch. 😉

    @Hasejoe: Merci 🙂 und gleichzeitig oh je, das war sicher ein böses Erwachen mit dem falschen Geld. Ich kann gar nicht sagen, ob man auch heute noch so übers Ohr gehauen wird. Bei Geld ziehe ich grundsätzlich welches aus dem Bankomat um safe zu sein. Keine Wechselstuben und nix. Aber das war damals wohl dort auch noch nicht so verbreitet.

    Breslau ist auch recht hübsch und hat den Vorteil des Musikfestivals. Ansonsten auf jeden Fall Krakau, der Hammer, auch wenn ich dort nichts Szeniges gefunden habe.

    PS: Das war wohl ein Lese-Missverständnis – wir haben nicht auf dem Friedhof übernachtet in Warschau, das KÖNNTE man sicher – wenn man ausreichend Wasser dabei hat. Ich wollte nur sagen: pünktlich am Friedhofstor um 20 Uhr wäre angebracht, wenn man nicht dort übernachten will.

  7. Gruftfrosch 29. April 2016 zu 19:39 #

    Der Pole freut sich natürlich einen zweiten Darmausgang, wenn man’s mit ein paar Brocken Polnisch probiert. Was man auf keinen Fall machen sollte, mit Russisch anfangen. Dann verfinstern sich die Minen – nicht machen, dann doch lieber Englisch und Deutsch. Shan, ich hoffe, du hast dich von dem Schock mit der Brühe erholt. Danke für deinen Bericht aus Warschau. Das wäre ja nun eine Stadt, die bei mit weit hinter Krakau und Breslau käme. Ich hoffe, dass ich es dieses Jahr wenigstens mal in Letzteres schaffe. Krakau blieb mir vor ein paar Jahren verwährt, obwohl’s auf dem Weg lag und eigentlich fest eingeplant war, aber wie das so ist, wenn viele Leute gemeinsam reisen…*seufz*. Wir haben uns tatsächlich so derbe verfahren, dass uns dann die Zeit fehlte, bis wir alle wieder beisammen waren. Der Friedhof ist umwerfend und wenn’s allein deswegen dahingehen würde…

  8. Spökenkieker 29. April 2016 zu 21:16 #

    OK, in Krakau scheint es zumindest ein paar Gothic-Lokale zu geben. Kiek mol hier: http://www.darkplanet.pl/forum/posts/7950/Klimatyczne-kluby-w-krakow?page=last#257151

  9. Shan Dark 2. Mai 2016 zu 12:04 #

    @Gruftfrosch: 😉 Das stimmt, den POlen auf Russisch zu kommen sollte man lieber lassen… aber russisches Hintergrundwissen schadet natürlich nicht, um Polnisch einfacher zu verstehen und zu sprechen. Ist ja auch eine slawische Sprache, wenn auch sehr anders als Russisch.

    Ich bringe ja hier demnächst noch 2 Tipps zu Friedhöfen in Lodz, die auch sehr sehenswert sind. Aus Krakau, Breslau, Lodz und Warschau lässt sich dann schnell ein 2-wöchiger, gruftiger Polen-Urlaub basteln, der noch nicht mal groß ins Geld geht.

    @Spökenkieker: Danke für die Links. Es handelt sich also ums „Caryca Dajwór“ in Krakau. Sollte man allerdings vorher noch mal prüfen, denn auf deren FB-Seite ist zuletzt 2015 was passiert… https://www.facebook.com/caryca.dajwor/timeline

  10. Schwarzer Nieswurz 6. Juni 2016 zu 14:55 #

    … klar wird das ein wirklich sehr gruftiger Urlaub der auch ’nicht groß ins Geld geht‘ wenn man auf den Friedhöfen von Krakau, Breslau, Lodz und Warschau übernachtet *freu*.
    Aber gerne mit genug Wasser, oder noch besser Rotwein! *prost*

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