Dead Can Dance Tour 2012 – Konzertbericht

01.10.2012 – Frankfurt / Alte Oper

Früher war meine Devise: „Wenigstens EIN MAL Dead Can Dance live sehen – danach kann ich beruhigt sterben.“ Aber ich habe doch überlebt. Zunächst den großen Abend 2005 in der Kölner Philharmonie, als ich sie auf ihrer (angeblichen) Reunions-Tour nach 12 Jahren Konzertpause sah. Auch im April 2007, als Lisa Gerrard alleine in Duisburg auftrat und ich in der 5. Reihe vor ihr mehrere Lieder vor Ergriffenheit durchschluchzte. Jetzt wollte ich also das 3. Mal mein Schicksal herausfordern 🙂 und zwar mit aller Macht. Nach einem Wochenende mit zu wenig Schlaf um das Wochendefizit nachzuholen und nach einem anstrengenden Arbeits-Montag machten wir uns zu viert aus Mainz auf zum Totentanz nach Frankfurt. Für mich waren Dead Can Dance bereits das Konzert des Jahres, bevor sie überhaupt den ersten Ton gespielt hatten. Es konnte gar nicht anders sein. Und es war auch nicht anders.

Gleichzeitig lernte ich endlich mal die Alte Oper in Frankfurt kennen. Von außen mächtig imposant und alt-protzig, hat sie von innen eher den Touch einer ostdeutschen Stadthalle. Aber egal, denn wie sich herausstellte: der Sound in der Alten Oper war phänomenal. Never ever heard anything better! Und das ist letztlich das Wichtigste – gerade bei Dead Can Dance.

Das machte die Tickets sicher teurer. Aber nicht ZU teuer. Tut mir leid, aber wer keine 70 Euro für diese Ausnahmeband ausgeben will, der ist einfach kein Fan. Der Preis ist für Dead Can Dance durchaus gerechtfertigt: 7 Musiker auf der Bühne, seltene Instrumente und Equipment sowie die Alte Oper als klangstarkes, teuerstes Venue in Frankfurt – all das will finanziert werden.

Im Foyer standen und saßen nicht wie damals in Köln vereinzelt ein paar schwarze Gestalten sondern es war vermehrt schwarz. Ein Hoch auf die Rhein-Main-Szene – oder woran lag’s, dass „wir“ so zahlreich vertreten waren? Jedenfalls war es sehr schön und durchgehend sympathisch, auch dass ich ein paar bislang nur durch Kommentare und E-Mails liebgewonnene Bekannte mal live kennenlernen durfte. Madame Mel zum Beispiel – oder Schatten samt schwarzromantischem Gefolge aus Marburg und Linz (A). Auch Karnstein, Libbit von Geisterwalde sowie Katharina und Parm, die Macher der WGT-Ausstellung „Boten des Todes“ sehe ich eher selten. Umso größer war die Freude!

Der Support-Hermann

Als ich den Namen „David Kuckhermann“ las, der da am Eingang als Support von DCD angekündigt war, dachte ich zuerst an einen Entertainer. Die haben auch immer derart schräg-schlechte Künstlernamen, die letztendlich aber wohl mit Bedacht gewählt sind. Ich war mir sicher, dass David nix gewählt sondern eher alles natürlich belassen hatte. So wie es im Laufe seines Lebens namentlich gewachsen war. Trotzdem würde ich ihm für seinen künstlerischen Durchbruch etwas Griffigeres, gar Kürzeres vorschlagen.

Musikalisch war David Kuckhermann überraschend. Mich wunderte sowieso schon, dass es überhaupt einen Support-Act gab – noch dazu einen, der Woks in Klangschalen umfunktionierte. Und wer hat’s erfunden? Die Schweizer! Mal wieder. Ich hab leider schon wieder vergessen, wie diese Klangpfannen hießen, aber es kamen außergewöhnliche Töne heraus, die auf der Beschaffenheit von Dellen basierten. Aha.

Begeistert hat mich Kuckhermanns Performance auf dem „Tambourin der arabischen Welt“. Das war wirklich stark, klang es doch so, als würden 3 Leute statt nur einem darauf spielen. Virtuos! Danach kamen noch zwei meditative Wok-Stücke und dann war es auch schön, als es vorbei war und wir bis zum Auftritt von Dead Can Dance noch weitere gefühlte 30min warten durften. Die Meisten fluteten die Theke und nutzten wie wir die paar Minuten zum gegenseitigen Hallo-Sagen und zum Ausbau der Hibbeligkeit auf das bevorstehende Konzert des Jahres.

Endlich: die Götter on stage

Dead Can Dance kamen auf die Bühne und wurden frenetisch begrüßt. Wie mir meine Freunde erzählten, die bessere Augen als ich haben: im Hintergrund enterte auch der David Kuckhermann das Percussion Set. So setzen sich also die Dinge zusammen.

Mit „Children Of The Sun“ sagten Dead Can Dance „Welcome to the show“ – wie auf ihrem neuen Album ist es auch der Opener des Konzerts. Sehr schön. Das Klangerlebnis beginnt und ich werde sanft auf den Musikflächen hineingetragen.

Was soll ich sagen: Dead Can Dance sind einzigartig. Sie sind in ihrem Genre des Neoklassik-Ethereal die beste Formation der Welt. Da stehen zwei Götter (und 5 sehr gute Musiker) auf der Bühne. Ganze 16 Jahre nach ihrem letzten Album erleben wir heute „The Return of The She-King“ (Lisa mit königlicher Scherpe am Kragen des Samtkleides) und die Rückkehr des Gesang- und Klangmeisters Brendan Perry. Derartig lebendige Hörmomente sind viel zu selten.

Ich bin von so ziemlich allem was ich sehe und höre begeistert, besonders aber vom Sound. Kristallklar und wuchtig – 5 Sterne deluxe für die Ohren. Ich kann hineinsinken, die Töne umfließen mich. Man müsste das Konzertmanagement von DCD wirklich umarmen für die Wahl der Location. Nichts wäre schlimmer als ein versauter Sound bei Dead Can Dance (ich habe noch Albträume von den letzten Konzerten in der Frankfurter „Batschkapp“).

Aber auch die Lichtshow ist sehr gut. Hervorblinkend ist der multifunktionale Gitterleucht-Vorhang, der jeden New Waver vor Neid erblassen ließe. Alles ist perfekt aufeinander abgestimmt.

Dead Can Dance spielen übrigens nicht nur Stücke von ihrem neuen Album. Das Set besteht zu etwas mehr als der Hälfte aus älteren Songs. Mit dabei meine zwei Lieblinge „Sanvean“ und vor allem „The Host of Seraphim“, welches Brendan und Lisa auf interessante Weise zusammen singen – sie „führt“ und Perrys Mikro ist vielleicht eine Spur zu laut eingestellt. Aber trotzdem: Gänsehaut krabbelt mir an den Oberschenkeln hoch. Dass ich dieses Lied noch live erleben durfte!! Ein Traum.

Setlist – Dead Can Dance tour 2012

01. Children Of The Sun
02. Anabasis
03. Rakim
04. Kiko
05. Lamma Bada
06. Agape
07. Amnesia
08. Sanvean
09. Nierika
10. Opium
11. The Host Of Seraphim
12. Ime Prezakias
13. Now We Are Free
14. All In Good Time

Pause – Klatschen mit Fußgetrommel, so dass der Boden bebt – Zugabe 1

15. The Ubiquitous Mr. Lovegrove
16. Dreams Made Flesh

Pause – Standing Ovations – Zugabe 2

17. Song To The Siren
18. Return Of The She-King

Pause – Standing Ovations – Zugabe 3

19. Rising Of The Moon

Perfektion und Distanz

Zusammen mit „Sanvean“ war „The Host Of Seraphim“ von der Darbietung her eines meiner Highlights. Doch ich muss trotzdem gestehen: Lisa konnte mich nicht mehr so berühren wie bei den früheren Konzerten. Ich weiß auch warum. Sie war nicht so drin, nicht so beseelt von ihrer Musik wie früher. Zudem sah sie im Gegensatz zum gut erhaltenen aber gealterten Brendan mehr als ‚verdächtig frisch’ im Gesicht aus. Jedenfalls jünger als 2007 – aber mit deutlicher weniger Aura (dadurch?). Glatt und emotionsloser als früher. Die herbe Schönheit, die besondere Magie in Ihrer Erscheinung war bis auf sehr wenige Momente entschwunden. Wer sie bei diesem Konzert das erste Mal live erlebt hat, dem wird nichts gefehlt haben. Doch uns schon: „Wenn Lisa sonst gestrahlt hat – so hat sie diesmal nur geglimmt.“ (O-Ton mein Freund) Sie ist wunderschön, doch hat gleichzeitig an Ausstrahlung verloren.

Brendan hat auf „Anastasis“ eindeutig die besseren Stücke, wenn ihr mich fragt. Und er ist auch hier im Konzert tonangebender. Natürlich geht nichts ohne Lisa Gerrard und ihre göttliche Stimme, aber sie ist etwas blasser als bei vorherigen Konzerten – geht nicht mehr so aus sich heraus. Stattdessen geht sie von der Bühne, wenn Brendan singt und sie „nichts zu tun hat“. Ebenso Brendan im umgekehrten Fall. Das mutet eigenartig an. Ob sie das 2005 auch schon so gehalten haben? Entsinnen kann ich mich nicht und schön finde ich es auch nicht. In diesem Konzertreview bei regioactive wird auf die offensichtliche Distanz zwischen Brendan und Lisa bei dieser Tour hingewiesen. Sicher, Differenz und Dualismus ihrer musikalischen Interpretation machten schon immer einen gewissen reizvollen Teil ihrer Musik aus. Aber es wirkte und war doch irritierend, wie Lisa, die Königin, würdevoll ihre güldene Schleppe schürzend mit leicht gesenktem Kopf bei Brendan-Liedern von der Bühne ging. Im Gegenzug verabschiedete sich Brendan nicht wirklich vom Publikum, sondern überließ es Lisa nach der 3. Zugabe (juhu!) „Thank you (for your patience)“ zu sagen. Ein gemeinsamer Abschied auf der Bühne hätte mir sehr viel besser gefallen. Sie müssen sich ja nicht verneigen – eher hätten wir das gemusst. Weil wir das erleben durften!

 

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18 Responses to Dead Can Dance Tour 2012 – Konzertbericht

  1. hasejoe 5. Oktober 2012 zu 12:44 #

    Danke für Deinen tollen Bericht!
    Im Grossen und Ganzen hat mir das Konzert auch gut gefallen, vor allem die älteren Stücke und Return of the She-King, sind meine Favoriten.

    Klang und Licht waren super und die beiden Stimmen reissen es (trotz allem) immernoch.
    Der David zu Beginn sollte seine herausragende Virtuosität auf einem anderen Instrument als der Hang zelebrieren – Teil klingt einfach nur nach Weichspülerklangberieselung und wird damit seinem Können nicht gerecht.

    Bei DcD war ich *sehr* enttäuscht, wieviel der sinfonisch (bombastisch?!) anmutenden Klänge aus dem Synthesizer kamen. Man hört ein SInfonieorchester, sieht aber nur 7 Musker. Das war mir zu wenig für ein Konzert, trotz der guten Percussion.
    Bei der „Towards the Within “ Tour war mehr los auf der Bühne.

    Deinen Gedanken zur Distanz kann ich voll beipflichten. Brendan scheint der Macher zu sein und Lisa ist zur Diva geworden (das Twitter Photo in der regioactive Kritik spricht auch Bände). Und kaum Kontakt zum Publikum – sympathische Musiker sind anders. Schade. Der Personenkult und ihr Können muss ausreichen.

    Zu guter Letzt muss ich mich ein wenig über das Publikum wundern. Was da teilweise rumgejohlt und gekrischen wurde (und die Musikdarbietung gestört hat), passt besser zu Teenies bei Take That als zu einem DcD Konzert.
    Ich kann mich auch leise freuen, wenn ein Lied beginnt, was mir gefällt.

    Wie meinte schon Max Goldt zu dem Thema sinngemäß: „Ach wenn Sie das Lied schon kennen, brauche ich es ja nicht zu spielen. Dann kommen wir alle schneller nach Hause“ 😉

    Möp.

  2. clerique noire 5. Oktober 2012 zu 14:46 #

    Also ich habe den Abend sehr genossen und zwei so außergewöhnliche Stimmen zu hören ist schon was.
    Distanz hin oder her, they did a good job.

  3. Madame Mel 5. Oktober 2012 zu 23:31 #

    Das Lisa und Brendan die Toten immer noch tanzen lassen können, haben sie eindeutig bewiesen! Ich habe die beiden zum ersten Mal live erlebt und bin immer noch ganz hin und weg von diesem epischen Konzert (mir fehlen allerdings die Vergleichsmöglichkeiten zu „früher“). Dank ebay hat´s ja doch noch geklappt – spätestens beim Durchlesen deines Beitrages hätte ich mich nämlich dunkelgrün geärgert 😉

    Die Alte Oper ist klangtechnisch einfach das Beste, was Frankfurt zu bieten hat – da sieht man mal locker über den abgeschmackten Spät-70er-Charme des Großen Saals hinweg. Die versetzte Bestuhlung möchte ich noch lobend erwähnen; vor uns hatten es sich 2 m hohe und ebenso breite „Riesen“ mit einem „Sorry, wir dachten es sei hier wie in einem Amphittheater“ gemütlich gemacht und trotzdem konnten wir jeweils durch die Lücken ohne Beeinträchtigung durchsehen.

    Für mich war der Abend eine gelungene harmonische Einheit zwischen (ganz viel schwarzem!) Publikum, Künstler, Musik, Klang, Licht und Bühne! Manchmal habe ich einfach nur die Augen geschlossen und die atmosphärischen Klänge in mich hineinkriechen lassen; Gänsehautfeeling pur, besonders bei „The Host of Seraphim“ und „Now We Are Free“. Überirdisch!!! David auf dem „asiaschwyzer Käsewok mit Löcher“ (Hang) fand ich Anfangs gut, aber spätestens nach der zweiten Performance hatte ich genug davon. Zumindest hätte er seinen Auftritt etwas abwechslungsreicher gestalten können. So what! Meine bessere Hälfte schliesst sich dem Vorkommentator „hasejoe“ an; ihm ist auch gleich aufgefallen, dass zuviele Spuren in die Songs gelegt wurden, obwohl nur wenige Musiker auf der Bühne waren. Bei „Lamma Bada“ (glaube ich) hat Brendan die Klampfe nicht mehr gezupft, obwohl der Klang weiter ganz deutlich zu hören war… Aber das ist der einzige kleine Kritikpunkt, der mir aufgefallen ist; Perfektes kann schließlich sehr schnell seinen Reiz verlieren.

    Apropo: Ich denke, die Distanz der beiden resultiert aus dem angestrebten Perfektionismus heraus; göttliche Wesen sind einfach nicht von dieser Welt und das wollen sie eben auch zeigen! Mich hat es jedenfalls nicht gestört. Während Brendan in Würde altert wirkt Lisa äußerlich immer jünger; das tut ihrer göttlichen Stimme zwar überhaupt keinen Abbruch aber ich finde auch, dass ihr Gesicht emotionslos und wie aus Stein gemeißelt wirkte.

    Das Gefühl, das Lisa nicht mehr so „beseelt“ singt, hatte ich eigentlich nur bei dem allerletzten Zugabe-Song „Rising Of The Moon“ – und da kann ich ganz gut nachvollziehen, dass man am Ende eines Konzerts ausgepowert ist. Allerdings hinterließ der stille Abgang von Brendan doch einen klitzekleinen fahlen Beigeschmack, ich hätte mir etwas Fulminanteres von den beiden zum Abschied gewünscht.

    Mein Fazit: Alles in allem war es ein unvergessliches Konzerterlebnis – sollten die beiden in 16 Jahren wieder eine Tournee planen, bin ich wieder mit von Partie!

    Ja, und endlich hat es mal geklappt, dass ich nicht nur als „virtuelles Gespenst“ in deinem Blog vorbeigeistere, sondern dass wir uns mal in „Fleisch und Blut“ getroffen haben. Das war schon längst überfällig (an dieser Stelle viele Grüße an M.Synthetic) 😀

    In diesem Sinne: „Die Musik ist wie eine umhüllende Decke in einer kalten Nacht; sie hält dich warm und den Geist frisch!“

  4. Robert 8. Oktober 2012 zu 06:10 #

    Sehr interessant zu lesen, wie zwei Musiker einer gemeinsamen Formation in ihrer eigenen Welt leben. Ein Konzept, nötige Distanz oder bereichernde Individualität? Vielleicht ist aber auch das die gelebte Hommage an die eigene Musik. Ich erinnere mich an alte Konzerte von Robert Smith oder Andrew Eldritch, die ebenso eine Distanz zum Publikum aufbauten, die nicht sich oder ihre Musik feierten, sondern oftmals als arrogant und überheblich wirkten. Ich erinnere mich an ein Publikum, dass nicht durch Gruppendynamische Prozesse glänzte, sondern einfach nur die Musik in ihrer Welt genossen.
    Wehmütig gebe ich zu, dass ich auch gerne dabei gewesen wäre. Gerade wegen dieser von Dir so eindrucksvoll beschriebenen Distanz und Perfektion. So steht die Musik im Vordergrund, nicht etwa die Persönlichkeit. Vielleicht ist auch das der Preis für perfekte Musik oder die einzig „echte“ Art diese Musik zu spielen.

  5. Shan Dark 8. Oktober 2012 zu 22:24 #

    Faszinierend, Eure Impressionen! Ich danke herzhaft – schön zu lesen, dass ich mit einigen Beobachtungen nicht allein dastehe und anderes hinzufügen konnte.

    Die Distanz ist Euch also auch aufgefallen. Wobei ich die Distanz zum Publikum und fehlende Interaktion jetzt weniger „schlimm“ fand – dafür sind sie eben die Götter. Das sehe ich genauso wie Madame Mel und Robert (wobei gruppendynamische Prozesse bei DCD keiner erwartet hat ;)). Aber die Distanz zwischen den beiden Künstlern hat mich verwundert und im Nachhinein betrachtet etwas traurig gemacht. Aber immerhin sind sie zusammen auf der Bühne – das ist das Wichtigste! Und trotzdem war es ein großartiges Konzert.

    „Für mich war der Abend eine gelungene harmonische Einheit zwischen (ganz viel schwarzem!) Publikum, Künstler, Musik, Klang, Licht und Bühne!“
    @Madame Mel: Sehr schön & wahr gesagt – dem kann ich mich nur anschließen.
    Eines hab ich jedoch komplett anders empfunden: gerade beim letzten Lied hab ich es so empfunden, dass Lisa aus sich heraus gegangen ist. Gerade das fand ich am emotionalsten. Komisch, wie unterschiedlich manches doch ankommt.

    @hasejoe: Sehe ich genauso, was den David Kuckhermann angeht. Sicher hat er mehr drauf als Weichspüler-Hangs, das hat man am Tambourin gemerkt. Er sollte einfach etwas mehr Abwechslung reinbringen und dann klappt die Sache. Aber eigentlich muss man ihn bewundern, psychologisch gesehen, ist man doch als Support von Dead Can Dance immer nur ein kleiner, geduldeter Stern am Rande eines schwarzen Loches.

    Übrigens muss ich Dir ja gestehen, dass ich auch zu den „Wooooo“-Leuten gehöre – und darin bei DCD auch nichts schlimmes sehe (sonst würde ich es nicht erzählen :P). DCD machen jetzt keine klassische Musik, bei der ich als einzige Darbietungsform und auf das Genre bezogen begeisterndes ‚Gejohle‘ als nicht passend empfinden würde. Für mich ist es einfach eine Form, meine Begeisterung für die Stücke auszudrücken – wie ich das bei sämtlichen anderen Bands auch mache (ob nun kurz zu Beginn oder nach einem Stück). Begeisterung äußert sich bei jedem anders. Bei manchen im Stillen (so dass es aber auch der Künstler nicht merkt), bei manchen vernehmbar. Auch hatte ich jetzt an keiner Stelle des Konzertes den Eindruck, dass es die Musiker gestört hat. Wenn wie bei Take That BHs auf die Bühne geflogen wären, dann sicher ;). Und nur weil es ruhigere, getragene, atmosphärische Klänge sind…warum sollte man dann nicht aus sich herausgehen dürfen? Das müsste dann für einige andere Acts wie In The Nursery, Arcana etc. auch gelten. Störend empfinde ich ‚whooo’s nur während eines Liedes.
    ABer wie man bei YouTube lesen kann, bist Du nicht der Einzige, der es als störend empfand…

  6. SaZen 9. Oktober 2012 zu 04:17 #

    Habe DcD lange Zeit sehr gerne und immer wieder berührt gehört, heute zum ersten Mal live. Auf´n letzten Drücker, gestern vom Konzert erfahren und noch einen Rest-Stehplatz an der Abendkasse in Köln ergattert… Vielleicht lag es daran, dass der Sound auf den „billigen Plätzen“ ganz oben in der Philharmonie nich so rüber kam, aber es hat mich lange nicht so gekickt, wie ich es nach meiner Hör-Erfahrung erwartet hatte.

    Allerdings fand ich das neue Album, dass ich bisher auch noch gar nicht kannte, schon eher flach, alldieweil ich doch gemerkt habe, dass die alten Sachen, die sie gespielt haben, irgendwie anders rüberkamen, mit mehr Dynamik, mehr Seele…

    Interessanterweise ist die Distanz zwischen Lisa und Brendan sogar (mehr als mir) meiner Freundin aufgefallen ist, die bisher noch nicht mal sehr intensiv bzw. Dead can Dance gehört hatte, also kein „Fan“, und sie entsprechend ebenfalls das erste Mal live gesehen hatte.

    Ich fühle mich jedenfalls eher ein bisschen desillusioniert – schade! – ich habe beim Konzert nicht wirklich einen so intensiven Draht zur Musik empfunden, wie ich es vom Hören gewohnt bin und dementsprechend live noch stärker erwartet hatte. Naja, vielleicht war´s auch die Akustik, vielleicht muss ich mich in das letzte Album erstmal reinhören… Aber ich hatte doch das Gefühl, dass irgendwas fehlte…

  7. hasejoe 9. Oktober 2012 zu 14:51 #

    Für alle, die sich wegen der möglichen Distanz *zwischen* Lisa und Brendan Sorgen machten, gibt es hier ein hoffnungsvoll stimmendes Interview:

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/corso/1882303/

  8. Exa 12. Oktober 2012 zu 05:29 #

    Ich fand das Konzert mittelmässig… Musikalisch gesehen haben die alle super gespielt, da gibt nichts zu meckern. Der Gesang von Lisa war gut aber nicht so wie ich es schon mal erlebt hab. Es war zwar schön die nochmal zusammen sehen zu dürfen, aber irgendwie ist für mich die Luft rauss. Ich bin älter geworden und selbst wenn die Musik mich immer noch fasziniert, die sind mir teilweise so mit Ihrer Art auf die Nerven gegangen, da höre ich lieber DCD zu hause oder im Auto… Warum machen die überhaupt noch was wenn die gar kein Bock haben ??? oder sind die so neben der Spur dass es für uns weh tut ?
    Und was hat Lisa mit ihrem Gesicht gemacht ? Die war mal so hubsch… Es passt alles nicht mehr mit der DCD Botschaft zueinander. Die Zeit sind rum, schade!!!
    Ich glaube persönlich dass die beiden bald wieder schön getrennte Wege gehen werden, und bin mal gespannt was Brendan noch zu bieten hat.

  9. Shan Dark 13. Oktober 2012 zu 19:39 #

    @Exa: Du bist ganz schön enttäuscht, was? Ich kann das etwas verstehen, fand ich DCD doch in Köln 2005 und vor allem Lisa solo 2007 auch besser als in diesem Konzert. Stimmlich und von Ihrer Aura, vom Auftreten her. Dass sie allerdings „keinen Bock“ auf das Konzert haben oder „neben der Spur“ sind – das kann ich jetzt überhaupt nicht sagen, hab’s auch nicht so empfunden. Nur eben die Distanz zwischen Lisa und Brendan, die mir aber nicht nach Unlust aussah. Wonach sie aussah, kann ich allerdings nicht beschreiben :). Wie man in dem INterview von @Hasejoe gelesen hat, haben sie wirklich über lange Jahre getrennt gelebt und sich nicht gesprochen. Sie sind auch sehr unterschiedliche Charaktere. Vielleicht müssen sie sich erst wieder aufeinander „einschwingen“ – oder sie haben gemerkt, dass es nicht mehr so gut funktioniert miteinander. Wir werden sehen. Jedenfalls denke ich auch nicht, dass wir bald wieder eine Tour oder ein weiteres Album erleben. Obwohl es schön wäre, denn „Anastasis“ ist durchaus gelungen imho.

  10. koschi 15. Oktober 2012 zu 19:28 #

    Ich muss zugeben ich habe Anastasis noch nicht gehoert. Bis zum 28. Oktober habe ich noch Zeit das nachzuholen.
    Auf jeden Fall bin ich gespannt. Das letzte (und eigentlich auch erste) Dead can Dance Konzert 2005 habe ich noch in sehr guter Erinnerung.

  11. Pedros 29. Oktober 2012 zu 02:02 #

    Habe Dead can Dance Ende der 80er live in Wiesbaden im Kurhaus gesehen und es war ein unvergessliches Erlebnis. Damals waren Sie auf dem Höhepunkt und eine tiefberührende Einheit. Ich habe die jetzige Tournee nicht gesehen, würde aber nicht so hart mit Gerrard ins Gericht gehen, denke nicht dass sie unbedingt eine Diva ist. Denke eher und dafür spricht auch das neue Album und die vorhergehenden Soloalben von Perry, dass das neue Album überwiegend Perrys Baby ist und Lisa halt um sich DCD nennen zu können mit ins Bootgeholt werden musste. Vermutlich ist sie deswegen nicht so emotional dabei…

  12. Shan Dark 30. Oktober 2012 zu 21:50 #

    @Pedros: Neid!! Da hätte ich sie auch gern live gesehen – aber damals war ich noch much to young für Musik überhaupt. 😉 Ich vermute, Du hast wirklich recht, was das letzte Album angeht und die Rolle von Lisa. Sie wurde mit an Bord geholt, aber eigentlich ist es ein Brendan-Album mit leichten Gerrard-Einflüssen. Was es trotzdem nicht schlecht macht.

  13. Pedros 31. Oktober 2012 zu 10:58 #

    kenn ich 🙂 manche bands konnte ich leider auch nicht in ihrer besten phase sehen…
    bei mir hat es diesmal nicht geklappt mit dem konzert,
    weil frankfurt schon ausverkauft war,
    denke es war sicher trotz allem ein tolles konzert,
    auch wenn es nicht soo viele alte titel gab, die doch eine spur beeindruckender waren

  14. koschi 2. November 2012 zu 22:58 #

    Nachdem wir hier laenger auf das Konzert warten mussten nocheinmal nachtraeglich meine Eindruecke.
    Ich denke das meiste wurde hier schon hervorgehoben und in der Hinsicht unterschied sich der Gig in Dublin wohl nicht. Nichtsdestotrotz….
    Zusammenfassend war das Konzert eine perfekte Darbietung wunderschoener Songs, nur leider ohne wirkliche Seele. Ich kann zum Teil gar nicht so wriklich herausdeuten was gefehlt haette, aber wirklich gepackt oder ergriffen hat mich keines der dargebotenen Stuecke. Das Einzige Mal wo ich wirklich ergriffen war war bei „The Host of Seraphim“.

    Nun mag das an einem an der schon erwaehnten Distanz zwischen Lisa und Brendan gelegen haben. Es gab keine Interaktion oder Anerkenntnis zwischen den beiden. Es war als ob zwei Kuenstler ohne jeden Bezug zueinander gemeinsam auf der Buehne stehen. Das Ganze wurde noch untermauert von der jeweiligen Abwesenheit des Anderen wenn man gerade nicht selbst mit Geasng uoder Intrument beschaeftigt war. Ich versuche mich immer noch zu erinnern ob das 2005 auch der Fall war, aber das waere mir damals auch negativ aufgefallen denke ich.

    Zum Anderen war es vieleicht auch mit die Auswahl der vorgetragenen Stuecke. Natuerlich war eine Mehrzahl vom neuem Album „Anastasis“. Dieses ist an sich schon sehr percussion/ethnisch orientiert. Dann wurden aber nahezu durchweg saemtliche Songs des Sets ausgewaehlt die in dieselbe Richtung gingen. Sehr schade wenn man bedenkt dass bei dem back catalogue von dead can Dance eine wesentlich hoehere Vielfalt und damit auch Spannung zwischen den Stuecken haette erreicht werden koennen. Wie schon gesagt ein Highlight fuer mich war schon „The Host of Seraphim“. Wie gut haette sich ein eingestreutes „Severance“ gemacht. Oder fuer mich ein Glanzlicht der letzten Tour Lisa’s ergreifende Darbietung von „The Wind that shakes the barley“.

    Und zum Schluss bleibt noch die Distanz zum Publikum. Und ich kann nicht gelten lassen dass hier Goetter auf der Buehne standen. Gerade diese eigentlich sehr atmosphaerisch einfuehlsame Musik verdient eine Verbindung zum Publikum und damit ein wenig mehr Menschlichkeit die dabei hilft die Musik noch weiter zu erheben.
    Die zwei Mal die Brendan seine Stuecke angesagt und erklaert hatte erzeugten mehr Naehe und Atmoshpaere als die noch so perfekte Darbietung der restlichen Stuecke. Und neben dem schon erwaehnten musikalischem highlight bleiben mir in Nachhinein Brendans Vorstellung der einzelnen Musiker und Lisa’s Abschiedsansprache am meisten im Gedaechtnis.
    Insgesamt kann ich ich schon fast sagen dass das Konzert eine Enttaeuschung war. Wenn auch auf sehr hohem Niveau. Aber in Erinnerung an vorhergegangene Darbietungen hat hier, und das bei dem unvergleichlichem Angebot an Musik, doch einiges an Hingabe gefehlt. Eine perfekte Darbietung ja, aber ohne wirklichen Funken der haette ueberspringen koennen.

  15. Shan Dark 6. November 2012 zu 01:54 #

    Lieber Koschi,

    großes Danke für Deine Eindrücke aus dem Dubliner Konzert. Sehr interessant und ja, es ist so, wie du sagst: der Funke ist nicht übergesprungen. Enttäuschend fand ich deshalb das Konzert trotzdem nicht (auch nich auf hohem Niveau ;)) und ich würde sie mir allein der wundervollen Musik wegen jederzeit wieder in concert ansehen. Wäre ich enttäuscht, wäre es wohl mein letztes gewesen.
    Ich fand es lediglich auffallend und schade, dass die beiden nicht miteinander agieren. Jemand auf Facebook hat gesagt, er hätte zwei eigenständige Künstler auf der Bühne gesehen – ganz so schlimm vielleicht nicht in meinen Augen, aber etwas Wahres ist dran.

    „The Wind that shakes the barley“ ist mir auch noch in Erinnerung von 2005 – grad so als wäre es gestern gewesen. *seufz* Aber so viel mehr Interaktion mit dem Publikum war damals auch nicht. DCD sind einfach zurückhaltend dahingehend. Dennoch – ein gemeinsamer Abschied zuletzt – da hätten sie sich nix mit vergeben – auch als Götter nicht. I agree.

  16. Shan Dark 10. November 2012 zu 01:17 #

    Ich höre jetzt schon zum x. Mal das neue DCD-Album in Dauerschleife. Es ist wirklich SUPER und ich finde es überhaupt nicht schlimm, dass Brendan hier den Part mit den ‚besseren‘ Stücken hat. Warum auch – er ist ein erstklassiger Künstler. Meine Favoriten sind „Opium“ und „Children Of The Sun“. Lisa ist wichtig für das Album, auch wenn sie ihre Stimme hier nicht so ausarbeiten kann, da sie eher auf Ethnolevel bleibt.

    Also aus meiner Sicht haben sie damit nach 16 Jahren etwas GROSSES abgeliefert.

  17. Halwa 27. März 2013 zu 14:07 #

    Ich war leider von dem Konzert etwas entäuscht. Der Sound und die Lichtshow waren zwar sehr gut, aber leider plätschern die Lieder seit „Spiritchaser“ nur noch so dahin. Mir haben definitv mehr ältere (mittelalterliche) Songs gefehlt (z.B. von Aion). Ich habe DcD zwei mal in den 90er gesehen und bin mit einem großem Kribbelm im Bauch hinaus gegangen. Diesmal war es eher ein Gefühl des (Live-) Abschieds. Schade.

  18. doomed forever 17. Januar 2015 zu 00:17 #

    ich darf gar nicht darüber nachdenken…da waren DCD direkt vor meiner Haustür im von mir verhassten Frankfurt, und ich hatte sie verpasst…ärgert mich immer noch sehr, wenn ich an 2012 denke…sehr schade, wirklich….aber zuviele andere Bands habe ich in der Batsche sowie in der Matrix Bochum die letzten Jahre auch verpasst…was solls…life goes on…somehow…every day….even if it sucks…

    ~dF~

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