Binewskis

Mich haben sogenannte Freaks und Andersartige aber auch Menschen mit Behinderung schon immer beeindruckt. Sie meistern von Geburt an ein anderes Leben in einer Welt, die uns „Normalen“ gehört (das muss man schon so sagen) und auf uns ausgelegt ist. Nicht einfach. Gleichzeitig leben sie in einer Parallelwelt nach ihren Maßstäben, Vorstellungen und realen Bedürfnissen. Oft frage ich mich, was denken sie von den Normalen? Fühlen sich Freaks und Menschen mit angeborener Behinderung als was Besseres uns Gegenüber oder eher als traurige Außenseiter? Sicher ist das von Mensch zu Mensch verschieden, es hängt immer am Einzelnen und seinen Erfahrungen. Aber ganz ehrlich glaube ich nicht, dass es für sie unbedingt erstrebenswert ist, ganz und gar in unserer normalen Welt aufzugehen, selbst wenn sie es könnten. Ist normal erstrebenswert für sie? Wohl eher ein selbstbestimmtes Leben auf Augenhöhe. Ich vermute, dass sich Freaks ihrer Besonderheit sehr stark bewusst sind und dass sie durch ihre ganz eigenen Fähigkeiten, aber auch Bedürfnisse in einer Gemeinschaft zusammenwachsen, die subkultur-ähnliche Züge hat. Wie ich es beobachte, geben sich Menschen mit Behinderung gern mit ihresgleichen ab, vermutlich sogar lieber. Ich denke, dass ihnen eine selbstbewusste Abgrenzung zu unserer Normalo-Welt durchaus wichtig ist. Auch Katherine Dunn hat sich garantiert vor ihrem Roman „BINEWSKIS – Verfall einer radioaktiven Familie“ sehr intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt. 17 Jahre hat sie daran geschrieben.

BINEWSKIS ist ein abgründig guter Rausch gegen alle Konventionen. Ich befand mich beim Lesen in einer Art überfaszinierter Schockstarre – vor Entsetzen über die Story, aber auch vor Bewunderung für die Sprache, den Stil und das Erzähltalent der Autorin. Nur deshalb gibt es auch einen Artikel dazu. So eine Geschichte habe ich noch nie gelesen und bin mir ziemlich sicher, ähnliches mit solch einem Thema kommt mir auch nicht noch mal zwischen die Augen.

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Aufgrund einer Rezension in der NEON hatte ich mir das Buch gekauft, aber dann doch gezögert, diesen Roman mit in den Sommerurlaub nach Polen zu nehmen. Wenn mir nun nach entspannter Lektüre war? Eine Freak-Story schien mir eher schwer, keine leichte Kost. Es war auch durchaus starker Tobak, doch letztendlich war die skurrile Geschichte der Binewski-Zirkusfamilie genau richtig. Abends im Zelt kam ich so der Zirkuswelt-Wohnwagen-Atmosphäre noch am nächsten. Tagsüber konnte ich mich mit meinen 1,82m, halbseitig rasiertem Schädel und ganz in schwarz echt als Freak fühlen unter den vielen normalen Polen, die mich teils so intensiv betrachteten wie eine seltene Spezies. Denn in Polen sieht man so gut wie nie ausgefallene Leute. Verglichen mit den Freaks der „radioaktiven Familie“ war ich jedoch ein Nichts! Nicht ausgefallen genug, keine fehlenden oder veränderten Gliedmaßen, keine Superkräfte und kein ausreichend gutes Humankapital mit Showpotential. Jetzt wird es wohl Zeit, etwas zur absonderlichen Story des Buches zu sagen – ohne arg rumzuspoilern!

Al Binewski wächst in einem Wanderzirkus auf und erbt diesen bereits im Alter von 24 Jahren, als sein Vater stirbt. Die Zeiten sind schwer und der Zirkus ist nur wenige Jahre später kurz vorm Bankrott und das ohne Als Verschulden. Ihm fehlen die Attraktionen. Da lernt Al seine Lilian – kurz: Crystal Lil – kennen, die eine Bostoner Aristokratin ist, aber ihr Erbe für ein Leben im Zirkus drangegeben hat. Sie möchte Luftakrobatin werden, aber fällt dabei auf die Nase. Kurzum: die beiden erschaffen sich ihre Freak-Attraktionen selbst, in dem Al seiner Frau während ihrer Schwangerschaften illegale Drogen und Amphetamine, Medikamente, Insektizide, Arsen, Radium und Radioisotope verabreicht. Die Leidenschaft für den Zirkus macht Lil zu Als engagiertem Partner.

Außerdem war ihr der Gedanke von Sicherheit durch Erbmasse noch aus der Kindheit eingeschrieben. Wie sie immer so schön sagte: ‚Was könnte man seinen Kindern für ein schöneres Geschenk machen als die ureigene Fähigkeit, ihren Lebensunterhalt dadurch zu verdienen, dass sie einfach nur sie selbst sind?‘

Die eigenen Kinder als Showobjekte. Je verdrehter und abnormaler, desto mehr lieben sie sie. „Meine Traumkindchen“ nennt Papa Al liebevoll seine Zöglinge. Doch Lil hat auch einige Totgeburten, die entweder gleich oder mehrere Wochen nach der Geburt sterben (was Lil jedes Mal nachvollziehbarerweise extrem mitnimmt) – auch diese werden gehegt und vermarktet. Sie schwimmen in Formalingläsern.

Der Schrein der Familie Binewski war ein fünfzehn Meter langer Caravan mit einer Tür an jeder Seite und einem Eintrittspreis von einem Dollar. Auf dem Schild über dem Eingang stand ‚Geheimnisvolle Mutanten‘, und darunter, in kleinerer Schrift: ‚Museum für innovative Naturkunst‘. Wir nannten ihn den ‚Müllschlucker‘. Wie alles in unserem Zirkus wuchs der Müllschlucker und änderte über die Jahre seine Gestalt. Begonnen aber hatte er mit sechs durchsichtigen 20-Gallonen-Gefäßen, und diese Gefäße – allesamt von gelben Strahlern raffiniert beleuchtet und mit Erklärstimme vom Band zum An- und Abschalten ausgestattet – blieben immer der Kern. (…) Das Schild im Raum mit den Gläsern war an die Wand geschraubt und hatte einen eigenen Strahler. In sorgsamer Schönschrift stand in braunen Buchstaben auf cremefarbenen Grund: ‚MENSCHLICHE WESEN. BEIDE ELTERNTEILE NORMAL.‘

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Erzählt wird die bizarre Geschichte der BINEWSKIS von einem der Traumkindchen – der buckligen Albino-Zwergin Olympia „Oly“ Binewski. Das Frappierende daran ist, wie erzählt wird: spannend, aber auch unaufgeregt, als würde es sich bei derartiger Familienplanung (und hier trifft das Wort nun wirklich zu) um eine alltägliche Sache handeln. Zunächst falle ich beim Lesen von einem moralischen Schock in den anderen („also das geht doch nicht, unfassbar, widerlich…“), denn die Freak-Zucht ist noch nicht mal das Absonderlichste im Buch. Doch irgendwann, ja, gewöhne ich mich daran. Das Unfassbare wird zum Normalen. So wie das Normale für jeden das ist, was zu der Welt gehört, in der man aufwächst und lebt. Bei den BINEWSKIS wird einem klar, dass die Wahrnehmung von und Einteilung in „normal“ und „abnormal“ stark auf Erziehung beruhen. Letztendlich auch, dass alles auf den Kopf gestellt werden kann. Katherine Dunn schafft es mit ihrem Buch, dass sich meine innere Welt total dreht. Es macht etwas mit mir. Ich fühle mich stärker. Ich empfehle es selbst zu erleben, zu erlesen.

Es gibt solche, deren ordinäre Normalität so offenkundig und lähmend ist, dass sie versuchen, ihr zu entfliehen. Sie nehmen extravagante Verhaltensweisen an und behaupten entsprechend der modischen Versponnenheiten ihrer Zeit Originalität. Sie behaupten Hirn, Talent oder Gleichgültigkeit gegenüber Konventionen und versuchen verzweifelt, ihre Mittelmäßigkeit zu verleugnen. Häufig sind das Künstler und Darsteller, Abenteurer und Tierschützer.

Dann wieder gibt es solche, die ihre eigene Seltsamkeit spüren und fürchten wie nichts anderes. Sie bemühen sich um Normalität. Sie leiden genau entsprechend ihrer Unfähigkeit, anderen gegenüber normal zu erscheinen oder sich selbst davon zu überzeugen, dass ihre Abweichung nicht existiert. Das sind die wahren Freaks, die fast immer konventionell und langweilig erscheinen.
(Arturo Binewski, der Erstgeborene, ein „Fischjunge“)

Es geschehen viele unglaubliche und auch schlimme Dinge in der „radioaktiven Familie“. Solche, bei denen man innerlich den Kopf schüttelt. Solche, die man nur mit einem schwarzen Humor hinunterschlucken kann und solche, die eine Entsprechung finden in der Welt, wie ich sie kenne. Fiktion trägt immer auch Wahrheit in sich. Es gäbe noch viel zur Geschichte des Buches zu sagen, aber ich möchte absolut nicht vorgreifen – ihr sollt es ebenso unbeleckt lesen, ächzen und staunen dürfen wie ich. Denn genau darüber war ich am Ende des Romans wirklich traurig: dass ich die BINEWSKIS nicht nochmal mit der selben geistigen Jungfräulichkeit lesen kann.

Für mich ist „BINEWSKIS – Verfall einer radioaktiven Familie“ kein Roman, der einfach mal mit seiner schrägen Story schocken will. Das schafft er ohne Zweifel, dafür wäre schon allein mein Anriss der Story hier im Artikel ausreichend. Nein, Katherine Dunn hat meiner Meinung nach eine Botschaft, die sie fein säuberlich in dem immer abgründiger werdenden Plot hineinwebt. Sie lautet: Andersartigkeit ist Macht. Andersartigkeit ist auch eine Chance, sobald man sich so liebt, wie man ist. Sobald man die Optionen nutzt, die man nur durch seine angeborene Einzigartigkeit hat. Auch wenn man an vielen Stellen eingeschränkt sein mag – man kann andere Dinge, die die Normalen nicht können. Geschickt arbeitet Miss Dunn heraus, dass das Bewusstwerden der eigenen Fähigkeiten das Wichtigste ist im Leben – in jedem übrigens.

Nur ein Gedankenspiel – wenn Sie es hier und jetzt ändern könnten -, hätten Sie es dann nicht gern, dass Ihre ganze Familie körperlich und geistig normal wäre?

Oly: Nicht die Bohne! Jeder von uns ist einzigartig. Wir sind Meisterwerke. Warum sollte ich Fließbandware aus uns machen wollen? Leute wie ihr könnt euch doch nur anhand eurer Kleidung auseinanderhalten.

binewskis-verfall-einer-radioaktiven-familieIch wäre gespannt auf eine Verfilmung des Buches. Nichts ist unmöglich. Tod Browning hat es mit „Freaks“ bereits 1931 vorgemacht. Mit der heutigen Computertechnik könnte ein gefühlvoller Drehbuchautor und Regisseur die BINEWSKIS garantiert auf die Leinwand heben. Übrigens waren Chuck Palahniuk, der Autor des dann doch noch etwas weniger abstrusen „Fight Club“, als auch Kurt Cobain und Bassist Flea (RHCP) ebenso fasziniert wie ich von dieser radioaktiven Familie. Katherine Dunn hat ihren Roman nämlich bereits vor 25 Jahren in den USA veröffentlicht unter dem Titel „Geek Love“ – er galt lange Zeit als unübersetzbar. Was ich teilweise auch geneigt bin zu glauben, denn die Sprache ist eine sehr eigene, durchzogen von Slang- und Spezialwörtern. Sicher nicht einfach, doch das hat die Übersetzerin Monika Schmalz grandios hingekriegt – man merkt kein einziges Mal, dass irgendwo was nicht stimmig ist. Zum anderen denke ich aber, dass die bizarre Binewski-Story den deutschen Verlegern zu risikoreich war. Nevermind! Beweisen wir ihnen das Gegenteil. 😉


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PS: Diese Buchrezension ist eher eine Ausnahme. Falls jetzt einige Szene-Hobby-wasweißich-Autoren schon rüber zum planetarischen Kontaktformular schielen: lasst es gut sein! Fragt die vielen Bücherblogs im Web-All um eine Rezension, denn der schwarze Planet ist keiner. Und wird es auch nie werden.

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7 Responses to Binewskis

  1. WereSnail 18. September 2014 zu 11:47 #

    Ganz schön fies, aber auf gute Art fies, von diesem Buch zu erfahren. Ich musste es mir jetzt einfach bestellen, obwohl mein Bücherregal vor ungelesenen Werken geradezu explodiert.

    …ja, die einen sagen von sich selbst „Ich bin niemals normal!!“ die anderen fragen „Biste noch normal??!“. Damit ist implizit schon fast alles gesagt, was es da zu erklären gibt, oder?
    Ich bin der einzige Normale, den es auf der Welt gibt. Alle anderen, vor allem die Läufer, sind durchgeknallt, die meisten färben sich nicht die Haare etc.
    Daß ich mit anderen in enger Verbindung stehe, die auch eine Beeinträchtigung haben, hängt direkt damit zusammen, daß ich versuche die Welt mittels der Behindertenpolitik etwas barrierefreier gestalten zu lassen und zu gestalten, wenn ich besipielsweise Bildbeschreibungen für Blinde in Beiträgen, die ich mitteile, formuliere. Als Subkulturell würde ich die Behindertenszene eher nicht bezeichnen. Bei mir ist es ganz einfach, entweder ich lerne dort wo mich Themen beschäftigen Leute kennen, die fit sind, oder eben auch nicht. „Die Energie folgt der Aufmerksamkeit“ 😉 und schafft so Rahmenbedingungen für das eigene Leben, wenn Du verstehst, was ich meine.

    Danke für den spannenden Buchtipp und schade, daß ich Dir nicht meinen Gedichtband zum Besprechen unterjubeln kann. 😉 Aber ich verstehe es, heute ist jeder 2. Lyriker, da käme eine gigantische Papierlawiene auf Dich zu.

    M.

  2. Katharina 19. September 2014 zu 17:32 #

    Alter Schwede… sowas liest du im Urlaub?! Mir wird bei der Zusammenfassung schon schwindelig- ich bin möglicherweise zu zart besaitet für so erfrischende Schocklektüre.
    Aber das Thema finde ich unglaublich ansprechend, schließlich streifen auch regelmäßig die Fragen nach der Normalität durch meinen Kopf… da könnte man als Thema echt ein Fass aufmachen.
    Irgendwie ist es da ja fast beruhigend als Freak auf sich selbst begrenzt zu sein. Wir (?) Normalen stehen immer unter dem Druck uns an eine kranke Gesellschaft anpassen zu müssen. Aber wer weiß- vielleicht sind wir ja auch krank und die Gesellschaft eigentlich ganz okay. Ist eben eine Standpunktsache.

    Jedenfalls: wenn ich demnächst mal einen mutigen Tag habe, werde ich wohl nicht drumherum kommen das Buch doch mal zu lesen… nachdem ich mir jetzt schon so viele Gedanken dazu mache 😉

  3. Wotan 20. September 2014 zu 12:41 #

    Schön! Nun muß ich noch ein Buch lesen! Vielen Dank auch. ;o)

    „…dass ich (…) nicht nochmal mit der selben geistigen Jungfräulichkeit lesen kann.“ finde ich auch bei jedem guten Buch und auch Film Schade. Da wünscht man sich manchmal eine Löschfunktion fürs Gehirn…

  4. Shan Dark 20. September 2014 zu 17:19 #

    @WereSnail: Ich hatte ja insgeheim gehofft, dass Du einen Kommentar schreibst, denn natürlich hast Du auf meine am Anfang aufgeworfenen Fragen die bessere Sicht als ich „Läufer“. Danke Dir! Ja, mit „Subkultur“ bin ich vllt. etwas übers Ziel hinausgeschossen, aber im Buch geht es fast in diese Richtung. Letztendlich sind die Begriffe „normal“ und „abnormal“ irgendwie auch sinnlos, weil wie gesagt, jeder etwas anderes darunter versteht – je nachdem wie er geprägt ist. Wobei ich z.b. größtenteils gerade nicht das sein will, was ich als „normal“ bezeichne, also Mainstream und konventionell. Wobei ich es zu 50% leider auch bin, z.B. fester Job, feste Wohnung. Dafür ist der Rest dann zuverlässig jenseits des Mainstreams, nämlich alles, was mit Geschmack und Ansichten zu tun hat.

    @Katharina: Schocklektüre trifft’s, Horror ist es aber keiner. Eher wirklich bizarr und abgründig. Ein 500-Seiten-Pageturner, den ich auch an 2 Tagen weggelesen hätte, wären da nicht die Urlaubsattraktionen und -aktionen zwischengekommen. 😉

    Den „Druck, mich an die Gesellschaft anpassen zu müssen“ fühle ich zwar auch manchmal, flüchte mich dann aber gut in meine eigene Welt hinter den Stirnlappen. Was Lebenswandel angeht, lasse ich mir sowieso nicht hineinreden und wenn ich sehe, wie andere, nämlich grade die, welche den Druck aufbauen, ihr Leben leben, ist das für mich auch oft nicht erstrebens-, meist sogar bedauernswert. Ich glaube, Freaks und Menschen mit Beeinträchtigung haben auch Druck von außen, müssen ebenso ihr Geld verdienen um zu überleben. Aber weil sie von jeher einen besonderen Blickwinkel haben, finden sie auch besondere Wege auf besondere, manchmal unkonventionelle Art, die von der Gesellschaft häufig eher toleriert werden als bei unsereins. Die Frage ist, ob man selbst mehr Freiheit empfindet, wenn man „nicht ins Raster passt“. Die Antwort dürfte individuell sehr verschieden sein.

    @Wotan: Bitte! 😛 –> hast recht, so eine partielle Löschfunktion für gezielte Bereiche im Gehirn, das wär was! Momentan gibts ja nur „alles weg“ oder „so gut wie alles weg“. Der 1. Film, den ich löschen wöllte wäre „Rosemary’s Baby“. Ist sooooo gut, aber wenn man ihn einmal gesehen hat, vergisst man das Ende nie. Ganz so wird es bei mir bei den BINEWSKIS nicht sein, vermutlich weiß ich irgendwann das Ende nicht mehr (es ist gut, aber nicht spektakulär, trotzdem passt es). Dafür vergisst man den Plot nie!

    Bin gespannt wie euch allen das Buch gefällt.

  5. elektrische amsel 21. September 2014 zu 22:09 #

    Ich find deinen Bucheindruck sehr spannend. Ich hab mich eine zeitlang an der Uni mit Tod Browning’s „Freaks“ beschäftigt und da wurde in der Literatur auch immer wieder Katherine Dunn’s Buch erwähnt. Und ich fragte mich dabei jedesmal verzweifelt, wer oder was dieses „Geek Love“ sei. 🙂 Jetzt weiß ich es und will das Buch auch unbedingt lesen! Ich teile die Faszination für Freaks, Sideshows, und alles bizarre und schräge. Ich finde es auch interessant, mit was für einer Zeitverzögerung das Buch hier erscheint.

  6. WereSnail 30. September 2014 zu 17:48 #

    @WereSnail: Ich hatte ja insgeheim gehofft, dass Du einen Kommentar schreibst, denn natürlich hast Du auf meine am Anfang aufgeworfenen Fragen die bessere Sicht als ich “Läufer”. Danke Dir! Ja, mit “Subkultur” bin ich vllt. etwas übers Ziel hinausgeschossen, aber im Buch geht es fast in diese Richtung. Letztendlich sind die Begriffe “normal” und “abnormal” irgendwie auch sinnlos, weil wie gesagt, jeder etwas anderes darunter versteht – je nachdem wie er geprägt ist. Wobei ich z.b. größtenteils gerade nicht das sein will, was ich als “normal” bezeichne, also Mainstream und konventionell. Wobei ich es zu 50% leider auch bin, z.B. fester Job, feste Wohnung. Dafür ist der Rest dann zuverlässig jenseits des Mainstreams, nämlich alles, was mit Geschmack und Ansichten zu tun hat.

    Job, Wohnung… Wer finanziell autark ist, muss andere Einbußen in seiner Lebensgestaltung hinnehmen.
    Wenn ich das richtig verstehe, willst Du auf das freie, unbehinderte Gestalten des eigenen Lebens hinaus. An irgend welchen Stellen hakt es immer, Freiheit ist wohl letztlich eine Illusion oder ein hehres Ziel. Wer unabhängig ist (vom Gelderwerb), hat wieder Lebensbedinungen, die der Notwendigkeit entsprechend auf bestimmte Standarts hinauslaufen, keine Technik, keine Unterhaltungsmedien, wenig Freizeit; es sei denn, man erbt oder wird reich geboren.
    Und was den Sonderstatus der biologisch Nicht-Normalen angeht: Beschissen beschreibt es bei vielen ausrechend. Doch wie Du sagt gibt es auch Leute, die in der Hinsicht mit sich im Einklang sind, mit ihrem Umfeld und den Möglichkeiten Glück hatten.

    Ende der 70er bis etwa Ende der 80er gab es den Versuch der Behindertenbewegung, eine sogenannte „Krüppelszene“ zu etablieren, die sich tatsächlich von den „Normalen“ abgerenzt, die dann aber in dem emanzipatorischen Teil der Bewegung aufgegangen ist, größtenteils jedenfalls. Zuvor gab es nach dem 1. Weltkrieg (wenn ich mich richtig erinnere) die Unterscheidung von „Krüppeln“ und „Behinderten“ (die sich als Kriegsversehrte von den normalen Behinderten (!) abgrenzen wollten/sollten).
    Tatsächlich gibt es heutzutage sogar „Wannabes“, die eine Behinderung haben wollen. Jaa, so ist das. Bekannt zum Beispiel als Amelotismus, Monkophilie, Amputationsfetisch wobei nicht alle behindert werden wollen, sondern die meisten einfach ihren Fetisch haben. Ich will nicht weit ausholen, deshalb in aller Kürze.

    Das Buch war gut, sehr gut sogar. 🙂

  7. Nighttears 3. Oktober 2014 zu 10:40 #

    Danke für den Tipp! Ich habe das Buch gleich mal auf meine Wunschliste gesetzt. Wird allerdings noch einige Zeit dauern, bis ich auch dazu kommen werde, es zu lesen. Zu viel anderes wartet noch in ungelesenem Zustand auf mich.

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