Lepra, Hexen und der Tod

Es gibt Sachen, die mache ich einfach viel zu selten: mich in den Zug setzen (das mache ich oft) am Samstag (so gut wie nie) und extra in eine Stadt zu fahren um dort liebe Bekannte zu treffen (kommt vor) um gemeinsam den städtischen Friedhof zu besichtigen (wenn ich Zeit habe). Ich präzisiere: viel zu selten fahre ich extra in eine Stadt, um mir ausschließlich den Friedhof anzuschauen. Friedhofsausflug statt Städtetrip sozusagen. Dazu stifteten mich die „Boten des Todes“ Katharina und Parm vom Schemenkabinett an. Friedhofsobjekt der Begierde war der Melatenfriedhof in Köln. Die Beiden wollten die Grabsymbolik aus dem Tier- und Pflanzenreich entdecken und das haben sie auch – sehr interessant wie immer nachzulesen im Blog des Schemenkabinetts. Da ich den Melatenfriedhof auch noch nicht kannte, aber schon immer mal sehen wollte, war das ein guter Plan.

So lag ich an einem Samstagmorgen um 10 nicht wie sonst noch im Bett, sondern schon im Sitz des ICE von Mainz nach Köln. Später wurde ich am Kölner Neumarkt von Berufskollegen beobachtet, die erwarteten, mich noch bei einer gerade in Köln stattfindenden Online Marketing Konferenz zu treffen. Hinterher bekam ich Tweets: „Wo warst Du denn? Gar nicht mehr gesehen?“ – „Ich war da gar nicht. Sondern auf dem Melatenfriedhof.“ Was Grufties am Wochenende halt so machen…

Wir drei: Grufti-Treffen auf dem Friedhof ;)

Wir drei: Grufti-Treffen auf dem Friedhof 😉

13 Uhr schritten Katharina, Parm und ich durch den Süd- und Haupteingang an der Aachener Straße. Es ist immer verblüffend: man braucht nur in das Reich der Toten einzutreten, schon scheint der Lärm der Straße vor den Friedhofstoren stehen zu bleiben. Die Geräuschkulisse schaltete um von „Verkehr“ auf „Park mit Vogelgezwitscher“. Wie sie das nur machen, diese Friedhöfe!?

Moderner Grabstein

Moderner Grabstein

Zunächst wurden wir von jeder Menge schöner Grabstätten ‚überfallen’. Dann kam der erste Friedhofsweg-Kreisel und wir bogen rechts in eine neue Grabsiedlung ein, derer wir bald überdrüssig wurden. Neuen Gräbern fehlt einfach die Ausstrahlung. Stattdessen genossen wir die warmen Sonnenstrahlen an diesem doch recht kühlen Apriltag. Sogar blauer Himmel war ganztägig im Angebot. Ideal für Fotos und um in dieser Oase einen kleinen Zipfel des selten gesehenen Frühlings 2013 zu genießen.

melaten-koeln„Melaten“ kommt tatsächlich von „malade“ – dem französischen Begriff für „krank“. Denn ab dem 12. Jhd. lebten hier vor den Stadttoren von Köln die Aussätzigen: der damalige Gutshof Melaten war Teil eines Heims für Leprakranke und das für fast 500 Jahre bis 1767. Nachdem die Krankheit besiegt war, dienten die Gebäude des Melatenhofes bis 1801 als „Zucht- und Arbeitshaus“ und danach kurzzeitig als Waisenhaus. Unter seiner französischen  Besatzung verbot Napoleon 1804 mit dem „Décret sur les sépultures“ die Bestattung innerorts und verwies die Toten, besonders aus hygienischen Gründen, vor die Stadttore. So kaufte die Stadt Köln den Melatenhof und das umliegende Gelände, riss die meisten Gebäude ab und funktionierte das langjährige Leprakranken-Asyl zum Zentralfriedhof und „Gottesacker der Stadt Köln“ um. Die Kapelle des ehemaligen Lepra-Heimes wurde in den Friedhof integriert.

Bei der Gestaltung des Melatenfriedhofs soll angeblich der Pariser Friedhof Père Lachaise als Vorbild gedient haben, wobei ich da keine Ähnlichkeiten erkennen konnte – dann eher von der Anlage her zum Zentralfriedhof Wien, wenn auch bei weitem nicht so groß wie der Wiener Zentral. Größenvergleiche sollte der Kölner Melatenfriedhof besser meiden, auch wenn hier 56.000 Menschen begraben liegen – groß ist er nicht wirklich. Wenigstens kann man sich nicht verirren. Davon habe ich seit Campo Verano in Rom sowieso genug.

Suchbild: Finde den Grufti!

Suchbild: Finde den Grufti!

 

melatenfriedhofAls der Hof Melaten 1810 zum Friedhof geweiht wurde, sah er übrigens nicht zum ersten Mal Tote. Denn bereits im Mittelalter war Melaten eine öffentliche Hinrichtungsstätte der Stadt Köln. Im 17. Jhd. wurden hier mehr als 30 Frauen und Mädchen während der Hexenverfolgungen auf dem Gutsgrundstück Melaten verbrannt. Durch ihr trauriges, hartes  Schicksal wurde die angebliche Hexe Katharina Henot berühmt. 400 Jahre später hat der Kölner Stadtrat am 28. Juni 2012 die sozialethische Rehabilitierung der Opfer der Hexenverfolgungen beschlossen. Dies geschah auf Ansinnen der Nachfahren Katharina Henots. Schön und gut, aber was bringt das wem? Genugtuung nach 400 Jahren?

Garantiert auch das Grab einer Berühmtheit.

Garantiert auch das Grab einer Berühmtheit.

Ich hielt auch immer mal Ausschau nach den hier bestatteten Berühmtheiten. Denn auf dem Melatenfriedhof „lebt ganz private Familiengeschichte neben den vielen Prominenten wie Nicolaus August Otto (1832 – 1891), der 1876 den Viertakt-Motor vorstellte; … Schauspieler wie René Deltgen (1891 – 1974) … Maria Clementine Martin, die berühmte Klosterfrau mit dem Melissengeist (1775-1843), oder die Familie Farina mit dem Schöpfer des „Eau de Cologne“ (Quelle: Melatenfriedhof.de) Hier liegen Dirk Bach und auch der Gründervater aller Verleger Marcus Johann Theodor DuMont (1784-1831) neben Schriftsteller Heinz Günther Konsalik. Oder die Bankier-Familie Oppenheim neben der Theaterschauspieler-Familie von Willy Millowitsch. Dessen Grab sah ich – und das der Familie Stollwerck.

Stollwerck-Automat Merkur von 1889 (Foto: Volker Wendeler; Wikipedia)

Stollwerck-Automat Merkur von 1889 (Foto: Volker Wendeler; Wikipedia)

Grab der Familie Stollwerck

Grab der Familie Stollwerck

Der Schokoladenfabrikant Ludwig Stollwerck hat mich besonders beeindruckt. Er war ein technischer Pionier mit Sinn für Marketing. Ludwig Stollwerck brachte den ersten Schokoladen-Verkaufsautomaten in Deutschland auf den Markt, nach dem er die „stummen Verkäufer“ in den USA gesehen hatte. Das Modell „Merkur“ mit Spieluhr ist in meinen Augen der wunderschönste Automat, den ich je gesehen habe. 1890 verkaufte Stollwerck 18 Millionen Tafeln Schokolade allein über seine Automaten – gut, bei dem hätte ich auch gekauft! Damit nicht genug: Stollwerck entwickelte auch einen Phonograph mit essbaren Schoko-Schallplatten. Die sogenannte „sprechende Schokolade“ spielte vermutlich in jeder 3. Rille „Iss mich, iss mich!“ ab. Wir wissen es nicht 😯 . Wie ich durch den Kommentar von Volker Wendeler (siehe unten) erfuhr, ist das von mir entdeckte Grab der Familie Stollwerck im Bild nicht das von Ludwig Stollwerck, sondern von der Familie seines älteren Bruders Heinrich Stollwerck. Ludwig Stollwerck & Familie sind in einem eigenen Mausoleum beigesetzt in der Abt. 73a.

trauriger-engel-friedhof-koeln

Wir suchten nach älteren Gräbern – und natürlich nach dem berühmten „Sensenmann“ von Köln. Dafür zauberte Parm eine Mappe hervor, die einen ausgedrucktem Friedhofsplan und weiteres Infomaterial enthielt. Es gab zwar nicht für jeden von uns ein Handout, aber wir hatten somit die Person identifiziert, die sich auskannte. Während wir Frauen fasziniert von einem Grab zum nächsten sprangen und Schönes fotografierten, betätigte sich Parm erfolgreich als unser Friedhofsführer und Grabsymbol-Scout. Je weiter wir zur Mitte des Friedhofs und zum linken, offensichtlich historischen Teil von Melaten kamen, nahm die Gruften-Dichte zu. Es gab schon viele sehr alte Gräber, manche schön in ihrem morbiden Verfall, andere total überwuchert und vergangen und viele waren auch dezent restauriert worden.

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Man muss nämlich wissen, dass der Melatenfriedhof ein sehr sinnvolles System von Grabpatenschaften hat, das 1981 eingeführt wurde und auch anderorts Schule machte.   

Grabpatenschaft: hinten das Grab zur Pflege, vorn links der herzförmige Kissenstein ist ein Grab des Paten

Grabpatenschaft: hinten das Grab zur Pflege, vorn links der herzförmige Kissenstein ist ein Grab des Paten

Dabei wählt sich ein Pate eine denkmalgeschützte Grabanlage aus, deren Nutzungsrecht abgelaufen ist, und pflegt und erhält sie dann. Als Gegenleistung steht dem Paten das Recht zu, in diese Grabstelle beizusetzen. Nutzungsgebühren fallen erst nach einer neuen Beisetzung an. Der Name des zuvor Bestatteten wird zuweilen auf der Rückseite des neuen Grabsteines eingraviert. Dieses Patenschaftssystem stellt die Restaurierung und den Erhalt vieler historischer Grabmale sicher. (Quelle: Wikipedia)

Auch der Freundeskreis Melaten hat auf seiner Website liebevoll viele gute Informationen über den Melatenfriedhof zusammen getragen und engagiert sich aus völlig unmorbiden und dennoch befürwortenswerten Gründen für ihn. „Wer Grabmalkultur als wichtig erachtet und in das 21. Jahrhundert leiten möchte, darf sie nicht zerstören – nur weil eine Frist abgelaufen ist. (…)Wir fordern in unserer Gesellschaft einen Ort, an dem der Begriff „Ruhe“ etwas zählt. Sollten wir uns allen nicht am Ende des Lebens einen kleinen Platz zugestehen, der frei von Bürokratie und ökonomischen Sachlagen die Möglichkeit bietet, die Dinge einfach einmal zum Stehen zu bringen? Jeder, der das genau so sieht, kann sich im Freundeskreis eintragen.

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Schön still halten, Herr Gevatter!

Schön still halten, Herr Gevatter!

Famous Sensenmann hätte ich vermutlich nicht ohne Plan gefunden. Versteckt in der zweiten Reihe eines Rondells, verschmilzt er farblich in seinem verwitterten angegrünten Mantel beinahe mit den Fichten, in die er hoch hineinragt. Ich musste sogar zweimal hinsehen, um seine Sense zu erkennen. Aber ich muss sagen: Allein wegen ihm hätte sich der Trip gelohnt. Ich werde das Twitter-Stück umschreiben: „Wo warst Du denn? Gar nicht mehr gesehen?“ – „Ich war da gar nicht. Sondern beim Sensenmann.“  🙄

Habe ja auch schon viel gesehen, aber der Gevatter ist wirklich etwas Besonderes und ein beeindruckendes memento mori.

sensenmann

Beim Gevatter Tod trennten wir uns, damit jeder den Friedhof noch mal auf eigene Faust entdecken konnte. Katharina und Parm jagten Grabsymbole und ich die Gesamt-Atmosphäre. Die „Millionenallee“ – die lange, breite Straße mit den Prunkgräbern der ganz Reichen – beeindruckte mich. Ich taufte sie still um in „Mall of Death“. Der Melatenfriedhof verströmt regionale, deutsche Geschichte en masse. Er ist für die Kölner ein Gelände, auf dem sich Historie und das Heute treffen. Wie immer nehmen sie selbst den Tod lockerer als Andere und nutzen den Friedhof als Park und Naherholungsgebiet. Karnevalsumzüge wird es aber in absehbarer Zeit keine geben. Trotzdem: Auf dem Melatenfriedhof wird mehr gelebt als gestorben. Tiere, Vögel und Pflanzen mitten in der Innenstadt und viele Menschen. Der Tod ist das Tor zum Leben – lese ich auf einem Grabstein. Auf einem anderen wird gemahnt:

Bei Umgrabarbeiten versehentlich an die Oberfläche beförderter Schädel auf dem Friedhof Melaten, Köln (Foto: © Túrelio (via Wikimedia-Commons) / Lizenz: CC-BY-SA-3.0-de)

Bei Umgrabarbeiten versehentlich an die Oberfläche beförderter Schädel auf dem Friedhof Melaten, Köln (Foto: © Túrelio – Wikimedia-Commons – CC-BY-SA-3.0-de)

„Seid bereit

Alle Zeit

Immer droht

Uns der Tod.“

Nach 4 Stunden Melaten hatten wir alles gesehen. Mein Fazit: Wirklich sehenswerter Friedhof – extra deswegen hinfahren lohnt sich schon wegen des Sensenmannes. Sollte es mal DSDS für Friedhöfe geben, hat Melaten unter deutschen Friedhöfen klar die Nase vorn und Chancen aufs Siegertreppchen. International sind seine Gewinnchancen bei mir jedoch geringer – verglichen mit Wien, Rom, Paris oder Mailand hat er es schwer. Wenn es aber mal um die dunkle Vergangenheit gehen sollte, darf der Kölner Melatenfriedhof seinen Einsatz nicht verpassen. Da könnten auch die großen Friedhöfe ganz blass gegen aussehen.

Was ist Euer Lieblingsfriedhof – in Deutschland und/oder international?

Der Tod steckt oft im Detail.

Der Tod steckt oft im Detail.

Jeder Totenacker hat seinen Reiz und ist eine Oase für die Sinne. Aber am meisten beeindruckt hat mich wohl von den Grabstätten und Nekropolen und einfach dem Gesamtbild der Campo Verano in Rom. Was die Statuen angeht, kommt gleich danach der Wiener Zentralfriedhof. Auch Père Lachaise hat bleibenden Eindruck hinterlassen. In Deutschland fällt mir noch der Südfriedhof Leipzig ein – ganz was Besonderes – und auch der Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg soll ja wunderschön sein. Aber da war ich leider selbst noch nicht.

 

Danke an Katharina und Parm für einige der hier im Beitrag verwendeten Fotos.

Route planen zum Melatenfriedhof Köln

Eine Seite für euch mit den wichtigsten Infos – zum Herunterladen & Mitnehmen auf Reisen: Gratis-Download Gothic Guide Melatenfriedhof

 

 

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23 Responses to Lepra, Hexen und der Tod

  1. clerique noire 9. Juni 2013 zu 13:59 #

    Ach wieder ein schöner Friedhofsbericht.
    Irgendwie seltsam, daß es doch so viele tolle kleinere Friedhöfe gibt (neben Paris, Wien, …) und jeder beeindruckt anders.

    Bei mit hat der Sebastiansfriedhof in Salzburg einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
    1. auch die Ruhe und Kühle, wenn man durch das Tor schreitet
    2. die vielen kleinen Details der Gräber
    3. Leopold Mozart, Theophrast = Paracelsus und die Kindertafeln der Familiengräber

  2. Ian von Nierenstein 9. Juni 2013 zu 16:15 #

    Ein wunderschöner Bericht, tolle Bilder und ein unterhaltsames und atmosphärisches Video im Anhang 🙂

    Ich hatte bisher leider nicht das Vergnügen, diesen klassischen Friedhof zu besichtigen (muss ich in nächster Zeit endlich mal tun), aber finde auch, dass Père Lachaise in Paris ein wunderbarer Friedhof ist. Und vor allem so riesig. Bleibenden Eindruck haben dort die Gruft von Graf Dracula (einem Sohn des Prinzen der Walachei), Jim Morrisons von Absperrband umgebenen Grab und das von Oscar Wilde, hinterlassen. Bei letzterem wurde übrigens das edelste Teil des nackten Engels, der das Grabmahl schmückt, von einem fanatischen Literaturliebhaber gestohlen 🙂 So berichtete uns das der Friedhofsführer, der mich ebenfalls ein wenig an Onkel Fester erinnert hat 🙂

  3. Frau Fledermaus 9. Juni 2013 zu 18:20 #

    Ich finde es erstaunlich, wie immer wieder Père Lachaise genannt wird und der Cimetière Montparnasse außen vor gelassen wird. Beide sind wunderschön! Sehr große Anlagen, in denen man Stunden verbringen kann, wunderbare alte Gräber.

    Diese beiden zählen mit zu meinen Lieblingen. Ein weiterer Friedhof ist ein sehr sehr kleiner Friedhof in einem Kaff bei Karlsruhe, der auf dem Gelände einer Burg liegt. Damit verbinde ich sehr viele Kindheitserinnerungen, da wir auf dem Gelände oft gespielt haben und dann die Gräber begutachtet haben. Offiziell darf man diesen nicht betreten *hüstel*

  4. Black Planet 10. Juni 2013 zu 12:13 #

    Wirklich schöner Bericht über den Melaten-Friedhof. Bin bisher nur mal zum Spazieren drübergebummelt, insofern hab ich jetzt auch ein paar Infos dazu 😉

    Wer zufällig mal nach Warschau kommt, sollte da auf jeden Fall den Jüdischen Friedhof besuchen !

  5. Carpegenk 10. Juni 2013 zu 21:19 #

    Ich bin über das „Karnevalsumzüge wird es aber in absehbarer Zeit keine geben“ im Text gestolpert und habe dazu ein paar Anmerkungen:
    Es gibt Führungen zu den Gräbern der Karnevalisten auf Melaten.
    Mein Großvater – unbekannter Weise – ist in der Nähe eines solchen beerdigt, wenn man über seinen Stein schaut sieht man Text und Noten von „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“
    Der Leiter des Kölner Rosenmontagszuges, Christoph Kuckelkorn, ist Bestatter

  6. Emily Byron 12. Juni 2013 zu 15:34 #

    Die Eltern meines Freundes waren letzte Woche in Lissabon auf dem Cemitério dos Prazeres und total fasziniert davon. Der würde mich mal interessieren ebenso wie der Friedhof in Manila, da dort Leben und Tod wie fliessend ineinander übergehen http://www.n-tv.de/panorama/Leben-auf-Manilas-Friedhof-article1086071.html
    Der Friedhof von Guanajuato wäre auch interessant, aber da, so befürchte ich, ist noch zuviel alte „Energie“ unterwegs, was für empfängliche Menschen besonders im Nachhinein nicht besonders angenehm werden könnte…

  7. Flusskiesel 14. Juni 2013 zu 11:14 #

    Danke für diesen schönen Bericht!

    Der moderne Grabstein wirkt so … naja … ob da wohl ein Radfahrer beerdigt ist?

  8. Shan Dark 14. Juni 2013 zu 12:04 #

    @Flusskiesel: Du wirst lachen – genau das war auch meine erste Assoziation dazu gewesen. 😉

  9. Marcus 19. Juni 2013 zu 18:23 #

    Ein schöner und interessanter Bericht. Der Sensenmann war bei meinem Besuch auch ein absoluter Höhepunkt. Solch eine Skulptur ist doch eine Seltenheit.

    Die Frage nach dem Lieblingsfriedhof ist unglaublich schwer zu beantworten. Auf Deutschland bezogen fallen mir spontan der Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin ein. Insbesondere wegen des Gefühls, sich stellenweise auf einem Waldspaziergang zu befinden. Unvergesslich auch das Eichhörnchen, das eine Pfote auf meinen Schuh gestellt hat und sich aus der Hand füttern ließ. Absolut beeindruckend ist aber der Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg. Die Größe ist gewaltig, weswegen sich ein Straßennetz durch den Friedhof zieht. Ebenso gibt es diverse Bushaltestellen. Trotzdem hat der Friedhof eine gewisse Ruhe und es gibt wahnsinnig viel zu entdecken. Die Skulptur „Das Schicksal“ hat mir besonders gefallen. Eine finster dreinblickende, barbusige Dame zerrt eine Frau und einen Mann an den Haaren neben sich her.

    International wird es noch schwerer. Oft sind es ja die jüngeren Eindrücke, die den Ausschlag geben. So fällt mir ebenfalls Père Lachaise in Paris ein. Oder der Friedhof in Amiens. Für französische Verhältnisse sehr grün. Höhepunkt hier die Grabstätte von Jules Verne. Nein, nicht wegen der Prominenz des hier Begrabenen, sondern wegen der sich auf dem Grab befindlichen Skulptur. Zu sehen ist Jules Verne, der die Grabplatte mit dem Rücken ein Stückchen anhebt und einen Arm gen Himmel streckt. Im Gedächtnis ist mir aber auch ein klitzekleiner Friedhof am Meer in Norwegen geblieben. Natürlich nicht zu vergleichen mit den großen Begräbnisplätzen in den europäischen Metropolen. Aber durch Wildwuchs und seine Lage hatte dieser Friedhof auch etwas Einzigartiges.

    Ich gebe es lieber auf, die Frage nach dem Lieblingsfriedhof beantworten zu wollen…

  10. Shan Dark 19. Juni 2013 zu 23:11 #

    Wow, das sind ja prima Tipps von Euch! Bin begeistert und habe mir gerade ein paar der Friedhöfe angesehen, die ich noch nicht kannte – DANKEeeeeee!

    @clerique noire: Stimmt, ich erinnere mich an Deine tollen Bilder vom Salzburger Friedhof. Dahin schaffe ich es bestimmt auch noch mal – Österreich wird ja immer gern genommen.

    @Emily Byron: Nach Manila und Guanajato (war mir beides neu und sehr interessant) werde ich leider nicht so schnell kommen. Portugal steht aber auf der Liste. Die Eltern Deines Freundes sind ja auch gut drauf, was? 😉

    @Marcus: Stahnsdorf und der Ohlsdorfer Friedhof sind vorgemerkt. Die beiden Grabmale von Jules Verne und dem Schicksal habe ich mir auch grad bei Google angesehen – beide auf ihre Art unvergesslich, absolut! Ja, man kann sich wirklich nur schwer entscheiden.

    @Black Planet: Warschau ist gar nicht soooo unwahrscheinlich, dass ich da mal hinkomme. Danke also für den Friedhofstipp.

    @Carpegenk: Dass es da keine Karnevalsumzüge gibt, war eine mutige Behauptung von mir. Eine Führung zu den Karnevalistengräbern, ja sowas gibts echt auch nur in Köln ;).

    @Ian von Nierenstein: Von Morrissons Grab war ich ja etwas enttäuscht, aber das von Chopin hat mir gefallen. An das des Vlad Dracul Sohnes kann ich mich nicht mehr erinnern. Hm… oder es ist mir entgangen, was glatt ein weiterer Grund wäre noch mal nach Paris und erneut diesen Friedhof zu besuchen.

    @Frau Fledermaus: Auf dem Montparnasse-Friedhof waren wir damals auch. Ich muss aber gestehen, dass er mir gegen Pere Lachaise etwas blass vorkam. Und vor allem nass – es schüttete durchgehend, was wohl auch die Stimmung etwas trübte, vermutlich war er besser. Wollte da unbedingt hin um Baudelaires Grab zu sehen, was man ganz schön suchen musste. Aber letztendlich waren wir erfolgreich. Nix spektakuläres, aber Baudelaire 😉

    „Mir scheint, ich fühle mich immer dort wohl, wo ich nicht bin.“
    Charles Baudelaire (1821 – 1867)

  11. Roman 25. Juni 2013 zu 21:14 #

    Huhu!
    Da melde ich mich doch auch mal wieder. Schoener Bericht, wie immer! Mehr Bilder zu diesem tollen Gottesacker gibt es auch hier: http://www.anshitsu.eu/photo-items/melaten-cemetery-in-cologne-germany/ (schleich, schleich).

    Bis hoffentlich bald mal wieder,
    Roman

  12. kleine Eule 27. August 2013 zu 21:35 #

    Ein wundervoller Bericht 🙂
    War noch nie dort, bin mal gespannt wie es mir gefallen wird. Aber ein superschöner Artikel und vor allem tolle Fotos.

  13. Anja 23. Oktober 2013 zu 00:23 #

    Hallo Shan Dark,

    ich stöbere jetzt schon seit etwa zwei Stunden bei Dir im Blog herum, auf den ich tatsächlich rein zufällig bei einer Google-Recherche gestossen bin, und finde immer wieder neue Orte und Beiträge, die mich interessieren. Vorhin habe ich bereits beschlossen, dass ich in nächster Zeit unbedingt mal nach Hamburg ins Dungeon muss und nun bin ich gerade von Deiner interessanten Friedhofsbeschreibung und den stimmungsvollen Fotos begeistert. Kompliment zu Deinem wirklich gelungenem Blog. Ich werde von nun an garantiert öfters bei Dir vorbei schauen.
    Ich hoffe mal, dass auch ich Dir einen guten Tipp geben kann. Guckst Du hier: http://www.welt-der-legenden.de/st-johannis-vom-pestfriedhof-zur-letzten-ruhestatte-der-nurnberger-prominenz/

    Lg aus Nürnberg
    Anja

  14. Shan Dark 23. Oktober 2013 zu 01:03 #

    Liebe Anja,
    danke Dir, freut mich sehr – ich hab mich auch schon ‚revanchiert‘. Viel Spaß beim Stöbern, das auf Gegenseitigkeit beruht 😉

    Bis bald wieder
    Shan

  15. Madame Mel 25. November 2013 zu 10:42 #

    Wunderschön geschrieben! Wer hätte ihn nicht gerne auf seinem Grab stehen – den Stollwerck Schoki-Automaten 🙂 Und der Herr Sensemann ist einfach umwerfend!

    Leider hatte ich bis jetzt – außer 10 Minuten (Dank ungeduldiger Mitfahrer) – noch nicht wirklich Gelegenheit, den Melatenfriedhof auszukundschaften. Bei nächster Gelegenheit werde ich das aber tun!

    Ich finde Tipps für Trips immer am wertvollsten, wenn man die fahrtechnisch von meinem Standort noch gut erreichen kann. Die Hauptfriedhöfe Darmstadt, Frankfurt (der Südfriedhof ist auch schön) und Wiesbaden wirst du bestimmt kennen – aber warst du schon auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Frankfurt? Der ist nach Worms (auch sehr sehenswert!) der zweitälteste in Deutschland. Auch wenn wir des Hebräischen nicht mächtig sind, so können wir dort einiges aus den Symbolen herauslesen, die so ganz anders als die auf christlichen Friedhöfen sind. Da gibt es Hauszeichen, wie Hahn, Hirsch, Bär oder Gegenstände wie eine Reuse oder Krug/Kanne (stehen für Gräber der Leviten), bei den Priestern sind es die segnenden Hände.
    .
    Erst neulich habe ich mir den ältesten Russischen Friedhof Deutschlands in Wiesbaden angesehen, der idyllisch im Wald auf dem Neroberg liegt. Es war ein schöner Novembertag, die Sonne stand tief und ich roch die feuchte Erde. Herrlich! Da war etwas mystisches, geheimnisvolles in der Luft, was man nicht auf Fotos bannen kann.
    Ich versuche hier mal eins einzustellen, hoffe es klappt:

    http://www.flickr.com/photos/madamemel/10943718205/

    Bei beiden Friedhöfen musst du dir zuerst den Schlüssel besorgen (Jüdisches Museum Battonstraße / Russische Kirche). Merkwürdig, wenn sich das knarzende Tor hinter dir schließt und du selbst den Schlüssel im Schloss herumdrehst. Die Welt und das pulsierende Leben einfach draußen lässt. Willkommen im Reich der Toten. DAS ist ein Gefühl der Ewigkeit.

    Liebe Shan, hast du schonmal daran gedacht, den Mainzer Friedhof hier auf dem Blog vorzustellen? Da hättest du doch Heimvorteil 😉 Frei nach Goethe: Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.

  16. Shan Dark 1. Dezember 2013 zu 19:53 #

    Liebe Madame Mel,

    grenzt stark an Gedankenübertragung, denn es ist ein Blogbeitrag über den Jüdischen Friedhof in Frankfurt in Arbeit. 😉 Allerdings nicht über den ganz alten in der Battonstraße, sondern über den alten israelitisch-jüdischen am Hauptfriedhof, der hat auch einen wunderbar verfallenen Charme. Insofern haben Du und Goethe völlig recht: Das Gute liegt so nah! Aber gerade das kennt man oft am allerwenigsten gut, komisch eigentlich. So ist mir z.B. der russische Friedhof auf dem Neroberg unbekannt gewesen. Auf dem Neroberg war ich wohl vor 9 Jahren das letzte Mal. Ich werde demnächst mal Deinen Tipp beherzigen, lieben Dank dafür! Nachdem ich Deine Bilder gesehen habe kann ich auch gar nicht anders (beim nächsten Mal den Link ohne eckige Klammern einfügen, dann klappts besser).
    Auch der Meeenzer Hauptfriedhof und der auch sehr schöne jüdische Friedhof direkt darunter stehen noch auf meiner Liste. Für letzteren muss man sich wohl auch irgendwo einen Schlüssel holen bzw. vorher anrufen. Einfach noch keine Zeit gehabt (momentan eh das Problem, deshalb hier auch etwas ruhig).
    Merci für Deinen sehr sympathischen Schubs, ich werd’s beherzigen! 😉

    Liebe Grusels
    Shan

  17. Volker Wendeler 18. Dezember 2013 zu 19:08 #

    Liebe Shan Dark,

    im dargestellten Stollwerck-Grab ist nicht Ludwig Stollwerck begraben, sondern die Familie von Heinrich Stollwerck, Ludwigs älterem Bruder.

    Er war das technische Genie der Gebrüder Stollwerck und hatte gemeinsam mit seinem Bruder Peter Joseph von 1904-1909 das „Schwarze Grabmal“ mit über 16 Gruften erbauen lassen. Nach einem Bombentreffer im 2. Weltkrieg musste dieses Grabmal abgerissen werden und die Verstorbenen wurden in mehrere Gräber umgebettet.
    Die Gestaltung der Grabstätte und des Schokoladenautomaten sind also keineswegs vergleichbar, da sie aus zwei völlig verschiedenen Epochen stammen.

    …und beim nächsten Besuch auf Melaten das Mausoleum der Familie von Ludwig Stollwerck besuchen, aber sich vor der kritischen Betrachtung schlau machen!

  18. Shan Dark 18. Dezember 2013 zu 19:43 #

    Lieber Volker,
    vielen Dank für die Aufschlauung ;). Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass es ZWEI Grabstätten der Stollwercks auf Melaten gibt, an das Mausoleum kann ich mich zwar als Grabstätte erinnern – jetzt, wo ich es auf dem Bild sehe, aber habe den Namen nicht bewusst aufgenommen. Das kann schon mal passieren, zumal wir keine Führung mitgemacht haben, bei der das sicher erläutert wird.
    Der Vergleich mit dem Schokoladenautomaten war zwar nur ironisch gemeint, aber passt nun natürlich inhaltlich nicht mehr, da hast Du völlig recht. Ich werde daher den Text entsprechend ändern/korrigieren.
    Nochmals DANKE und Grüße nach Köln,
    Shan Dark

  19. Somnia 6. April 2014 zu 15:49 #

    Der alte Friedhof in Freiburg ist eine Reise wert. Klein, überschaubar und voll von einzigartigen Grabsteinen, Skulpturen und Geschichten. Wenig besucht, meistens sich selbt überlassen, still und wunderschön. Man kann Stunden auf dem Friedhof verbringen, ohne einem Menschen dafür aber um so mehr Tieren zu begegnen. Man kann in Ruhe die Grabstätten betrachten, Stone rubbing betreiben, lesen, spazieren gehen, ein Picknick machen, etc. Ein schöner Ort, um dort Zeit zu verbringen.

  20. Shan Dark 7. April 2014 zu 11:51 #

    Liebe Somnia,

    vielen Dank für den weiteren, sehr interessanten Friedhofstipp. Wenn ich mal da unten bei Euch bin, schaue ich mir den Freiburger Friedhof auf jeden Fall an. Stone Rubbing?? Du meinst damit Grabsteine freilegen, damit man die Schrift lesen kann? Ich kenne nur Brass Rubbing, aber das ist was anderes. 😉

    Liebe Grusels
    Shan

  21. doomed forever 17. Januar 2015 zu 00:06 #

    Amüsanter-weise habe ich diese Seite hier auf der Suche nach neuen Friedhöfen gefunden, und auch so manches Motiv von meinem Lieblingsfriedhof, dem Melaten in Cologne, sogleich wieder erkannt. Bisher war ich seit 2009 5x auf dem Melaten, leider war es mir bisher nicht gegönnt, manche schöne Statue im Schnee zu fotografieren..sehr schade…

    Unter „Cemetery Arts“ könnt ihr u.a. auf meiner deviantart Seite eine Menge Statuen aus
    dem Melaten begutachten…

    Gruß von einem Alt-Grufi…

    Carpe Noctem,
    ~dF~

  22. Shan Dark 21. Januar 2015 zu 23:50 #

    @doomed forever:
    😉 Willkommen auf dem Planeten, auch wenn Du über einem dir bekannten Friedhof vom Raumschiff Google abgeworfen wurdest. Aber ruhig mal stöbern oder suchen (rechts in der Blogsuche), sicher gibt es hier noch ein paar Friedhöfe, die Du vllt. noch nicht kennst. Außerdem habe ich mindestens drei Artikel in der Planung zu Friedhöfen in der nächsten Zeit. Zudem sind ja in den Kommentaren auch noch viele Tipps dazu.

    Ich habe mir Deine Bilder/Bildkunst angesehen – bin sehr beeindruckt! Wirklich sehr schöne Fotos dabei…nicht nur die von Melaten oder Friedhofsstatuen.

  23. Crunchita 5. Februar 2017 zu 14:33 #

    Auch auf dem Melatenfriedhof: das Jesuitenpärchen Nonni und Hermann — ob er den wohl auch Manni genannt hat?
    Adresse 20 E/19 D, HWG/NS
    http://www.funcity.de/homepages/93/9990000000848993/koeln.html

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