Englisch für Grufties: graveyard shift

Es gibt englische Wörter, Wortgruppen und Redewendungen, die könnten gut auf unserem Grabstein stehen. Und es gibt sie wirklich – auch wenn man beim ersten Hören oder Lesen daran (ver-)zweifelt. Doch auch Sprache reist manchmal gern auf düsteren Wegen.

Nur wenige wissen, dass ich auch mal 2,5 Jahre Amerikanistik studiert habe und demnach mein (Amerikanisches) Englisch nicht das Schlechteste ist. Wenn auch leicht verkümmert mangels täglicher Übung 😐 . Obwohl ich mich heute im Nachhinein bisschen gräme, dass ich nicht lieber Anglistik und somit British English belegt habe. Klingt in meinen Ohren ja viel besser als der Kaugummi aus Übersee und ist für Gothics noch mal einen Zacken kultiger. Doch wenigstens literaturgeschichtlich hatte das Amerikanistik-Studium einige spannende Aspekte zu bieten.

Aber: Thou shalt not fear! Denn ich mutiere bei „Englisch für Grufties“ nicht zur Frau Oberlehrerin. Sondern werde nur ab und zu – sobald mir eben ein ‚gruftiges Wort’ auf der Zunge zergeht – dessen Herkunft und Bedeutung mit Hilfe des großartigen One-Word-A-Day* erklären. Denn mit Sprachwissen glänzen, das steht auch Grufties gut.

Mit dem heutigen Wort könntet ihr zum Beispiel die schwarzhaarige Schönheit im Londoner Goth-Club ungefähr so ansprechen: Would you take the graveyard shift with me? Daraus wird sich ein amüsantes Gespräch und ein vielversprechender Abend entwickeln. Und die Nacht ist lang… 😀

Lesson 1:
graveyard shift

= die Nachtschicht / die „Friedhofsschicht“ / der Nachtdienst

Als „Friedhofsschicht“ – graveyard shift – wird die Arbeitszeit zwischen Mitternacht und 8 Uhr morgens bezeichnet. Wenn man nicht gerade auf der Intensivstation arbeitet oder bei Domian in der Sende-Redaktion, ist zu der Zeit eigentlich tote Hose (eine ‚dead trouser shift’ gibt es allerdings weder im Britischen noch im Amerikanischen Englisch).

Üblicherweise ist zu der Zeit auch die Firma von allen Kollegen verlassen und es arbeitet nur noch das Skelett-von-einem-Team (also niemand außer dir! 🙄 ). In Nachtschichten ist es meist so still wie (nachts) auf dem Friedhof. Die Kunden und die Probleme schlafen friedlich. Das ist der Grund, warum die Nachtschicht den Namen „graveyard shift“ erhalten hat.

Die Bezeichnung „graveyard shift“ entstand in den USA gegen Ende des 19. Jahrhunderts und wurde häufig von Seemännern in Bezug auf die Wache verwendet, die sie nachts an Deck schieben mussten:

Graveyard watch, the middle watch or 12 to 4 a.m., because of the number of disasters that occur at this time.“ (Quelle) – also keine oder nur wenige…

Viel mystischer, aber dafür falsch ist die häufig im Internet verbreitete Annahme, wonach das Wort auf die Totenwache auf dem Friedhof zurückgeht. Auf damals, als Rettungswecker benutzt wurden (hier im Artikel „Bei uns liegen Sie immer richtig.“ erwähnt) und irgendeine arme S… auf dem Friedhof Wache halten musste, falls einer von den Toten wieder aufersteht (und klingelt). Das klingt an den Haaren herbeigezogen und ist es auch. Aber hält sich hartnäckig. Ich finde ja die richtige Erklärung viel interessanter und lustiger.

Die Stephen King-Fans unter euch kennen vermutlich seine Kurzgeschichte „Graveyard shift“, in der mutierte Ratten im Keller einer alten Mühle die Hauptrollen spielen. Aus dieser Story entstand 1990 auch der gleichnamige Film.

Es gibt auch eine App namens „Graveyard Shift Lite“, die eher etwas mit der häufig missverstandenen, verklärten Herkunft des Wortes zu tun hat: dass man nachts die Gräber auf dem Friedhof bewachen muss. Genau das geht im Spiel nämlich schief. Um Mitternacht flüchten die Toten aus ihren Gräbern und man verbringt als Totengräber vom Dienst vermutlich die gesamte Nachtschicht damit, die Skelette wieder einzusargen.

Mocha_Java_Graveyard_ShiftDabei oder danach könnt ihr euch mit einer Tasse extra-starkem „Graveyard Shift“-Kaffee aus dem amerikanischen Coffee Shop Of Horrors wach halten. Oder auch mal zu einer anderen Sorte wechseln – wie wäre es mit „Zombie Dirt“, dem „Reanimator“ oder einem „Roastbuster“? Na dann… gute Nacht allerseits!

* Ich empfehle: unbedingt abonnieren! Wobei…dann kann ich euch ja nix Neues mehr erzählen. Aber trotzdem: unbedingt abonnieren! Echt klasse und man lernt was. Gratis sogar.

0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes

Einfach Dranbleiben!

Skurriles, Düsteres, Morbides im Abo! Vernetze Dich mit dem schwarzen Planeten & Shan Dark:

12 Responses to Englisch für Grufties: graveyard shift

  1. Wolfen 7. März 2012 zu 07:08 #

    Oh – ein Englischkurs im Planete noir?

    I can me no more out…..

  2. solitary_core 7. März 2012 zu 07:30 #

    hm rein von akustischen finde ich das amerikanische Englisch erträglich, die australische Variante ist eher die die ich nich abkann 😀

    einfach mal deine DVD-Sammlung auf englisch guggen, dann bleibste wunderbar im Stoff, oder hier und da mal in englischen Foren rumgraben XD

    da war noch ein subtiler Wortwitz drin, denn King’s Kurzgeschichten-Sammlung „Blut“ hies im amerikanischen zufälliger weise „skeleton crew“ 😀

    „grayveyard shift“ … kenn ich garnich, muss diese Lücke dann eben noch nachholen, dachte ja erst bei der Beschreibung dreht es sich um „Nona“ bei der eine riesige Ratte mitspielt (ohne jetz spoilern zu wollen 😀 ) , eventuell eine Fortsetzung oder Vorgänger der Geschehnisse da XD, zu finden in skeleton crew, bzw „Blut“ oder dem teilbuch „der gesang der toten“ welches mit „der Fornit“ und „im Morgengrauen“ zusammen eben „Blut“ ergeben.

  3. Lucretia Levi 7. März 2012 zu 14:42 #

    Englisch für Grufties? Eine tolle Idee, ich bin gespannt auf weitere Redewendungen!

  4. Melle Noire 10. März 2012 zu 01:22 #

    Hahaha, das ist cool! ;D
    Davon hab ich noch nie was gehört *g*

    Dunkle Grüße! 🙂
    Melle

  5. solitary_core 13. März 2012 zu 16:09 #

    die Kurzgeschichte von Nona könnte erklären wie das Ding eben in die Mühle kam, endet die Geschichte doch unweit von Castle Rock auf einen Friedhof.

  6. shan dark 13. März 2012 zu 22:19 #

    Also ihr wusstet von der graveyard shift vorher offensichtlich genauso wenig wie ich, das beruhigt.

    @Wolfen: Jawoll, denn ein Französisch-Kurs wäre mir unmöglich – auch wenn ich zugebe, dass Planete Noir ziemlich gut klingt. Mit Russisch könnte ich noch aufwarten, aber es gab da mal jemanden, der sagte: „Russisch ist keine Sprache, sondern ein Geräusch.“

    @solitary_core: Ich kann Dir grad mal soweit folgen, dass es um King’s Kurzgeschichten geht. Aber ansonsten kriege ich den Link zu „Graveyard Shift“ und der Bedeutung des Wortes grad irgendwie nich… °I° Meinst Du mit „Ding“ Ratte(n) in der Mühle?

  7. solitary_core 14. März 2012 zu 04:03 #

    ja die „Ratte“ war gemeint, auch wenn das grosse Ding eher Fledermaus-Ähnlich war fand ich.

    Nona kurz beschreiben: es geht um einen Mann der mit seiner Verlobten durchbrennt und aus ihrere Verbindung vollbringt der Mann einige Gewalttaten, zu denen er garnicht fähig sein sollte, Endpunkt ihrer Reise ist eine Gruft wo sie ihm ihr wahres gesicht zeigt .

  8. stoffel 15. März 2012 zu 15:40 #

    Supi Interessant, danke Dir für die Aufklärung.
    Ich persönlich finde das gute, alte „British English“ einfach wohlklingender für die Ohren … wobei die US Kollegen aus meiner Firma ein recht klares, verständliches English sprechen … interessant finde ich es wenn Holländer, Franzosen, Italiener und Kollegen aus dem arabischen Raum Englisch sprechen … da hab ich dann doch so meine Problem mit der Verständigung, durch den starken Akzent … und wie immer gewinnen die Holländer den „Niedlichkeitsfaktor“ 😉

  9. shan dark 17. März 2012 zu 19:57 #

    @solitary_core: Danke Dir, Story ist jetzt klar, aber was es nun mit graveyard shift zu tun hat… nun ja, am Ende endet alles auf dem Friedhof und in einer Gruft. 😀

    @stoffel: Danke auch ;-). Geht mir genauso. Mir gefällt „British English“ vom Klang und auch so von manchen Begriffen her besser. Die Amerikaner versteht man aber (meist) besser, stimmt. Australisch gefällt mir genau wie solitary_core auch bloß nicht – man versteht sie kaum, schlimmer sind manchmal nur die Kiwis (NZ) und natürlich die Schotten. Bei letzteren hat man gar keine Chance, etwas zu verstehen. Aber ist ja auch schon eine eigene Sprache. Niederländisches Englisch ist echt niedlich, hehe. Am lustigsten finde ich, dass sie in ihrer eigenen Sprache statt „fuck“ – „fück“ und statt „Seven Up“ (die Limo) „Seven Üp“ sagen, weil u im Niederländischen immer „ü“ gesprochen wird. Man muss sie einfach gern haben!!

  10. Alex 28. März 2012 zu 18:49 #

    Als Sprachbegeisterte ist dies eine Serie nach meinem Herzen – ich freue mich auf mehr 🙂

  11. Karnstein 2. April 2012 zu 15:38 #

    Grufti-Linguistik… Und ich hab fast einen Monat gebraucht um zu reagieren… unfassbar… 😀

    Ich als alter Verfechter der Received Pronunciation (auch genannt „Oxford/Queen’s/BBC English“) muss hier aber auch gerade mal eine Lanze brechen für die Amis ^^ Mal abgesehen davon dass es auch da eine reiche Vielfalt an Dialekten gibt (die ich teils deutlich verständlicher finde als die aus etwa Manchester, Bristol oder Newcastle) konnten die im 18. und 19. Jahrhundert auch noch „richtiges“ Englisch, und der gebildete Engländer klang auch noch etwas „amerikanischer“ 😉

    Und so oder so macht’s letztlich ja die Literatur, und seien wir mal ehrlich:
    Ja, die Briten haben Gothic erfunden: Sie haben Walpole, Shelley, Stoker,…
    Aber die Amis haben nunmal Poe und Lovecraft – und die sind ja wohl einfach unerreicht 😉

    Aber „graveyard shift“ selbst war mir ehrlich gesagt garnicht geläufig (und das nach drei Jahren Anglistik…) – also das Wort an sich schon nicht, und daher glücklicherweise auch keine falschen Herleitungen. Dennoch vielen Dank für die richtige 🙂 Wieder was zum Klugscheißen *Hände reib* ^^

  12. shan dark 5. April 2012 zu 10:48 #

    Und ich hab Dich als „Grufti-Linguistiker“ auch schon vermisst… 🙂

Schreibe einen Kommentar