Alien Sex Fiend live beim WGT 2010

Konzertbericht vom Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, 23.05.2010, AGRA-Halle

Spät, sehr spät und für manche zu spät spielten die Batcave-Götter: das Konzert begann kurz vor 2 Uhr morgens. Könnte mir vorstellen, dass sie sich diese Uhrzeit extra ausgesucht haben. Mit vielen Tassen schwarzem Tee und anderen „Drogen“ sind diese Briten ja jederzeit zu Höchstleistungen fähig.

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Zu Beginn klärte der sympathische „offizielle WGT-Bandansager“ Oliver Klein für viele deutsche Fans die Frage zum Bandnamen: Werden sie nun Alien Sex Fiiiiiiend oder Alien Sex Feind ausgesprochen?? Nik hätte ihm hinter der Bühne gesagt, es wäre beides OK. Typisch britische Diplomatie!

Aber Frau Oberlehrerin Shan Dark sagt: „Fiend“ wird niemals wie „Feind“ ausgesprochen – sondern immer Fiiiiiiiend. So, hätten wir das vorab geklärt. Jetzt kann auch jeder richtig sagen, was auf seinem ASF-Shirt steht. 😉

Alien Sex Fiend WGT 2010 Bühnendeko - Bildrechte: clerique noire

Kunstvoll entartete Schaufensterpuppen – ein Markenzeichen der Fiend’schen Bühnendeko (Bildrechte: clerique noire)

"Punk to the end" auf der Lederjacke meines Vordermannes

„Punk to the end“ stand auf der Lederjacke meines Vordermannes mit „big hair“

Alien Sex Fiend sind live ein Gesamtkunstwerk für alle uns noch verbliebenen Sinne. Visuell bestechen sie mit einer trashig-morbid-zombiehaften Bühnendeko aus aufgespießten Totenschädeln, übergroßen Spinnenwebfetzen und entstellten Schaufensterpuppen. Das alles war während der gesamten Show eingehüllt in Nebel, was das Fotografieren nicht einfacher machte. Aber es passte gut.

Zuerst klettert sexy Mrs. Fiend in ihr On-Stage-Labor auf dem linken Bühnenpodest, dann kommt der Gitarrist – kenne ihn nicht, scheinbar ein Gastmusiker von ZZ-Top 😉 – und platziert sich auf dem rechten Podest. Zu den Klängen von „In And Out Of My Mind“ wankt Nik Fiend auf die Bühne – wie frisch vom Grab auferstanden. Wie Max Schreck als Nosferatu. So echt und so cooool! Ich kann nicht sagen, dass sie mir in den früheren Auftritten, die ich in YouTube-Videos gesehen hab, besser gefallen. Eigentlich kommt es jetzt erst recht authentisch: etwas älter, lässiger, auch zombiehafter mit Glatze, wie ein sympathischer Geist über den Dingen schwebend.

Alien Sex Fiend live WGT 2010

Alien Sex Fiend live WGT 2010

Alien Sex Fiend WGT 2010 - Kampf mit Riesenbananen

Nik Fiend kämpt mit einer Riesenbanane – sorry aber Nebel und Action = verwackelt 🙁

Alien Sex Fiend Nik Fiend WGT 2010_copyright clerique noire

Nik Fiend schreit es heraus! (Bildrechte: clerique noire)

Mr. Fiend bewegt sich nie schnell – das machen Zombies nämlich auch nicht! Er schleppt sich eher, wippt ein bisschen, alle Körperbewegungen sind langsam – nur manchmal kommt es zu spontanen Ausbrüchen. Zum Beispiel beim Kampf mit einer aufblasbaren Riesenbanane. Wie ich hörte ist das eine Reminiszenz an frühere Auftritte, wo er mit einer echten Banane herumexperimentiert haben soll. Vielleicht weiß ja jemand mehr darüber? Die Riesenbanane landet im Publikum, wo sie noch für viel Spaß sorgt. Ich sah sogar später an diesem Morgen bei der „When We Were Young“-Party einen Batcaver mit einer 70cm großen Gummibanane tanzen.

Auf die Ohren gibt es frisch und live gemixten Sound von Mrs. Fiend. Obwohl die Aliens ihr neues Album „Death Trip“ am Start haben, spielen sie fast ausschließlich ihre bekannten Kracher wie „I Walk The Line“, „Now I’m Feeling Zombified“ und meinen Liebling „E.S.T. – Trip To The Moon“. Dazu entwickelt sich ein Dialog zwischen Mr. und Mrs. Fiend. Scheinbar (oder auch nur gespielt?) hat sie Probleme mit dem Strom im Soundlabor (Nik: „Seems, like someone switched the power off…“). Vor manchen Songs gibt es kürzere Pausen. Nik erklärt: „This is not a laptop.“ Das sieht und hört man – hier mixt die Chefin noch alles selbst – höchst genial und große Klasse! Wir toben und tanzen.

Alien Sex Fiend - Mr Fiend mit dem IT-Buch (copyright clerique noire)

Mr Fiend liest aus dem IT und wohl eher keine Insidertipps für Informationstechniker 🙂 (Bildrechte: clerique noire)

Alien Sex Fiend spielen 1,5 h, die wie im Flug vergehen. Nik liest aus dem bewährten IT-Buch (auch im Riesenformat) vor und man muss sein Gesicht beobachten – unbeschreiblich köstlich. Während der Songs und dazwischen setzt sich Mr. Fiend ab und zu zwischen die zwei Podien, raucht eine Zig nach der anderen, trinkt aus weißen und braunen Bechern, brabbelt was zu uns ins Mikro – aber mit so starkem Akzent, dass nicht nur ich nix verstehe. Egal, die Show ist geil und ich merke nur an meinen Beinen, dass der Tag lang war und wir hier schon länger rumstehen. Da hilft nur tanzen und bewegen. Oder das Wake-up-Stroboskop, dass die Aliens beim vorletzten Lied „Now I’m Feeling Zombified“ einschalten. Dazu plündert Nik Fiend auch die Blechtonne auf der Bühne und wirft sehr zur Freude der Fans Schädel und Knochen ins Publikum.

Aber ein bisschen Kritik muss ich doch loswerden: Das Strobo-Licht bei den letzten zwei Songs war einfach „too much“. Ich lass mir das ja gern mal 3-4 Minuten gefallen, aber hier wurden wir wirklich 15min frontal damit gequält. Wenn man auf der Bühne noch irgendwas sehen wollte – und war es nur, wohin die Schädel flogen – dann glotzte man ständig in die zuckenden Blitze. Ich konnte da nix mehr erkennen. Es soll ja Leute geben, die damit gar kein Problem haben. Aber es ging nicht nur mir so: viele hatten den Kopf nach unten, schauten nicht mehr auf die Bühne oder hielten sich irgendwann die Hand vor Augen. Liebe Fiends, manchmal ist weniger mehr!

Nach einer elektronischen Hammer-Version von „Hurricane Fighter Plane“ verschwinden sie in Nebel und Strobolicht fast unbemerkt von der Bühne. Mrs. Fiend sagt noch „Dankeschön“ und „Gute Nacht“. Tosender Ablaus! Es war mein Highlight des WGT 2010. Werde sie mir jederzeit wieder ansehen – echt Kult! Oder wie meine Freundin sagte: „Alien Sex Fiend sind wie die Beatles – die muss man einfach gesehen haben!“ 🙂

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7 Responses to Alien Sex Fiend live beim WGT 2010

  1. Clerique Noire 31. Mai 2010 zu 10:19 #

    Was jetzt noch einmal unterstrichen werden muß: Die sind einfach so sympathisch rübergekommen bei dem Konzert. Ich kannte Sie ja noch nicht live, aber ein unbedingtes >> must have seen<<.

  2. Robert 31. Mai 2010 zu 12:22 #

    Erstklassiger Beitrag zum Auftritt des skurrilsten Paares der Gothic- und Batcaveszene. Schön zu lesen, das sich Mr. Fiend nicht unter die Rubrik „Schatten ihrer selbst“ einordnet sondern immer noch durch gelungene Auftritte beweist, was Gothic einmal war und immer noch ist. Man merkte übrigens deutlich als das Konzert zu Ende war, die Räume des „When we were Young“ füllten sich bedenklich 🙂

  3. shan dark 31. Mai 2010 zu 14:50 #

    Ja, die Fiends sind sich und dem Goth wirklich treu geblieben – das mag ich auch so sehr an ihnen.

    Klingt so, als wärest Du während des Konzis schon bei der When We Were Young-Party gewesen? Oder täusche ich mich?

  4. sylvia 31. Mai 2010 zu 17:41 #

    vielen vielen dank für diesen bericht! ich gehörte zu denen, die schon schliefen, aber hatte mich soo geärgert! … nun weiß ich wies war!

  5. Karnstein 5. Juni 2010 zu 12:55 #

    Krass, das ist derartig Industrial dass es vermutlich kein schwarzes Technokiddie als solches erkennen würde 😉

  6. Thommy 13. November 2010 zu 22:36 #

    hallo.kann mir jemand schreiben,wann sie wieder mal nach Deutschland kommen auf Tour?

  7. shan dark 14. November 2010 zu 20:08 #

    Oh, da hast Du dieses Jahr aber ganz viele Möglichkeiten verpasst, die Fiends live in D zu sehen: sie waren nach dem WGT im Juli und im September 2010 hier. Könnte jetzt erstmal wieder bisschen dauern, bis sie wieder on tour sind. Sobald ich was erfahre, kann ich dir ja schreiben. Ansonsten auf ihrer Webseite – Link ist im Beitrag.

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