Das 1. WGT 1992: eine große Gothic-Klassenfahrt

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.
(aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse)

Wie war das damals beim 1. Wave-Gotik-Treffen? Warum fand es gerade in Leipzig statt? Wie kam es überhaupt zum heute größten und weltbekannten Treffen der schwarzen Szene?

Ich kann es leider nicht sagen, denn ich war nicht dabei. 1992 wohnte ich noch bei meinen Eltern und zog erst das Jahr darauf zum Studieren nach Leipzig. Und zu meinen Leipziger Zeiten war ich ja wie hier berichtet eher die ‚Metalbraut’.

Mein 1. WGT fand 2001 statt. Seitdem bin ich vom Treffen-Virus befallen und jedes Jahr dabei – beim Pfingsturlaub im „Gruftie-Land“: in einer schwarzgewandeten Stadt mit vielen Leuten, die ich mag, wo überall meine Musik läuft und ich mich in der Vielfalt der schwarz-kulturellen Veranstaltungen auf alle erdenklichen Arten amüsieren kann. Was will man mehr? Klar, es hat sich über die Jahre viel verändert, es ist kommerziell geworden, es gibt viel mehr bunt und immer weniger schwarz… die Szene hat sich verändert und damit auch zwangsläufig das Wave-Gotik-Treffen. Doch darum geht es in diesem Beitrag nicht, sondern darum wie alles entstand. Ich will versuchen den „Zauber“ einzufangen, der auch dem Anfang des weltgrößten Goth-Szene-Treffens innegewohnt haben muss.

Drei Augenzeugen

Um das herauszufinden habe ich Michael W. Brunner, Koschi und Stefan befragt.

Michael W. Brunner war Initiator des 1. WGT 1992 und organisierte mit seinem 1990 gegründeten Veranstaltungs-Projekt „Moonchild“ auch alle weiteren Treffen bis hin zum „Chaos-WGT“ im Jahre 2000. Er war langjähriger Mitgestalter der schwarzen Szene in der DDR und in Ostdeutschland, DJ, Organisator von schwarzen Veranstaltungen und Festen und er arbeitete nach 2000 als Intendant/künstlerischer Leiter der „Wave-Gotik-Treffen-Veranstaltungs-GmbH“. Die Hintergründe zur Entstehung des WGT nach der Wende habe ich aus seinem Bericht im 1. Buch „Gothic – Die Szene in Deutschland aus Sicht ihrer Macher“. Ein echtes Interview habe ich mit ihm also nicht geführt. Aber sein fast 10-seitiger, sehr persönlicher Beitrag ist ergiebig und eindrucksvoll genug. Inhalte und Zitate mit Seitenangaben beziehen sich also auf das o.g. Buch.

 

Koschi-Stefan

Stefan und Koschi waren Besucher des 1. WGT 1992. Sie schildern ihre Eindrücke, berichten vom Zauber. Beide wohnten damals in und um Frankfurt am Main. Sie haben früher öfter zusammen aufgelegt, u.a. immer zu Ostern im Frankfurter Club „Negativ“ (den es heute leider nicht mehr gibt). Stefan kenne ich seit ca. 2 Jahren über wer-kennt-wen und auch persönlich. Ich hoffe sehr, dass wir uns auf dem WGT dieses Jahr sehen.

Stefan hatte in seinem wkw-Profil echt kultig-gruftige Fotos aus seinen früheren Frankfurter Wave- und Goth-Tagen, von seiner Clique und vor allem eine Collage aus den Eintrittskarten der ersten 3 WGT-Treffen. Auf der Suche nach weiteren Bildern und Erlebnissen vom 1. WGT hat mich Stefan dann an seinen Kumpel Koschi verwiesen, der seit einigen Jahren in Dublin lebt.

Koschi legt dort ab und zu als Gast-DJ im Dominion auf – „Dublins longest running and only weekly goth, industrial, ebm & alternative club“. 😉 Die schwarze Szene in Irland/Dublin ist nach seinen Aussagen ziemlich überschaubar und scheint auch fast ein bisschen zu schrumpfen. Es ist eben eine kleine Insel und „das Nachtleben ist auch nicht mehr dass was es mal war, ist extrem zurückgegangen seitdem Irland finanziell ein ziemliche Talfahrt hingelegt hat.“ (Koschi)

Alle Fotos in diesem Beitrag sind privates Eigentum von Stefan und Koschi – ein riesiges Dankeschön an Euch beide, dass ich sie hier veröffentlichen darf. Achtung! Keine Weiterverbreitung oder Veröffentlichung der Inhalte und Bilder ohne ausdrückliche Genehmigung.

Gemeinsam Anders – Die schwarze Szene in der DDR

4_jpgIn der DDR gab es keine wirkliche Gruftie-Szene, jedenfalls nicht zu Anfang. Michael W. Brunner berichtet, dass das verbindende Element einfach das Anders-Sein war. Damit hatten alle das selbe Problem im gleichgeschalteten Arbeiter- und Bauernstaat.

Michael W. Brunner erzählt,

„dass es in der alternativen Jugendszene der DDR allgemein (zumindest anfänglich) einen starken Zusammenhalt gegeben hat. Der Wunsch, sich auf Grundlage bestimmter Musikgeschmäcker oder Outfits voneinander abzugrenzen, war weniger dominant. Besonders mit den Punks haben wir oft zusammengehangen. Da gab’s ja auch Gemeinsamkeiten beim Haarstyling. Auf den Feten – das Wort „Party“ benutzen wir nicht, es gab Feten, Feiern oder Feste – die wir privat organisierten, soffen und tanzten alle nach selbst überspielten, fürchterlich leiernden Kassetten. Es herrschte friedliche Koexistenz, alle kriegten ihre Musik.“

„Der dunkle, darkige Mensch war in unseren Cliquen der Übergang zwischen dem totalen Popper und den Punks. Die Punks wiederum hatten Verbindungen zu den Metallern, die mit uns nicht viel am Hut hatten. Für die waren wir Popper und Weicheier. Später driftete sowieso alles auseinander und es gab auch Probleme mit Break-Dancern, quasi den Vorläufern der HipHop-Generation, und Skatern. Mit den aufkommenden Glatzen sowieso.
Zunächst und generell aber war unser gemeinsamer Feind der ‚Stino’ (der STInkNOrmale Bürger)…“
(S. 204)

wgt-1992-7-people

Waver vorm „Eiskeller“ Leipzig

Kontakte untereinander bestanden in der ganzen DDR. Von Thüringen über Leipzig und Halle nach Potsdam und Berlin und überall zwischen drin. Eine kleine, gut vernetzte Szene von Andersartigen, die damals natürlich nur über Telefon in Kontakt standen.

„Überhaupt war es nicht schwer, auch in kurzer Zeit eine Menge Leute zusammen zu bringen, um was Verrücktes zu unternehmen.“ (Michael W. Brunner, S. 209)

 

Potsdam als WGT-Vorläufer

Ich hatte 2005 im WGT-Forum schon mal gefragt, ob das Wave-Gotik-Treffen schon immer in Leipzig stattgefunden hat und wie es überhaupt entstanden ist. Foren-Userin Andrea antwortete damals:

„1988, noch zu DDR-Zeiten, wollten sich 20 Leutchen zu einer kleinen Feier an der Schloßruine Belvedere in Potsdam treffen. Durch Mundpropaganda wurden daraus jedoch einige hundert „Schwarze“, die aus allen Teilen der Republik und auch aus Westberlin stammten.“

 

Auch Michael W. Brunner bestätigt:

Ein Schlüsselereignis bei der Formierung der Szene im Osten war sicher das Treffen zur Walpurgisnacht 1988 in Potsdam. Ich hatte einen Lehrgang in Turbo-Pascal dort (…). Gleich am ersten Abend fuhr ich auf den größten Platz der Stadt. ‚Wenn sie (die Grufties – Anm. Shan Dark) sich irgendwo treffen’, dachte ich, ‚dann hier.’(…) Sie haben mir irgendwann das ‚Belvedere’ gezeigt. Nicht das berühmte im Park von Sanssouci, sondern jenes auf dem Pfingstberg. Der Berg heißt wirklich so (…). Ich war begeistert von diesem Platz. Spontan entstand die Idee, an dieser Stelle gemeinsam einen verwunschen-romantischen Abend zu verbringen. Wir haben dann einige Freunde angerufen.(…) Wir freuten uns auf eine malerische nächtliche Feier mit einem Dutzend guter Freunde.“

„Als dann der Tag heran war, ging ich zum Termin ins Café Heider – ein ganz angenehmer Szenetreff, wo biedere Ömchen zufrieden ihr Sahnetörtchen verdrückten, Kleinkünstler laut und pseudointellektuell herumschwadronierten, während am Nachbartisch Punks lümmelten. Im ‚Heider’ ging das irgendwie. Nur an jenem Tag schien alles zu spät: Das Café war völlig schwarz!(S. 210/211)

 

Ca. 150 Leute hatte es also durch Mundpropaganda nach Potsdam zu diesem geheim-verwunschenen Szene-Treffen gezogen. Und das ohne Handy damals! Am Tag der Zusammenkunft lief die bunt-alternativ-schwarze-Außenseiter-Mischung friedlich zum Schloss Sanssouci und von dort Richtung Belvedere. Doch die Volkspolizei griff ein, führte den Großteil der Leute ab und brachte sie z.B. in Untersuchungshaft. Einige  ‚flüchteten’ in den Wald, versteckten sich und nur 40-50 Leute verbrachten die Walpurgisnacht wie geplant in der alten Ruine.

Leipzig: die Stadt der Szene-Wiedervereinigung

erstes-wgt-zwei-gruftieladies

Dark Ladies zum 1. WGT

Mit der Wende 1989/1990 ging der Zusammenhalt in der alternativen DDR-Szene in die Brüche. Erstmal waren viele orientierungslos, alles war neu, jeder hatte andere Probleme und war auf sich selbst konzentriert. Es kam zur Aufsplitterung bzw. es entstanden im Osten erst die „Szenen“ zu einzelnen Musik-Strömungen.

Michael W. Brunner lebte in Leipzig. Er organisierte mit Freunden nach der Wende schwarze Veranstaltungen im Leipziger Jugendzentrum „VILLA“. Dabei stellten sie fest, dass die Nachwendegeneration der Grufties offensichtlich nur mobilisiert werden konnte, wenn etwas ‚Großes’ geboten wurde. Nur treffen, zusammensitzen und reden – das zog die Leute nicht mehr.

„Also begannen wir Konzerte zu organisieren. Wir riefen einfach beim ‚Zillo’ an und fragten, ob sie einen kennen, der Kontakte zu Bands hat. Unsere erste Begegnung mit den Szene-Wessis war für uns sehr eigenartig. Wir hatten es plötzlich mit Leuten zu tun, für die das alles Teil eines Business war. Es war ernüchternd, es war kühl und fremd. Wir gewöhnten uns erst nach und nach daran, dass Geschäft und private musikalische Vorlieben nicht immer miteinander zu tun haben müssen.“ (S. 214)

 

Doch schon lange Zeit nach der Wende hatten Michael W. Brunner und die VILLA-Organisatoren die Idee eines Treffens:

Wir wollten einfach, dass alle – oder zumindest viele – mal wieder zusammenkommen, natürlich auch die aus dem Westen. Wir mussten also irgendwas organisieren und inzwischen war klar, dass das nur über Bands laufen konnte.“ (S. 214)

So kam es zum 1. WGT in Leipzig, weil dort die Veranstalter lebten und sie da die besten Connections zu Locations und Bands hatten. Michael W. Brunner & Friends buchten als Veranstalter-Projekt „Moonchild“ für zwei Tage je 4 Bands, die im alternativen Jugendzentrum „Eiskeller“ (heute: Conne Island) für 8 DM pro Tag auftraten. Dieser Preis ist heute kaum noch mit einem klaren Gedanken zu fassen.

wgt-1992-eintrittskarte-ticket

Stefans Tickets vom 1.-3. WGT 1992-1994

User CRDhome aus dem WGT-Forum kann sich an folgendes Line-up zum WGT 1992 erinnern:

1.Tag: Das Ich // Ghosting // Age Of Heaven // Love Like Blood

„Love Like Blood haben uns versetzt, was sie später, glaube ich ziemlich bereuten.“ (Michael W. Brunner, S. 214)

2.Tag: Goethes Erben // Sweet William // Templar // The Eternal Afflict

Übrigens wurde das Treffen bis Mitte der 90er noch Wave-Gothic-Treffen genannt –  nach den zwei dort vertretenen Musikrichtungen. Erst später hieß es Wave-Gotik-Treffen (Wikipedia). Vielleicht, damit es sich musikalisch mehr in die Breite entwickeln konnte… wirklich nachvollziehen kann ich es nicht. Denn ‚Gotik’ ist für mich ein Architektur-Stil.

„Eine große Gothic-Klassenfahrt“

erstes-wgt-1992-1

Besucher 1. WGT 1992

wgt-1992-2-people

Waver 1992

Ungefähr 2.000 Besucher zog es zum 1. WGT 1992 nach Leipzig. Die hätten niemals alle in den “Eiskeller“ gepasst – heute wie damals nicht. Das wahre Treffen spielte sich davor auf den festgemauerten Betonbänken und Tischen ab.

Der Eiskeller (das heutige Conne Island) liegt im Stadtteil Connewitz im Süden von Leipzig. Es befindet sich 900m unterhalb vom Werk II in Richtung Markkleeberg. Kurz vor der Auffahrt zur B2 Richtung Chemnitz biegt man nach links ab. Wer Lust hat, kann sich diese alternative Kultstätte beim WGT mal ansehen – man kann es vom Werk II aus in 10 min erlaufen.

Die Zelte wurden im grünen „Mühlholz“ hinter dem Eiskeller zwischen Sträuchern und Bäumen aufgebaut. Da wo eben Platz war. Alles war ungeregelt und chaotisch, aber so auch mit mehr Freiheiten.

wgt-1992-muehlholz-zelten

Stefan (li) und Koschi (re) beim Zelten

wgt-1992-lecker-broetchen

Koschi testet Ost-Brötchen 😉

 

 

 

 

 

 

Es gab zum 1. WGT sogar schon drei Verkaufsstände, an denen auch erstmals der heute schon legendäre Treffenbecher aus Ton/Keramik angeboten wurde. Stefan dazu: „Es gab zwar Wein in diesen netten Tonkrügen (…), der kam aber aus dem Tetrapack.“ Auch Koschi erinnert sich an „Sonnenbrand und dass es anstatt den angekündigten Rotwein vom Fass Wein aus dem Tetra Pack gab ;-).“

wgt-1992-26

Prost mit Treffenbechern und Rotwein aus dem Tetrapak

Der Zauber des Wave-Gotik-Treffens

 

Koschi erinnert sich – 20 Jahre später ist das nicht so einfach… 😮

„Ich weiß nicht ob mir noch soviel zum 1. Treffen einfällt. Erst mal, dass ich keine einzige Band gesehen habe. Ich war nicht einmal in der Halle drin gewesen. Insgesamt war es eine sehr entspannte Atmosphäre. Diese sehen-und-gesehen-werden Attitüde, die man von einigen Clubs kannte, kam hier gar nicht vor. Man hat viele Leute kennengelernt und einfach eine gute Zeit gehabt. Die Musik hat einen zusammengebracht, war aber nicht unbedingt der Mittelpunkt. Alles in allem eine große Gothic Klassenfahrt, vor allem weil das Ganze noch ein wenig unkoordiniert organisiert war und Zelte irgendwo aufgestellt wurden wo man lustig war. Vor allem aber beeindruckt hat mich der Szenezusammenhalt den ich so noch nicht erlebt hatte.“ 

 

wgt-1992-vor-eiskellerDer Austausch mit anderen, das gegenseitige Kennenlernen, Schwatzen und Feiern war das Wichtigste beim 1. Treffen in Leipzig, sagt Koschi:

„Es war ein Wochenende unter Gleichgesinnten, man hatte keine Berührungsängste und sofort ein Gesprächsthema und es war für mich das erste Event dieser Größenordnung wo es wirklich nur darauf ankam eine gute Zeit zu haben, sich kennenzulernen und auszutauschen.“

„Das Grandiose am 1. WGT war noch, dass es vor dem Domplatten-Treffen in Köln stattfand und man die meisten Leute, die man in Leipzig kennengelernt hatte, in Köln wiedergesehen hat. Soweit ich mich erinnern kann fiel das danach immer auf das selbe Wochenende.“

 

Damit traf der Entstehungsgedanke und die Idee, ein großes Treffen für alle Waver, Goths und Anhänger der dunklen Szene zu schaffen, absolut den Nerv der damaligen WGT-Gäste. Zum Schluss noch mal Michael W. Brunner über seine Beweggründe für das 1. Wave-Gothic-Treffen:

„Für die meisten Gäste war es sicher vor allem ein Musikfestival. Für uns waren die Bands nur Mittel zum Zweck, wir wollten eigentlich ‚nur’ ein Treffen. Bei diesem Namen haben wir es bewusst auch belassen. Uns war wichtig, dass sich die Leute begegnen. Wir wollten einfach alle kennenlernen und umarmen. Und so ist es im Grunde geblieben.“ (S. 215)

Aber ist es wirklich so geblieben?

Ich muss offen zugeben: nur ein Treffen ohne Bands wäre nichts für mich. Zumindest würde ich dafür keine 500km fahren. Mir ist beides wichtig. Ebenso wie die tollen Parties. Aber während früher bei mir die Konzerte den größten Stellenwert hatten, nimmt in den letzten 2 Jahren das Treffen und Wiedersehen mit Freunden einen immer wichtigeren Part ein. Ich entwickle mich also ein Stück zurück – ‚im Geiste des WGT’ sozusagen… 😀

Wie ist das bei euch: Fahrt ihr hauptsächlich zum Wave-Gotik-Treffen um Gleichgesinnte zu treffen oder eher wegen der Bands und Konzerte?

Oder falls jemand von euch selbst beim 1. WGT dabei war: Wie habt ihr es erlebt? Ein kleiner Bericht wäre sehr toll!


Weitere Bilder vom 1. WGT 1992 findet ihr im Online-Album von Armin oder im Flickr-Album von Kara Ben Nemsi. Eine Sammlung an historischen WGT-Eintrittskarten / Tickets und anderen handgemachten Flyern von damals gibt es hier im Google+ Album von AsatrU Dark.

Ganz wunderbar – Nostalgie ohne Ende! 1.000 Dank!


5.00 avg. rating (97% score) - 3 votes

Einfach Dranbleiben!

Skurriles, Düsteres, Morbides im Abo! Vernetze Dich mit dem schwarzen Planeten & Shan Dark:

, , ,

63 Responses to Das 1. WGT 1992: eine große Gothic-Klassenfahrt

  1. Robert 12. Mai 2011 zu 00:58 #

    Nachdem ich jetzt zweimal geschluckt habe, möchte ich Dir zu diesem Meisterwerk gratulieren. Das ist das beste Stückchen Zeitgeschichte zum Beginn des WGT, dass mir bis jetzt vor die Augen gekommen ist und für einen Artikel, den ich schreiben soll, recherchiere ich seit Wochen alte Zeitungsausschnitte.
    Ich weiß nicht wie und wo du alles das aufgetrieben und aufgegabelt hast, aber ich kann Dir versichern: Es ist großartig und liebevoll, informativ und super in einen Artikel übersetzt.

    Meiner Meinung nach war die Wende das wichtigste, was der Szene 1989/90 passieren konnte, jedenfalls aus „West-Deutscher“ Sicht, denn hier war alles schon im Begriff sich aufzulösen. Was in der DDR großartig war (ist), ist der Zusammenhalt, der die Mitglieder der schwarzen Szene zusammenschweißte. Das sozialistische Regime sorgte für ständigen Druck, der die Schwarzen in der DDR in den Untergrund trieb und Vertrauen und Zusammenhalt förderte.

    Als die Mauer gefallen ist, drohte auch das auseinander zufallen, weil die „tolle Welt“ lockte. Glücklicherweise fand man im WGT 1992 genau das richtige Mittel den aufbröckelnden Zusammenhalt zu ergreifen und ihn an seinen Haaren über Wasser zu halten. Ich rechne es Brunner und den ganzen Mit-Initiatoren hoch an, das WGT zum genau richtigen Zeitpunkt am genau richtigen Platz zu gründen, das war Balsam für die Szene und rettete große Teile eines Szenekerns in die 2. Generation.

    Ich danke Dir vielmals für diesen wirklich schönen Bericht und allen Stiftern der Bilder und Zitate für ihre Texte. Mein Waver-Herz flackert im Takt alter Musik, meine Pikes werden unruhig. Die Bilder zeigen Einblicke in eine schwarze Heimat, die ich immer noch vermisse. Vielen Dank für die Erinnerung, was hätte ich gegeben um dabei gewesen zu sein.

  2. Karnstein 12. Mai 2011 zu 02:59 #

    Hach, ein wirklich toller Bericht 🙂
    Sehr interessant mal so konkret zu lesen dass es explizit NICHT um Sehen-und-Gesehenwerden ging – denn genau dieser heute ja in so einem erstickenden Übermaß vorhandene Faktor hat mir ja mein erstes WGT (2009) etwas vermiest und mich zu dem Entschluss gebracht, dass ich diese Veranstaltung nicht brauche.
    Leute treffen ist natürlich eine tolle Sache, gerade heute in Zeiten des Internets lernt man natürlich auch leicht Leute aus der ganzen Welt kennen, die man da dann auch tatsächlich mal in persona kennenlernen kann – und auch die Musik ist natürlich ein Faktor, aber das ist mir weder die Unmenge an Geld wert, noch der Ärger der mich zweifelsohne wieder jeden Tag ob all der verkleideten Poser und Geier-Photographen überkommen würde.
    Echt mal…ich kriege regelmäßig Krämpfe wenn ich lese, dass Leute unbedingt noch ihr WGT-Outfit fertig bekommen müssen – scheinbar MUSS man sich ja präsentieren, und jedes Jahr etwas Neues haben…

    Die chiquen Bilder kenne ich aber teils, und der Name „Koschi“ sagt mir irgendwie auch was… ich glaube ich bin online mal über eine tolle Galerie gestolpert – hab sie aber nie wieder gefunden ^^
    Wie klein die Welt doch ist 🙂

    Aber das „Dominion“… *kicher*
    Ja, es ist leicht „Dublin’s longest running goth club“ zu sein, wenn man der EINZIGE Goth-Club auf der ganzen vermaledeiten Insel ist 🙂 So habe ich zumindest gelesen – wobei es sich dabei wohl weniger um einen Club als mehr um eine Veranstaltung handelt, wenn ich mich recht entsinne – früher muss das wohl auch mal in anderen Läden gewesen sein.
    Ich erinnere mich jedenfalls noch gut wie ich 2006 mit meinem Bruder ziellos auf der O’Connell Street herumgeirrt bin, wobei wir von zwei weiteren Goths angesprochen wurden, die sich ebenfalls als Deutsche herausstellten die das Dominion suchten… Gefunden haben wir es nie aber später hieß es das wäre im Keller einer anderen Kneipe und der Name „Dominion“ würde eben auch gar nicht dran stehen.

  3. Schatten 12. Mai 2011 zu 16:58 #

    Ui schön mal was von damals und dort zu lesen 🙂
    Also ich gehe in erster Linie wegen der Musik dahin, Leute zu treffen alleine würde mich auch nicht dazu bringen soweit zu reisen, also nutz ich das WGT um Bands live zu erleben und Leute zu treffen ist ein erwünschter Nebeneffekt 🙂

  4. orphi 13. Mai 2011 zu 14:23 #

    Ich bin absolut fasziniert von den alten Bildern. Das ist Nostalgie pur und ich kann Robert nur zustimmen: „Einblicke in eine schwarze Heimat, die ich immer noch vermisse…“

    Ich hätte damals auch gerne mein Zelt irgendwo in den Büschen aufgeschlagen, Rotwein aus Kartons getrunken und einfach Leute kennengelernt. Leider hatte ich damals keinen blassen Schimmer, dass es dieses Treffen gibt.

    Ich fahre ja in diesem Jahr erstmals aufs WGT und muss sagen, dass mir die Bands erst einmal ziemlich egal sind. Konzerte gibt es hier auch. Ich freue mich vornehmlich auf die kulturellen Veranstaltungen drumherum und natürlich auf den Haufen schwarzer Gestalten. Allerdings schätze ich, dass das mit dem „Kennenlernen“ damals in beschaulicher Atmosphäre etwas leichter war.

  5. Solitaire 13. Mai 2011 zu 17:32 #

    Um eben dieses Kennenlernen und Treffen auch auf dem heutigen WGT noch zu ermöglichen,
    veranstalten die Leute von der blauen Stunde jedes Jahr ein Picknick in dem Park vor dem Eingang zur Parkbühne.

    Dort steht explizit das Treffen und Kennenlernen im Vordergrund!

    http://www.die-blaue-stunde.de/

  6. Armin 14. Mai 2011 zu 10:43 #

    Ich sollte vielleicht mal meine alten Bilder vom ersten WGT einscannen, die haben mittlerweile wohl zeitgeschichtlichen Wert.

    Von den Konzerten habe ich damals nicht viel mitgekommen, ich weiß nur noch, dass die Sängerin von Ghosting in einem viel zu engen Kleid klemmte.

    Ich kann nur bestätigen, dass das Kennenlernen das wichtigste auf dem Treffen war, um ehrlich zu sein habe ich 1992 mehr Leute auf dem WGT kennen gelernt als 2010. Allerdings habe ich von der ostdeutschen Szene damals nicht viel mitbekommen, im Szene-Magazin Glasnost war ein Bericht über das Treffen (müsste noch irgendwo bei mir herumliegen), darüber stand groß „Szene Ost“ und auf den Fotos waren lauter Leute aus Bayern und Baden-Württemberg.

    Für einen Wessi wie mich wirkte der Osten damals sehr nostalgisch, um es mal so auszudrücken. In der Heide in der wir unsere Zelte aufschlugen stand ein ausgeschlachteter Trabbi und der Getränkemarkt in der Nähe des Eiskellers war nicht größer als mein Wohnzimmer, aber davor standen ca. 200 Gothics um sich fürs Wochenende einzudecken. Ich habe damals gerade noch die letzte Flasche Martini ergattert, Haarlack war vermutlich in ganz Leipzig ausverkauft. Außerdem war die A9 und das Straßennetz von Leipzig noch nicht saniert, es holperte wie auf einem Feldweg und wir fanden das rustikale Flair super.

    Natürlich ist das WGT von heute nicht mehr mit damals zu vergleichen, es ist alles etwas schriller und bunter geworden und wir sind sowas wie Gothic-Senioren, aber das ist ok. Das WGT bietet schließlich für uns alle etwas.

    Ciao
    Armin

  7. Rosa Chalybeia 14. Mai 2011 zu 12:54 #

    Schöner Artikel, toll zu lesen wie das mal angefangen hatte, auch wenn einige Details mir zumindest schon bekannt waren.
    Auch die Bilder sind großartig 🙂

    Anno 92 war ich wohl eher grade in der Selbstfindungsphase und hab die Grufties in Nürnberg noch von weitem angestarrt und bewundert 😀 – mein erstes WGT war 2006, die Jahre zuvor hatte es nie wirklich hingehauen mit dem hinfahren, und so blieb ich über Pfingsten leicht mißmutig daheim sitzen *g*
    Ich hatte mich nicht primär wegen der Bands dafür interessiert, sondern wohl eher der gesamten Atmosphäre wegen, eine Stadt mit Schwarzvolk bevölkert – das musste ich freilich hin 😉 – Leute treffen … bei meinem zweiten Mal hab ich mehr auf die Bands geachtet und das WGT als Veranstaltung kennengelernt auf der man rare Konzerte erleben kann von Bands die dem schwarzen Mainstream der sich alljährlich im Gästebuch und Forum der WGT Page über die „miese Bandauswahl“ mokiert, weil Blutengel und Konsorten mal nicht dabei sind *kicher*

    Aber wirklich wichtig ist mir eigentlich das Treffen. Ich liebe es zwar mich vor dem WGT genüsslich durch die Bandauswahl zu graben und die persönliche Sehen-Wollen Liste zusammenzutragen, im Endeffekt gibts aber dann doch nur ein-zwei Bands die ich unbedingt und auf jeden Fall sehen muss, und alles was sonst noch interessiert ist eher optional und wird vor Ort dann entschieden, je nachdem was meine Freunde und Bekannten noch vor haben und wonach mir dann spontan auch ist. Oder man lernt genauso spontan neue Leute kennen und klemmt sich an die an, oder schleppt die dann auch mal mit. Ist alles schon vorgekommen und gehört für mich einfach zum WGT dazu.
    Daneben sind eben am WGT meine Freunde aus ganz Deutschland, teilweise darüber hinaus, endlich mal komplett auf einem Haufen. Und 4 Tage am Stück in denen es normal ist sich früh in Reifrock und Kalk zu schwingen, sind einfach toll fürs persönliche Wohlbefinden. Mir gehts da nicht ums Gesehen-werden, eher um das Flair wenn ein Trempel Rüschengoten am Bowlestand der Agra steht und schon leicht angeduselt Blödsinn verzapft – vielleicht das heutige Äquivalent zum Wein aus der Schachtel *g*. Man begutachtet einander freilich, aber das ist dann oft Fachsimpelei unter Nähtanten, Komplimente für gute Verarbeitung und Bestaunen schöner Stoffe. Das hat irgendwie auch nichts mit Eitelkeiten zu tun, sondern das sind Gespräche unter Freunden mit dem gleichen Hobby oder gar Beruf.
    Lässt sich schwer in Worte fassen irgendwie, das Gefühl ist ein ganz besonderes und das macht für mich das WGT aus.

    Ich sag ja immer, man findet in der ganzen teilweise schon arg bunt gewordenen Masse immer irgendwie „Seinesgleichen“ und dann funktioniert das mit dem Familientreffen auch irgendwie wieder ganz gut.

  8. Armin 14. Mai 2011 zu 18:39 #

    Hallo,

    nachdem ich die Bilder hier gesehen habe, hab ich mich doch mal aufgerafft und meine Dokumente der Zeitgeschichte gescannt und auf meine Homepage gepackt. Ihr findet die Bilder unter http://www.schattentempel.de

    Ciao
    Armin

  9. Marcus 15. Mai 2011 zu 09:53 #

    8 DM für einen Abend – aus heutiger Sicht ein unvorstellbarer Preis. Aber ich kann mich gut erinnern, dass wir nach der Grenzöffnung regelmäßig zu Konzerten in den Osten gefahren sind. Die Eintrittspreise lagen hier niemals über 10 DM. Solche Preise sind heute fast utopisch. Ausnahmen bestätigen die Regel (beispielsweise „Joy Disaster“ für 3 Euro).

    Es ist ein Vergnügen, den Worten von Michael Brunner zu lauschen. Ich hatte kürzlich die Möglichkeit zu einem Gespräch und er konnte mir anschaulich die Zeit in der Szene vor der Wende als auch die Stimmung danach schildern.

    Für mich persönlich macht der große Zauber des WGT seine Gesamtheit aus. Es ist – auch heute noch – etwas Einmaliges, dass ich nach zahlreichen Besuchen immer noch genieße. Konzerte spielen dabei keine Hauptrolle, sind aber sicherlich auch nicht vollkommen unwichtig. Neues zu entdecken oder Rares zu erleben ist ein schöner Bestandteil des Treffens. Ebenso freue ich mich auf das vielfältige Rahmenprogramm. Wirklich oft ergibt sich normalerweise ja nicht die Möglichkeit, interessanten Autoren live zu lauschen (zumindest nicht in der Gegend, in der ich wohne). Der wichtigste Punkt ist aber die Atmosphäre, welche schwer in Worte zu fassen ist.

    @Karnstein: „Sehr interessant mal so konkret zu lesen dass es explizit NICHT um Sehen- und Gesehenwerden ging – denn genau dieser heute ja in so einem erstickenden Übermaß vorhandene Faktor hat mir ja mein erstes WGT (2009) etwas vermiest und mich zu dem Entschluss gebracht, dass ich diese Veranstaltung nicht brauche.“ – Ich habe das nie so empfunden. Zugegeben: Die vielleicht 3 bis 400 Meter vor der Agra sind ein doch etwas lächerlicher Laufsteg. Personen, denen es nur darum geht, von so vielen Fotografen als möglich abgelichtet zu werden. Und natürlich die Fotografen, die sich darin überbieten, die schrillsten (nicht die schönsten!) Outfits auf ihre Speicherkarten zu bannen. Ich denke aber, dass dies auf die Größe des Treffens gerechnet eine Minderheit darstellt. Abseits dieses Laufstegs der Eitelkeiten präsentiert sich das Treffen – zumindest aus meiner Sicht – in einer anderen Art und Weise, die mir überaus gut gefällt. Aber natürlich sind sowohl Geschmäcker als auch Empfindungen unterschiedlich.

  10. shan dark 15. Mai 2011 zu 20:07 #

    Ich freue mich, dass Ihr alle diese WGT-Nostalgie mit mir teilt und der Artikel so gut angekommen ist. Besonders happy macht mich dabei Armin, der angestachelt wurde seine alten Bilder auszugraben und einzuscannen. Diese geben ergänzend noch mal einen größeren Rundumblick in die Szenerie dort beim Eiskeller/Conne Island. So konnte ich mir auch alles noch besser vorstellen. Auch aus diesen Bildern spricht der Zauber des 1. Treffens, manche sind aus meiner Sicht sogar etwas „verwunschen“. Die damalige Kamera-/Bild-Qualität unterstreicht das Ganze noch. Armin und ich haben noch ein paar E-Mails ausgetauscht und dort habe ich ihn noch mal auf seine Aussage angesprochen zum Glasnost-Magazin: „…darüber stand groß “Szene Ost” und auf den Fotos waren lauter Leute aus Bayern und Baden-Württemberg.“ Mich hatte interessiert, ob er den Eindruck hatte, dass vielleicht beim WGT 1992 mehr west- als ostdeutsche Grufties waren? Armins Antwort möchte ich Euch nicht vorenthalten:
    „Ich kann nicht einschätzen wie groß der Anteil an West- oder Ostdeutschen auf dem Treffen war, aber die Ostdeutschen fielen nicht so auf, weil sie nicht so krass gestylt waren wie wir aus den Westen. Das hatte alles noch einen Hauch Ostblock, die Ostdeutschen stellten sich brav in einer Schlange am Ausschank an, das kannte ich aus dem Westen gar nicht. Das soll aber jetzt nicht abwertend rüberkommen, im Gegenteil, das WGT wäre nicht ein solcher Erfolg geworden, wenn die Leute in Leipzig nicht total sympathisch und aufgeschlossen gewesen wären. Im Westen wechselten die Leute die Straßenseite, wenn ich kam, in Leipzig fragten sie höflich was wir Gruftis denn für eine Einstellung haben. Soviel Aufgeschlossenheit war ich nicht gewohnt.“

    Also damals wie heute ist das ein Lob für die Leipziger und ich bin sowieso der Meinung, dass solch ein Treffen in keiner anderen Stadt Deutschlands möglich wäre. Einfach weil die Leipziger so offen und interessiert uns gegenüber und oft auch richtiggehend ‚begeistert‘ sind von den Gothics und der Vielfalt der Szene. Daran hat sich die ganzen Jahre nichts geändert.

    @Robert: Da hast Du recht, dass das WGT genau zum richtigen Zeitpunkt kam, weil sich sonst vllt. alles ganz anders entwickelt hätte. Es hat den (Zusammen-)Halt zurückgegeben. Mein Freund berichtet auch, dass Anfang der 90er in der West-Goth-Szene zunehmend Ebbe war. Kaum noch Parties und Treffpunkte, obwohl es natürlich genügend Gothics hier gab. Aber die Möglichkeiten sich auszuleben waren nicht mehr so vielfältig wie in den 80ern. Die Partyszene wurde Jahr um Jahr immer stärker vom aufkeimenden Techno dominiert. Für Schwarze gab es kaum noch Veranstaltungen, wo man hingehen konnte, keine Clubs, keine Läden. Jedenfalls sind das so die Beobachtungen im Rhein-Main-Gebiet.

    Schön in Euren Antworten zu lesen, dass für die Meisten das Wave-Gotik-Treffen auch heute noch den Treffen-Charakter hat. @Marcus: Sehe ich genauso: die Vielfalt macht es. Von allem ist etwas dabei. Mit Leuten schwatzen und gerade noch nie oder lange nicht gesehene Menschen treffen, sich austauschen, fachsimpeln über Nähwerke und Kleidung, einfach mal „Leute gucken“ (wer macht das nicht gern?), gute Konzerte, Lesungen, Live-Rollenspiele, Filmvorführungen, Mittelaltermarkt… einfach alles, was das schwarze Herz begehrt!

    @Karnstein: Es ist auch heute noch so, dass das Treffen im Vordergrund steht. Und wie Marcus schon schreibt: einfach nicht zum „Black Walk“ gehen. Klar würde ich auch lieber ohne diese szenefremden Fotografen-Aasgeier leben, die vor der Agra lauern und jeden Hineingehenden fotografieren, der schrill aber nicht schön ist. Ich kann es auch nicht verstehen, aber ich kann es umgehen. Oder einfach die Augen zu machen. 😉
    Was die „WGT-Outfits“ angeht, das sage ich auch manchmal. Für mich ist das WGT ein Termin, auf den ich ‚hinlebe‘ sozusagen. Da ich aufgrund von Arbeit + Blog nicht so oft zum Nähen oder Klamotten pimpen komme, ist das WGT mein Endtermin, an dem alles fertig sein muss, weil ich es da spätestens tragen will. Das heißt nicht, dass ich diese Klamotten dann nur auf dem WGT trage. Sondern auch mal auf Familienfeiern (die festlichen Teile) oder eben anderen Dark Parties danach. Ich mache mein WGT-Outfit für mich selbst. Wenn ich sonst weggehe in den Club mache ich mich ja auch zurecht und hier wirft man sich noch ein bisschen mehr in Schale, weil wir uns ja auf dem WGT auch selbst fotografieren – gegenseitig mit Freund oder Freunden. Es sind schöne Momente, man ist mit anderen zusammen, hat eine tolle Zeit, sitzt im Park oder auf der Moritzbastei, im Werk II oder abends auf der When We Were Young. Über die 4 Tage machen wir voneinander einige Fotos, die als schöne Erinnerungen zurückbleiben (für später, wenn man sie mal braucht :-D). Für diese privaten Fotos werfe ich mich in Schale, in meine persönliche „Gothic-Bestform“ ;-). Nicht für die Linsen fremder Fotografen oder um mit anderen WGT-Outfits zu konkurrieren.

    @Solitaire: „Die blaue Stunde“ klingt wirklich interessant und nach einem schönen, düsterromantischen Veranstaltungs-Konzept. Wenn wir es schaffen, werden wir da sein. Ist Eintritt mit Bändchen oder extra?

  11. Seeless 16. Mai 2011 zu 12:29 #

    Ja Danke Dina für meine netten Bilder mit Koschi, war eben eine geile Zeit.

  12. tobikult 16. Mai 2011 zu 22:56 #

    Ich applaudiere auch!
    Den Artikel braucht das Archiv der Jugendkulturen!

  13. Kara Ben Nemsi 19. Mai 2011 zu 21:49 #

    Erstmal vielen Dank für den tollen Artikel, bin ganz wehmütig geworden, das erste WGT war für uns natürlich das beste, weil sich da halt noch die Kernszene traf,
    der Wessi-Übermacht-These kann ich nicht zustimmen, also es waren damals alle bekannten Leute der DDR Szene am Start, wir hatten grosse Lagerkreise nach Städten aufgebaut, Leipziger, Dresdner, die Chemnitzer, Ostberliner usw..
    der Glasnostbericht dazu ist mir auch bekannt, und auf dem Doppelposter in der Mitte waren mindestens zur hälfte Ostgrufts abgebildet, ua. meiner einer mit der gesammten Chemnitz Clique.
    Zur Outfitfrage muss ich auch anmerken das uns dies schwer beschäftigte, natürlich waren wir eitel und haben das auch vorbereitet… in diesem Punkt haben wir uns nicht von den Jetzigen Schwarzen unterschieden, ich hatte bis zum ersten WGT keine Pikes, die hat mir erst 2 Wochen vorher ein Bekannter aus London mitgebracht, ich wäre ohne die bestimmt nicht gefahren 🙂
    Beste Grüße
    M.

  14. Armin 19. Mai 2011 zu 23:20 #

    Da die Scanns meiner Abzüge sehr schlecht waren habe ich heute mal die Negative gescannt, dabei musste ich feststellen, dass ich nicht von allen Negativen Abzüge habe. Es gibt also noch ein paar neue Bilder auf http://www.schattentempel.de
    Viel Spaß beim Stöbern
    ciao
    Armin

  15. shan dark 20. Mai 2011 zu 11:16 #

    @Kara Ben Nemsi: Cool, dass sich auch jemand aus der „Ostfraktion“ meldet 😉 und Du das aus Deiner Sicht berichten kannst. Echt, gab es sogar Lagerkreise auf dem Zeltplatz? Aber sicher hat es sich doch auch gemischt, Ost und West, oder?

    Das mit den Pikes ist lustig und zieht sich zumindest bei mir bis heute durch: ich werde auch nicht ohne aufs WGT fahren. 😀

    @Armin: schöne weitere Fotos in der Galerie, danke! Wäre jetzt nur noch spannend zu wissen, wer auf welchem Foto Du bist…**neugierig bin**

  16. Kara Ben Nemsi 20. Mai 2011 zu 11:59 #

    Hallo Shan Dark,

    ja die mir bekannten Gruftcliquen (Dresdner/Freiberger/Leipziger/Jena) standen in Zelt-Kreisen, das große Treffen fand eigentlich vorn an den Steintischen statt, dort lud man sich zum gemeinsamen Umtrunk, Stadt- und Friedhofsbummel ein. Es gab eigentlich keine Berührungsängste auch in Stylingfragen konnte ich keine großen Unterschiede erkennen,
    Damals begann ja gerade die Neue Deutsche Todeskunst Ära, die meisten haben ziemlich auf Rüschen , Pikes und Samt gemacht. Der einzige Unterschied zum Westen war die starke Cure-Fan Fraktion aus dem Osten. Ist ja heute auch noch so das meisten Hardcore Curies und Robert-Doppelgänger aus dem Osten stammen.
    Aus diesem Treffen gingen viele neue Bekanntsschaften Ost/West hervor, ich weiss noch das wir anschliessend sehr oft in Bayreuth/Etage und im Münchner Ballroom weilten, während die Bayern zahlreich im Jenaer Kassablanca erschienen.

    Beste Grüße

    M.

  17. Armin 20. Mai 2011 zu 22:09 #

    Hallo Shan Dark,
    ich bin auf mehreren Fotos zu sehen, auf dem ersten Bild sitze ich auf der Mauer mit Stirnband und Sonnenbrille, rechts sitzt Conny, die damalige Bassistin von Goethes Erben. Auf anderen Bildern habe ich ein rotes Tuch als Stirnband um, damit bin ich kaum zu übersehen *g*
    Ciao
    Armin

  18. Armin 20. Mai 2011 zu 22:29 #

    @Kara Ben Nemsi

    Ich habe das Glasnost von damals noch. Na ja, ich habe nicht alle Besucher nach der Herkunft gefragt, war eben mein persönlicher Eindruck. In der Etage bin ich auch gelegentlich gewesen und von den Ballroom-Partys habe ich selten eine ausgelassen. Du hast recht, nach dem ersten WGT hatte man in ganz Deutschland Bekannte und damit Anlaufstellen. Man wurde zu Partys eingeladen und hatte überall schnell einen Pennplatz.
    ciao
    Armin

  19. Kara Ben Nemsi 21. Mai 2011 zu 08:21 #

    Moin Armin,
    sag mal wäre es möglich das du mir das legendäre Glasnost mal einscannst, meine Exemplar ist leider mal bei einer Trennung auf den Stapel der Ex gelandet. Ich hab auch noch bisschen was an Bildmaterial, aber mit deiner Fotossammmlung kannn ich nicht mithalten, ich ärger mich darüber heute noch, wir waren damals auch aus mir heute unerklärlichen Gründen ziemlich Fotoscheu.
    Der Ballroom war einfach legendär das war für uns der beste Club und Etage war halt so bisschen die Hochburg der Deutschen Todeskunst mit Ossi und so als Djs. Das waren teilweise Weltreisen für uns grad nach München mit dem Cure-Trabi 🙂
    Gruss
    M.

  20. Koschi 23. Mai 2011 zu 19:47 #

    Nochmal Danke fuer den Bericht, war schoen mal wieder in die Zeit abzutauchen. Und Danke an Armin fuer die zusaeztlichen Bilder. Leider habe ich nur noch die etwas murksigen Scans von meinen Fotos, die Originalnegative habe ich leider nicht mehr aufspueren koennen.

  21. Death Disco 30. Mai 2011 zu 14:25 #

    Oha, Glasnost. Die Hefte habe ich auch noch (90er Ausgaben bis auf ein oder zwei Hefte vollständig). So ’ne Ausgabe von anno 1988 müsste hier auch herumpurzeln. Die ist besonders interessant, weil das Heft in Deutsch und Französisch aufgeteilt ist.

  22. Henne 15. Juni 2011 zu 12:35 #

    Hallo,
    das Ganze hier lässt sich wirklich wunderbar lesen. Der Artikel ist super geschrieben und ich finde Eure Kommentare auch sehr interessant. Mir kommen aber da immer noch ein paar Fragen auf. Jedesmal, wenn ich etwas über die „alten“ WGTs höre, ärgere ich mich, dass ich erst 1999 das erste Mal in Leipzig war, also zum 9. Treffen. Leider war ich damals nicht im Eiskeller, der ja in dem Jahr zum letztem Mal als Veranstaltungsort diente. Wieso ist das Conne Island eigentlich nie wieder nach 1999 dabei gewesen? Es hat doch ne Art Traditionscharakter. Ich persönlich bin später nochmal dorthin gefahren, um mir die Location nur anzusehen. Ist eigentlich ne schöne Umgebung dort. Jetzt sieht es alles ziemlich zugewachsen aus, deswegen kann ich mir bei 2000 Leuten gar nicht vorstellen, wie es beim ersten WGT dort mit dem Zelten ausgesehen haben soll? Oder waren die „Zelter“ eher in der Unterzahl? Und ebenfalls unklar finde ich die Angaben über „Das Ich“ und „Love like blood“. Haben diese zwei Bands nun gespielt oder nicht. Ich habe schon mehrmals gehört, dass doch kurzfristig abgesagt wurde? Oben im Artikel ist dies ja auch zu lesen! Also wer kann da jetzte definitiv sagen, wer gespielt hat?
    Gruß an Euch alle!

    S.O.P.H.I.E.

  23. Salaminizer 16. Juni 2011 zu 00:23 #

    Ich war 95 das erste Mal zum WGT in Leipzig, aber ich kannte die lokale Szene in der DDR lose schon seit 87/88.
    Wir haben uns vor der Wende irgendwo in lokalen Abbruchhäusern getroffen, Kassetten mit dem SKR kopiert (die Batterien waren immer unter aller Sau) und hatten irgendwo eine eigene Einstellung (wir haben nichtöffentlich versteckt unser Ding durchgezogen).
    Platten wurden aus Ungarn mitgebracht oder via Westverwandschaft besorgt. Und sie wurden fröhlich ausgeliehen, man wußte, man kriegt sie wieder (auch wenn sie innerhalb von 6 Monaten bis irgendwo nach Rostock wanderten).
    Und irgendwo sahen wir alle so
    http://www.flickr.com/photos/8713878@N02/4398315555/in/photostream/
    aus;)

    Anfang der Neunziger ging auch irgendwo was, hier im Ort (paar Kilometer von Leipzsch entfernt) lief damals eine vierzehntägige Darkwaveveranstaltung SONNTAGS in einer Stinodisco, die ein Einzugsgebiet von 100 km hatte (da kamen eben auch mal nach einem Konzert Veljanov/Horn u.a.als zahlende Gäste vorbei). Auch lief im Kassa Jena eigentlich regelmäßig was live.

    Ich vermisse heute die Aufbruchstimmung, die wir damals hatten.
    Von den Leuten, die damals dabeiwaren, ist heute auch nur noch eine Handvoll aktiv.

    Zum Thema Eiskeller:
    Die Leute dort sind ziemlich linksextrem. Und sie wollten einen politischen Einfluß aufs WGT ausüben (siehe Gruftis gegen Rechts, die die Flöhe husten hörten). Als das irgendwo nicht klappte und dann noch Neofolk dazukam, haben sie halt nicht mehr ans WGT verbucht.
    Der Eiskeller ist übrigens keine 10 Minuten vom Werk II entfernt. Einmal rechtsrum, einmal links und man ist dort;)
    Daß im Mühlholz aber nichts mehr ist…da waren die Rollenspieler, ein kleiner Mittelaltermarkt (ja, damals war Mittelalter noch nicht Kommerz) und im Keller eine kleine Tanzbeschallung.

    btw: ich kann mich daran erinnern, daß es früher praktisch nur eine Wave/Gothic und nebenbei eine Dunkelpunk (heute nennt man sowas Batcave)-Fraktion existierten;). So richtig in alle jetzt existierenden Nischen gewuchert ist es erst ab 95.

    btw²: das Etage in Bayreuth ist mir auch noch in der älteren Location (nicht die an der Autobahnraststätte) bekannt, ich hab mich dort damals eben mal 2 Stunden mit O. Henke über Gott&die Welt unterhalten, ohne ne Ahnung zu haben, wer mein Gesprächspartner ist;)

  24. Armin 16. Juni 2011 zu 21:47 #

    Um ehrlich zu sein weiß ich nicht mehr genau ob „Das Ich“ aufgetreten sind oder nicht, ich glaube ja, aber im Saal des Eiskellers herrschte bei den Konzerten ein ziemliches Gedränge, da saßen viele, mich eingeschlossen, lieber draußen und haben sich unterhalten. Ich habe, soweit ich mich entsinne, nur bei Ghosting und Goethes Erben zugesehen.

    2000 Besucher ist glaube ich etwas zu hoch gegriffen, von Bericht zu Bericht wird die Zahl noch etwas größer. Realistischer dürfte 1000 Besucher sein, aber ich habe sie nicht gezählt. Nicht alle haben in der Heide hinter dem Eiskeller gezeltet, ich habe mich köstlich über drei Leute amüsiert, die zu dritt in einem Trabbi auf einem Parkplatz neben dem Eiskeller übernachtet haben und die Leipziger haben sicher zu Hause geschlafen.

    Übrigens habe ich einige Jahre später im Mittelalterlager Mühlholz als Feuerspucker mitgewirkt. Es wäre nett, wenn derjenige der mir damals meine Spiegelreflexkamera aus dem Ritterzelt geklaut hat die darauf befindlichen Fotos einscannen und mir schicken würde *g*

    Noch eine Randbemerkung: Ein Reporter auf dem WGT 2011 war etwas verwundert als ich ihm erzählte, dass die Grufts damals nicht fotografiert werden wollten. Ich habe mich damals etwas unbeliebt gemacht, weil ich trotzdem Fotos gemacht habe. Heute scheinen ja viele Besucher des WGT richtig Kamera-geil zu sein und das ganze als Maskenball zu betrachten. Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn sich jemand gern fotografieren lässt, ich vermisse nur leider oft die Ideologie hinter den Kleidern. In einem Interview das ich im Web gefunden habe sagte eine Frau sie kommt auf’s WGT weil sie sich gern verkleidet, sorry, aber die soll sich einer Laienspieltruppe anschließen, auf dem WGT ist sie falsch. Man wird auch nicht automatisch zum Gruft nur weil man mal Twilight gelesen hat.
    ciao
    Armin

  25. shan dark 16. Juni 2011 zu 22:43 #

    Danke Dir, Armin, für deinen erneut sehr interessanten Kommentar. Zu dritt im Trabbi pennen…oh Mann, das lässt sich wohl nur mit Alkohol ertragen. Zu zweit kann ich mir ja noch vorstellen, aber 3 Leute…nee, nee!
    Kann dir nach Aussagen meines Freundes (auch ein „Zeitzeuge“, wenn auch nicht vom WGT ;-)) nur recht geben: früher wollte man sich nicht fotografieren lassen, sondern lieber unter sich sein. Dass die Leute das heute nicht mehr nachvollziehen können ist angesichts dessen was da beim WGT zum Teil abgeht auch verständlich. Ich hab übrigens deinen tollen Interview-Artikel gelesen auf lvz-online.de. Echt gut!! Vom Gesicht her erkennt man dich schon wieder im Vgl. zu den Bildern damals mit rotem Stirnband, aber an den Haaren nicht ;-).
    Viel Glück für die Fotos von deiner geklauten Kamera, hehe.

    @Salaminizer: Erstmal: cooler Name! Ich musste schwer schmunzeln. Danke auch für deine Einblicke und Erinnerungen! Sehr wertvoll. Was die Gründe „gegen“ den Eiskeller angeht, gebe ich dir recht. Ich kenne den Eiskeller nur als „linksbesetztes Territorium“ aus meinen Leipziger Zeiten (1993-99) und Punkhochburg. Was an sich nichts schlechtes ist, aber man weiß eben auch nicht, was da hinter den Kulissen gelaufen ist und ich könnte mir vorstellen, dass die keinen Bock hatten auf Neofolk und irgendwas das nur den leisesten Zusammenhang mit rechts hätte haben können…

    @Henne/S.O.P.H.I.E.: Ich hoffe, damit sind deine Fragen größtenteils beantwortet. Ich würde mal Michael Brunner glauben und daher sagen, dass Love Like Blood nicht aufgetreten sind, DAS ICH aber schon.

  26. Marcus 16. Juni 2011 zu 23:35 #

    Zu Dritt im Trabi? Das ist wirklich kein Luxus, den ich ähnlich auch schon erlebt habe. Bei einem Bizarre-Festival Anfang der 90er mussten wir einige Stunden zu viert in einem Opel Kadett pennen. Davon kann ich nur abraten. Es ist wirklich keine nachahmenswerte Angelegenheit.

    Der Bericht im Glasnost erwähnt, dass weder „Das Ich“ noch „Love Like Blood“ aufgetreten sind. Vielleicht lässt sich das ja noch eindeutig in Erfahrung bringen…

    @Salaminizer: Ich kenne nur die Etage gegenüber der JVA, in welcher 1996 das letzte Mal Partys stattfanden. Es gab also noch eine zweite Location an einer Autobahnraststätte?

  27. shan dark 16. Juni 2011 zu 23:43 #

    @Marcus:
    😀 Wir halten also fest: zu dritt im Trabbi ist wie zu viert im Opel Kadett…nicht nachahmenswert!

    Du hast recht. Im Glasnost steht, dass auch DAS ICH nicht aufgetreten sind. Koschi und Stefan werden es auch nicht mehr wissen, denn die haben ebenfalls die meiste Zeit draußen gesessen. Bleibt wohl ein Rätsel… oder wir fragen mal den Stefan, den Bruno oder den Michael W. Brunner…leider keine Connections ich habe.

  28. Marcus 17. Juni 2011 zu 00:00 #

    Zumindest „Love Like Blood“ lüften vielleicht in ihrem angekündigten Beitrag für das Pfingstgeflüster das Geheimnis um ihren Auftritt. Und ob 1992 „Das Ich“ die WGT-Bühne betraten, lässt sich sicher auch herausbekommen. Ich bitte um etwas Geduld…

  29. Henne 17. Juni 2011 zu 00:01 #

    Die Trabbi-Geschichte kann ich noch toppen: wir hatten das ca. 1995 nach nem Konzert sogar zu viert im Trabbi geschafft – seitdem habe ich nie wieder in einem Auto geschlafen – ich bin für immer geheilt :-).

    Das das Line-Up 1992 nicht richtig geklärt werden kann, ist schon eigenartig. Ebenso, dass früher gesagt wurde, Calva Y Nada hätte gespielt. Das ist ja angeblich nicht wahr gewesen. Auf dieser Seite
    http://www.tc75.de/main/gigs.html
    finde ich das allerdings auch wieder. Ebenso 2 weitere Bands.

    Zu Michael Brunner: Was macht er eigentlich heute? Das ich ihn auf dem WGT gesehen habe, ist schon eine Weile her.

    Grüße

  30. Marcus 17. Juni 2011 zu 00:21 #

    Tobi vom Werturteilsfrei-Blog hat eine Ansicht der WGT-Berichterstattung der Bildzeitung hochgeladen: http://werturteilsfrei.files.wordpress.com/2011/06/2011-06-bild-wgt-xx.jpg
    Der Beitrag links oben ist zwar sehr schwer zu lesen, aber wenn ich das nun richtig entziffert habe, spricht hier Bruno Kramm vom Das-Ich-Auftritt vor 600 Besuchern beim WGT 1992. Ich gehe jetzt einfach einmal davon aus, dass er sich richtig erinnert.

  31. Armin 17. Juni 2011 zu 08:55 #

    Ich bitte um etwas Geduld, ich habe Bruno Kramm die Frage via Facebook weitergereicht. Er weiß hoffentlich ob DAS ICH aufgetreten ist oder nicht.
    ciao
    Armin

  32. Salaminizer 17. Juni 2011 zu 20:35 #

    Marcus, ob das „alte“ Etage bei der JVA war – keine Ahnung, es war immer schon duster wenn ich dort aufgeschlagen bin;)
    Ich weiß aber: kleine Gasse, durch die Toreinfahrt und dann die Treppen hoch bis zum Gewölbe. Und es waren (95/96) nie viele Leuts da, meist nur eine Handvoll. Als mir dann mal die Bedienung mächtig dummkam und sich meine Zeit in Bayreuth dem Ende zuneigte, hab ich nicht mehr das Interesse gehabt. Kennst Du evtl noch den Verkäufer im einzigem Szeneshop Bayreuths, den mit dem ganzen Blech im Gesicht? Sowas sah man damals auch sehr selten.

    Ein Freund, der in Bayreuth studierte, erzählte dann, daß das Etage umgezogen wäre, und zwar solls genau neben der Autobahnpolizei gewesen sein. Die Schwarzen und die Grünen haben sich da wohl angeblich immer ziemlich mißtrauisch angesehen.

    Wenn ich mal Zeit und Muße habe sortier ich mal meine Kramkiste. Da liegen wohl noch fast alle Eintrittskarten von den Konzerten rum, die ich je heimsuchte, auch alte Flyer dürften neben alten Fotos noch Staub konzentrieren.

  33. Armin 18. Juni 2011 zu 09:29 #

    Hallo,

    Bruno Kramm sagt, DAS ICH ist auf dem ersten WGT aufgetreten.

    Was die Etage anbelangt, ich kenne nur die alte Etage gegenüber dem Knast, dass es danach woanders einen Nachfolger gab habe ich nicht mitbekommen.

    Übrigens schläft es sich zu viert in einem Polo auch nicht wirklich bequem und wir reden hier nicht von den Luxus-Autos heute, sondern von dem was heute einem Lupo entspricht.
    ciao
    Armin

  34. Kara Ben Nemsi 18. Juni 2011 zu 15:35 #

    Hallo werte Gemeinde,

    kann mich leider auch nicht mehr an „Das Ich“ erinnern, ich weiss nur noch von Ghosting, Goethes Erben, Eternal Afflict. Bei den letzteren gab es ja den komischen Vorfall als plötzlich 3 oder 4 Glatzen seelenruhig in die Halle marschierten und das unter den paar 100 Schwarzen fast ne Massenpanik auslöste… kann sich daran noch jemand erinnern? Zu dritt im Trabi ist hammerhart :-). Wir sind von Chemnitz mit dem Moped gekommen, das war auch eine Leistung…. und das nur weil wir Schiss vor den Leipziger Bahnhofsskins hatten…

    Gruss Kara

    hier gibts auch noch paar Bilder vom 1.WGT

    http://www.myspace.com/eschentraum/photos/albums/schwarze-zeiten/1498738#mssrc=SitesPhotos_SP_AlbumCover_ViewAlbum

  35. shan dark 18. Juni 2011 zu 18:27 #

    @Kara: OH wie tooooooooooll, deine Bilder! Hach hach, du und auch die anderen saht echt super & herrlich wavig aus. Waren ja auch ganz schön viele aus Chemnitz. Mit dem Moped, hehe, da fand das Haarstyling aber garantiert erst danach statt (Helm und so…) ;-).
    Auch die Flyer, die du mit drin hast gefallen mir sehr. Noch richtig selbstgemacht, gebastelt und kopiert zum Teil – ich liebe sowas! Sehr untergrundig eben. Das Programmheft vom WGT 1994 ist auch schön. Also noch mal DANKE fürs Einscannen und Verlinken!!

    @Henne: Calva Y Nada auf dem 1. WGT, sollte mich wundern. Hab ich nirgends gefunden (außer bei deinem Link), steht auf keiner Karte, was sagt die Fraktion der „Zeitzeugen“? Also ich glaub es nicht. Könnte genau so ein Irrtum sein wie es heute immer noch Leute gibt die behaupten, dass das WGT auch schon in Dresden stattgefunden hat.
    Was Michael Brunner heute macht würde mich auch interessieren. Es könnte sein dass im neuen „Pfingstgeflüster“, was Marcus jährlich anlässlich des WGT herausbringt, mehr dazu steht. Darin ist nämlich ein Interview mit Michael Brunner von April 2011.

  36. Kara Ben Nemsi 18. Juni 2011 zu 18:58 #

    hallo, danke des lobes, ja die flyer waren damals noch cool… teilweise handgezeichnet.., wegen der frisur hatte ich damals ne methode entwickelt die haare alle zur seite zu topieren dann mit bier und haarspray zu festigen das war dann ein ziemlich elastischer blockhead, denn konnte man auch unter den helm stecken…wir waren schon ziemlich viele denke mal so 30-40 leute aus chemnitz und umgebung…
    bei facebook haben wir ne nostalgische gruppe gegründet wo es noch mehr bilder und vor allem flyer gibt.. aber die ist nur auf sachsen spezialisiert

    https://www.facebook.com/home.php?sk=group_132154676845341

    der micha brunner hat sich ziemlich zurückgezogen und betreibt ein naturkostladen in leipzig, veranstaltungsmäßig ist da nix mehr..man trifft ihn aber beim wgt

    gruss kara

  37. Marcus 18. Juni 2011 zu 21:47 #

    @Salaminizer: Ich nehme mal an, dass wir das gleiche Etablissement besucht haben. An eine Gasse kann ich mich zwar nicht erinnern, aber an die Einfahrt, den Hof und die Außentreppe, welche nach oben führte. Zur Etage gibt es ja auch ganz nette Berichte. Oswald hat wohl einmal aus Wut die Anlage auf die Tanzfläche gefeuert. Und irgendwann im Winter wurde es den Anwesenden zu kalt – so wurde einfach mal eben ein kleines Indoor-Feuerchen geschürt. Zumindest hört man diese Geschichten immer mal wieder. Vielleicht warst Du ja dabei?
    An den Verkäufer kann ich mich nicht so recht erinnern. Ich habe da zwar ein seeeehr dunkles Bild im Hinterkopf, als richtige Erinnerung würde ich das aber nicht bezeichnen.
    Ach ja, ich hatte auch alte Bons und Flyer. Aber die habe ich entweder im Wahn weggeworfen oder irgendwann verkramt.

    @shan dark: Es handelt sich nicht direkt um den Abdruck eines klassischen Interviews im Stile Frage – Antwort, sondern um einen autorisierten Text, der anhand eines interessanten und netten Gespräches, das wir mit Michael im April dieses Jahres in Leipzig geführt haben, entstanden ist.

  38. Kara Ben Nemsi 18. Juni 2011 zu 22:18 #

    ich kann mich nur noch an so ne empore erinnern und nen fetten hängeleuchter, ansonsten wars da ziemlich abgefuckt..aber neben dem ballroom halt die beste mucke..
    der ballroom war aber noch abgefuckter, da waren wir ziemlich geschockt obwohl wir als hausbesetzer einiges gewohnt waren.

  39. Armin 18. Juni 2011 zu 23:26 #

    @Kara Ben Nemsi, stimmt, die Etage hatte ich mir den Erzählungen nach auch ziemlich edel vorgestellt und dann stand ich da in dieser Bruchbude. Beim Ballroom war ich Besucher der ersten Stunde und hörte schon im Vorfeld, dass der Laden … sagen wir renovierungsbedürftig ist, eigentlich hätte ich bei dem Namen eher einen Ballsaal mit viel Stuck erwartet, ähnlich dem Felsenkeller in Leipzig. Übrigens ist auf meiner HP unter den Fotos vom WGT 2011 Tom Talionis abgebildet, der damals die Partys im Ballroom veranstaltet hat.
    ciao
    Armin

  40. Kara Ben Nemsi 19. Juni 2011 zu 14:59 #

    hmmm, hab sie durchgeschaut aber nix gefunden, hab noch einige von den ballroom einladungen hier rumliegen, das sind wahre kunstwerke, hab es nie fertig gebracht sie weg zuwerfen..

  41. Markus 4. Juli 2011 zu 10:59 #

    Auf dem Festival gab es ein kleines Büchlein zu kaufen, welches voll ist mit Anekdoten, Stories und Fotos aus 20 Jahren WGT- Geschichte. Black Celebration vom Ploettner Verlag. Bruno Kramm und Markus Rietsch vom Pfingstgeflüster haben dafür auch Beiträge verfasst.

    Nur zu empfehlen!

  42. Armin 4. Juli 2011 zu 23:39 #

    Hallo Markus,
    besagtes Büchlein das es auf dem WGT zu kaufen gab ist der Pfingstbote und das ist eigentlich kein Büchlein mehr, sondern ein richtiges Buch mit edlem Druck, tollen Fotos und vielen Infos zu den Bands. Vielleicht kann man den Pfingstboten noch über die Presseabteilung des WGT bestellen (hab keine Ahnung ob das geht).
    ciao
    Armin

  43. Markus 5. Juli 2011 zu 13:29 #

    Hallo Arnim,

    den Pfingstboten kenn ich auch… 🙂 aber ich mein das hier:

    http://issuu.com/ploettner-verlag/docs/black_celebration_leseprobe/1

  44. shan dark 7. Juli 2011 zu 11:37 #

    Hallo Markus,
    danke für den Tipp – ich habe mir „Black Celebration“ bestellt und jetzt gelesen. Dort wird mit verschiedenen Beiträgen auch versucht, den Zauber des WGT – über die Gesamtheit der 20 Jahre – einzufangen, was meiner Meinung nach echt gut gelungen ist.

  45. Salaminizer 9. Juli 2011 zu 01:29 #

    Als Oswald die Anlage runterfeuerte oder als das Feuerchen gemacht wurde, war ich nicht dabei (obwohl es auch Winter war). An den Kronleuchter kann ich mich noch erinnern.
    Vom Abfuckfaktor hats mich eigentlich nicht überrascht, ich war Schlimmeres gewohnt (zB den Alten Friedrich in Weißenfels, war eher Punk, aber ab&an lief DarkWave und in den Ecken wuchsen Pilze).
    Das La Belle in Naumburg war 93-96 auch nicht übel, nobler Schuppen, sonntags üblicherweise Gaydisse. Und es war immer lustig, wenn sich paar von den Normalos dorthinverirrten und beim Anblick der dort rumspringenden Gestalten rückwärts wieder rausgingen;)
    Die hatten aber immer den gleichen DJ, man konnte die Uhr nach der Setlist stellen.

    Ansonsten war ich damals viel in Thüringen (Greiz, Gera, Jena, Weimar usw), ab&an mal in Leipzig oder auch in Berlin und bekannt wie ein bunter Hund.

    Heutzutage bin ich zwar auch noch gut unterwegs, es löppt aber nicht mehr soviel, was wirklich Spaß macht.

    @shan: Fryher war alles besser. Bis 2000 war das WGT eine einzige große Party, ich erinnere mich dran, als wir 96 oder 97 auf der Wiese vorm Eingang Agra-Halle ein Lagerfeuer gemacht haben, daß mich damals der Veranstalter (Brunner) jährlich via Postkarte angeschrieben hat, ob ich dieses Jahr wieder erscheinen möge, wie wir mit den kleinen Firmen (Labels) schwatzten und dabei die eine oder andere Freundschaft/Geschäftsbeziehung raussprang (ach, Du machst auch Krach? Hast Du ein Tape dabei? Und schwupps kam ne Plattenveröffentlichung bei raus).
    Man traf damals auch jedes Jahr dieselben Leuts zB aus der Schweiz oder Ösiland (wenige kommen heute noch), jeder kannte jeden, es war irgendwie entspannter als heute.
    Und lustige Aktionen gabs auch: hab irgendwann beim LVB das Maskottchen der Nachtlinie (Plüschfledermaus) als Schlüsselanhänger bekommen. Ich bin zig mal gefragt worden, wo ich das herhab. Und es müssen wohl samstags dann so einige Schwarze bei der LVB-Geschäftsstelle eingerückt sein und diese leergekauft haben;)

    Das, was früher das WGT war ist wohl heute die Castle Party (in Polen, nächstes Wochenende zB), aus Zeitgründen hab ichs aber noch nicht dahin geschafft.

  46. Lucretia 7. Januar 2012 zu 13:53 #

    Vielen Dank an shan_dark für den wundervollen Artikel und an alle anderen für die interessanten Kommentare und Links! Es war alles sehr interessant zu lesen, ein bisschen wie eine Zeitreise. Es ist immer schön zu erfahren wie alles begonnen und sich entwickelt hat.

  47. MadMoses 1. März 2012 zu 17:19 #

    Danke für den herrlichen Artikel … ich war damals auch zum ersten Wave & Gothic Treffen mit dem Zug von Hamburg aus angereist (zusammen mit ein paar Kumpels).
    Leider habe ich keine Bilder von damals 🙁 Umso mehr hat es mich gefreut hier ein paar Impressionen von Damals zu sehen.

    Wir hatten uns den Luxus gegönnt und uns in der Jugendherberge am Auensee einzuquartieren.

    Ich kann mich noch an eine Szene erinnern wo zwei Gruftmädels mit einer Rotweinflasche in der Hand für ein Foto posiert haben. Dabei waren diese am glucksen und lachen.
    Auf meinen Hinweis „Grufties lachen nicht!“ haben die beiden dann todernst in die Kamera geschaut – und nach dem Foto haben wir uns schlapp gelacht.

    Die für meine Kumpels wohl aufregendste Situation war wie der Sänger von The Eternal Afflict sich während des Auftritts zu mir runterbeugte (ja … ich stand in der ersten Reihe) und mir etwas ins Ohr flüsterte (bzw. wohl eher schrie) und ich ihm antwortete.
    Jetzt wollten meine Kumpels wissen um was es da ging.
    So simpel wie einfach … da die Bands ein Zeitlimit hatten fragte mich Cyan einfach nur nach der Uhrzeit 🙂

    Gern denke ich auch noch an den Anreisetag – Männetag – ab in die Kleingärten und günstig trinken … auf dem Weg zur Jugendherberge dann gemeinsames Mitternachtssonnen.

    PS: Wäre toll wenn es noch mehr Bilder geben würde – Nostalgie pur !

  48. shan dark 1. März 2012 zu 22:58 #

    Danke DIR fürs Teilen Deiner Erlebnisse. Sonst hätte ich nie erfahren, dass es sowas wie „Mitternachtssonnen“ gibt. Toll! Muss ich auf dem nächsten WGT auch mal ausprobieren. Da verschieben sich eh immer so die Zeiten, dass ein leichter Mitternachtssonnenbrand gar nicht auffällt ;-).

    Wegen mehr Fotos: Warst Du schon auf der Seite von Armin? https://sharegallery.strato.com/u/kxyVMMMW/nJ4cqEUU Ansonsten sind pics wirklich nur sehr spärlich zu finden. Das war damals eben noch nicht so – weder technisch noch in der Szene, dass Fotografieren das Wichtigste war (so wie es mir heute manchmal vorkommt, liegt wohl auch an der Technik – früher hat man ja ‚wertvolle Filme‘ verbrunst und wusste noch nicht mal, ob es was geworden ist).

  49. MartinDestroyer 21. März 2012 zu 23:00 #

    Hi Shan Dark, ich hab‘ mir grade die Zeit genommen, Deinen tollen Artikel zu lesen.
    Und da ich ja auch aus den östlicheren Gefilden stamme, ich Leipzig nicht nur vom WGT gut und gern kenne, hat er mich gleich doppelt nostalgisch, schweremütig und vor allem aber auch vorfreudig gestimmt. All das ist auch ein wichtiger Teil, den die Wave Szene und damit auch das WGT für mich ausmachen – Schwermut wie auch Schwerelosigkeit.
    Ich freue mich in diesem Moment so richtig auf’s nahende schwarze Pfingstfest in Leipzig. Wir sehen uns ja hoffentlich auch wieder auf dem ein oder anderen Konzerte, Grillstand oder Party. (:

  50. Kara Ben Nemsi 5. April 2012 zu 18:53 #

    Halle liebe Gemeinde,

    ich hab nochmal meine und Bilder von Freunden zu einem Flikkr Album zusammengefasst. Das ist das erste WGT aus sicht der Chemnitzer Gruftis. Viel Spaß beim schauen..

    Kara Ben Nemsi

    http://www.flickr.com/photos/55746017@N07/sets/72157629618933205/

Schreibe einen Kommentar