Was bleibt

Wir schreiben das Jahr 2055. Das heißt, schreiben tun wir schon lange nicht mehr. Davon reden nur noch ein paar altmodische Leute, zu denen ich wohl zweifelsohne gehöre. Aber mit 80 darf man auch altmodisch sein und mit Floskeln daherreden. Das erinnert mich immer an das schöne Früher. Da habe ich viel geschrieben! Richtig lange Artikel hab ich verfasst und getippt. Jawoll, getippt hab ich sie, auf einem Laptop – einem tragbaren Computer so groß wie hier die Tabletts im Speiseraum meines Altenheims.  Ich hatte nämlich einen Blog, so nannte sich das damals. Meiner hatte den schönen Namen „Der schwarze Planet“. Gut, an den erinnert sich schon lange keiner mehr. Ach, damals hatten ja sooo viele Leute Blogs. „Tagebücher im Internet“ waren das – mehr oder weniger persönlich, seltener täglich geschrieben, manche sehr thematisch fokussiert, andere eher egomanisch. Aber vom schwarzen Planeten ist nichts mehr übrig, wie überhaupt vom ganzen früheren Internet nichts in der Form übriggeblieben ist.

Es war vor etwas mehr als 30 Jahren, als das Internet in fast allen westeuropäischen Staaten unter komplett staatliche Kontrolle gesetzt wurde. Dagegen gab es natürlich bundes- und EU-weiten Protest, der aber nichts ändern konnte. Die Regierungen und die Firmenlobby waren sich einig und in der Übermacht. Mit der Verstaatlichung wurden die meisten Blogs schleichend zensiert oder ihre Inhalte dienten als Datenfeeds für Firmen, die sie „materialisierten“ und ihre Produkte damit versorgten.

Mein Blog "Der schwarze Planet" auf einem damals beliebten Laptop der Firma Apple - anno 2013

Mein früherer Blog „Der schwarze Planet“ auf einem damals typischen Laptop der Firma Apple (R.I.P.)

Ich weiß noch, wie ich eines Tages von einem großen Reiseanbieter darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass meine skurrilen Reiseziele in ihre TripGuide-Roboticos aufgenommen wurden, die Touristen überall an Flughäfen und Bahnhöfen weltweit gegen ein geringes Entgelt mieten konnten. Na vielen Dank auch! Ich könne mich doch sehr geehrt fühlen, bei solch einer großen Marke gelandet zu sein (die es auch bloß nicht mehr gibt). Das Unternehmen hatte sich vom Staat die Erlaubnis eingekauft, alle frei und gratis im Netz verfügbaren (Reise-)Quellen für geschäftliche Zwecke zu nutzen. Der Staat sah dafür also Kohle, ich nicht. Meine Wut war so groß wie das damalige EU-Parlamentsgebäude in Brüssel – aber ich hatte keine Chance. Den Staat und die Firma auf Urheberrechte zu verklagen hatten vor mir schon andere versucht, sogar mit dicken Sammelklagen und – verloren. Noch dazu wurden sie im Nachhinein schikaniert, weil sie ‚auffällig‘ geworden waren. Dazu nahm man sich alle (vermeintlich vertraulichen) Informationen über die betreffende Person aus dem Internet (häufig über Dritte, auf die der Staat bei ‚Verdachtsfällen‘ ja Zugriff hatte ohne dass man selbst davon wusste) und verwendete sie immer dann gegen den Kläger, wenn er irgendetwas beantragte (Ablehnung von Kredit, Pflegezuschuss o.ä.). Manche trieb diese schon unheilig-totalitäre Allianz von Wirtschaft und Staat in den Ruin. Das Geringste war noch, dass uns allen das fröhliche, unbeschwerte Bloggen und Internet-Dasein verging. Wer stellt schon noch etwas freiwillig zur Verfügung, wenn es andere zu Geld machen? Daraufhin brach verständlicherweise alles nach und nach weg.

Informationen, die wir damals im Internet gefunden haben, erhalte ich heute im Gespräch mit meiner Bildschirmwand oder mit meiner Spezialbrille. Ein Gerät für einen Computer wie früher die PCs, Laptops, Smartphones, Tablets und Phoards braucht niemand mehr – höchstens das Museum. Wenn ich etwas suche, spreche ich es aus und erhalte sofort eine Antwort (nicht mehrere). Ich kann nicht wirklich sagen, ob es die richtige Antwort oder die Wahrheit ist, aber so hat es sich entwickelt. Für mich muss es wohl die richtige Antwort sein – basierend auf meinem Leben, meinen bisherigen Fragen und Präferenzen. Jedenfalls muss ich nix mehr tippen, sondern nur noch sprechen oder mich bei sensibleren Daten mit einem meiner Körperteile identifizieren. Mein rechter Daumen ist da sehr beliebt. Auch meine Augen – das geht so ratz fatz, das ich es gar nicht merke, wenn da etwas gescannt wird.

selbstgemachtes-Fotoalbum-WGT

Erinnerungen ans Wave-Gotik-Treffen zum Ansehen & Anfassen – komplett offline in meinem Fotoalbum

Kürzlich habe ich mich mit Julia unterhalten. Sie wohnt ein Stockwerk unter mir im Quartier 357. Julia ist eine wirklich nette Person. Ich weiß nicht warum, aber wir hatten gleich einen Draht zueinander, als wir einmal zufällig in die gleiche meal unit gesetzt wurden. Sie kommt aus Frankfurt/Main und war früher auch ein Goth. In unserem hohem Alter sieht man einem das nicht mehr so an – dank der weißen Haare und einheitlich beigen „Anstaltskluft“, in der wir hier rumrennen müssen und die mich jeden Morgen aufs Neue zum Würgen bringt. Aber nach einigen Gesprächen schimmerte bei Julia etwas Schwarzes durch und ich habe sie darauf angesprochen. Ach und da gerieten wir ins Schwärmen! Über die schwarze Szene im Rhein-Main-Gebiet damals, die Clubs und verschiedenen Parties, über Konzerte und Bands, die wir beide gesehen hatten und auch über ein paar wenige Leute, die uns noch einfielen. Ich erzählte ihr von meinem schwarzen Planeten und es stellt sich auch heraus, dass sie sogar mal auf unserer Elektronischen Nacht gewesen war. Wir schwelgten – soweit unsere Erinnerungen in Gedanken reichten. Beim nächsten Kaffeekränzchen werde ich ihr eines meiner heiligen, selbstgemachten Fotoalben vom Wave-Gotik-Treffen in Leipzig zeigen. Diese Alben habe ich noch vor meiner Bloggerei gemacht, als ich etwas mehr Zeit hatte und die Fotos noch habe drucken lassen. Dann habe ich sie selbst von Hand eingeklebt und immer was dazu geschrieben. Sowas kann sich keiner der Jüngeren mehr vorstellen!

Als ich noch WGT-Fotos und eine der besten WGT-Karten ever von Hand einklebte...

Als ich noch Fotos von Hand einklebte und eine der besten WGT-Karten ever…

Fotos, Videos und alles andere habe ich heute auf einer Art körpernahen Festplatte, meinem „Life Memory“, auf der alle während meines Lebens bzw. seit Erfindung dieses Dingens aufgenommenen Dateien gespeichert sind. Auch meine – haha – Vitalitätsdaten, wie Gewicht, Blutdruck, Körperfett, Cholesterin und der ganze Quatsch… Bilder und Videos kann ich mir jederzeit ansehen, in dem ich eine Brille aufsetze, mit der ich sie nämlich auch aufnehme. Recht smart, das Ding, und drückt auch nicht so auf die Nase. Ist auch praktischer als jeder altmodische Fotoapparat, den man immer mit sich herumschleppen musste. Hier zwinkerst du im Fotomodus nur zwei Mal mit den Augen (quasi der frühere Doppelklick) und schon hast du ein Foto im Kasten – oder in der Brille, die übrigens mit dem Life Memory verbunden ist. Alles wird in 3D aufgenommen und wiedergegeben; natürlich in bester Qualität. Das Life Memory ist so flach wie ein Kaugummi-Streifen und sitzt links am Körper auf der Haut neben dem Herzen. Wenn ich bedenke, wie groß Festplatten früher mal waren! Jedenfalls werde ich diesen Kaugummi-Streifen mal mit ins Grab nehmen. Und mit ihm alles über mich.

„Vieles, was man über frühere Völker weiß, weiß man nur durch ihre Gräber, ihre Beigaben. Was wird man über unsere Ex-und-Hopp-Gesellschaft sagen? Dass wir modern und hygienisch sauber waren.“

(aus der Spiegel-Reportage „Das letzte Mysterium“)

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Tonträger statt mp3-Datei: Alien Sex Fiend-Schallplatte mit Autogramm & Special CD von Rosa Crux

Tonträger statt mp3-Datei: Alien Sex Fiend-Schallplatte mit Autogramm & Special CD von Rosa Crux

Wir schreiben wieder das Jahr 2013 – und ja, noch schreiben wir und ich tippe hier. Ich habe dieses Zukunftsszenario bewusst erdacht, um zu verdeutlichen, dass wir durch die zunehmende Digitalisierung nichts hinterlassen werden – auf einer ganz persönlichen Ebene gesehen. Es werden nur die Menschen etwas zurücklassen, die sich um die Flüchtigkeit des digitalen Gutes bewusst sind und die wollen, dass von ihrem Online-Leben und -Schaffen auch offline etwas bleibt. Etwas, das von ihnen und ihrem Leben berichtet – für die eigenen Kinder und Enkel oder eben die gesamte Nachwelt. Ich bin der Meinung, dass man das in der faszinierenden Internetwelt, im bunten Facebook und im Blog-Getümmel da draußen sehr schnell vergessen und ja, auch verlernen kann. Flüchtige, aber die für einen selbst wichtigen Dinge einzufangen, festzuhalten und ‚haltbar zu machen‘. Vielleicht ist Chronisten-Gen in mir zu stark, aber wer weiß denn, was aus diesem Internet mal wird? Wie lange es Facebook noch gibt? Wann freie Meinungsäußerung und Sprache in Blogs gefährlich wird? Können in 10 Jahren .MOV-Dateien noch von irgendeinem Programm abgespielt oder zumindest gelesen und konvertiert werden? Hat schon mal jemand ein Autogramm auf eine mp3-Datei bekommen? So schön und praktisch das ganze digitale Zeug ist – es ist flüchtiger als Alkohol, der bekanntlich auch schnell verdunstet. DataStorage in der Cloud, Online-Fotoalben, Scrobble Playlists, YouTube Uploads und Der schwarze Planet – wenn jemand den Stecker zieht oder wenn nur der Internetzugang gestört ist, schon sitzen wir mit leeren Händen da. Buff und weg! Die Wahrscheinlichkeit, dass in der Wohnung ein Feuer ausbricht oder Einbrecher kommen ist um ein Vielfaches geringer.

Echte, gelesene Kinderbücher sehen übrigens so aus (Pinocchio)

Echte, gelesene Kinderbücher sehen übrigens so aus (Pinocchio)

Noch stehen bei uns ja echte Bücher im Regal, wir haben CDs und der eine oder andere sogar Schallplatten und den passenden Plattenspieler dazu 😉 oder wir besitzen Fotoalben bzw. die etwas moderneren Fotobücher, DVDs und BluRays – das alles können wir anderen zeigen, weitergeben und hinterlassen. Aber wie lange noch? Der Online-Trend ist fast übermächtig – das Digitale geht schnell und kostet nichts, alles was man „drucken“ lässt ist viel teurer und kostet Zeit.

Ich habe zusätzlich noch Tausende digitale Bilder in grob benannten Dateiordnern auf meiner (externen) Festplatte, 1.075 Musiktitel in iTunes (Hilfe!), 70 eigene Videofilme in meinem Video-Ordner und schon 127 Blogartikel online. Wenn ich jetzt umziehen würde mit meinem Rechner und jemand würde verlangen, ich solle aussortieren, da ich nur ein Drittel meiner digitalen Dateien mitnehmen darf… OMG!!! Das ist ungefähr so, als müsste ich den Dachboden vom Pentagon aufräumen. Um es nicht ausufern zu lassen, würde ich einfach Dateien löschen. Archivieren im Nachhinein kostet Zeit – und es macht überhaupt keinen Spaß, weil der Bezug zur damaligen Situation und den damit verbundenen Emotionen fehlt.

Das Foto-Tagebuch meiner Mama von 1960 - als man die Rückseiten (links) noch nicht beschriftete

Das Foto-Tagebuch meiner Mama von 1960 – als man die Rückseiten (links) noch nicht beschriftete

Die Idee zu diesem Artikel kam mir, als ich kürzlich ein Tagebuch meiner Mama in der Hand hielt. Darin schreibt sie über die Stationen ihrer Lehrausbildung 1959/60. Eine feinsäuberliche Handschrift, lustig geschrieben und mit kleinen, fast winzigen Schwarz-Weiß-Fotos garniert. Ich weiß jetzt durch dieses Tagebuch ein paar Kleinigkeiten mehr über meine Mutti als vorher und es ist eine für mich anfassbare Erinnerung, die mir sehr wichtig ist. Es gibt aber auch einen kleinen Einblick in die damalige Zeit. Was bleibt denn von unseren Blogs übrig? Oder von Bildern, die wir Freunden zur Ansicht online stellen und bei denen wir uns aufgrund der schieren Masse noch nicht mal die Arbeit machen sie für Andere zu beschreiben/untertiteln? Nichts, würde ich mal behaupten. NICHTS.

Digital ist die Gegenwart und Zukunft. Doch sie reduziert unsere Geschichte auf Speicherformate, Medien und Technik, bei denen wir nur hoffen können, dass sie weiterhin les-, transformier- und bedienbar bleiben. Darauf will ich mich nicht verlassen. Wir haben knapp das erste Jahrzehnt mit privaten, digitalen Archiven hinter uns. Bei mir betrifft das nur Fotos, die ich mir damals zusätzlich zum entwickelten Film noch als Datei auf CD habe brennen lassen. Die ersten sind von 2002 in einer Kiste hier. Die Dateien kann ich noch lesen. Zum Glück. Bei Filmformaten hat sich in der letzten Zeit viel mehr geändert und manche lassen sich mit heutigen Programmen nicht mehr öffnen. Webseiten von vor 10 Jahren gibt es auch kaum noch, daher… alles flüchtig, auch wenn man immer sagt, das Internet vergisst nichts. Aber über Jahrzehnte hinweg garantiert. Vorallem weil es sich verändert in seiner technischen und inhaltlichen Struktur.

Noch ist alles zum Greifen da... ;)

Noch ist alles zum Greifen da… 😉

Ich werde daher weiterhin dual fahren, öfters mal innehalten und die für mich erinnernswerten Ereignisse und Momente zeitnah (denn sonst kein Spaß dabei!) in Fotoalben oder Fotobüchern festhalten. Daran kann ich mich selbst und damit auch andere mehr erfreuen als mit jeder Diashow meiner unsortierten Fotos auf Festplatte. Fotoalben werden vielleicht die einzigen Begleiter meines Lebens später einmal sein. Zu Papier gewordene Jahre und Jahrzehnte, die wie alte Freunde im Schrank stehen – ganz ohne URL oder Dateiname. Von Lieblingskünstlern kaufe ich weiterhin Schallplatten und CDs statt mp3, denn wie viel romantischer ist es doch für jemanden „eine Platte aufzulegen“ oder ihm/ihr das komplette Album mit Booklet in die Hand zu drücken als nur bei einem Titel auf Play zu drücken? Lieblingsmusik hat man auch für immer. Und ein wirklich gutes Buch oder auch einen Bildband werde ich mir zusätzlich zum eBook oder ausschließlich als Buch kaufen. Und Filme? Ja, Filme natürlich auch. Für Filme auf der Festplatte bin ich sowieso zu alt. Heute schon. Es geht doch nichts über eine gut sortierte DVD-Sammlung vor der Besucher in 10 oder 20 Jahren stehen und sagen werden: „Wow, Du hast sie ja noch alle!“ – „Ja, noch alle im Schrank“, antworte ich dann.

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Bin ich einfach zu hoffnungslos retro in manchen Punkten oder wie seht ihr das mit der Flüchtigkeit des digitalen Seins? Sorgt ihr für anfassbare Überbleibsel Eures Lebens? Oder ist es euch egal und ihr wollt gar nichts hinterlassen? Es würde mich sehr interessieren.

PS: Wer sich gern sein Stück Internet bzw. seinen Blog ausdrucken möchte – bei „Ralf Dreiundzwanzig“ kann man sich seine WordPress-Artikel zum Drucken aufbereiten lassen. Ich werde das wohl demnächst mal in Angriff nehmen.

 

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13 Responses to Was bleibt

  1. stoffel 17. Februar 2013 zu 19:25 #

    Grossartiger Artikel … der gleichzeitig zum Nachdenken und Innehalten anregt. Wobei ich sagen muss das wir hier auf einer Wellenlänge sind … auch wenn viele Daten bereits digitalisiert sind, so brauche ich immer wieder etwas „greifbares“ in der Hand und „sichtbares“ an der Wand … der gesunde Mix aus Digital und Real hat für mich sehr viele Vorteile. U.a. ist es heute wesentlich günstiger Bilder zu drucken und man muss nicht erst ein paar Tage warten, Negative/Dias durchwuseln um dann die Besten Bilder ausdrucken zu lassen. Das geht heute einfacher und schneller als während meiner Lehrzeit 😉

    Danke Dir auch für den Link zum BlogBuch Druck … das werde ich auf jeden Fall in Angriff nehmen.

  2. Piet 17. Februar 2013 zu 20:09 #

    Ha, tolles Thema! Diesem Internetz stehe ich trotz vieler Vorteile bisschen skeptisch gegenüber… ich habe eine Fotokiste, in der ich meine Erinnerungsbildchen aufbewahre, lasse hin und wieder besondere Bilder von digital auf Papier entwickeln und horte auch kleine Figürchen, Briefe (!) oder Festivalbändchen mit besonderem Erinnerungswert in meiner „Schatzkiste“. Bisschen wie der Rabe Rudi von Siebenstein…

    Allerdings hab ich nach einem krassen Festplattenabsturz letztes Jahr auch festgestellt, wieviel digitalen Müll ich eigentlich angesammelt habe… von den gespeicherten Daten habe ich eigentlich nichts wirklich vermisst, die Musik meiner Lieblingskünstler habe ich auf CD (und mir fehlt das Verständnis meine dvds auf Festplatte zu bannen, keine Ahnung wie das überhaupt funktioniert)…

    Zudem finde ich den Gedanken irgendwie sexy, dass es da diese paar Kisten „Piet-Essenz“ gibt, auf denen der Digitalisierungswahn (nebst Zensur, Überwachung, der bucklige kleine Nachbar von Nebenan, etcpp) keinen Zugriff hat. Die sind nur für mich und nicht zum sharen, teilen, veröffentlichen, liken oder was auch immer im Internet gedacht- in der Hinsicht bin ich wahrscheinlich ein digitaler Biedermeier oder so 😉

    Retro rockt. Punkt.

  3. solitary_core 18. Februar 2013 zu 09:30 #

    ein interressanter Einstieg, die eine oder andere Parallele zu gewissen Cyberpunk-Themen is dem nich abzusprechen 🙂

    wer sich etwas mehr mit analogen Sein in einer digitalisierten Welt befassen will kann sich ja mit „Ghost in the Shell“ befassen, oder mit dem Matrix Universum, grade die Szenen mit „Corky“ dem Assassinen für Republik Gavel der eigentlich eine überschriebene Persöhnlichkeit ist welche mit künstlichen Erinnerungen geschaffen wurde, oder das das Programm ‚Mr Smith‘ den einen Menschen in der Real-Welt übernehemen konnte ….

    sehe eher Konflikte mit reellen und künstlichen Personen innerhalb und ausserhalb des Netzes, gut die Sache mit Film-Idolen und Rollen-Idolen (bestes Beispiel : Vin Diesel in „Babynator“ und vergleich dazu „Pitch Black“) gibs ja schon länger, und solche Konstrukte wie „Vanilla Ice“ werden sich durch die neuen Medien auch gewinnbringender Ausschlachten lassen denke ich, es wird nur schwerer zu unterscheiden wieviel Realität in den Kunstpersonen noch drinsteckt.

    Von diesen Gesichtspunkt bin ich eher froh das diese Generation eher Sang und Klanglos untergehen wird, die Geschichte wird eh vom Sieger geschrieben, heist auch gerne mal angepasst um sein eingreifen zu rechtfertigen, allerdings gibt es genügend andere Quellen als die offizeille Geschichtsschreibung die zum Glück nicht mundtot gemacht werden weil sie immer neue Wege finden sich Gehör zu verschaffen.

    hm etwas abgeschweift, wie üblich 😀

    sollte mir auch Gedanken drüber machen welche Spuren ich hinterlassen will, im moment bin ich ja eher drauf bedacht weniger zu hinterlassen als ich vorfinde 🙂

    CDs, DVDs und Spiele in Boxen kommen mir immer noch ins Haus, von besonders guten Sachen auch gerne mal ne CE (collectors edition) oder ähnlich klangvolle limitierte Sachen (13.3.2.13 zb „SC2 : Heart of the Swarm CE Box“ 🙂 ), Fans werden auch weiterhin die Sachen pflegen die ihnen wichtig sind, ob nun in Museen oder privat in Klubs, sofern natürlich die alte Technik nich als Teufelszeug eingestuft werden und damit verboten wird.
    Und selbst dann wird es den einen oder anderen Kult geben die das dann verherrlichen, kanns mir schon richtig gut vorstellen im jahre 2030 lauter übergewichtige 16jährige Nachwuchsnerds mit ihrer mondbraunen Haut, in einen geheimen Zwischenkeller um einen laufenden Monitor-Ring gesetzt auf dem blinkend ein Courser auf Eingabe wartet, sie immer wieder die autoexec.bat aufsagen wie ein Gebet und der Ceremonienmeister eintippt: „dir *.exe“

    ^^°,…,°^^

  4. Schatten 18. Februar 2013 zu 16:08 #

    Liebe ShanDark, welch schwermütige Zukunftsvision! Aber gerade daß all dieses Elektronische verwehen wird wie mein Tabaksrauch, daran habe ich keinen gnädigen Zweifel. Am Wochenende schaute ich mal wieder bei facebook rein, wo mein Hexlein angemeldet ist, während ich mich seit einiger Zeit solchen „sozialen Onlinediensten“ verweigere. Denn da schreibe ich doch liebe mails oder Kommentare wie diesen hier, oder gleich ganze Papierbriefe. Das nichtmal wegen der Haltbarkeit (selbst mails halten länger als dieser facebook-chat).
    Es ist auch die entsetzliche Kurzatmigkeit und Oberflächlichkeit die parallel geht zu den immer kurzlebigeren „Medien“. Da fand ich bei facebook die Umfrage eines netten Bekannten aus der Stadt wo ich wohne: „Wer mag eigentlich Traube-Nuss?“ und die Antworten umfaßten ähnlich wenige Worte.

    Über unsere Zeit und Gesellschaft wird man sehr wohl Einiges archäologisch ausgraben und aufklären können. Das werden vor allem Betonfundamente sein, die vielleicht in 500 Jahren den Ausgräbern atemloses Staunen bescheren, was denn da los gewesen sei in erdgeschichtlich so kurzer Zeit. Weiterhin wird man bizarre Plastikhaltige Sedimente finden. Wissenschaftler werden anhand geologischer Anomalien und durch Probebohrungen beweisen können, daß mancherorts enorme Mengen fossilen Kohlenstoffs gelegen haben müssen, und deren gigantische Grabungslöcher wurden offenbar wieder mit dem Aushub angefüllt.

    In einem widerspreche ich Deinen Vorstellungen jedoch ganz direkt: Es wird für uns kein Altenheim mit meal unit geben. Man wird uns vorher totschlagen beim Kampf um das letzte Brot und Benzin. Wenn erst unser weltweites ungedecktes ‚Papiergeldexperiment‘ in die Hyperinflation übergeht erleben wir europaweite Bürgerkriege und weltweite Flüchtlingsströme die jede historische Menschheitserfahrung in den Schatten stellen. Wir werden hinweggefegt mit der Welt die wir kennen.
    Die Guten Zeiten sind JETZT.

  5. Madame Mel 18. Februar 2013 zu 18:15 #

    Gruftologen werden die Relikte einer längst vergessenen Zeit sorgfältig konservieren, um sie in abgedunkelten, keimfreien Kellerarchiven für immer zu begraben und unsere eingepflanzten Datenchips – die sie nach unserem Ableben aus der Haut hervorgepult haben – auf brauchbare Informationen hin durchscannen. Irgendwie beänstigend!

    Nur gut, dass man ab einem gewissen Alter nicht mehr allzu viel mitbekommt, was um einen herum passiert. Eventuell kommt man noch in den Genuss eines regelmäßigen Memory-Abends, den die schwachen Hirnströme gerade noch so bewältigen können.

    Ich jedenfalls bin auch so ein hoffnungsloser Nostalgiker, der deinem „bittersüßen“ Aus- und Rückblick voll und ganz zustimmt. Ich versuche aber, mich nicht ganz von der modernen Welt abhängen zu lassen – also immer einen Spagat zwischen der digitalen Fotowelt und von Hand eingeklebten Fotoalben oder Bücher, die man noch richtig durchblättern kann und Hörbücher hinzukriegen. Wichtig ist mir halt, den „Bodenkontakt“ nicht zu verlieren und auch mal zum Telefonhörer zu greifen – JAWOHL – um mal jemanden anzurufen und nicht nur ein sinnloses „Ich schmiere mir gerade ein Butterbrot – und was macht ihr so gerade“ in den digitalen Orbit zu schießen.

    Naja, lassen wir uns mal überraschen, was noch so alles auf uns zukommen wird in den nächsten 30-40 Jahren. Kennst du den Film Soylent Green? Ich hoffe jedenfalls nicht, dass die Zukunft so aussieht!

  6. Kathi 19. Februar 2013 zu 08:23 #

    Liebe Shan Dark,

    Ich stimme in vielen Punkten hundertprozentig zu. Beispielsweise dem erhalten von Dingen, da mein sogenannter Personalcomputer sich ja zum Teil jetzt schon standhaft weigert einiges abzuspielen oder zu speichern. Demnächst werd ich wohl mal mit einem Stick losziehen müssen und mir die schönsten Bilder etc ausdrucken lassen. Geht heutzutage ja ganz gut. Ansonsten halt ich es wie die Meisten hier eine Kiste mit privaten Einladungen, Eintrittskarten und so weiter existiert.

    Hach *seufz* am meisten erfreut mich als Bücherwurm und CD Liebhaber ja wirklich die Tatsache, dass ich nicht als Einzige lieber eine gute CD oder ein Buch in der Hand halten kann statt nur diverse Webseiten und Ebooks zu haben.

    Ein wichtiger Aspekt der ganzen Sache ist für mich das abnehmende persönliche Gespräch irgendwie. Es gibt mehr und mehr Menschen, die statt einem persönlich schonmal ein Datum zu sagen von vorneherein lieber eine Veranstaltung erstellen. Scade denn nicht immer geht man online. Hab auf die Art und Weise schon beinahe die ein oder andere Geburtstagsfeier verpasst.

    Fazit: Was zur Hölle ist so schwer- vorausgesetzt man hat die Nummer der Person- daran einfach mal anzurufen und dann vielleicht auch noch ein bisschen zu schnacken.

    Was man von uns finden wird nun ganz so düster sehe ich es nicht, da es doch den ein oder anderen gibt, der noch persönliche Erinnerungen sammelt. Aber vorrangig wohl Kisten mit Kabeln etc., Betonklötze und ab und an mal die persönlichen Schätze einiger (hoffnungslos? ich denke doch nicht) altmodischer Gruftis oder auch Normalos. Immer vorausgesetzt die von Schatten beschrieben und angesichts der Situation nicht unrealistischen Szenarien fegen alles was überdauern könnte von der Erdoberfläche.

    Mit freundlichen Grüßen Kathi

  7. Schatten 19. Februar 2013 zu 15:30 #

    @ Madame Mel
    Liebe Madame Mel, kennst Du den Film „Children of Men“ ?
    Etwa so stelle ichs mir vor, abgesehen von der Story daß keine Menschen mehr geboren werden.
    Frohe Düstergrüße von den verschneihten Lahnbergen, Schatten

  8. Shan Dark 20. Februar 2013 zu 09:06 #

    Ihr seid ja alle so retro wie ich – es ist nicht zum Aushalten! 😉 DANKE für Eure interessanten Einblicke!

    Sich „nicht ganz von der modernen Welt abhängen zu lassen“, wie es Madame Mel so schön formuliert, wird in Zukunft noch wichtiger und auch schwieriger, denke ich, mit zunehmender Digitalisierung, Vernetzung und der wohl leider auch immer größer werden Distanz in unserer Kommunikation. Aber sich dessen bewusst zu sein ist ja die Grundvoraussetzung…

    @Kathi: Ich sehe das auch mit der „digitalen Verarmung“ von Gesprächen. Ich finde es immer ein wenig lächerlich, wenn man für private Geburtstagsfeiern einen Event bei FB oder WKW einstellt. Aber es ist eine Generationenfrage und deshalb bin ich niemandem ‚böse’ deswegen. So hat jede Zeit ihre (Kommunikations-)Mittel. Für wesentliche Jüngere ist E-Mail ja schon total oldschool und alle Freunde sind bei FB – also was liegt da näher, als sie auch dort einzuladen und ein Event zu erstellen? Ist einfach nur praktisch – und was praktisch ist, muss gut sein. So wird es uns vorgelebt. Außerdem machen es alle in der Klasse so mit den Events… es ist also auch noch Praxis. Eigentlich ist es auch nicht „schlimm“, nur WIR finden es doof, weil wir es eben anders kennen und gewohnt sind, dass uns mehr persönliche Aufmerksamkeit und damit „Wertschätzung“ entgegen gebracht wird. Aber weniger „wert“ sind wir dem Anderen dadurch nicht, denke, sie machen sich darüber einfach keine Gedanken. Wenn man sie darauf ansprechen würde, wäre da sicher Überraschung in den Augen.

    @Schatten: Ja, die Oberflächlichkeit und Banalität – Du hast völlig recht; manchmal tut es richtig weh, was man bei Facebook so liest/lesen muss. Es wirft auch nicht immer das beste Licht auf manche Leute… Besser ist es da, dass nichts davon zurückbleibt.

    Deine Zukunftsvision ist doch noch viel schwermütiger als meine! So viel düstere Radikalität hätte ich Dir nicht zugetraut. Mord, Totschlag, Krieg wegen Benzin und Brot nehme ich für meine/unsere Generation nicht an. Weltweite Flüchtlingsströme in die reichen westeuropäischen Industriestaaten – da gebe ich Dir recht. Auch bei Verarmung und Verknappung. Ich gehe aber davon aus, dass man entweder Benzinersatz finden wird oder dass Benzin obsolet wird. Man kann sich heute schon alles liefern lassen und von überall aus arbeiten. Firmen mit Präsenzpflicht im Büro werden wie die Dinosaurier aussterben müssen. Dennoch bin auch ich überzeugt, dass es die Menschheit in 21xx nicht mehr geben wird. Dank der Übermacht der kapitalistischen Gewinnsucht werden wir die ökologischen und damit zusammenhängenden gesellschaftlichen Probleme nicht in den Griff bekommen. We are doomed!

    @Madame Mel: Ja, ich kenne „Soylent Green“ und halte ihn für einen der besten Filme ever. Was für eine Schreckensvision, die bereits 1973 so treffend gezeichnet wurde für das Jahr 2022, von dem wir ja nicht mehr so weit entfernt sind – auch mit dem, was der Film prophezeit (Überbevölkerung, künstliches Essen, Mensch als Nummer…). Ich denke beim aktuellen „Pferdefleischskandal“ immer: Menschenfleisch wäre viel schlimmer gewesen, was regen sich nur alle auf?! Wiederum öffnet die falsche oder nicht vorhandene Kennzeichnung von Lebensmitteln auch carnivoren Beigaben Tür und Tor.

    @Kathi und Piet: Ich stelle mir gerade vor, wie Eure Mikrokosmos-Erinnerungskisten von Generation zu Generation weitergegeben werden. Warum nicht? Eine schöne Vorstellung. Es hat zwar nicht so viel Platz darin, aber es zeigt auf jeden Fall, was Dir am allerwichtigsten war. Vielleicht sollte ich auch mal meine Erinnerungsmengen reduzieren. Ach nein… solange ich Stauraum habe…

    @solitary_core: Das ist meine Angst, dass die Geschichte vom Sieger geschrieben (und manipuliert) wird. So unzuverlässig wie heutzutage die Wikipedia an einigen Stellen ist – was soll das in Zukunft werden? Ich habe gerade einen Stoß Lexika weggegeben. Schaut eh keiner mehr rein. Ich weiß niht, ob man darauf vertrauen kann, dass diese Dinge immer einen Weg finden Gehör zu erlangen – ob das auch in der Realität so ist und nicht nur in Filmen. Bestes Beispiel ist die DDR-Geschichte, die in fast allen Reportagen mit dem unterschwelligen Tenor endet: „Es war alles so schlecht und wie konntet ihr in diesem Land nur leben?“ Dass das nicht die ganze Wahrheit ist, sagt kaum einer und ganz klar wird hier die Geschichte von den Siegern (im Westen) geschrieben.

    Du hast aber absolut recht mit „Fans werden auch weiterhin die Sachen pflegen die ihnen wichtig sind, ob nun in Museen oder privat in Klubs“ – die Fans halten die Fahne(n) hoch und sorgen für bleibende Erinnerungen. Ein Hoffnungsschimmer!

  9. Kathi 20. Februar 2013 zu 11:13 #

    Liebe Shan,

    Genau, dass ist es was irgendwo nervig ist diese Normalität, die es inzwischen erreicht hat irgendwie alles so nebenbei digital zu erledigen und nicht mehr darüber nachzudenken mal einfach nur zu reden. Die Kommunikation wird einfach kälter und es ist für niemanden schlimm, weil es Normal ist.
    Aber zu dem Punkt schließe ich hier lieber… sonst werd ich nie fertig. In der Berufsschule haben wir im Rahmen unser Bürowirtschaftsstunden mehrere Blöcke darüber diskutiert.
    Nun ja lässt sich nicht ändern. Man kann nur versuchen selber noch so etwas wie persönliche Kommunikation zu gestalten und vielleicht dabei auch anderen die Freude daran zu vermitteln.
    Und du hast recht ich hab einfach mal gesagt, dass es doch schön wäre wenn sie mich persönlich kontaktieren wenn etwas Wichtiges ist oder einfach nur so… Die Blicke gingen von entsetzt über nachdenklich. Der Punkt ist es war für mich seltsam zu sehen, da wie du gesagt hast für uns es eher normal ist den persönlichen Kontakt zu pflegen.

    Ist ja nicht so als existiere nur eine Kiste hängen auch Bilder an den Wänden und Eintrittskarten, aber die Kiste enthält die Essenz meiner Entwicklung. Finde es auch ein schönen Gedanken diese dann später mal weitergeben zu können. Darüber hab ich zum Beispiel noch gar nicht so recht nachgedacht was „nach mir“ damit passiert. Danke für den Gedankenanstoß.

    Grüße Kathi

    PS: Retro rockt 🙂

  10. Paps 20. Februar 2013 zu 15:10 #

    Tja,

    das hat mich schon sehr gerührt, was Du so schreibst, mein Kind.
    Und es ist wohl so, das Rasen der Zeit bringt uns menschlich nicht voran.
    Nein, es ist richtig, wir verlieren unsere Identität und lassen am Ende der Lebenszeit nichts zurück, weder für uns, noch für die Anderen.

    Ich bin sehr begeistert, das Du so ein Thema, so spannend, tiefgründig und nahegehend
    verpackst und bei mir an den Mann bzw. Paps gebracht hast.

    Ich könnte noch viel mehr dazu schreiben, aber Du mein Mädel hast auch schon sehr viel geschrieben zu den Thema.

    Ja, ich bin ein Mensch der die traurigen Seiten des Lebens immer verdrängt, was zwar kurzzeitig hilfreich ist, aber auch anscheinend ein bischen ärmer macht.

    Nun ich gelobe Besserung, bedanke mich für den sehr guten Artikel, mein Töchterchen

    Dein Paps

  11. Madame Mel 21. Februar 2013 zu 12:04 #

    @Schatten
    Das Gedankengut von „Children of Men“ finde ich gar nicht mal so abwegig. Ich bin auch der Meinung, dass einmal die Anarchie ausbricht und sich die Menschheit damit selbst kaputt macht – jeder gegen jeden. In der durchtechnisierten Welt verliert man ganz schnell den persönlichen Kontakt zueinander und die „alten Werte“ gehen verloren.
    @Shan Dark
    Ja, genau das hatte ich auch im Hinterkopf 😉

  12. solitary_core 5. März 2013 zu 23:34 #

    ein Benzin Ersatz … wenn die Öl-Lobby da nich gegen wäre, wäre das vor einiger Zeit schon geschehen … aber solange man damit noch Geld machen kann presst man die Leute eben noch aus.

    Ich meine Steuern heissen ja auch so weil sie eben gewisse Vorgänge und Nachteile entgegenwirken sollten, heute sieht es aber danach aus das sie einzig und allein erhoben werden um das marode Konstrukt der Finanzwirtschaft am Laufen zu halten, in welcher Form auch immer, von daher seh ich deine Angst das die Weltwirtschaft mal wieder zusammenbricht durchaus berechtigt, wär ja nich das erste mal (wenns nich so traurig wär könnte man da drüber lachen ).

    falls es dazu kommt seh ich dann die Zukunft eher wie in Judge Dredd (auch wenn diese Vision nicht allzuernst nehmen ist, zumindest die Handlung ist an den Haaren herbeigezogen 😀 ), da leben die Menschen zusammengepferscht in Mega-Metropolen ,100 Millionen Menschen und mehr, oder eben Bladerunner bzw RoboCop mässig, soll heissen Regierungen werden abgeschaft, stattdessen übernehmen riesige Konzerne die Weltführung mit sämtlichen Negativ-Folgen für freie Bürger und dergleichen … William Gibson lässt grüssen

    erwarte also eher ne Cyberpunk-Welt statt eines Utopias in dem alle unsre Probleme wie von Zauberhand gelöst wurden, Wahrheit wird ein seltenes Gut und für die meisten sicher unerreichbar …

  13. Shan Dark 6. März 2013 zu 10:37 #

    @solitary_core: Bin ich ganz auf Deiner Schiene. Problemlösungen wird es zwar in technischer Hinsicht geben, aber eben von Konzernen, die uns dadurch immer stärker in der Hand haben werden und reicher und reicher werden. Es ist ja heute schon so, dass ein bisschen Grün in den Städten in Form von Parks oft von Firmen angelegt wird. Die Städte haben keine Kohle mehr – und dann heißt das eben „Commerzbank Park“ so wie es auch „O2 Arena“ heißt. Die Brille war ein Vorgriff bzw. ist eine Weiterentwicklung von Google Glass, die allerdings nicht so schnell kommen wird – zumindest nicht in der aktuellen Form akzeptiert wird. Siehe auch hier: http://netzwertig.com/2013/03/05/google-glass-eine-egoistische-technologie/

    Die Zukunft ist recht düster. Leider. Ich wäre auch gern optimistischer.

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