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Mein SCHRECKliches WGT 2017

Die Prophezeiung erfüllte sich. 2017 wurde für mich ein ganz anderes WGT – so wie ich es im Aufwärmartikel vorhergesagt hatte. Es hatte – im Gegensatz zum Jubiläums-WGT 2016 – wieder so richtig bewegende Highlights. Dabei war es gleichzeitig sehr entspannt. Vermutlich weil die Konzerte diesmal oft in ein und derselben Location stattfanden, so dass es weniger Stress mit dem Hin und Her(fahren) gab. Offenbar hat sich im Laufe der WGT-Jahre mein Musikgeschmack an die Locations anpasst. 😆 Entspannend war es aber auch, weil (m)ein frisch operierter Kniebesitzer uns alle angenehm in einen Slow Motion Modus versetzte. Dabei haben wir dieses Jahr nicht weniger, sondern eher mehr unternommen, aber immer mit Päuschen dazwischen. Ich fand es erfüllend, mich mit vielen Leuten länger in Einzelgesprächen zu unterhalten. War total gut mit Sabrina, Frank Furter, Vampiet, Jule, Marcus, Philipp Schaab (danke fürs Hallo-Sagen), Le Contre, Bibi, Günni, André & Katharina und unseren anderen Lieben, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann. Aber ihr wisst schon 😉
Und am Samstag haben wir es in einem persönlichen Rekord geschafft, um 13:15 Uhr (!!!) das Haus zu verlassen 😯 wohlgemerkt „voll im Style“! An diesem Nachmittag erhielten wir eine magische Packung „food for thought“ von Nikolas Schreck, die uns das ganze WGT innerlich begleiten sollte. SCHRECKlich gut!

Als lockeren Einstieg zuallererst ein paar heiter-beschwingte O-Töne aus unserer kleinen 3er WGT-WG.

WG-O-Töne

Traditionell beginnt unser WGT schon im Auto von Mainz nach Leipzig. Der Herr r@zorbla.de hatte dieses Jahr statt Wackelpudding-Cocktails selbstgeschüttelte Musik-Mixe dabei: einen Wumpscut-, einen Schwarz-Misch-Masch- und einen Frankfurt-Dorian-Gray-Classics-Mix (Flughafen-Musik, für die Eingeweihten), z.B. sowas hier:

Die endgültige Vernichtung der Lebensform mit der Bezeichnung ‚Mensch‘ beginnt jetzt. (aus „Kampfstern Galactica“)

In Leipzig angekommen begann erstmal die endgültige Vernichtung der noch vorhandenen Brötchen und Blechkuchen unserer Lieblings-Bäckerei Schultz. Wir kauften alles leer und schleppten unsere Beute in die Wohnung meiner Leipziger Freundin.

Zum Frühstück schauhören wir uns meist durch YouTube-Videos der kommenden Bands des Tages. In diesem Jahr spielten ja auch Amorphis auf dem WGT. Nix für uns, aber wir kamen auf die Stimme des Sängers zu sprechen. Der growled ja schon ordentlich, klingt aber im Vergleich zur Frontfrau Alissa von Arch Enemy wie ein Mädchen. Wir schauten uns dieses Video an:

Ich: Die Stimme ist doch geil! Und hübsch ist sie auch noch.

M.Synthetic: Aber stell dir vor, Du hast sowas im Bett. (verzieht das Gesicht)

r@zorbla.de: Oh nee, wenn die in Fahrt kommt … dann lieber so’n zartes Vocoder-Stimmchen! 😀 😀 😀

 

Und dann das Bad. Einfach begehrt.

Ich: Also ICH bin die Erste im Bad!

r@zorbla.de: Ich muss da aber auch noch rein.

M.Synthetic: Kann gar nicht sein, ich muss reiner.

 

Als Frau ist man ja bekanntlich multitaskingfähig. Ich zum Beispiel kann mich gleichzeitig anhübschen (=schminken) und Arbeitsaufträge verteilen.

Ich rufe aus dem Bad: Ihr könnt ja schon mal den Abwasch machen.

r@zorbla.de aus der Küche: Ja, ja, Du tust gruften, wir tun schuften. So läuft das hier.

🙂 Gut erkannt. Aber ich darf das als Planetenkönigin. 😛

 

WGT EBM-Warm Up & Terrordance Parties

Wir (und das Vampiet) im EBM-Warm-up-Modus 🙂 – lasset die Spiele beginnen!

 

Das Shirt des Anstoßes

Die endgültige Vernichtung der Lebensform mit der Bezeichnung ‚Mensch‘ begann am Donnerstag abend in der heißen Hölle des Felsenkellers. Aber Moooooment, ich muss ja viel weiter draußen anfangen. Dort trafen wir Ray, der gerade frisch aus dem Felsenkeller eskortiert worden war. Wegen seines T-Shirts von Throbbing Gristle’s Albumcover „Music from the Death Factory“. Ray war schon drin im Felsenkeller, als die Security ihn aufsuchte und mit Blick auf sein Shirt sagte, „wir haben das jetzt mal gegoogelt und solche Leute wollen wir hier nicht.“ Was für Leute? Solche, die Albumcover von Industrial-Kult-Bands auf einer elektronischen Musik-Veranstaltung tragen? Es zeigt das Krematorium des KZ Ausschwitz nicht zu dessen Verherrlichung, sondern „durch die Konfrontation mit dem kollektiv Verdrängten sollten gesellschaftliche ‚Verkrustungen’ gelöst werden.“ [1]. Da war wohl auch so einiges verkrustet bei diesen insuffizienten Security-Spezialisten. Das Cover hing sogar letztes Jahr in der Ausstellung „Leipzig in schwarz“, als Beispiel für die Provokationen der Industrial-Gründer Throbbing Gristle. Was haben die da überhaupt gegoogelt? Da pocht einem doch der Knorpel! Ray und seine Begleiterinnen waren entsetzt, wir auch. M.Synthetic knöpfte sich erstmal vorsichtig über seinem BOY-Shirt die Jacke zu. Ray’s Begleitung hatte noch etwas schwarzen Humor übrig und meinte, dass man am besten der Security offen sein Shirt beim Einlass zeigen und fragen sollte: „Möchtest Du das erstmal googeln, bevor Du mich reinlässt?“

Zum Glück lief bei uns und drinnen alles flüssig – vor allem der Schweiß, der langsam von den Säulen des Felsenkellers tropfte. Wir warteten auf den nächsten Aufguss und der kam auch ziemlich flott von HIGH FUNCTIONING FLESH (HFF) aus L.A. Das war gut treibend, musikalisch erinnert es an Cabaret Voltaire, die Vocals aber an frühe Nitzer Ebb und Portion Control. Sie machen ein gutes eigenes Ding daraus, sind aber noch ausbaufähig in punkto Abwechslung & Ausgefeiltheit in den Stücken. Tatsächlich war’s ein gutes elektronisches Warm-Up-Programm für mich.

Danach spielten SCHWEFELGELB, die mich positiv überrascht haben mit ihrem Minimal-Elektro. Fand ich gut hörbar, wenn auch die Live-Präsenz nicht sonderlich fesselte. So nutzte ich das Konzert, um alle Prozessphasen meines Flüssigkeitskreislaufes zwischen WC und Bar zu durchLAUFEN.

Endlich kam mein Highlight des Abends: A SPLIT SECOND. Wir hatten sie ja schon beim BIMFest im Dez 2016 bei konzertverträglicheren Temperaturen gesehen – zum Glück! Meine Konzertwahrnehmung war leider etwas getrübt von Schweiß, dem Handbetrieb meines Fächers, Tanzen, Weißweinschorle, Freundetrubel um mich herum. Aber es war definitiv das beste elektronische Saunakonzert des Abends.

Danach galt es, alle 4 Tanzflächen zu finden. Zu meiner Überraschung: es gab sie wirklich, inkl. Tinitus-Keller (Noise, Industrial). 😉 Das Terrordance-Team war breit aufgestellt an diesem Abend und legte gut auf. Unser Favorit DJ PuPPe hielt sich aber nach meinem Empfinden noch zurück für seine Verhältnisse. Zumindest bis um 4 Uhr, als wir gingen.

Hier ein toller Video-Zusammenschnitt mit Impressionen vom Felsenkeller:

Aber am nächsten Abend zum „Terrordance Skinny Puppy Special“ im Ilse’s Erika (unter der Kinobar Prager Frühling) ließ es PuPPe dann krachen! Er mixte wieder endgeil die wildesten elektronischen Stücke zusammen, man konnte einiges Neues entdecken und natürlich kam viel Skinny Puppy (wenn auch für manche noch immer nicht genug :)) Leider sind die Kellerräume im Ilse’s Erika nicht viel größer als ein Luftschutzbunker – bis man diese Winz-Tanzfläche geentert hatte, war das Stück schon wieder vorbei. Ich find ja nix schlimmer, als wenn geile Musik läuft und ich hab keinen Platz zum Tanzen. Da gibt es, liebes Terrordance-Team, nur drei Optionen fürs WGT 2018:

  1. ihr hired beim nächsten Mal einen schlechteren DJ (oh nein-nein, das ist keine Option!)
  2. ihr sprengt da unten noch drei Wände weg
  3. ihr sucht einen Club mit größerer Tanzfläche (nicht so einfach, ich weiß, vielleicht dieses Elipamanoke oder noch lieber das Westwerk?)

Aber sonst: super Party bis morgens 5:00 Uhr. Herrn r@zorbla.de musste ich wieder die Batterien rausnehmen.

Beste Konzerte WGT 2017

Empusae aus Belgien – Dark Ritual Ambient

Es gab 2017 keine Überschneidungen „meiner“ Bands – außer am Freitag von EMPUSAE mit Echo West. Leider! Aber meine Spione sagen, es war ein guter „Tanz den Untergang“ und der Dirk hat auch einfach eine Hammerstimme. Beim nächsten Mal wieder Echo West. 😉 Auch wenn Empusae mich musikalisch überzeugt haben, aber diese Nicht-Performance im Sitzen ist einfach nicht mein Ding. Sehr gut für Daheim, nix für live.

Nikolas Schreck

Am Freitag gleich ein langersehntes Konzert: Nikolas Schreck, der ehemalige Gründer und Sänger der Band Radio Werewolf (1984-92). Ich bin vor etwa 10 Jahren via Internetradio über Radio Werewolf’s geniales Stück „Buried Alive“ gestolpert und dann bei der Band hängengeblieben. 2015 war seine Frau Zeena Schreck bereits beim WGT mit einer „Tantric Ritual Performance“ aufgetreten > mehr lest ihr in meinem WGT 2015 Review. Jetzt also Nikolas Schreck. Ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, weder ihn noch Radio Werewolf-Songs jemals live on stage zu erleben. Wie eine Auferstehung war das! Ich DANKE den Musikkennern des WGT-Orga-Teams, dass sie ihn gebucht haben. Nikolas Schreck dachte nach dem Booking beim WGT, die Abkürzung würde für  „World Golfing Tournament“ stehen. 😆 Irgendwie mag ich Nikolas‘ Humor!

Gestik!

Nikolas Schreck, seit Ende der 1990er bekennender Buddhist, stand barfuß auf der Bühne in einem ich-weiß-nicht-wie-man-es-nennt buddhistischen (?) Gewand. Das war mal eine erfrischend andere Erscheinung. Ebenso wie das Konzert, was eine musikalisch sehr breite Palette abdeckte von alten Radio-Werewolf-Stücken (sehr goth!) über orientalisch beeinflusste und rituell atmosphärische Stücke bis hin zu einem für mich fast schon nach Harlem-Blues anmutenden Song, begleitet am ePiano. Dazu Nikolas‘ magische Gestik, es wurde einfach nicht langweilig ihm zuzusehen. Und ich denke, dass jede Geste, jeder pointed finger oder Handhaltung gewollt war. Zumindest meistens und es ist sehr ungewohnt und ehrlich gesagt auch etwas creepy, wie er auf diese Art das Publikum „anspricht“ und mit einbezieht. Fast schon in seinen Bann zieht. Mr. Schreck ist eine Erscheinung mit starker Ausstrahlung, dem man auch irgendwie gewachsen sein muss.

Einige Songs waren vom kommenden Album, an dem die Nikolas Schreck Band gerade arbeitet. Nikolas hat da drei sehr gute Musiker am Start, besonders beeindruckt war ich von Drummer & Percussionist Heathen Rae – wirklich sehr coole Performance!

Last but not least: Ich danke Nikolas für die Darbietung von „Buried Alive“ live – it made my day! Dieses alte Stück war so authentisch und mit gothisch-theatralischen Gestik vorgetragen, als wäre es damals gewesen. Einzig das Bühnenoutfit passt nicht mehr so recht dazu. 😉 Ich bin froh, dass keine abgewandelte, „modernisierte“ Version gespielt wurde, sondern alles genau so wie ich es kenne und liebe.

Es war ein SCHRECKlich gutes Konzert – es hat mich berührt und beglückt. Auf seine Art und vom Stil her unvergleichlich mit allem, was sonst noch auf dem WGT 2017 spielte und eines meiner Highlights dieses WGT.

Fix8:Sed8

Mikrofonständer Fix8:Sed8Am Sonntag sollte DER Konzerttag meines WGTs schlechthin werden. Gleich drei gute Bands standen auf dem Line-up. Es begann mit Fix8:Sed8 und es endete mit Skinny Puppy. So schloß sich ein Kreis, denn Martin Sane, der hier tätige musikalische Projektleiter, ist großer Skinny Puppy Fan schon seit Jahrzehnten. Darüber haben wir uns auch kennengelernt – noch zu Zeiten unserer ersten Elektronischen Nacht in Wiesbaden. 🙂 Jetzt hat er nach 8 Jahren ein frisches Album am Start „Foren6“ und passend dazu einen WGT-Auftritt im schicksten Schwimmbecken von Leipzig. Das mussten wir natürlich sehen!

Zunächst beeindruckte mich der Mikrofonständer, der aussah als hätte ihn Martin frisch aus Mexiko vom „Island of the Dolls“ importiert. Aber der war hübsch selbst horrifiziert – man muss sich nur was einfallen lassen! Der kam fett und passte auch prima zum neuen Albumcover. Dann ging’s so los:

Musikalisch ist Fix8:Sed8 schon immer mein Ding. Live hätte der Sound noch mehr Fülle haben können und war etwas dünn abgemischt. Aber von der Optik her war ich positiv überrascht. Ist ja immer schwierig, so als Ein-Mann-Projekt auf der Bühne gleichzeitig die Musik und Performance zu machen. Das war hier gut gelöst mit gleich drei Eyecatchern auf der Bühne: neben dem sich verpuppenden Mikrofonständer noch eine Schönheit an den elektronischen Anlagen und am Martin selbst ein stylisches Outfit mit Maske. Dieses Kapuzenteil fand ich klasse, muss ich mal nachnähen.

Fix8:Sed8 live im Stadtbad Leipzig, WGT 2017

Mit der Maske war nur das Problem, dass man dadurch den Gesang nicht so gut verstanden und eben auch gar nichts von Martin selbst gesehen hat (Lippenbewegungen). Besser wäre eine Halbgesichtsmaske (von mir aus mit herabhängenden Hautfetzen oder so ;)). Und noch was: wenn ich schon so einen geilen Mikrofonständer habe, einfach mal öfter benutzen und ruhig dran stehen bleiben – zu dem ein oder anderen Stück hätte das gut gepasst.

Pikes und Schlamm = bäh
Pikes und Gras = yeah!

Wir konnten leider nicht bis zum Ende beim Konzert bleiben, denn ich hatte ja ein Skinny Puppy Treffen angesetzt für 19 Uhr. Irgendwie war der Zeitpunkt so zwischen den Konzerten und das Heidnische Dorf als Treffenort etwas  ungünstig gewählt, denn es hatte am Sonntag ja heftig geschüttet und der Boden im HeiDo war eher so Wacken. Auch der Biergarten war nicht vorhanden (vermutlich wegen des Regens keine Bierzeltgarnituren wie sonst), vielleicht haben uns deshalb auch manche nicht gefunden. Ein paar waren aber doch da (Sabrina sogar in Pikes bei dem Matsch, das war echt tapfer und ich weiß das zu schätzen! ;)) – hab mich echt gefreut! Mit einem Teil des Treffen-Trupps fuhren wir dann wieder zurück zum Stadtbad, um 22 Uhr „die Cocks“/RevCo zu sehen.

Revolting Cocks

Als wir im Stadtbad ankamen wurde noch eifrig die Bühne gefüllt mit Instrumenten: Schlagzeug, Percussions, Keyboard … dann kam so langsam Paul Barker mit seinem Bass (Ministry von 1986-2003) und es ging los. Das war natürlich gleich ein ganz anderer Sounddruck im Becken vor der Bühne. Und da brodelte es – ich fühlte mich auf belgisches Oldschool Electro Party Niveau a la BIMfest versetzt. Es stand auch die halbe Electro-Liga und Prominenz aus Belgien um uns herum, u.a. der Sänger von à;GRUMH war da (nicht der Dicke, sondern der andere ;)). Und DJ PuPPe auch. Irgendwann kam Richard 23 (Front242) auf die Bühne und … beschwerte sich über das Licht. Irgendwas lag ihm noch quer und er mopperte mit den Technikern. Irgendwie war auch zu viel Volt im Spiel …

Kurzschluss beim 2. Stück – elegant intoniert mit einem lauten Bassausstöpselgeräusch, dann Ruhe. Alles dunkel auf der Bühne. Es roch verbrutzelt. Nur noch die Bühnenlichter brannten. Richard 23 ging pissed von der Bühne, der Rest auch. Wir bekamen Panik. Wenn das jetzt ne halbe Stunde dauert oder so, bis die das gefixed haben, erleben wir nicht mehr viel vom Konzert, weil wir früher an der AGRA sein wollten. Könnte ja sein, dass zu viele Skinny Puppy sehen wollen und wir nicht mehr in die Halle kommen. Aber man ging dem Defekt wohl mit der Nase nach und hatte den Kurzschluss in 5 min behoben. Respekt!

Nach einigen Songs wechselten die Sänger (RevCo hatte ja multiple Sänger über die Jahre) und Chris Connelly kam auf die Bühne (u.a. Ministry, Killing Joke, KMFDM etc.), endlich wurde es schräg und durchgeknallt! Beim nicht mehr wieder zu erkennenden Olivia Newton-John-Cover „Let’s get physical“ ↓ ging Chris akrobatisch bei min 2:17 auf die Knie, legte sich nach hinten um auf die Bühne, lachte irre und erhob sich dann wieder nur mit Bauchmuskelkraft – Chapeau, das mit 51! Ach, der Typ ist einfach geil und so herrlich verrückt. ♥

Noch 1 weiteres Stück und wir mussten leider los zur AGRA – Gruppenzwang-Psychodruck-Verlustängste trieben uns dazu. Dadurch verpassten wir den Rest eines der besten Konzerte dieses WGTs. Sch… also müssen wir unbedingt noch mal zu einem RevCo-Konzert. Am liebsten in Belgien. 🙂

Skinny Puppy

Also entweder war die AGRA zu groß für meine Lieblingsband oder es war zu spät oder Skinny Puppy kennt keiner mehr (die Gruftigern-Möchtekinder sowieso nicht). Die Halle war jedenfalls nur überschaubar gefüllt. Ziemlich pünktlich um 1:00 Uhr Mitternacht 😛 ging es los, unbemerkt war es um und hinter uns (7. Reihe) doch noch voll geworden. Auch wenn keine rechte Bewegung in die schwarze Masse kommen wollte. Vielleicht waren die Leute einfach zu gebannt von der Performance? Normal kenne ich Skinny Puppy mit Moshpit vor der Bühne und dass es abgeht. Aber egal, so ist es halt bei einem Festival – bei den meisten ist „no devotion“, sondern nur „mal gucken“.

Ich muss gar nicht viele Worte machen: es war geil! Wie nicht anders zu erwarten ein Highlight. Von der Performance lag mir diese „Down the Sociopath“ Tour 2017 etwas mehr als die letzte beim Amphi 2010. Nivek hatte wieder alles an, was der Outfitkoffer aus der Psychiatrie so hergab: Beißschutzmaske, Zwangsjackenanzug (frisch losgerissen ;)) Gummimantel und dann kamen die Spritzen für den Soziopathen, die ihm von einem seiner Dämonen, der ihn mit glühenden Augen verfolgte, reingejagt wurden. Zu so später Stunde kann auch Ogre ein bisschen Adrenalin in Flüssigform gebrauchen.

Skinny Puppy spielten bis auf eines fast nur alte Stücke von ihren alten Alben bis 1996, u.a. von der „Bites“ (Assimilate, The Choke), „Rabies“ (u.a. Fascist Jock Itch, Worlock, Tin Omen, Choralone) und sehr zu meiner Freude auch Candle von der „Process“ (+ Hardset Head).

Ein Wort zum viel gescholtenen AGRA-Sound: der wird von vorn nach hinten immer breiiger. Das heißt: vorn bei uns war er echt gut. Nach meinem Empfinden war nur das Schlagzeug etwas zu dominant, aber verschmerzbar.

Es war schon ein ordentlich-wüster Blast und ein blut- sowie schweißtreibendes Programm für Nivek. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie er so eine Hammer-Show über eine ganze Stunde durchzieht. Er wird ja auch älter. Vielleicht war auch Botox in den Spritzen. 😛 Wenn man das mal vergleicht mit dem, was andere Bands so bringen auf der Bühne sind Skinny Puppy immer noch auf ihre Art unerreicht.

Drab Majesty

Im Landratsamt am Montag dann ein schön entspannendes Konzert von der Jugend. Die sich auch optisch etwas einfallen lässt. Dazu traurige Soundteppiche, die an frühe The Cure erinnerten und eine kräftige, wirklich gute Stimme. Dieser Postpunk, laut Sänger Deb DeMure als „Tragic Wave“ bezeichnet und von außerweltlichen Kräften inspiriert, berührte mich auf eine ganz eigene Art.

Wir hätten es bei Drab Majesty belassen sollen. Aber wir fuhren zu CABARET VOLTAIRE. Obwohl wir ja schon nicht viel erwarteten, war ich doch entsetzt, wie Richard H. Kirk hier mit einem völlig uninspirierten Techno-Set, fürs Publikum nahezu unsichtbar sich hinter einem Musikturm versteckend, den Mythos der einstigen Industrial-Legende beleidigte. War leider nicht zum Aushalten! Wie gut waren da doch Wrangler (Steven Maillinder) gewesen beim WGT 2015!

Vortrag & Ausstellungen

Monopol Leipzig

Das Monopol Leipzig in der Haferkornstraße präsentierte unter dem passenden Namen „Black Whitsun“ erstmalig ein eigenes Event im Rahmen des Wave-Gotik-Treffens. Am Samstag fand hier die in meinem Aufwärmartikel angekündigte Lesung von Nikolas Schreck statt sowie diverse Ausstellungen in der Galerie Bipolar darüber und ein paar Marktstände mit handgefertigtem Schmuck sowie der Möglichkeit zum Fotoshooting vor C.D. Friedrichs „Friedhof im Schnee“. Dort war alles sehr entspannt, nicht überlaufen, irgendwie nette Atmo.

Vorn Plastik von Foxi Wunderkammer und der Wolf heißt „Mutter“ von Marie Lynn Speckert

 

Foxi Wunderkammer

Nachdem wir unseren ultimativen WGT-Rekord im Frühaufstehen um 11 Uhr mit anschließendem Frühstück und Blitz-Aufgruften in unglaublichen 2h 15min hingelegt hatten, für den wir uns leider selber loben mussten, stellten wir einen weiteren Rekord auf: wir waren die Ersten, die bei der Lesung vom Schemenkabinett „Aus dem Schattenreich der Natur“ nicht mehr reinkamen. Doof! Wir standen kurz unter Schock – sollte alles umsonst gewesen sein? Nein, war es nicht, denn bei Nikolas waren bestimmt noch drei Plätzchen frei. Und wir hatten Glück! Die Zahl der Anwesenden war überschaubar, auch „dank“ eines Druckfehlers im WGT-Programm, die Nikolas Schrecks Vortrag statt 14 Uhr um 16 Uhr angekündigt hatten.

Sonic Magic In Theory & Praxis
A Lecture on Music and Magic

Vielleicht doch noch ein paar Worte vorab zu Nikolas Schreck und zu seinem Background für diesen Vortrag. Mehr über ihn findet ihr in diesem sehr lesenswerten Portrait (in deutsch – hier erfahrt ihr auch, warum ihm ein Ohr fehlt). Nikolas war schon immer ein sehr spiritueller Mensch, der sich in den 80ern in heidnisch-satanischen Kreisen bewegte und während der „Satanic Panic“ mit seiner Frau Zeena Schreck – Tochter von Anton La Vey – die Freiheit des Glaubens und die Church of Satan gegen die damalige christlich induzierte Medienhetze in den USA verteidigte. Nachdem sie Jahre in den Tiefen des rituell-diabolischen Okkultismus verbracht hatten, stellten er und Zeena fest, dass es besseres gibt im Leben, als sich von destruktiven, negativen Mächten vereinnahmen zu lassen. Seit 2003 ist er nun praktizierender, tantrischer Buddhist. In dieser Strömung des Buddhismus ist Magie für ihn nicht zwangsläufig mit einem Ritual verbunden, sondern etwas tief bewusstes Alltägliches.

Magic is a very pragmatic and practical thing.

Seinen Vortrag begann Nikolas Schreck denn auch humorvoll pragmatisch mit den Worten „First sonic magic is: we will see if the microphone works.“ It worked. 🙂

Sonic Magic – „Akustische Magie“- was hatte es damit auf sich?

Zuallererst machte Nikolas mal klar, dass ein Sound/Klang nur ein Ausdruck der Stille ist. Jeder Sound ist sozusagen ein Beleg („Beweis“) für die Stille.

Sound only exists as a manifest in silence.

Daraufhin verordnete er uns gleich zu Beginn erstmal 3 Minuten Stille. Das ist doch recht lange. Und die Stille war auch nicht unbedingt „die Stille“, denn es flossen diverse Geräusche von außen herein bzw. nahm man sie bei Stille im Raum erst wahr. Genauso wie das Zoom-Einfahrgeräusch meiner Kamera, was einen höllischen Lärm macht, wenn es ringsum still ist. Nach diesen 3 Minuten, die jeder anders mit sich verbrachte, fragte Nikolas Schreck in die Runde, was man gefühlt hat oder was einem aufgefallen ist. Ich fand die Antwort eines Zuhörers sehr treffend: die Stille ist auch nur ein Geräusch (wie andere Geräusche).

Nikolas empfahl uns fürs WGT, dass wir öfter mal die Stille in den Songs, zwischen den Stücken und in verschiedenen Locations bewusst wahrnehmen sollen. Das wurde zum geflügelten Wort zwischen r@zorbla.de und mir, besonders bei krachigen Elektro-Sachen: „Du musst auf die Stille hören.“ Ist nicht einfach, aber an sich ein guter praktischer Tipp, der das Bewusstsein für Sounds, Töne, Klang schärft.

With every sound you pay attention to you change your conscience.

Language ist a system of music. It would be only sounds if you don’t understand the language. Then it is just like music to you.

Laut Nikolas praktiziert jeder Mensch täglich akustische Magie, in dem er kommuniziert (mit sich selbst oder anderen) oder musiziert. Aber nur die wenigstens sind sich dessen und ihrer damit verbundenen magischen Kräfte bewusst. Die Meisten von uns laufen wie Schlafwandler durch die Welt. Diese Ansicht teile ich vollkommen, was das Bewusstsein vieler Menschen in Bezug auf sich selbst angeht. They live, we sleep – sozusagen. Ach nee, das war ja was anderes, passt aber auch ein wenig.

Most artists in ritual or esoteric music are just like children playing house (dt.: die ‚Erwachsen sein‘ spielen), but they do not make magic happen, they only use magic as decoration.

Deutliche Worte, aber ich kann auch dem zustimmen. Viele Bands setzen sich eine „Maske“ im übertragenen Sinne auf, geben sich ein Image um zu gefallen oder weil es gerade in einer bestimmten Zielgruppe angesagt ist. Oder weil es „böse“ ist. Es kommt aber nicht aus ihrem Inneren, es ist nicht der Ausdruck ihrer Selbst. Dann würde es anders klingen, möglicherweise intensiver, unangepasst, dissonant. Es gab auch dazu eine coole praktische Sound-Übung mit zwei Leuten aus dem Publikum, die uns sehr mutig in ihr Inneres haben hineinhören lassen (fand ich super!).

Nikolas Schreck endete mit 3 Empfehlungen zum Entdecken unserer sonic magic:

  1. Wenn man an Gottheiten glaubt und mit ihnen zusammen arbeitet, also sich an ihnen orientiert, ihre Kraft spürt, ist man 3.000x effektiver, weil sie schon einen Zustand erreicht haben, den wir noch suchen. (das ist jetzt nicht so der Tipp für Atheisten wie mich 😉 aber ich kann es nachvollziehen)
  2. Drogen sind eher ein Hindernis als ein Werkzeug. Sie helfen zwar in bestimmte Sphären vorzudringen und somit den Bewusstseinszustand zu erweitern, bei ständiger/zu häufiger Nutzung führen sie allerdings eher zur Betäubung und Blockade des eigenen Schaffens. (meine Rede, F**k Drugs!)
  3. Man selbst sein, nicht die Magie von jemand anderem kopieren, sondern seine eigene Magie entdecken. (kopieren tu ich eh schon nicht, aber meine eigene Magie zu entdecken – daran arbeite ich noch.)

Über den letzten Punkt, für dessen Erklärung Nikolas Schreck das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club-Album von den Beatles als Beispiel nannte, auf dem sie Aleister Crowley dargestellt haben („Die Beatles und das Böse“) – kam er auf Satan zu sprechen. Er, und man könne ihm glauben, dass er sich lange und intensiv mit Satan beschäftigt habe (jawohl, zweifelsohne!), er bezeichnete Satan als einen „Anwalt Gottes“, als seinen Vertreter, der die Leute dazu bringen soll, an Gott zu glauben. Ich sage immer, dass Teufel und Gott Teil des selben Glaubens(systems) sind, man kann sie nicht voneinander trennen. Um an den Teufel zu glauben, muss man auch an Gott glauben.

Dem Teufel zu huldigen, um Christen oder anderen zu schaden, läuft daher irgendwie ins Leere. Es sei so als würde man für einen Liebeszauber Mars anbeten und nicht die Venus. Nikolas nächstes Beispiel war noch praktischer: Satanismus ist so, als würde man sich eine Pizza bestellen wollen und wahllos irgend jemanden aus dem Telefonbuch anrufen (der Mann macht nicht wirklich viel im Internet, glaube ich :)). Die Wahrscheinlichkeit, dass man eine Pizza geliefert bekommt, ist äußerst gering. Sorry, wrong number!

Ich würde sagen, da ist nichts mehr vom alten Okkultisten in Nikolas übrig geblieben. Ein wenig schade, weil das Düstere/Abgründige/Diabolische auch eine gewisse Faszination verströmt. Aaaaber interessant ist er nach wie vor, anders interessant. Ich denke aber, für diese neuen Themen braucht man eine gewisse Reife. Ich weiß nicht, ob ich das vor 5 Jahren schon so gut gefunden hätte wie jetzt. Wie hat es eine Freundin bezeichnet: die Session hat ihr Kraft gegeben. Das trifft es gut. Wir fühlten uns magisch beschwingt.

Im Anschluss daran gab Nikolas Schreck im oberen Stockwerk noch Autogramme (vorsorglich hatten wir ein paar RW-Tonträger mitgenommen zum Signieren) und ich nutzte die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch über Bruce Lee’s Philosophie (von der ich seit diesem Jahr sehr beeindruckt bin und die mir öfters mal bei Nikolas Schrecks Worten in den Sinn kam) … 😉 Ich hoffe sehr, er ist sowohl mit seiner Band als auch einem Vortrag bald wieder bei einem WGT dabei.

Ausschnitt eines Gemäldes von Lisa Schubert – Atelier Vinsterwân

 

Und sonst noch so …

Wir lernten sie schon beim WGT 2012 kennen: die Gisela. Ein kleines, weibliches Geschöpf im Glas – bestehend aus 2cl Wodka und 2cl Limejuice. Ist wohl so ein Leipziger Lokal-Schnappes, jedenfalls kenne ich es nur von Leipzig. Obwohl da gar nicht so viel drin ist, kann man viel falsch machen. In der Moritzbastei haben sie es mal wieder am besten drauf (jedenfalls besser als im Täubchenthal, dort besser keine Gisela trinken). Und dort trafen wir dieses Jahr zum 1. Mal auch Rumsela und Ginnifer. 😀 An Rumsela hat sich keiner recht rangetraut, aber Ginnifer probierten wir am letzten Abend in der Moritzbastei noch aus. Auch die hat ihre Qualitäten. 😉

The Driving Dead - Zombie Wohnmobil

The Driving Dead – auf der Heimfahrt gespottet!

 

So, ich hab euch jetzt hoffentlich noch mal ein bisschen in WGT Stimmung versetzt: Was waren eure Highlights dieses Jahr? Konzerte, Lesungen, Parties? Und wer hat die Rumsela probiert? 😀

 

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  1. [1] Patrick Kilian: Dialektik der Transgression. Ein Rückblick 35 Jahre nach Gründung von Throbbing Gristle

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5 Responses to Mein SCHRECKliches WGT 2017

  1. Vampiet 1. Juli 2017 zu 17:28 #

    Schrecklich schön, einen knappen Monat später nochmal zurück ins pfingstische Leipzig katapultiert zu werden! 😉

    Für mich war es überhaupt DAS highlight nach einigen Jahren Pause wieder auf dem WGT gewesen zu sein und insgesamt sehr anders, als die Besuche zuvor- weil ich Bock auf ein „anderes“ WGT hatte. Da kann ich mich diesmal sehr gut in deinem Bericht wiederfinden. Das Gehetze von einem Konzert zum anderen entfiel total, ich hatte in meiner Auswahl kaum/keine terminlichen Überschneidungen und ziemlich tiefenentspannt eingestellt.

    Im Nachhinein ist tatsächlich auch Nikolas Schreck in den diesjährigen Memoiren sehr lebhaft vorhanden- konnten meine Öhrchen das Gehörte erst gar nicht so konkret einordnen, wurde schnell die Qualität erkannt. Als er spielte, lungerte ich eher zufällig am Volkspalast herum und fand sehr zügig Gefallen daran. Um die Lesung ist es mir im Nachhinein aber tatsächlich etwas schade, sie verpasst zu haben.

    Aber apropos Volkspalast- da gab’s Freitag direkt einmal den vollen Ausschank, ich persönlich habe Der Blaue Reiter sehr genossen! Danach war schon mal alles gut und der Neofolkspalast war an dem Tag eh meine location der Wahl, inklusive wunderbarer und gut aufgelegter Neofolkparty in der Kantine. Da gab’s dann zum Tanzen noch das passende auf die Ohren und viiieeel Platz.

    Sehr erwähnenswert ist dann seitens meiner Berichterstattung noch In Slaughter Natives, die samstagmorgens (15:00) den Keller ganz gut zum Dröhnen brachten- herrlich! Sowas hatte mir bis dahin noch richtig gefehlt.

    Was aber die Herznote des diesjährigen WGT ausmacht, sind die Begegnungen mit vielen tollen, lieben Menschen. Angefangen bei zwei wunderbaren WGT-WG-Mitbewohnern, einer sehr aristokratischen Nachbarschaft um die Straßenecke, bis hin zu den vielen neuen Gesichtern, Brunch-Gesellschaften, Haltestellenplaudereien… Hach, das tat aber auch gut! Eine waschechte Fledermauskur fürs Herz war das für mich 😉

    Ich wollte einfach ein entspanntes WGT erleben und genau so habe ich es mir auch zurechtgetanzt- und geplaudert. Entspannt. Immer mit der passenden Gesellschaft zum Konzert, Fußmarsch, Absinth, Mokka oder Metbier.

    Vielen Dank für deinen tollen und ausführlichen Bericht. Ich finde es sehr angenehm, durch ihn mit zeitlichem Abstand nochmal sehr genüsslich ein WGT-Schaumbad zu nehmen und die ganzen feinen Erlebnisse Revue passieren zu lassen 🙂

  2. eztaKerawhcs 2. Juli 2017 zu 14:59 #

    Welch ein wundervoller Rückblick.

    Es war mein viertes WGT und wieder einmal konnte ich nur einen Bruchteil dessen, was wir uns vorgenommen hatten auch tatsächlich erleben.
    Aber dieses Mal habe ich ganz bewusst möglichst wenige Dinge in einen Tag und die Nacht zu planen versucht. Und es hat geholfen. Die Fokussierung auf ein paar Erlebnisse, die dann wiederum voll und ganz genossen werden konnten, machten die wilden Tage viel entspannter aber nicht weniger aufregend.

    Nichtsdestotrotz möchte ich natürlich alles wissen, was sonst noch so los war in Leipzig und was meine lieben Bekannten so alles erlebt haben. Und da kommt dein Bericht genau richtig.
    Dank deiner ausführlichen Beschreibung konnte ich eure Eindrücke, die ich zum Beispiel von Nikolas Schreck oder Fix8:Sed8 verpasst habe, etwas nachempfinden.

    Wenn dann noch in ein paar Wochen das Pfingsgeflüster erscheint, gibt es wieder ein paar Facetten mehr, die mir beim Zusammenpuzzeln der Erinnerungen helfen.

    Aber nun zu deiner Frage nach meinen Highlights.
    Jedes Mal, wenn ich während des WGTs nach den bisherigen Highlights gefragt werde, habe ich Mühe das Erlebte in eine Reihenfolge oder gar Bewertung zu bekommen. Aber mit ein bisschen Abstand und Hilfe durch meine Spielplan-Markierungen weiß ich nun, dass mir die Konzerte von A Split Second, Devilment und Holygram am meisten gefallen haben.

    Und endlich haben wir es auch zur hochgelobten Gothic Pogo Party geschafft!
    Die Halle mitsamt ihrem Vorbereich hat mich sehr stark an unseren Haverkamp in Münster erinnert, wo ich schon so einige Nächte im Tryptichon oder in der Sputnikhalle durchgetanzt hatte. Also fast wie zu Hause! 🙂
    Jetzt wo die GPP vorbei ist, kann ich mich direkt wieder auf das Minicave Festival freuen.

    Wie auch schon Vampiet schrieb, waren aber das wichtigste in diesem Jahr die Menschenwesen, die man endlich wiedergesehen oder neu getroffen hat.
    So war es ein wirklich fantastisch abenteuerlicher Tag mit euch zwischen Treibsand-Matsch, Meerjungfrauen-Waschräumen mit Kronleuchtern und einem ausgezeichneten Konzert nach dem Anderen.
    Oder auch die langen Gespräche bei der GPP und auch in der Moritzbastei, wo sich nach dem Unwetter-geplagten Spontis Treffen ein paar Seelen zusammengefunden hatten.

    So wehmütig ich mich auch liebend gerne in Erinnerungen treiben lasse, plane ich bereits das nächste Festival und versuche, aus dem Amphi Festival mitsamt der Art Of Dark Days viel aus dieser schönen Stadt fürs gruftige Seelchen herauszuholen.

    Und die Vorfreude auf die nächste Elektronische Nacht baut sich natürlich auch so langsam auf. Ich freue mich auf unser nächstes Wiedersehen!

  3. Schwarzer Nieswurz 3. Juli 2017 zu 12:48 #

    Hallo eztaKerawhcs !

    Von den Art Of Dark Days hatte ich noch nie was gehört, aber mein Interesse (und das vom Hexlein) ist geweckt. Kennst Du das und kannst Auskunft geben ob dieser Club namens Cage überhaupt eine richtige Tanzfläche hat ? Das war über das net bzw. fb nicht klar ersichtlich. Sieht eher eng aus und … naja.

    Frohe Düstergrüße aus Marburg vom Schwarzen Nieswurz

  4. eztaKezrawhcs 4. Juli 2017 zu 08:09 #

    Hallo Schwarzer Nieswurz,
    Das kleine Festival vom Art Of Dark ist mir dieses Jahr auch das erste Mal aufgefallen. Eine Bekannte hatte es auf FB markiert. Leider war ich bisher weder in dem Geschäft noch in dem Club, daher habe ich keine Erfahrungswerte.
    Im Netz gibt es von dem Club sogar ein Werbevideo von einem Privatsender, dort sah es wirklich etwas klein aus da es auch im Keller gelegen ist.
    Ich mag so kleine (vielleicht etwas runtergekommene) Clubs aber und ich erhoffe mir mit dem Freitag dort eine nette Aufwärm-Veranstaltung bevor das Amphi losgeht.
    Und da es schon mein sechstes Amphi ist, freue ich mich auch dass mal etwas Andersartiges dabei ist, das entdeckt werden will.
    Ich würde mich freuen, dich und das Hexilein dort zu treffen. Oder spätestens dann irgendwo am Tanzbrunnen.
    Liebe Grüße,
    Sabrina

  5. Schwarzer Nieswurz 22. Juli 2017 zu 17:17 #

    „Das leise Knirschen das Sandes auf dem alten Gehweg entdeckte ich als ein Geräusch der Stille und der Besinnung. Ein Geräusch, das, wie das Klingen eines einzelnen Tropfens, erst die Stille malt.“

    So ähnlich schrieb ich das mal auf, und nun erscheint es mir genau dem zu gleichen was der Nikolas Schreck meinte (“ … dass ein Sound/Klang nur ein Ausdruck der Stille ist. „)

    Wenn ich aber darüber nachdenke (statt das nur ahnungsvoll ’nachzufühlen‘) komme ich zu einer genaueren Aussage.
    Vor allem ist die Stille nicht auch nur ein Geräusch. Sie ist auch nicht nur die Abwesenheit von Geräuschen.
    Die Stille ist der HINTERGRUND.
    Phänomene an denen wir eine Grenze erkennen (z.B. Anfang und Ende eines Geräusches) sind FIGUR.
    Die Figur steht vor dem Hintergrund, wird auf ihm abgebildet. Die Stille ist medial (unbegrenzt, unwahrnehmbar); der Klang ist figural und daher – im Gegensatz zur Stille – beschreibbar.
    Erst wenn wir etwas sehr Leises plötzlich deutlich hören bemerken wir die Stille.

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