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Ohne

Mein kurzes Leben ohne Internet

Ich dachte immer, nichts ist heute mehr OHNE – außer stilles Mineralwasser vielleicht. Aber ich muss mich revidieren. Denn tatsächlich ist sehr viel OHNE, vor allem die Verheißungen auf Lebensmittelverpackungen im Super- oder Biomarkt: „Ohne Konservierungsstoffe, ohne Zusatz von X, ohne Fett, ohne Zucker…“ Nur ohne Verpackung ist so gut wie nichts. 🙁 Die Frage nach OHNE oder MIT scheint produktspezifisch zu sein. Denn im Elektronikmarkt dominiert wiederum das MIT: „mit ultraschnellen Prozessoren, mit neuen Erfahrungswelten, mit Annäherungssensor, mit DLNA und BD Wise…“

OHNE oder MIT kann aber auch auf einer persönlichen Ebene entscheidend sein. Während die einen alles MITnehmen was an neuer Technik und Konsumgütern so geht, üben sich andere bewusst in technologischer oder medialer Askese. Ich habe in meinem Freundeskreis sowohl Geeks als auch Retromanen, die weder Fernseher noch Computer besitzen. Ich befinde mich dazwischen – in der Grauzone.

In den Rauhnächten und im Januar 2015 habe ich viel darüber nachgedacht, wie ich mehr Zeit gewinnen könnte und was meine „Zeitfresser“ sind. „Zeitfresser“ ist ja auch so ein Wort aus der heutigen Selbstoptimiererwelt, aber es hilft alles nichts: sich selbst kann man nun mal am besten optimieren – aus eigener Kraft. Sich dabei zuvor ein paar Fragen zu stellen ist wichtig, denn sie leiten den Erkenntnisprozess ein. Auch den meinen. Resultate dieses Denkprozesses waren: ich habe zu viele soziale Ereignisse, zu viel Internet, zu viel Kommunikation auf allen Kanälen (Email, Messenger & soziale Netzwerke, im Blog, per SMS und Brief). Nun ist gegen Internet und mein kommunikatives Wesen nichts einzuwenden und auch kein Kraut gewachsen, aber in Summe nahm es in den letzten Monaten überhand und ging zu Lasten der anderen Dinge, die mir wichtig sind, mit an vorderster Stelle auch dieser Blog.

ich-notiere-esEs begann schon früh morgens nach einer schlaf-getrackten Nacht mit der Sleep Cycle App. Diese weckte mich meist eine halbe Stunde vor Aufstehtime, dafür aber nicht im Tiefschlaf. Meist checkte ich noch benommen im Bett liegend meine Emails oder Facebook-Nachrichten. Könnte ja sein, dass irgendwer mir in den vergangenen 5 Nachtstunden was geschrieben oder bei FB kommentiert hat. Beknackt! Die meisten von euch haben in der Zeit genauso geschlafen wie ich auch. Später am Tag checkte ich regelmäßig alle paar Stunden Emails auf dem Smartphone und  beantwortete parallel mit dem anderen Teil der winzigen Tastatur irgendeine Nachricht via Facebook oder ich twitterte etwas. So richtig wurde ich damit niemandem gerecht zu keiner Tageszeit – zumindest wenn ich meine hohen Ansprüche ansetze.

Im Hinterkopf schlummerten auf dem Polster des schlechten Gewissens unbeantwortete Mails, für die ich mir länger würde Zeit zum Antworten nehmen wollen. Dazu kam es aber nicht mehr, weil das alltägliche mediale und kommunikative Rauschen diesen Fokus nicht erlaubte (dickes Sorry dafür nach Berlin und Linz/AT). Dann ganz oft die Entscheidung: heute mal Facebook und Emails und das planetarische Kontaktformular völlig ignorieren und lieber am Blogartikel weiter werkeln? Oder kommunizieren mit allen, die sich gemeldet hatten? Und dann gab es Tage, da wollte ich einfach nichts von mir geben – weder im Blog noch irgendwem per privater Nachricht. Wollte mich nicht über so einige Posts in der Facebook-Timeline aufregen. Einfach meine Ruhe haben! Diese Tage wurden Anfang Februar immer häufiger, bis ich mir dachte: mach einfach mal die Online-Lichter aus! Error 405 – hier endet das Internet.

Erinnert Ihr Euch noch an dieses Bild aus den Links zum Abbiegen vom letzten September?

Ich habe mich getraut – allerdings nicht für einen ganzen Monat, sondern nur für eine Woche. Nicht für eine Million Dollar, auch nicht für $ 250.000, sondern nur für mich. Für eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich find das krass, wie eng unser (mein?) Alltag mit dem Internet verknüpft ist, so dass der Verzicht darauf schon eine Erfahrung ist! Allein durch dieses Bewusstwerden setzte bei mir ein weiterer Erkenntnisprozess ein, von dem ich im Folgenden berichten will.

Das sind zwar eher sehr persönliche Betrachtungen, aber vielleicht kitzeln sie bei euch auch ein Nachdenken, ein Hinterfragen der eigenen Gewohnheiten oder sogar euren eigenen Selbstversuch heraus!?

Soviel sei vorab gesagt: man überlebt es! Es schadet nicht und bringt euch viel. Die Menschen mögen euch trotzdem noch, auch hinterher. Hier wie überall sonst im Leben gilt der weise Spruch: „Willst du gelten, mach dich selten!“

7 Tage Wi-Frei

Meinen engsten Freundeskreis informierte ich vorab, dass ich in jener Woche nur per SMS oder telefonisch erreichbar bin. War für keinen ein Problem. Nur die zwei Männers unter meinen engsten Freunden – beide auch im Job sehr netzgebunden – fragten unabhängig voneinander dasselbe: „Und was machst Du mit dem Job?“ – wohlgemerkt, ich arbeite im Online Marketing – „Da ändert sich nichts, kann ja ohne Internet nicht arbeiten.“ – „Haha, Schmu! Du wirst das alles auf Arbeit nachholen!“ Aber warum? Ich betrüge mich doch nicht selbst, zumindest nicht bei selbstgewählten Experimenten. Im Büro und zu beruflichen Zwecken surfte ich nur dort, wo ich es für meine Arbeit wirklich brauchte. Nix zwischendurch. Es war eine äußerst produktive Woche. 😉

Eine Woche LEBEN OHNE INTERNET hieß also im Klartext: keine Apps, keine Emails, kein Facebook, Twitter, Google+, kein Messenger, keine Push-Nachrichten, kein Blog, kein mobiler Empfang oder GPS am Smartphone. Dafür alles was geht ohne dieses Internet. Die Welt da draußen beispielsweise. Bücher. Zeitschriften. Filme von DVD. Musik von CD oder Platte. Nähmaschine mit Stromkabel.

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Auf die Therapeuten-Frage „Wie geht es Dir damit?“, die hier korrekterweise „Wie geht es Dir OHNE?“ lauten müsste, hätte ich schon nach dem ersten (Mon)Tag stolz ein „Gefällt mir“ vergeben. Aber ging ja nicht. Vergab ich es halt in Gedanken. Dort formte ich in den ersten 3 Offline-Tagen auch ungewollt Twitter-Nachrichten zusammen. Bei einem tweet-würdigen Ereignis oder einer schrägen Situation dachte ich mir einen Tweet aus, den ich dazu normal abgesetzt hätte. Krass, wie stark das schon in mir drin war! Also Twitter vermisste ich anfangs schon, dafür sehnte ich mich überhaupt kein bisschen nach Facebook und den Ergüssen meiner >400 Freunde dort. Sorry, aber so war es! Es streifte mich nichts, was mich wundern, aufregen oder befremden müsste.

Stattdessen besuchte mich eine seltene Spezies: Postkarten! Das Schöne am Analogen ist, dass es Zeit mitbringt. Das Digitale wirkt immer etwas hektisch. Es plobbt unvermittelt und rasend schnell in unserem Leben auf und schreit nach Aufmerksamkeit. Digital dominieren Schnelligkeit und Ungeduld unser Leben und das nehmen wir schon gar nicht mehr wahr. Es ist normal geworden. Aber bei Postkarten erwartet keiner, dass man sofort ‚instant‘ antwortet, kommentiert, liked. Man kann sich in Ruhe freuen, die Zeit, die der andere ‚geopfert‘ hat genießen und sich das Bild auf der Postkarte ansehen, das die jenige Person aus einem bestimmten Grund nur mit einem persönlich teilt. Nicht mit zig anderen der Timeline.

Aber auch das ist Fortschritt: langsam war gestern, Langsamkeit IST das Gestern. Beim genauen Hinschauen war jede Epoche schneller als ihre vorherige. Nur bei uns potenziert sich das derartig, dass wir menschlich und körperlich nicht mehr mithalten können. Wir hetzen der Technik hinterher. So ist jedenfalls meine Wahrnehmung.

Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt, aber innerlich sind wir stehengeblieben.
Wir lassen Maschinen für uns arbeiten, und sie denken auch für uns.
Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen und unser Wissen kalt und hart.
Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig.
Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen.

(aus der Abschlussrede Charlie Chaplins in seinem Film “Der große Diktator”)

online-telekomDer Online-Sog, in dem wir stecken tut einem irgendwie schon gut, das gebe ich zu. Er gibt uns das Gefühl mittendrin zu sein, geliebt und up-to-date über alles, was man wissen und auch nicht wissen will. Nur im RL (Real Life) sind manche dann nicht mehr, nicht mehr richtig und bei Sinnen. Ich sehe Mütter auf YouNow ihr Baby im Arm schaukeln und gleichzeitig mit zig völlig unbekannten Leuten im Chat kommunizieren (voll crossmedia!) oder welche die ins Handy statt in den Kinderwagen kriechen, den sie vor sich herschieben und dabei fast vor ein Auto laufen. Ich sitze in der S-Bahn und kann diejenigen ohne Smartphone vorm Gesicht an einer Hand abzählen. Die Offliner lesen meist ein Buch oder eine Tageszeitung (Hö, die Nachrichten von gestern, denkt da mein Online-Ich!). Den Anblick wird es bald nicht mehr geben.

Darum rate ich euch (und nicht nur Soziologie-Studenten!): legt mal das Handy in der Straßen- oder U-Bahn weg und schaut euch um. Entdeckt die aussterbende Spezies. Wenn es irgendwann komfortablere Geräte als das Smartphone gibt wird keiner mehr ohne multimediale Bestrahlung unterwegs sein. Wer doch, wird zum Außenseiter. Vielleicht eine neue Subkultur?

Erkenntnisse im Off

Was hat es mir gebracht? Vor allem RUHE. Kaum Kommunikation, weniger Stress. Ein neues Bewusstsein für meine Internetnutzung. Dankbarkeit dafür, dass es das Internet gibt, ich aber im Apokalypsefall auch ohne könnte. Es erleichtert uns sooo unendlich viel, macht uns dadurch aber andererseits bereitwillig zu seinen süchtigen Sklaven. Fazit nach meiner Woche OFFLINE: Auf Internet möchte ich nicht verzichten, auf Social Media könnte ich schon, werde es daher etwas begrenzen.

Mir ist bewusst geworden, was für einen immensen Anteil das Netz in meinem Leben doch hat und wie viel bequemer es ihn gestaltet. Im Marketing ist das Adjektiv „bequem“ schnell dahinpromoted. Aber viele Apps und Webservices machen uns tatsächlich das Leben bequemer und leichter. Es ist für uns (zu) selbstverständlich.

Mein Leben ohne Internet sah in dieser OFFLINE-Woche nämlich so aus:

  • gelbe-Seiten-regional

    Damit ist man im Vorteil, wenn mal das Internet ausfällt – nach der Zombie-Apokalypse.

    statt leo.org habe ich um englische Begriffe nachzuschlagen wieder mein fettes Oxford Dictionary aus der Schublade geholt

  • Zugfahren ohne die DB-Bahn-App bedeutet genau auf die Bahnansagen zu achten oder darauf zu hoffen, dass welche gemacht werden. Es bedeutet auch pünktlich zu sein (!) und dann auf dem Bahnsteig zu stehen und Zugverspätungen in der Kälte zu abzu“warten“ (ohne Handy-Zeitvertreib).
  • Dinge, die ich nicht kenne oder etwas, dass ich nicht weiß, konnte ich nicht nachschlagen. Kein Google. Kein „Ask Siri“. Kein Lexikon mehr im Regal. Wer von Euch hat noch eins? Und auch da steht nicht alles drin, gerade Erfahrungen und Infos, die man nur in Foren bekommt, können sehr wertvoll und nicht nur kosten- sondern manchmal auch lebensrettend sein.
  • eine Postleitzahl herauszufinden war offline unmöglich! Es gibt keine PLZ-Bücher mehr…
  • subkulturelle Veranstaltungen und Dark Parties erfährt man nur noch über Mundpropaganda.
  • gekocht wird nicht mit Chefkoch.de, sondern mit Kochbüchern oder eigenen Notizen. Aber ausgerechnet in dieser Woche wollte ich Dinge kochen, die ich mir in der Chefkoch-App auf Merkliste gesetzt hatte. Menno!
  • online gezielt etwas Spezielles bestellen fällt aus. Ein Fachhändler vor Ort musste her… und da kommen wir gleich zum letzten Punkt:
  • Fachhändler, Spezialgeschäfte oder Telefonnummern und Adressen finden? Gut, dass gerade die Gelben Seiten in der Offline-Variante bei uns zur Selbstbedienung vors Haus gestellt wurden. Ich nahm ein Exemplar mit, aber ohne diesen Zufall… Gibt es eigentlich noch die Telefonauskunft?

Keine Langeweile

Leider hatte ich trotzdem nicht mehr Zeit und habe auch nicht all-meine-sonst-liegengebliebenen-Dinge erledigt. In der einen Woche ohne Internet wollte ich z.B. meinen Näh-Berg abtragen oder Photos von meiner Geburtstagsparty einkleben. Nichts dergleichen habe ich geschafft, nichts! Dafür war die Woche wohl zu kurz.

Was ich in der Offline-Woche wirklich gemacht habe: mich mehr um mich selbst gekümmert. Ich ging jeweils ca. 1 Stunde früher zu Bett, nämlich dann, wenn ich müde und kaputt war. Ich spürte meine Grenzen, hörte auf meinen Körper. Seitdem grassiert hier der Schlaf. Offensichtlich ist das sonst die eine Stunde (oder länger!), die ich am Rechner sitze und blogge, recherchiere oder mich beschwingt, manchmal auch beschwipst durch die Blogosphäre treiben lasse. Social Media & Web statt Träume!

Ich im Offline-Urlaub: entspannt und ungeschminkt.

Ich im Offline-Urlaub: entspannt und ungeschminkt.

 

Web-Reset

Vor der Rückkehr in die Online-Welt hatte ich Respekt, sogar ein bisschen Angst. Ich wollte erst nicht! Es war so schön, ohne elektronische Einflüsse, ohne kommunikativen Druck. Was würde mich in Facebook erwarten und erst wie viele E-Mails?

Exakt erhielt ich in dieser Woche:

  • 71 Facebook Benachrichtigungen
  • 5 Messenger Nachrichten
  • 150 Emails

Bei Facebook war nix Relevantes dabei, was ich wirklich verpasst hätte! Aber meinen E-Mail Posteingang habe ich nach den 150 privaten Nachrichten erstmal radikalinski „gesäubert“ und ca. 25 Newsletter abbestellt. Leider herrscht trotzdem noch keine Grabesstille im Postfach. Das ist ein doppeltes Phänomen. Zum einen abonniere ich NIE NIE NIE beim Kauf in einem Online Shop die „Produktinformationen per E-Mail“ und trotzdem bekomme ich nach einer Weile von genau diesen Shops einen Newsletter zugeschickt…? Zum anderen ist auch nach dem Abmelden vom Newsletter nicht unbedingt Ruhe. Ich kriege trotzdem noch Newsletter z.B. von Dawanda, obwohl ich hundertpro weiß mich da abgemeldet zu haben. Diese und andere gewitzte Webseiten teilen ihre Newsletter in verschiedene Abo-Themengebiete auf und wenn man sich vermeintlich abmeldet von dem einen (z.B. „Neues von Deinen Merklisten“) bekommt man den „allgemeinen Dawanda-Newsletter“ trotzdem noch. Da darf man sich dann erneut abmelden. Rrrrrr…!

Meine Präsenz in Social Media habe ich seither etwas zurückgeschraubt. Ist das jemandem aufgefallen? Wahrscheinlich nicht. Ich bin dort nur noch ca. 3x die Woche und es langt vollkommen. Ich muss nicht alles teilen und auch nicht alles wissen. Ich hab euch trotzdem lieb! Und diejenigen, welche ich am liebsten hab, sehe ich eh live und in Farbe, mit denen muss ich mich erst gar nicht über Social Media verabreden. Das läuft über Telefon und SMS. Social Media ist gut – keine Frage! Aber man sollte es bewusst nutzen. Wer zu viel preisgibt, wird uninteressant und verpasst die schönen Momente im echten Leben. Die, welche man nicht mit Selfies festhalten kann, die zu schnell und zu intensiv sind, als dass ein Foto eine Aussage dazu machen könnte.

Lesenswert –> We found love in a hopeless screen

Was denkt ihr, worauf ihr ohne Internet leicht verzichten könntet und worauf am schwersten? Oder wart ihr auch schon mal länger bewusst und mit Absicht offline? Es würde mich sehr interessieren.

 

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15 Responses to Ohne

  1. Heidi Schmitt 15. März 2015 zu 12:44 #

    Ein sehr schöner Artikel, der sich allein schon für das tolle „Urlaubsfoto“ anzusehen lohnt. Ich kann mir auch vorstellen, eine Social Media Pause einzulegen, eine Internet-Pause geht für mich im Urlaub in der Natur – im Alltag am Rechner würde ich nicht mehr darauf verzichten wollen, auch nicht temporär.

    Beispiel: Als Frauchen eines kranken Hundes ist das Internet mein Glück – für die richtigen Infos und um Hilfsmittel und Futter schnell zu ordern. (Davon abgesehen, dass ich den Hund selbst über das Internet gefunden habe) Ohne das Internet wüsste ich so vieles nicht und ich weiß, dass diese Fülle an Informationen und persönlichen Erfahrungen in keinem Buch zu finden ist. Natürlich muss man sorgfältig filtern, was viel Zeit kostet. Aber während man auch aus Kochbüchern Schönes kochen kann, gibt es kein Buch, was die Meinungsvielfalt und den Erfahrungsschatz im Netz in Sachen Tierhaltung, Heimwerken, Technik etc. widerspiegeln könnte. Wo ist das Buch, was mir sagt, wie ich meinen Spülkasten auseinandernehme um den Zulauf zu reparieren und eine Verkalkung zu entfernen? Wo wären all die wunderbaren Tutorials zu ALLEN Themen? Wo könnte man schnell Gebrauchsanleitungen zu alten Geräten herunter laden, wo verpasste Sendungen ansehen, alte Freunde wieder finden? Es ist ein großes Glück, dass wir das haben.

  2. Aristides Steele 15. März 2015 zu 20:05 #

    Schöner und interessanter Artikel. Für mich ist das Internet seit jeher ein zweischneidiges Schwert, ich bin selbst viel online und auf nicht grad wenigen Plattformen unterwegs, liegt aber auch daran daß das die günstigste Methode ist, mit dem eigenen, langsam etwas betriebsamer werdenden Geschäft für Werbung zu sorgen – wobei das unter so vielen Seiten die reine Selbstdarstellung aus Ego-Gründen sind, auch alles andere als einfach ist, wirklich gesehen zu werden – aber das ist ein Thema für sich welches sicher auch Seiten füllen könnte.

    Was für mich der wichtigste Aspekt am Netz ist, das ist in der Tat die Funktion als gigantischer Wissens-Speicher, wo ich früher, vor Zeiten des Internets, meine Freitagnachmittage in der Bücherei verbracht habe um mir da in gedruckter Form die Nachschlagewerke zu den Dingen die ich wissen wollte, geholt habe, ist jetzt vieles bequem im Netz zu finden, man braucht nur etwas gesunde Skepsis um nicht gleich jeden Mist zu glauben den jemand im Netz abgelassen hat.
    Die Fähigkeit scheint auch mehr und mehr Leuten abzugehen, und das ist wieder die Kehrseite. Genauso wie gefühlt der Großteil der Leute nicht imstande zu sein scheint, dieses gewaltige Nachschlagewerk, zu dem sie mit ihren Smartfönern jederzeit bequem Zugang hätten, dann auch so zu nutzen. Ständig mobil online, aber nicht imstande eine Antwort auf eine einfache Alltagsfrage zu finden.

    „Mobil online“ ist dann eh so etwas was ich nicht völlig verstehe, ich habe seit einem halben Jahr erst selbst ein Smartphone, vorher reichte ein billiges Teil mit Prepaid-Karte das eben nur Telefonieren und SMS drauf hatte – da ich eh ungern telefoniere, war das Guthaben meistens unangetastet bis ich angehalten wurde, aufzuladen.
    Mobil online brauch ich nicht, wenn ich weg bin, bin ich weg. Letztes Jahr bin ich im Vorfeld des WGTs schon nichtmal mehr nach einer Telefonnummer gefragt worden, sondern gleich nach Whatsapp.
    Mit dem Ding kann ich heute aber immernoch nicht dienen, das Telefon das ich aktuell nutze ist auch schon 4 Jahre alt und die ganzen neueren Apps tuns da drauf schon nicht mehr, ist mir aber wurscht. Ich hab immernoch meine Prepaid-Karte drinstecken und das mobile Netz nur einmal in freier WIldbahn verwendet. Als ich bei einem ausgemachten Shooting vorm dunklen Studio ankam, aber keine Anrufe oder gar SMSsen bei mir eingingen – der Rest hatte sich dann mal via Facebook geeinigt die Sache zu verschieben. Ich hab also nichts mitbekommen, wäre mir die Frage nach Whatsapp nicht in den Sinn gekommen, hätte ich garnicht auf anderen Kanälen geschaut, ans Telefon, so ganz altmodisch, ging dann nämlich erstmal auch keiner.
    Trotzdem nutze ich das Telefon zuhause auch im Internet, via WLAN, nachts wenn ich nicht schlafen kann, schaue kurz auf Facebook, soweit ich da mit der uralten App was sehen kann, schreib meinem Freund schnell eine Zeile, und dann mach ich das was ich sonst mit einem Buch tun würde – lese im Netz Sachen nach die mich interesssieren. Letztens hab ich einige Stunden zugebracht, mich über Vergaser und Einspritzer an Verbrennungsmotoren zu informieren. Würde manch anderer wohl komisch finden – mir wurscht, ich finde es komischer wenn man sich alle 5 Minuten gezwungen fühlt, nach Nachrichten zu schauen, sehen ob ein Beitrag auf FB neue Likes bekommen hat und solchen Blödsinn. Denn – wenn ich unterwegs bin, bin ich unterwegs, ich weiß garnicht wie manche Leute das schaffen, dem Mist unterwegs wirklich so viel Aufmerksamkeit zu schenken …
    Und was ich auch sehe – daß Leute nicht warten können. Weil wenn ich unterwegs bin, sind mir Nachrichten erstmal egal, kommt dann aber wirklich vor daß manche Leute (seh ich auch bei Kunden die mich via FB anschreiben) daß nach kürzester Zeit, teilweise, in der man nicht geantwortet hat, gleich eine Nachricht zum Nachhaken eintrudelt, oder minimalistisch – einfach ein simples Fragezeichen um die Ungeduld zu untermauern.
    Wenn man sich dann erklärt daß man unterwegs war und da nunmal kein mobiles Netz anrühren mag, dann wird man fast schon wieder komisch beäugt. Ich könnte mich da aber auch niemals drauf konzentrieren, auf Kundenanfragen eh nicht, und triviale Nachrichten haben aus Prinzip zu warten.

    Ich wäre auch weiterhin ohne das Smartphone gut ausgekommen – das gute Stück das ich jetzt habe ist ein hervorragendes Navi das dazu nicht ins Netz gehen muss, da hab ich quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Auch wenn ich von einer extrem smartphone-philen bekannten schon Rüffel kassiert hab daß ich mir so ein olles teil geholt hab auf dem ja nix gescheites an Apps laufen kann *g*

    Also mein Fazit: Ohne Internet könnte ich nicht, nein, auch weil ich Freunde und bekannte habe die quer über Deutschland und noch weiter weg verstreut sind, dafür ist Facebook, trotz aller Kritik, schon ideal, die wissen aber auch, ich poste zwar ab und an mal Quatsch der nicht so ernst gemeint ist, melde mich aber ebenfalls auch mal lange nicht, ich bin halt so.
    Und – das Nachschlagewerk „Internet“ ist für mich einfach unverzichtbar.
    Man kann aber auch gut leben ohne ständig verfügbar zu sein und Gewehr bei Fuß sofort Nachrichten zu beantworten. Besonders wenns im Grunde nur Geplänkel ist.

  3. Soul262 15. März 2015 zu 22:48 #

    Ein interessanter, offener Einblick!
    Ich arbeite wie du in der Online Branche, bin mit dem Internet seit 20 Jahren quasi beruflich groß geworden. Was mir der erste Warnschuss im Internet war, Ende der 90iger, waren die Beleidigungen, Klugscheißereien in diversen Foren und den damit verbundenen Enttäuschungen, dass es sich beim Internet nicht um eine parallele, gleichrangige soziale Lebensform zum realen Leben handelte, wie ich mir anfänglich einbildete.
    Anfang der 2000er, nach dem ersten großen Berufsstress, kamen mir zum ersten Mal größere Zweifel, ob diese Branche mit ihrer Schnelllebigkeit, mit ihrer Hyperventilierung, mit ihrem ständigem „eine neue Sau durchs Dorf treiben“ auch meine (berufliche) Heimat sein kann. Ich entschied mich dafür, beruflich keinen Schnitt zu ziehen und wegen meinem Wissensvorsprung und dem immer gefragter werdenden Job dabei zu bleiben, jedoch privat klare Grenzen zu ziehen. So zählte die Verschleierung privater Offenbarungen im Netz zu einem Grundsatz, den ich bis heute durchgezogen habe. Konnte ich bei Myspace, dies noch gut tun, so war es bei Facebook wegen der Klarnamenpflicht einfach nicht mehr möglich und ich verzichte auf dieses Medium.
    Mittlerweile versuche ich mich sehr bewusst zu verhalten, was digitalen Stress angeht. So wie andere auf gesunde Ernährung achten, so achte ich auf Vermeidung von Reizüberflutung. Dazu zählt, dass ich auf dem Smartphone von keiner einzigen App mich aktiv über etwas benachrichtigen lasse (außer SMS). Dass ich neue soziale Medien, Instagramm, Pinterest, Whatsapp, pauschal nicht nutze. Das ich Skype nicht auf dem Smartphone installiere. Dass ich beruflich gehypte Tools wie Yammer oder Slack sehr skeptisch sehe und mich nicht dem Druck der Community beuge, die alle paar Jahr die Ablösung der E-Mail prophezeit, und mich sofort darauf stürze, mit der Folge am Arbeitslaptop fünf Messenger plus Outlook am laufen zu haben.

    Was mir aktuell auffällt, ist die Beobachtung, dass die Generation der Digital Natives, die Silicon Valley-Jünger, Mitt- bis Endzwanziger, zunehmend eine Technikreligiösität an den Tag legt, die fest daran glaubt, dass man der Reizüberflutung mit immer neuen digitalen Tools entgegen treten muss. Dass nicht, wie ich gestern in Der Zeit bei einem Artikel las, „die Bremse an der Maschine“ die Rettung ist, sondern die „Aufrüstung der Maschine“. (http://www.zeit.de/kultur/literatur/2015-03/leif-randt-planet-magnon-roman)

    Wie auch immer: Ich möchte das Internet wegen all den praktischen Dingen, die oben beispielhaft aufgezählt wurden, nicht missen, aber es muss stets eine selbstbestimmte Nutzung damit verbunden sein. Dazu zähle ich das bewusste Abrufen als auch die Bereitstellung von ungefilterteten Informationen.
    Ich habe große Zweifel, ob man in diesem Zusammenhang Facebook und andere soziale Medien nutzen kann, weil die Selbstbestimmtheit nicht gewährleistet ist.

  4. Andreas 16. März 2015 zu 10:07 #

    Es war sehr interessant, von Deinem Experiment zu lesen. Danke für den tiefen persönlichen Einblick. Von mir selbst denke ich, dass mein Internetkonsum nicht so extrem hoch ist, dass ich diesen Einschränken müsste.

    In meiner Freizeit bin ich kaum mit Browser oder App am „surfen“. Es ist er das gezielte Suchen nach Informationen (Wetter, Veranstaltungen, Anleitungen, etc.) und die Nutzung IP-basierter Dienste (Filme, Musik), für das ich das Internet nutze.

    Facebook nutze ich nur sporadisch für Nachrichten an Bekannte und Freunde. Der wichtigste Use Case von Facebook für mich ist tatsächlich, über neue Musik informiert zu werden. Mein Stream ist hauptsächlich gefüllt mit Posts von Musikgruppen, Reviewseiten und Bands.

    Auf das möchte ich ungern verzichten. Ohne das Internet wäre mein musikalischer Horizont sehr beschränkt.

    Ich sehe die übergreifende Lehre aus dem Artikel über Deine Erfahrungen darin, dass man immer wieder Dinge ausprobieren sollte, selbst wenn sie Anfangs als abwegig oder gar unmöglich erscheinen. So kann man seinen Erfahrungsschatz erweitern und neue Erkenntnisse gewinnen.

    Wieder einmal ein interessanter und sehr gut geschriebener Post. Dankeschön und weiter so!

  5. solitary_core 16. März 2015 zu 23:11 #

    sehe es ähnlich wie Andreas, habe in etwa auch ähnliche AnwedungsBeispiele, von onlinespielen durch gewisse Anti-Kopier-Mechanismen oder das gelegentliche Systemupdate der Konsole mal abgesehen …

    Wenn ich mal ein Fazit aus meinen Facebook-Posts ziehen müßte graust es mir, fest steht ich bin nicht FB-Zielgruppe 😀

    dank immermehr abbauender musikalischer Vielfalt beim Elektrogroßhändler der Wahl ist man heute eh dazu gezwungen seine Musik online zu beziehen, der Rückgang der Hörproben geht damit Einher vermute ich mal, da alle wichtigen Kunden (mit anderen Worten die „Zielgruppe“) meist gleichgeschalteten Musikgeschmack besitzen muß man solche Services nur noch sporadisch anbieten …

    wie oft stand ich vor son Teil wo man den Strichcode einscannen muß und die Platte nicht gefunden wurde ? 😀 ab ins internet und man wird fündig

    ein weiteres Pluspunkt hatt das Internet auch : man findet schnell und zuverläßig Hilfe (in wie weit die hilfreich ist, steht auf ein anderen Blatt) bei Problemen die man ohne Internet eben nicht hätte : Viren, Trojaner, Malware etc …

    so muß mich jetz wieder meinen xcopy.exe Problem widmen, sieht mir nach ner kompletten Neuinstallation aus ._.

  6. solitary_core 17. März 2015 zu 08:44 #

    Was ich im Nachhinnein noch anmerken darf : Respekt das du es solange durchgehalten hast, ich mein mit der ständigen Versuchung vor Augen wär der eine oder die andere sicher schwach geworden …

    Als Gegenvorschlag könnte man als Experiment auch folgendes vorschlagen : eine Volumenbeschränkung auf …sagen wir 500 MB am Tag, oder 3 GB im Monat, danach eine kritische Geschwindigkeitsdrossel auf 64kb/s (mit anderen Worten du bist offline bzw „Willkommen im Internet 1998“ ) …ich meine die großen Festnetz-Internet-Anbieter wollen ja auch die Festnetz-Internet-Flats auf begrenztes Highspeed-Volumen reduzieren so das es möglich wäre das eben auch hier solche drastischen Maßnahmen Einzug halten.
    Auch wenn derzeit eine solche Sache nicht in unmittelbarer Nähe zu sein scheint, man sucht heute noch nach eine Möglichkeit sowas einzurichten …

    Sicher um auf FB irgendwas zu schreiben reicht das aus aber Streaming-Dienste werden dann das Nachsehen haben und Video/Audio-Plattformen ebenso.

    in Sachen xcopy : habe die betreffende Datei gefunden aber das System verweigert mir als Admin das ich das Ding löschen kann und die Windows-Registrationsdatenbank läßt sich dadurch auch nicht säubern … na dann Neuinstallation 😀

  7. lenelein 17. März 2015 zu 09:04 #

    Dieser Artikel hat mich wirklich getroffen, denn ich bin jemand der ziellos im Internet herumstreift wenn er nichst zu tun hat. Mein Internetnutzen hält mich sogar manchmal von „sinnvolleren“ Hobbies ab. Und jetzt denke ich darüber nach, ob ich es auch ohne aushalten würde… Vielleicht setze ich das nächste Woche mal an?

  8. Melle Noire 19. März 2015 zu 02:44 #

    Hi!

    Ich bin seit 1996 online und durchlebte im Internet zunächst ein paar sehr ausgeprägte Phasen. Phase 1 : Exzessives Chatten bis zum Morgengrauen bei AOL und bei t-online (dort war ich in den BTX-Chats), hinzu kam dann noch hauptsächlich ICQ. Ich habe den lieben langen Tag kaum etwas anderes gemacht, sobald ich daheim und alleine war. Ab 1998 hatte ich dann meine erste Beziehung (hatte den Kerl im BTX-Chat kennengelernt), meine Chatterei war aber nach wie vor stark ausgeprägt. Das ging etwa 5 Jahre lang so und gerade in der Anfangszeit von 1996-1998 war ich hochgradig chatsüchtig. So sehr, dass mir meine Eltern sogar mal wegen der immens hohen Kosten für 3 Monate den Saft abdrehten (eine Std Internet kostete damals noch 6 Mark, hinzu kamen ca 2 Mark Telefongebühren – bei bis zu 17 Std Chatten jeden Tag kam da schon so einiges zusammen *hüstel*). Ich fühlte mich wie ein Junkie auf eiskaltem Entzug…

    Dann aber wurde die Chatterei irgendwann langweilig und ich ging über in Phase 2: Ich entdeckte die große weite Welt der Internetforen für mich und entwickelte mich zur fleißigen Posterin. Das Chatten hingegen kam für ein paar Jahre fast komplett zum Erliegen, mein ICQ-Konto staubte ein und die AOL-Software mit den ganzen Chatrooms war auch längst passé. Nebenbei baute ich mir meine erste eigene Website und fing 2 Jahre später mit dem Modeln an, weshalb ich plötzlich natürlich auch in zahlreichen Fotocommunities vertreten war (und es immernoch bin) und meine zweite Website baute.

    Phase 3: Die Internetnutzung via Smartphone. Vor 4-5 Jahren bekam ich mein erstes richtiges Phone mit gescheitem Internet. Seither möchte ich das mobile Surfen nicht mehr missen. Es ist ja so praktisch, schon morgens im Bett ganz gemütlich die Nachrichten zu lesen. Und unterwegs kann ich immer nach dem aktuellen Fahrplan schauen oder sonstige Informationen abrufen. Früher habe ich mir für unterwegs immer Berge an Zeitschriften gekauft. Heute muss ich nur noch mein Smartphone anschmeißen. Spart einen Haufen Geld. 🙂

    Phase 4: facebook. Damit fing ich erst spät an, lange habe ich mich dagegen gesträubt. Wegen der Modelei aber befand ich das letztlich als doch sehr praktisch und warf meine Bedenken schließlich über Bord. Und seither chatte ich auch wieder! 🙂 Allerdings längst nicht so exzessiv wie früher. Und ich bin auch nicht jeden Tag dort, manchmal sogar nur am Wochenende. Denn facebook benutze ich ausschließlich am PC, nicht übers Smartphone. Ich werde da schon genug zugelabert wenn ich mal angemeldet bin, unterwegs kann ich das nicht brauchen. Und facebook ist ein echter Zeitfresser für mich, denn meist bin ich dort, um neue Bilder zu präsentieren aus meinem Shootings. Und bis ich die mal in alle Gruppen reingepostet habe und allen Bilderseitenbetreibern gemailt habe, vergehen Stunden… o.O (und nebenher stelle ich sie noch in den ganzen Fotocommunities ein). UFF… Aber was tut man nicht alles, um im Gespräch zu bleiben…

    Phase 5: Ingress. Seit Weihnachten 2013 spiele ich über mein Smartphone das Augmented Reality-Spiel Ingress. Die Hintergrundstory : Auf der Erde wurde irgendwann eine fremde Energie gefunden, die sogenannte Exotic Matter. Selbige sammelt sich rund um Portale, Orte in der realen Welt (das kann zB eine Statue sein oder ein Rathaus). Im Spiel gibt es 2 Fraktionen – die Erleuchteten (grün), die die neue Energie gut finden und die denken, dass sie der Menschheit auf lange Sicht gesehen nutzen werde & den Widerstand (blau), der der neuen Energie skeptisch gegenüber steht. Umkämpft werden die Portale, die von der eigenen Fraktion eingenommen werden und mit Waffen und Schilden bestückt werden können. Portale der gegnerischen Fraktion werden mit Burstern beschossen und zerstört. Und dann im Idealfall selbst eingenommen. Portale kann man auch untereinander verlinken, wobei 3 Portale im Dreieck verlinkt ein Kontrollfeld ergeben. So erobert man Stadtgebiet. Man ist also während des Spiels sehr viel draußen unterwegs an der frischen Luft. Stundenlang. Zu Fuß. Man kann alleine spielen oder für bestimmte Aktionen mit ganz vielen Leuten. Hoher Suchtfaktor! Dieses Hobby frisst mir momentan am meisten Zeit weg. Vor allem weil manche Leute schon wieder die nächste Aktion planen oder weil man einfach noch nach der Arbeit seine gewohnten Portalrouten abgrast. Unterwegs habe ich Ingress praktisch immer laufen. Auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Rückweg, wenn ich in der Stadt unterwegs bin usw… Allein deshalb könnte ich schon nicht ohne Internet sein. Andere Dinge wie zB facebook sind mir hingegen weitaus mehr egal, das brauche ich nicht täglich. Aber Ingress muss sein! Immer! Das macht so einen Heidenspaß (auch wenns mir manchmal schon zu viel wird und ich mich bewusst zwischendurch ausklinken muss. Um zB Bilder zu bearbeiten).

    Ansonsten bin ich zwischendurch durchaus gern auch mal offline. 🙂

    Dunkle Grüße! 🙂
    Melle

  9. Shan Dark 19. März 2015 zu 23:00 #

    Super, dass ihr eure Internetsucht mit mir teilt! 🙂 DANKE DANKE MERCI.

    Wenn ich so bei Andreas und solitary_core die Sache mit der Musik lese, muss ich sagen: ich hab was Wichtiges vergessen! Echt vermisst in der Woche habe ich YouTube. Angefangen von Musik über interessante Dokus (bei denen ich gern bisschen Sport daheim mache) und Serien, Filme oder kostenlose Flashbacks in längst vergangene Zeiten… Ich bin ja nicht so der Spotify und Last.fm oder sonstwas Nutzer, bei mir ist YT echt Musik-Kennlern-Kanal #1.

    @Melle: Nach Ingress sind auch Freunde von mir süchtig. Ich find das aber mal echt’n cooles Spiel, eben weil es einen direkten und aktivierenden Offline-Bezug hat. Zu welcher Seite gehörst Du – grün oder blau? 😉 Generell habe ich zu wenig Zeit für Spiele und selten auch Interesse, aber vermutlich ist auch Selbstschutz dabei, denn wenn man dann einmal da „drinsteckt“ – ich weiß nicht ob ich da wieder rauskomme.

    Jedenfalls insgesamt sehr spannend über Deinen Online-Phasen-Verlauf zu lesen. Gegen FB habe ich mich auch lange gewehrt. Zwischendurch fand ich es wirklich mal klasse und hab prinzipiell auch heute nix dagegen. Aber es hat an Reiz verloren und ich kann nicht genau sagen, warum. Mal abgesehen von der ganzen Werbung, die ich als Online Marketerin zwar nachvollziehen kann (und auch selbst ‚verursache‘), aber trotzdem nervt sie im privaten Bereich.

    Ich kenne übrigens einige, die früher auch sehr aktiv waren in ICQ und nun mit Facebook absolut nix anfangen können. Im übrigen bist Du doch etwas länger als ich online und aktiv, aber Modemgeräusche kann ich auch noch gut nachmachen und was für eine Wohltat als ISDN kam… 🙂

    Und Du hast natürlich recht: man muss keine Zeitschriften mehr kaufen. Das spart Geld, aber ich mag durchaus auch gern mal ein haptisches Erlebnis haben. Ich lese gern Zeitschriften und besonders auf Reisen hab ich immer ne NEON dabei. Auch einfach um nicht immer auf einen Screen starren zu müssen.

    @lenelein: Ich bin gespannt, wie es Dir dabei ergeht, wenn Du es versucht. Glaub mir, es geht IMMER ohne, aber bisschen Disziplin gehört schon dazu und die fällt einem leichter, wenn ein gewisser subjektiv hoher „Nerv-Stress-Level“ erreicht ist. Wenn das noch nicht der Fall ist bei Dir, dann warte noch etwas. 😉

    @solitary_core: Das Durchhalten war echt kein Problem und ich hab ernsthaft überlegt, ob ich in die Verlängerung gehe… zumindest was Social Media angeht. Auf Internet noch länger zu verzichten wäre im Großen und Ganzen auch gegangen, aber einzelne Nicht-Möglichkeiten waren schon ein „pain“. Und ich finde gedrosselte Internetzugänge schlimmer als gar keinen. Das ist immer ein kratzender Flashback in die alten Modem-Zeiten, wo es ewig dauerte, bis mal so eine Seite geladen hat. Krieg isch plaque! Na gut, ich muss aber auch kein xcopy.exe machen. Warst Du denn nun zwischenzeitlich erfolgreich – zumindest bei der Neuinstallation?

    @Andreas: Danke Dir 🙂 und ja, Du hast wirklich einen sehr gezielt-kontrollierten Internetkonsum – da scheint ein OFF nicht nötig zu sein. Wie machst Du das nur?

    @Soul262: Sehr interessant zu lesen und ich denke, Du machst es richtig. Man muss weder alles ausprobieren, noch bei allem mitmischen. Das Wichtigste scheint mir das selbstbestimmte Bewusstsein zu sein (wie Dir ja auch) und zwar auch das für die eigene Filterbubble. Bei mir ist ein Input für eine ganz andere Sichtweise, für andere Webseiten, die ich vorher nie wahrgenommen hätte, erst durch einen Offline-Kontakt gekommen. Online ist nicht wie Offline, Du hast vollkommen recht – es ist oft sehr erschreckend. Und wir schaffen es nicht, Schritt zu halten. Dabei sind „wir“ (als MEnschheit) es doch, die die immer-schnellere-tollere-Technik entwickeln. Also haben WIR auch die Macht, STOP zu sagen und dem ganzen mehr eigenen Sinn zu geben.

    @Heidi & Aristides Steele: Jawohl, es ist ein großes Glück, das wir den „Wissenspeicher Internet“ haben. Tutorials, Empfehlungen und Erfahrungen, Datenbanken – ohne all das wäre unsere Welt viel komplizierter und ärmer. Online hat Macht und Kraft.

    Manchmal denke ich bei bestimmte YouTube-Formaten zwar, das Internet macht auch dümmer (schon mal „Dagi Bee“-Videos oder eben YouNow geguckt?), aber eigentlich ist das nun wieder wie im realen Leben: eine Stadt mit Bibliotheken und Museen auf der einen Seite und siffigen Stammtischen auf der anderen Seite.

    Aristides, „mobil online“ ist Gewöhnungssache und mMn gerade für Geplänkel gut geeignet sowie zum Informieren unterwegs (spart mir viel Zeit, denn ich kann mich auch unterwegs auf dem Laufenden halten). Die wichtigen Sachen, wo ich mich konzentrieren muss (so wie das Antworten hier gerade z.b.) mache ich wie Du nur am Desktop daheim. Aber ich gebe Dir recht: es nervt total, wenn Leute nicht warten können und dann fragen, ob „man ihre Nachricht/Email erhalten“ hat. Warum sollte man sie nicht erhalten haben? Ein Fragezeichen zu schicken find ich schon dreist. Ich wüsste nicht, ob ich da antworten würde…

  10. Melle Noire 19. März 2015 zu 23:25 #

    @ Shan: Deine Einstellung zu YouTube in Sachen Musik teile ich voll und ganz. Da habe ich auch schon einige Bands für mich neu entdeckt! Allein schon durch die ganzen Mixes, die man da angeboten bekommt. Und man kann da ja auch herrlich stöbern! 🙂

    Im Ingress bin ich blau, gehöre also der Resistance an. 🙂 Hier im Raum Mannheim/Heidelberg haben wir ganz schön zu kämpfen gegen eine Übermacht an Fröschen, gerade Ladenburg wird teils mehrmals die Woche plattgemacht…Wir sind hier quasi die blaue Insel und quasi jeder grüne Hansel kommt zum Leveln her…

    Ja, das mit den Zeitschriften war immer so ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite war es meine standardmäßige Unterhaltung für unterwegs, auf der anderen Seite ging das ganz schön ins Geld und verursachte letztlich einen Haufen Müll. Denn einmal konsumiert landeten die Heftchen dann in irgendeiner Zimmerecke und stapelten sich bis unter die Decke. Und verstaubten dort und wurden irgendwann in einem großen Aufräumanfall kistenweise weggeschmissen. Das haptische Erlebnis war mir nie so wichtig. Und an warmen Tagen hatte ich teilweise dann die Druckerschwärze an den Händen kleben. Echt eklig irgendwie. Zeitschriften lese ich heutzutage eigentlich nur noch daheim gemütlich im Bett oder in der Küche. Wie zB den SPIEGEL. Unterwegs ist mir das inzwischen auch einfach zu viel Gedöns (man muss den Kram ja dann auch mitschleppen usw). 😉

  11. Pooly 22. März 2015 zu 07:35 #

    Uhhh… interessantes Thema, wozu ich hier auch einen Roman verfassen könnte. 😉
    Ich glaube den folgenden Kommentar verwurste ich noch im Blog 🙂

    2009 oder so war plötzlich mein Internet-Anschluss defekt und im ersten Moment stieg in mir dieses absolut (lächerliche) Panikgefühl in mir hoch: „Shit! Bin ich jetzt von der Außenwelt abgeschnitten?!“

    Es war Wochenende und wie sich herausstellte musste der Defekt von einem Techniker behoben werden, nur bis ich die Hotline davon überzeugen konnte, dass es auch wirklich ein technischer Defekt war, vergingen so einige Tage.

    Der erste Tag ohne Netz war „komisch“, aber nicht dramatisch. Ich habe die Zeit einfach anders genutzt. Ich glaube nach 3 Tagen war dieses „ich verpasse was“ Gefühl verschwunden. Ok, Mails habe ich im Internetcafe nebenan gelegentlich abgerufen, aber zu 90% habe ich auch da nix verpasst.

    Nach 2 Wochen war ich wieder online und weiss heute, dass das Internet schon praktisch sein kann, aber auch nicht der Nabel der Welt ist. Wir werden nur mit Unmengen an ungefilterten Informationen erschlagen die größtenteils nutzlos sind.

  12. Tom Lener 25. März 2015 zu 19:36 #

    Meine Frau und ich wohnen seit Dezember 2014 ohne TV und Computer. Diese Nachricht tippe ich vom ruckelnden lowcost Tablet, das wir statt dessen nutzen. Dem Garten, unserer Beziehung, unseren Hobbies und Haustieren gefällt diese Veränderung. Und auch mir von Tag zu Tag besser, sodass ich derzeit am Überlegen bin, das Tablet, WiFi und Handy ebenfalls aus dem Haus zu entfernen. Weniger ist mehr 🙂 Grüße Tom

  13. Neffe 22. Februar 2016 zu 16:44 #

    Ich habe weder TV noch Smartphone, kein WhatsApp und auch kein Fratzenbuch. Und ich LEBE. Wer hätte das gedacht?

    Vor 25 Jahren gab es weder Handy noch Internet und die Leute haben auch gelebt. Warum sollte es heute nicht auch ohne gehen? Ok das Internet ist an sich ist keine schlechte Sache, ich nutze es auch aber nur von zu Hause aus und das auch nur wenn es wirklich notwendig ist. Ich habe kein WLan Netzwerk und wenn ich fertig mit surfen bin dann wird die Kiste aus gemacht. Und fertig ist der Lack.

    Ein Smartphone habe ich wie gesagt auch nicht. Wozu auch? Mein Steinzeit-Handy genügt mir völlig. Damit kann ich wenn es nötig ist TELEFONIEREN und SMS SCHREIBEN.

  14. Shan Dark 24. Februar 2016 zu 23:05 #

    Hallo @Neffe (mein Neffe? Nee, oder?),
    Du lebst – unfassbar 🙂 – und ich möchte Dir ehrlich danken, dass Du in Deiner geringen Online-Zeit hier diesen guten Kommentar hinterlassen hast. Ich weiß es zu schätzen! Nein, man braucht die sozialen Netzwerke und TV nicht. Ich kenne gar nicht so wenige, die online völlig „unsozial“ sind. Aber Internet, hey, das ist schon eine wichtige Sache in der heutigen Zeit. Allein als Infoquelle. Als Wissenspeicher. Nur wer ein Problem mit wenig Zeit hat, muss filtern und so konsequent sein wie du. Wobei ich auch das Smartphone schätzen gelernt habe. Aber man muss es bewusst nutzen. Der Vergleich mit vor 25 Jahren hinkt in meinen Augen etwas, doch ich weiß, was Du meinst. Denn heute gibt es viele Services und „Umstände“ im öffentlichen Leben, für die man Internet haben muss oder bei denen der offline-Weg 3x so viel Aufwand bedeutet.

    Bist Du in Deinem Umfeld/Freundeskreis der einzige Online-Smartphone-Social-Verweigerer oder kennst Du noch (viele) andere, die auch so leben?

  15. Neffe 4. April 2016 zu 12:18 #

    Hallo

    so da bin ich nochmal…sozusagen zurück aus der digitalen Gruft haha…

    Ich sage es mal so: Internet & Handy sind an sich keine schlechte Sache und ich bin auch absolut kein Feind von Technik und Fortschritt. Aber wie du schon sagtest: man muss diese Dinge BEWUSST nutzen und darf sich nicht von der Technik verreinahmen lassen und abhängig machen. Und genau darin liegt das Problem bei vielen (vor allem jungen) Leuten. Man sieht heute quasi überall Leute die ständig auf ihrem Handy rum tippen und auf die Mattscheibe starren. Ich finde das beängstigend. Diese Menschen sind zwar da aber nicht wirklich präsent. In Café sieht man junge Paare sich gegenüber sitzen und statt miteinander zu reden tippen sie auf ihrem Handy rum. Selbst auf dem Friedhof sieht man mittlerweile Leute auf ihrem Smartphone rumtippen….
    Andererseits haben Handy & Internet natürlich auch ihre Vorteile. Wie du schon sagtest lassen sich online viele Dinge bequemer regeln und über das Internet erreicht man ja auch viele Menschen, die man sonst nicht erreichen könnte. Und mein Steinzeit-Handy war auch schon in so mancher Situation hilfreich 🙂 Auch geht es bei mir beruflich nicht ohne Handy aber im privaten Bereich kopple ich mich so oft es geht ab. Nicht ständig und immer und überall erreichbar zu sein ist ein wunderschönes Gefühl von Freiheit.
    Zu deiner Frage: in meinem privaten Umfeld bin ich zumindest der einzige TV-Verweigerer. Bei Internet/Handy ist es unterschiedlich. Die einen nutzen es mehr die anderen weniger. Einige haben auch Smartphones. Meine Freundin hat allerdings auch nur ein einfaches Handy und das Internet nutzt sie sogar noch weniger als ich. Sie hat nicht einmal eine E-Mail Adresse.

    Grüße aus Neffhausen

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