Mein ABC des WGT 2013

„Sleeping Doooooooooooogs!“ Als Robert Wilcocks mit seiner tiefen Stimme diese zwei Worte zum Auftakt des Sleeping Dogs Wake-Konzerts ins Mikro schrie, erwachte in mir endlich das, worauf ich die ganze Zeit gewartet hatte: die kribbelnde Vorahnung des WGT-Highlights. Das hatte ich auch dringend nötig! Denn irgendwie waren die dieses Jahr etwas spärlich gesäht. Wir trafen wohl nicht immer die richtigen Entscheidungen, aber das wird einem bei 160 Bands verteilt auf nur 4 Nächte auch nicht gerade leicht gemacht. Dann kommen noch die Parties dazu und plötzlich ist ein gutes Händchen gefragt, gepaart mit der richtigen Spontanität, die 7 Elemente müssen auch mitspielen  🙄 und ganz wichtig sind tanzfreudige Fledermäuse, mit denen man bis in die frühen Morgenstunden durch die Nacht flattern oder abhängen kann. Letzteres war mit meinem M.Synthetic, r@zorbla.de und Flederfrollein Piet zum Glück kein Problem. Mit uns Vieren war das Batmobil schon auf der Hinfahrt bis in den letzten Winkel vollgepackt – selbst im CD-Player war kein Platz mehr. Den hatte r@zorbla.de mit sauguten Musik-Mixes verstopft und folterte uns nach der Sitzen-nicht-tanzen-Methode.

Bei diesem WGT war jedenfalls so Einiges anders, aber meinen Realitätsverlust in diesen 5 Tagen habe ich dennoch wieder ausgiebig genossen! Nur war ich eben letztes Jahr mit Eindrücken hinterher etwas praller gefüllt.

Meine Erlebnisse vom Wave-Gotik-Treffen 2013 gibt’s diesmal von A-Z. Damit ihr das durchsteht, fangen wir am besten alle gemeinsam mit einem „Alien Brain“ an.

alien-brain

Alien-Hirn im Glas

A – Alien Brain: Dienstagmorgen im Beyerhaus gegen 5 Uhr. Ich zum Barkeeper: „Was ist denn Alien Brain?“ – „Leggor“ antwortete er im breiten Sächsisch. Das war er tatsächlich. Und man hatte auch paar Hirn-Stückchen zum Kauen im Mund. Die entstehen, wenn 2cl Baileys in 2cl Pfirsichlikör und Grenadinesirup einflocken. Oben drauf noch 1cl Curacao und fertig! Leggor!

B – Beyerhaus: Ein wirklich netter Keller mit unverputzten Wänden, Horror-Belichtung in rot & grün auf den Toiletten, gemütlichen Sofas, gutem Preis-Leistungs-Verhältnis bei Getränken, Luftschnapp- und Raucher-Terasse und den besten DJs in den letzten Stunden des WGTs am Dienstagmorgen. Es war prima, auch wenn die Tanzflächen eher ein Killer für mich sind: zu eng, zu klein, vorn zu schlauchig und jeder latscht durch. Aber dennoch: die „Große WGT-Abschlussfeier“ war musikalisch hervorragend – von Oldschool-EBM über New Wave und Synthie bis hin zu „Echo Beach“ von Toyah Willcox, mit dem ich mich gleich auf mein ‚Office Slut’-Dasein nach dem WGT eintanzen konnte.

Zu „B“ fällt mir noch ein, dass der Herr r@zorbla.de bemerkte, die flauschige Seite der WGT-Eintrittskarte habe gar keinen Flockprint, sondern sei einfach nur brutal verschimmelt 😀

C – Cassandra Complex: Immer eine geniale Band – auch live! Die sich jedoch im > Landratsamt nicht wirklich entfalten konnte. Bei mir ging das auch nicht, denn ich war ständig damit beschäftigt, um eine der vielen Säulen herumzugucken, dabei in den Nebelschwaden den Rodney ausfindig zu machen und meine Schweißausbrüche in Zaum zu halten. Vielleicht war es gar kein Nebel da vorn, sondern feuchte Dämpfe, die vom Publikum aufstiegen? Auch Rodney Orpheus schwitzte sich schlank in seiner 80-minütigen Show. Das Konzert von Cassandra Complex war prima, aber damals 2007 im Kohlrabizirkus waren sie noch besser: mehr Lichtshow, größere Bühne, besserer Sound, mehr Platz für alle und das Publikum wurde nur von der guten Band ins Schwitzen gebracht, nicht von der Location.

internationales-wgtD – Darkflower: Es war Samstagnacht und wir vier am Verzweifeln. Im Beyerhaus lief nicht unsere Musik, in der nahegelegenen Embeh (Moritzbastei) auch bloß nicht – wir verkrümelten uns in die Cocktailbar zur Lagebesprechung. Im WGT-Programm stand, dass im Darkflower Dirk Ivens und Peter Mastbooms von The Klinik auflegen würden. Beide sind phantastische DJs ganz nach unsrem Geschmack (bekannt vom BIMfest), aber leider waren sie nicht die einzigen und die Musik der drei anderen DJs dort wollten wir definitiv nicht hören. Es war bereits halb 3 und vielleicht waren die Kliniker ja schon durch mit ihrem Set – oder haben die ein rollierendes DJ-System, bei dem jeder DJ so ca. alle halbe Stunde mal dran kommt? Wir beschlossen mal im Dunkelblümchen anzurufen: „Hallo! Mein Name ist Bastei, Moritz Bastei. Haben Sie eigentlich ein rollierendes DJ-System?“ Leider konnten wir keine Telefonnummer finden und mussten uns daher vor Ort selbst überzeugen. Beim Abstieg ins Darkflower, der tatsächlich einer war, wurde die Luft immer schnittfester. Deshalb sah man wohl so viele Leute mit Gasmasken, Mundschutz und Sauerstoff-Plastikschläuchen in den Haaren. DJ Sven Friedrich spielte gerade „She, She, She shine on“ von Apoptygma Berzerk. Meine 3 Begleiter versteinerten auf der Treppe und deuteten unmissverständlich den Club-Streik an. Tja, liebes Dunkelblümsche, tut mir leid. Aber ein Garant für tolle Partynächte warst Du noch nie. Wie ich später erfuhr, waren die Klinik-DJs um die Uhrzeit auch schon durch. Also nix verpasst! Draußen kam der erlösende Anruf eines Freundes, der uns empfahl ins > Westwerk zu kommen.

Echo West live im Anker

Echo West live im Anker

Projektionen waren auch klasse! Aber zieh doch mal einer das Bandbanner Stück runter...

Klasse Projektionen übrigens… rechts Biertisch 🙁

E – Echo West: Düsterer Minimal Industrial Angst-Pop im Anker. Eines meiner 3 Konzert-Highlights dieses WGTs! Ich hatte das geahnt, weil die Musik von Echo West der Hammer ist und die Stücke auf ihrem neuen Album „Pagan City Gods“ erst recht. War daher voll gespannt auf das Konzert! Live präsentierten sich Echo West sehr abwechslungsreich – von verspielt wie „Hitchhike to Biscuitland“ über mein erklärtes Lieblingsstück „Heartbreaker“ (Tanzflächenfüller) zum düsteren „Tanz den Untergang“ am Ende. Endgeile Elektronik, verbastelte Soundspielereien auf analogen Geräten, Synthie-Loops, düster-wabernde Klangflächen, treibende Beats. Hinzu kommt die Stimme von Sänger Dirk, die genau mein Ding ist. Tief, kräftig, auch Shouter-mässig und er muss sich dafür noch nicht mal anstrengen. Es wäre dennoch das i-Tüpfelchen gewesen, wenn er die Energie seiner Musik etwas mehr bei der Show rausgelassen hätte. Und beim nächsten Konzi bitte das Echo-West-Banner ein Stück runterziehen, so dass man den Bandnamen komplett lesen kann sowie ungenutzte Biertische von der Bühne räumen. Dann ist ALLES perfekt!

F – Fotoshooting: Der geschätzte Pfingstflüsterer Marcus Rietzsch rief uns Freitagabend ins Grassi-Museum. Leider verdarb mir die Schwüle und heiße Abendsonne etwas den blassen Teint. Aufgeregt war ich auch – mach ja sowas nicht so oft! Aber wenn einer die besten, dunklen Seiten von mir und den beiden Herren mit der Kamera einfangen kann, dann Marcus. Schauen wir mal, ob wir im Pfingstgeflüster 2013 was zu flüstern haben.

G – Gitane Demone: Goth-Rock Ikone auf der Parkbühne. Wollte ich schon immer mal live sehen. Gelernt: Gitane höre ich mir lieber daheim an, obwohl sie gut war. Aber es ist einfach nicht die Musik, die mich live mitreißt.

H – Heute: Präzisionsmusik. Popmusik. Minimal. Avantgarde. Ein schon etwas reiferes Gesangsduo aus den frühen 80ern, die mich irgendwie immer an „Der Plan“ erinnern, aber nicht ganz so schräg und minimalistisch sind. Die Gothic Pogo Party-Veranstalter hatten HEUTE am Sonntag auf ihre kleine Bühne in der Alten Damenhandschuhfabrik geholt. Sie stehen schon länger auf meiner Will-ich-sehen-Liste und haben sich voll gelohnt. Zwar Tanztee auf sehr engem Raum, aber genial! Die beiden Herren mit ihren Parteitagsstimmen, die bei Groß-Kundgebungen garantiert gute Tribünenredner auch ohne Mikro abgeben würden, glänzten mit Text- und Klangakrobatik und mit einer Wahnsinns-Videoshow im Hintergrund: einem 20×13 cm digitalen Bilderrahmen. Man kann sie nur gern haben! Nehmen sich eben selbst nicht so ernst und das tut immer gut. Shake it baby, shake!

Nach dem Konzert wäre eigentlich bei der guten Musik zur Gothic Pogo Party tanzen angesagt gewesen. Aber erstmal musste was zu Essen her vom leckeren Grillstand im Hof und danach blieb ich irgendwie auf der Couch hängen und schwatzte lange mit Alice und Marcus. Die Gothic Pogo Party zählt aber definitiv zu den Wohlfühlabenden jedes WGT.

Gothic Pogooooo Party

Gothic Pogooooo Party

Fetzige Deko auf der GPP

Fetzige Deko auf der GPP

I – Ins WGT gleiten: Das geht nirgends besser als auf der Eröffnungstanznacht der Blauen Stunde! Danke, lieber Schatten, das war ein toller WGT-Tipp! Wir begaben uns am Donnerstag gegen 19:57 Uhr noch schnell zu Rossmann, um klischeemäßig jeder ein Grablicht zu kaufen, so dass wir dunkelromantisch als rote Seelen-Leuchtpunkte auf der nächtlichen Wiese vor dem AGRA-Parkschlösschen erscheinen konnten. Zuvor testeten wir auch noch Kara Ben Nemsis Tipp: „Spreewaldschänke“. Ja, war gut und ich holte mir auch gleich die ersten Mückenstiche in diesem Jahr beim Draußensitzen am Teich;).

Foto: Ray Montag Gothsick.de

Foto: Ray Montag Gothsick.de

Als wir gegen 21:30 Uhr auf der Wiese ankamen, lagerten schon sehr viele im großen Kreis rund um die Fackeln. Scyllarus war am Tanzen und als sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sahen und trafen wir auch alle anderen Lieben: Schatten und Hexlein, Christine und André, Marcus, Edith, Katharina und Parm, Robert und Sabrina, Ray und Eva, Piet, Chris, und ich lernte noch Karlson vom Dach (war hier ohne Propeller unterwegs) und seine sympathische Freundin kennen. Es war ein wunderbares Wiedersehen mit allen in verzauberter Atmosphäre umrahmt von dunkelromantischer Musik. Auf der Naturtanzfläche im Innenkreis der Fackeln schwebten den ganzen Abend schwarze Wesen. Die mitgebrachten Weinflaschen leerten sich fast von allein und das Wetter spielte auch mit.

Ich kann Frank & den Anderen der Blauen Stunde gar nicht genug danken für diese einzigartigen Veranstaltungen, die sie hier abseits von allem WGT-Tourismus mit Hingabe und Liebe zur Dunkelromantik auf die Beine stellen. Das ist wirklich unvergleichlich und sehr erfüllend! Immer, wenn ich mich über den schwarzen WGT-Volksfestrummel aufregen will, denke ich an die Blaue Stunde – und werde ruhig. Alles ist gut. Apropos ruhig. Wir hatten gedacht, wir bräuchten nach dem sanften ins WGT hineinschweben doch noch etwas Action und fuhren zum Tanzen in die Moritzbastei. Eigentlich war das ein Fehler, auch wenn die Musik OK war und ich noch Frank traf und wir schön lange schwatzten. Aber es machte die sanfte, romantische Stimmung natürlich völlig kaputt und die Leute – nun ja, waren eben hier auch ganz anders drauf.

J – Johanna, schwarze: Dunkellila Gesöff gegoren in großen Ballonen, nicht so süß im Geschmack, trotzdem gut für die Beleuchtung. Feilgeboten auf dem Wonnemond-Markt. Schon zum liebgewonnenen Ritual geworden ist die Eröffnung des WGT mit Clerique Noire und Chris und schwarzer Johanna auf der Embeh/Moritzbastei. War toll wie immer!

K – Kosten: Das WGT kostet mich jedes Jahr ungefähr 400 €. Das zahlen manche schon bloß für die Übernachtung. Wir schlafen zum Glück privat bei meiner Freundin und ehemaligen WG-Mitbewohnerin aus Studententagen. Hier mal ein RIESIGES Danke an Kati!

Noch nicht mal Klo-Poesie wie im Westwerk gab es!

Noch nicht mal Klo-Poesie wie im Westwerk gab es!

L – Landratsamt, altes: Neue Location, dieses Jahr erstmalig – und wie ich hoffe letztmalig – im Programm. Ich will trotzdem mit dem Positiven anfangen: die zentrale Lage, die entspannte Parksituation und von außen sieht es gut aus. Aber das ist mir, wenn ich drin bin, herzlich wurst. Denn drinnen hat das Landratsamt praktisch null Charme, höchstens viele Säulen, die die Sicht versperren. Die Bühne ist genauso daneben  – ziemlich klein, nicht sehr tief, so dass ein agiler Frontmann wie Bram Declercq von Pankow auf der Bühne gar nicht wusste wohin mit sich. Entfaltung = null! Besonders viel Platz für Besucher bietet das LRA auch nicht. Wie konnte eine große Band wie Cassandra Complex dorthin verlegt werden? Am Sonntag platzte der Saal fast aus allen Nähten und der Schweiß aus allen Poren. Es war abartig heiß da drin und entweder war die Lüftung ausgefallen oder es gab keine. Oder der Wahnsinn hatte Methode und der Getränkeumsatz sollte fließen. An der Personen-Füllmenge kann es auch nicht so recht gelegen haben, denn selbst bei Brigade Werther (Hallo, wir sind Front242, wir heißen nur nicht so) als es noch nicht so voll war, musste man schon nach Luft schnappen. Dann wäre da noch der nicht vorhandene Schalldruck, dessen Fehlen sich bei Electro nun einfach mal bemerkbarer macht als bei Neofolk. Der Magen hört mit! Was es wirklich in Unmengen gab – neben schlechter Luft – war Nebel on stage. Nix dagegen, aber da hatte einer echt zu oft Carpenters „The Fog“ geschaut. Fotos konnte man sich daher stecken. Nach dem Konzi von CC wurden wir dann von der Security mehr oder weniger unsanft aus der Halle geschickt und als wir im Vorraum zusammen mit 2 Dutzend anderer Grufties friedlich warten wollten, bis sich der üble Platzregen draußen etwas beruhigt hätte, schrie uns ein Wichtigtuer von den Secs an, wir sollten jetzt endlich die Location verlassen. Nichts lieber als das, wenn sich toupierte Haare und Regen nur nicht so schlecht vertragen würden! Wussten aber die Stiernacken nicht und schoben uns förmlich raus. Wäre nicht nötig gewesen, denn wir haben im Vorraum keine Aufräumarbeiten behindert.
Ich möchte bitte den Felsenkeller wiederhaben! *quengel* Da ist zwar auch warm, aber nicht so schlimm und alles andere ist besser. Das olle Landratsamt hat mir zwei Konzerte und die gute Laune versaut. Das muss man erstmal schaffen.

       Le Petit Absintherie (Münzgasse; unweit vom Beyerhaus): Hier waren wir in größerer Freundesrunde am Montag beim Absinthfrühstück – klasse Tipp von Sandra! „Le Petit Absintherie“ ist in allem sehr stilvoll, was Absinth angeht. Das „Petit“ kommt von der Raumgröße, nicht vom Umfang der Absinthkarte, deren 3 Seiten keiner so schnell durcharbeiten kann. Schon gar nicht ohne Grundlage im Magen. Die gibt es gegenüber in der Suppenbar oder – für uns – im Bagel Brothers um die Ecke.

Finde den Pacman! Coole Clubdecke im 4rooms

Finde den Pacman! Coole Clubdecke im 4rooms

M – Minimalkompromiss: Minimal Synth, Cold Wave, New Wave, NDW, Italo Disco und 80s mit DJane Sheatle (C) und DJ robertianjim (HH) am Freitag. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in dem recht gemütlichen Club 4Rooms blieben wir hier bis in die frühen Morgenstunden hervorragend auf der Tanzfläche kleben. Ein ausgewogenes Musikprogramm mit alten, noch älteren, streckenweise schon peinlich alten aber auch modernen Stücken brachte uns zum Zappeln. Herr r@zorbla.de haderte zwar mit seinem abrissreifen Fuss – aber er betäubte sich mit „Zschach-Matt“ und „Gisela“. Irgendwann hat er ihn wohl bei einem der vielen Depeche Mode Songs vergessen, die von DJ Martin (Gore aus L.) auf die 2. Tanzfläche gekippt wurden. Dieser Abend im 4Rooms war für mich das diesjährige Party-Highlight. Schöner Club, nette Leute, klasse Musik auf beiden Tanzflächen und zum Verschnaufen konnte man Pacman an der Decke spielen.

Verschnaufpause vom Tanzen im 4rooms: M.Synthetic und r@zorbla.de

Verschnaufpause vom Tanzen im 4rooms: M.Synthetic und r@zorbla.de

 

N – Nass: War es dieses Jahr kaum. Nur einmal Sonntagnacht der Platzregen. Aber sonst heiter bis wolkig. Wenn man wie wir erst 16 Uhr die Wohnung verlässt und morgens um 6/7 Uhr nach Hause kommt, trägt man eh den schützenden Allwetter-Mantel der Nacht.

O – Ordentlich draufgeschlagen: auf die Getränkepreise hatte der Volkspalast. Ich verstehe, dass diese Ausnahme-Location finanziert sein will, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis sollte schon auch noch stimmen.

pale-sisters-wgt-2013

Pale Sisters 😉 Piet & me an der moneysucking Bar im Volkspalast

 

P – Predominance: Song-oriented Dark Ambient – so lautete die kreative Beschreibung des Genres in der iPhone App. War musikalisch gut, aber wirkte live etwas uninspiriert, besonders in der optischen Untermalung. Ich hatte ja zumindest Luftschiffe erwartet. 😉

Q – Qual der Wahl: Dieses Jahr hatten wir zwei gravierende Konzertüberschneidungen: Pankow und Martial Canterel sowie A-Split Second und > Sleeping Dogs Wake. Bei letzteren haben wir uns richtigerweise für Sleeping Dogs Wake entschieden, die man sicher nicht so schnell wieder live sieht. A-Split Second schon eher. Außerdem entschieden wir uns für Pankow, die uns beim BIMfest 2011 schon mal begeistert hatten. Aber die waren auf dem WGT in der abgespeckten Version unterwegs – keinen Schlagzeuger und von den ursprünglichen Bandmitgliedern nur Max Fasolo dabei (statt beim BIM zu dritt in der alten Besetzung). Konzert war OK, aber nicht besser als schon mal erlebt. Ich ärgerte mich jedoch erst so richtig, als uns Martin Destroyer ein paar Stunden später im Volkspalast begegnete und von seinen multiplen, elektronischen Orgasmen bei Martial Canterel vorschwärmte. Damn! Gelernt: Immer das Konzert einer unbekannten Band vorziehen, denn Auftritte von bekannten Bands müssen auf dem WGT nicht besser sein.

R – Ritual: Neben dem schwarze Johanna-Auftakt am Freitag, genossen wir auch in diesem Jahr unser Closing-Ritual am Dienstag: mittägliches Frühstück im Café Puschkin mit Freunden. Da erfuhr ich, dass Desireless doch mehr als einen guten Song und auch eine gute Coverversion von „Sweet Dreams“ gesungen hat und ihr Auftritt am Sonntag gut gewesen sein soll. Hm, also auch das verpasst.

S – Sleeping Dogs Wake: Obskures Highlight 2013! DANKE liebe WGT-Organisatoren, dass ihr diese Band nach 20 Jahren endlich wieder auf die Bühne geholt habt. Es war als würde eine Urgewalt über mich hereinbrechen! Das ging schon mit der Erscheinung von Robert Wilcocks (weise, lange Haare sieht man auch nicht so oft) und seiner tiefen, schwerlastigen Metal-Stimme los und den creepy Tönen, die er animalisch wie ein wildes Tier ins Mikro stieß. Dazu Karin Sherret’s Kontrast-Gesang und ihre rhythmischen Bewegungen an der Percussion. Was für eine Choreographie! Sleeping Dogs Wake klingen, als stünden sie mit den Mächten der Natur in Verbindung, um etwas Finsteres herauf zu beschwören. Die Musik war stellenweise so düster – sie hätte als Soundtrack zu Evil Dead oder einem schrägen Film gepasst. Das gesamte Konzert und die Musiker – sowohl einzeln als auch in ihrem hervorragenden Zusammenspiel – waren perfekt, auch der Sound.

 

Ich nahm Point.Black! und Hands auf. „Hands“ zeigt ziemlich gut, was ich im Text beschreibe.

Karin Sherret: Gesang + Drum Percussion

Karin Sherret: Gesang + Drum Percussion

Robert Wilcocks: Gesang + Gitarre

Robert Wilcocks: Gesang + Gitarre

Bruno Caurat: Bass

Bruno Caurat: Bass

Slobodan Kajkut: Drums

Slobodan Kajkut: Drums

T – Treffen: Das Wiedersehen mit allen hat riesig Spaß gemacht und ich habe auch sympathische neue Leute kennengelernt – wunderbar! Bin auch froh, dass ich mit Einigen mal etwas länger reden konnte und man sich nun bisschen besser kennt.

The Twilight Garden: Leider verpasst, weil nicht gewusst, dass die doch recht nach meinem Geschmack sind. Ein Freund erzählte, dass bei diesem Konzert VAC-Sänger Bryan Erickson am Keyboard gestanden hätte und das Konzert der Hammer gewesen sein soll. > VAC und The Twilight Garden haben sich bei diesem WGT gegenseitig auf der Bühne unterstützt.

U – Ulver: Die norwegischen ‚Wölfe’ (=Ulver) heulten mit einem großen Orchester, welches vermutlich von einem Tetris-Künstler auf der dafür doch recht kleinen Bühne des Volkspalastes hingebastelt war. Ein Gedränge! In der letzten Reihe an der Leinwand hatte dann auch die Band noch Platz. Obwohl es Ulver und Orchester schafften die Vorfreude auf ihren Auftritt durch ein halbstündiges uns Warten lassen ohne erkennbaren Grund fast schon ins Gegenteil umzukehren, hatten die mich mit dem ersten Stück schon wieder versöhnt. Genial düster, atmosphärisch dicht, filmmusikalisch. Das Orchester wirkte zwar musikalisch etwas gebremst und hätte gern etwas lauter und kraftvoller sein können, aber man hatte wohl Angst, dass die Boxen durch den Volkspalast fliegen. Zu meinem Glück gab es nur zwei Lieder mit Gesang, denn die poppige Stimme wollte für mich nicht recht passen.

Ulver beim WGT 2013

Ulver beim WGT 2013

Die Projektion setzten Ulver mal auf ganz andere Art um – tolle Idee! Vor der Bühne war ein unsichtbares Gaze-Netz gespannt und es wurde mit zwei Beamern gearbeitet: einer projizierte auf die Leinwand hinter der Bühne und einer stand in der letzten Reihe der Bühne neben den Ulver-Musikern und beamte in den Saal auf das Netz. Dadurch sah es aus, als würden Figuren übergroß mitten im Raum stehen. Oder wie beim ersten Stück Kreuze durch den Raum schweben. Insgesamt musste man sich auf Ulver einlassen – es war sehr ruhig – und öfter mal das Kopfkino anwerfen. Für mich ein hervorragendes Abschlusskonzert am Montag – sehr passend zur Geisterstunde.

Velvet Acid Christ - an Keyboard und E-Gitarre unterstützt vom Sänger von The Twilight Garden

Velvet Acid Christ – an Keyboard und E-Gitarre unterstützt vom Sänger von The Twilight Garden

V – Velvet Acid Christ: Schwierig. Ich kenne nicht allzu viel von VAC. Ich hatte vorher paar Konzerte bei YouTube angesehen und erwartete danach nicht gerade die Wallung auf der Bühne. Enttäuscht wurde ich schon mal nicht, aber auch nicht überrascht. Höchstens davon, wie viel sich Sänger Bryan Erickson trotz Körperfülle bewegte und zwischen den Stücken auf der Bühne so redete. Für mich war das Konzert echt OK und die Songs gut gewählt. r@zorbla.de meinte außerdem, er habe sein Traum-Outfit gesehen, während Alice und ich davon traumatisiert waren. Aaarrrgh!

W – When We Were Young: Das Beste an der „Trümmertango vs. Benny Steel“-Party am Montag waren die leckeren Kartoffelspalten im Werk II. Angekündigt war Goth Rock :: Electronic :: Post Punk :: Punk :: Minimal :: Classix :: NDW :: Deathrock :: DDR Punk/Rock :: Synthipop :: 80s. Wir waren ungefähr 1,5-2 Stunden da und es lief nur ausgenudeltes Zeug mit holprig-katastrophalen Übergängen, die richtiggehend auffielen. Außerdem wurde von der Hälfte der Subgenres nichts aufgelegt. Es war ermüdend. Als die Herrenriege drohte, schlaff von der Wand auf den Boden herabzugleiten und auch Gisela-Trinken nichts mehr half, verzogen wir uns ins > Beyerhaus. Gute Entscheidung!

Glitter + Trauma Party - Tanzfläche Westwerk

Glitter + Trauma Party – Tanzfläche Westwerk

Kino vom Feinsten auf der Glitter + Trauma

Kino vom Feinsten auf der Glitter + Trauma

       Westwerk: Queer Wave Party. Unsere Rettungsparty am Samstag! Dort trafen wir auch gleich Frank, der auf dem schwarzen Planeten den Tipp dazu gegeben hatte. Am Einlass zur „Glitter & Trauma Party“ erlebten wir gleich das Trauma in Form von horrenden Geldforderungen morgens 3 Uhr: die wollten tatsächlich immer noch 7 € Eintritt haben! Ich erhandelte einen Gruppentarif von 5,25 € p.P. Geboten wurde uns dafür wirklich gute Musik in einer verratzten Location mit dem unwiderstehlichen Charme des Verfalls (mehr noch als in der Alten Damenhandschuhfabrik). Also kein Glitter! Berührungen und Blicke vom gleichen Geschlecht waren genauso inbegriffen wie ein Konzertmitschnitt von Christian Death von 1993, der in Dauerschleife lief. Also ich fand es gut und auch interessant, aber zum Wohlfühlen war mir von den Leuten her der Hipster/Indie-Anteil zu hoch und die Tanzfläche zu unspektakulär.

X – Y – Z – Zuhause: Ich plädiere dafür, dass der WGT-Blues zu einer anerkannten Geisteskrankheit erklärt wird, wegen der man die restliche Woche nach Pfingsten daheimbleiben und sich von der aufkeimenden Realität erholen kann.

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Eine Frage an Euch zum Schluss: Würdet ihr das WGT gern zeitlich verlängern oder reichen Euch die 4 Tage über Pfingsten dann auch?

 

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17 Responses to Mein ABC des WGT 2013

  1. Lucretia Levi 31. Mai 2013 zu 12:18 #

    Danke für den schönen, persönlichen Rückblick.
    Ich lese sowas total gern, um zumindest ein wenig WGT Feeling im Alltag zu bewahren.

    Du hast es zu einigen Veranstaltungen geschafft, die sich bei mir aus diversen (teils nicht definierbaren) Gründen leider nicht ausgegangen sind. Wie die Blaue Stunde oder die Queer Wave Party.

    Zu Deiner Frage: Das WGT ging wahnsinnig schnell vorbei und ich war wirklich traurig, als wir Montag schon wieder fahren mussten. Trotzdem glaube ich, dass man einen sehr viel längeren Zeitraum gar nicht durchhalten würde (es sei denn natürlich man plant ganz anders). Außerdem müsste ja das gesamte Programm anderes aufgeteilt und organisiert werden. Entweder es werden dann an die 400 KünstlerInnen eingeladen oder es gibt pro Tag weniger Programm. Also natürlich klingt ein längeres WGT mehr als verlockend, aber eigentlich bin ich auch mit 4 Tagen sehr zufrieden.

    Bemerkung zum Schluss:
    Da du Gitane Demone erwähnt hast bin ich mir jetzt endgültig sicher dich bei bzw. nach dem Konzert gesehen zu haben. Leider konnte ich mich nicht dazu durchringen dich anzusprechen…

  2. Alice 31. Mai 2013 zu 12:38 #

    Was soll ich sagen? Ins Schwarze getroffen 😀 Besser hätte man es nicht schreiben können, was die kleine Absintherie, Cassandra Complex (kenne die noch nicht so lange, finde aber, dass sie gut waren, nur schade, dass die Location so Garnichts dazu beitragen wollte), VAC (oh Goth das „Make-up“) und den WGT-Blues angeht.
    Auch die When We Were Young Party haben wir dieses Jahr ausgelassen, bzw. nach einem Getränk schon wieder verlassen, da wir weder die riesige Halle, noch die Musik besonders ansprechend fanden.
    Auch supergespannt bin ich auf das Pfingstgeflüster….uiuiui…
    Im Großen und Ganzen war mein 2. WGT weniger spektukulär als das 1., bin mir aber nicht sicher obs am Programm oder am leicht verflogenen Zauber lag. Auf jeden Fall freu ich mich auf das nächste oder die nächste Party..oder was auch immer 🙂
    In diesem Sinne: Bis Bald, ich freu mich

  3. Piet 31. Mai 2013 zu 13:00 #

    Meine Eine muss sich nach dem Lesen erstmal wieder in die Gegenwart zurückquälen- ein superschönes Steinchen für’s Erinnerungsmosaik ist das geworden 🙂
    Es hat sich die Erkenntnis verfestigt, dass das WGT mit einer munteren Truppe und üblichen Verdächtigen zum Feiern, Plaudern und Unfug beschließen erst die nötige Würze erhält, um es zum Höhepunkt des schwarzen Jahres zu machen. Finde ich jedenfalls.

    Sleeping Dogs Wake… hua! Da kribbelt’s heute noch! Deren Genre wurde übrigens mit „obscure“ beschrieben- passt. In der Sammlung seltsamer Genres sollte dieser Beschreibung auch ein Platz eingeräumt werden.

    Und zur Frage… hm… auf der Zunge liegt mir natürlich, dass das WGT eigentlich nie aufhören sollte! Aus Erfahrung weis ich aber auch, dass so ausnahmemäßige Alltagskatapulte auch dröge werden können.
    Daher mein Fazit: Ich finde es so wie es ist genau richtig- zumindest wenn man bereits am Donnerstag an- und erst am Dienstag wieder abreist. Wer nicht alle Tage voll mitnehmen kann, kommt da wahrscheinlich zu einem anderen Ergebnis. Ein bisschen Bitteres muss einfach am Ende sein, damit ich wieder Lust auf das Süße, Erneute im nächsten Jahr hab und der Hunger wach bleibt.

    Auf ganz bald, Sister 😉

  4. Alice 31. Mai 2013 zu 13:53 #

    huch…die Frage habe ich glatt übersehen…also ich denke, dass 4Tage dann doch ausreichen, allerdings nicht was das Programm angeht, sondern eher weil es schwer genung ist wieder in die normalen Welt „zurechzufinden“ und man danach erstmal ziemlich fertig ist. In Sachen Programm, würde man natürlich mehr schaffen wenn es auf 5 oder 6 Tage verlängert werden würde…aber man kann nicht alles haben 😉

  5. lecontre 31. Mai 2013 zu 14:25 #

    Schön gemacht.
    Vielleicht kann man ja nächstes Jahr mal ein Bier / einen Sekt trinken?

    Wenn man schon auf den gleichen Konzerten herumspringt…

    4 Tage reicht – wenn man zeltet!

  6. Marcus 31. Mai 2013 zu 14:44 #

    Von der Trümmertango-Party hatte ich mir auch mehr versprochen. Spontan erinnere ich mich an New Model Army, DAF, She Past Away, Normahl und dem skurrilen „Tanz auf der Badewanne“ von Müllstation. Ganz nett, aber irgendwie wollte der Funke nicht so recht überspringen. Da hatte ich bei den When-We-Were-Young-Partys mehr Spaß. Allerdings muss ich zugeben, dass die Atmosphäre nicht die der letzten Jahre erreicht hat. Vielleicht lag es daran, dass die Temperaturen nicht zum zwischenzeitlichen Sitzen im Innenhof des Werk II eingeladen haben. Oder an der Songauswahl, wobei da schon auch geniales Zeug lief.

    Bzgl. eines mangelnden Schalldrucks kann ich mich bei Cassandra Complex nicht beschweren. Eher im Gegenteil. Wobei sich dieser wohl eher direkt vor der Bühne mit einem gewissen Brummen entlud – zumindest anfänglich. Am Montag (Principe Valiente, I Like Trains) war der Klang übrigens bestens.

    Und zur Frage der Verlängerung des WGT: Ich denke, dass vier Tage ganz gut passen. Wobei ich gegen einen Tag mehr auch nichts einzuwenden hätte. Mit den Jahren trifft man immer mehr Menschen in Leipzig und etwas mehr Zeit wäre durchaus angenehm.

  7. Nighttears 31. Mai 2013 zu 15:25 #

    Ein schöner Rückblick und eine gute Idee, dies in Form des ABC zu machen.

    Vier Tage sind ausreichend. Donnerstag Anreise, Dienstag Abreise. Sonst wird es zu stressig. Ein geniales, langes Wochenende. Man muss alles in Ruhe angehen, sich treiben lassen, auch mal was verpassen, sich nicht unter Druck setzen, dies oder jenes unbedingt sehen zu müssen.

  8. elektrische amsel 31. Mai 2013 zu 15:35 #

    Als sonst stille Mileserin muss ich mich nun zu Wort melden und mich, völlig am Thema vorbei, für die Toyah Willcox-Version von Echo Beach bedanken! Bisher kannte ich nur das Original von Martha and the Muffins…
    Ich mag es sehr, unterschiedliche Berichte vom WGT zu lesen. Vor allem wenn man ähnliche Erlebnisse hatte oder vor ähnlichen Entscheidungen stand. Ein bisschen piesakt es mich nun schon, nicht zu Sleeping Dogs Wake gegangen zu sein. Ich bin bei A Split Second geblieben. Aber dafür finde ich es dann auch schön, von anderen zu lesen, wie toll es war. Da kann man das noch etwas im Nachhinein miterleben.
    Zu der Frage: Ich sehe das auch so: wenn man Donnerstag anreist und Dienstag abfährt, ist es genau richtig. (Obwohl ich direkt am Dienstag auch immer denke, es könnte ewig so weiter gehen…)

  9. r@zorbla.de 31. Mai 2013 zu 16:08 #

    Danke, Clarice … äh Shan. Und noch einmal zieht alles an meinen Augen vorbei und ich spüre den unkontrollierbaren Drang nach einem Mint des Todes zu greifen. Doch die Mints-Dose ist immernoch genauso leer wie das WGT vorbei ist. Hach. Schee wars wieder mit euch allen.

    Ich muss jedoch noch einmal betonen, dass das Motto diesmal eher „Suche“ war statt „Batterie-Entladung“. Tja, mit wenig Elektronik ist eben schlecht Batterie entladen. Wieso kommen mir jetzt Kopfhörer in den Sinn? Und bezüglich der Bands kann ich nur zustimmen: Man sollte sich lieber welche ansehen, die man noch nicht gesehen hat, oder die man nicht kennt. Alles andere ist nur lohnenswert, wenn man der totale Fan ist oder die Show wirklich außergewöhnlich ist. Ansonsten ist es nur „interessant“. Ein gutes Beispiel finde ich da „Heute“. Kannte ich nicht, hätte ich aus eigenem Antrieb nicht besucht, war aber extrem unterhaltsam und sowas von abgefahren.
    Ulver fand ich auch prima, aber das wird wohl nix für Wohnzimmer& unterwegs. Da gehört einfach die Inszenierung dazu.

    Statt bei Sleeping Dogs Wake feuchte Ohren zu bekommen bin ich übrigens bei A Split-Second geblieben – in der ersten Reihe. Der Nebel betrat zuerst die Bühne und gab dann die Sicht auf ein schwarzes Häufchen preis, das sich alsbald als der Frontmann unter einem Mantel entpuppte. Nachdem er dann vermittels eines Handtuches gewalttätig gegenüber seinen Drumpads wurde leitete er ein paar Songs später die beinahe-Strangulation des Gitarristen ein. Nach ein paar Runden auf dem Boden umherwälzen ging dann alles wieder seinen normalen Lauf bis die Show zu Ende war. Und während dieser ganzen Episoden spielte der Keyboarder unbeirrt mit seiner Elektronik weiter und zeigte eine freudige, jungenhafte Mine zum finsteren Bühnenspiel. Dabei betete er jeden Text mit und deutete körperlich jeden Höhepunkt mit an. Wie ein kleiner Junge, der gerade ein Keyboard unter dem Weihnachtsbaum gefunden hat und nun zu einem Mixtape mit seinen Lieblingssongs voller ernsthaft-freudiger Inbrunst mitklimpert. Herrlich.

    Meiner Ansicht nach war das an dem abend übrigens das einzige Konzert mit gutem Klang. Bei Pankow knirschte zu oft das Gesangsmikro und bei Cassandra Complex fehlte in der Tat der Druck. Da wird etwas aufgebaut und du erwartest eine knallende Betonung, doch es kommt nur eine laue Brise. Das ist fast wie … äh. Nein, das schreibe ich jetzt doch lieber nicht.

    Und wie schon angemerkt sind 4 Tage genug (mit Anreise vor dem ersten und Abreise nach dem 4.) – allerdings könnte jeder Tag gerne 6 Stunden mehr haben, so dass man um 7 ins Bett gehen kann und nach 8 Stunden Schlaf um 9 wieder aufsteht. Oder so.

    Naja, vielleicht nächstes Jahr 😉

    Übrigens: Du brauchst gar nicht zu denken, dass keiner gemerkt hat, dass du bei X und Y geschummelt hast.

  10. Nighttears 31. Mai 2013 zu 18:51 #

    Ja, so einfach kannst uns kein X für ein U vormachen 😀

  11. Scyllarus 31. Mai 2013 zu 23:46 #

    Ein schönes ABC, danke!

    Ich hätte nicht alle Buchstaben voll bekommen, und manche anders belegt. Hervorheben würde ich da mein „S“:

    Die Ausstellung „Kinder der Nacht“ in der Runden Ecke – der ehemaligen _S_tasi-Filiale. Auszüge aus Akten, Fotos von Hausdurchsuchungen aus dem merkwürdigen Zusammentreffen einer Szene, die abgeschnitten von ihren westlichen Wurzeln, vor allem ihre eigenen Klischees kennt und zu leben versucht, und einer Diktatur, die unfähig war, abweichende Lebenseinstellungen auch nur zu begreifen. Irgendwo zwischen zum Heulen und zum Lachen …

    Ja, das WGT müßte unbedingt länger sein … nur wäre das rein physisch gar nicht zu verkraften. Ich wäre für zwei Tage Pause ab Montag, dann könnte es weitergehen …

  12. Shan Dark 3. Juni 2013 zu 23:16 #

    Lieben Dank für Eure Kommentare und Berichte von Eurem WGT – was für ein schönes gemeinsames Schwarzschwelgen über diese 4 Tage! 😉

    Ich sehe es genauso: 4 Tage WGT reichen. Auch wenn man immer bissel traurig am Dienstag ist, dass alles vorbei ist. Aber so muss es sein und dann freut man sich auch schon wieder aufs nächste Jahr. Die Version von r@zorbla.de fände ich aber klasse: wenn die Treffen- und Festspielgesellschaft das mal bitte organisieren würde, dass die WGT-Tage jeweils 30h haben?? Danke. Kann ja nicht so schwer sein 🙂

    Wenn man es verlängert, haben nicht nur die Leute, die zelten ein Problem. Sondern auch die Leute im Hotel – das kann ja keiner bezahlen. 4-5 Nächte sind schon teuer genug! Ich kam auf die Frage, weil sie vor Jahren mal im WGT-Forum diskutiert wurde und da gab es welche, die es gern auf 14 Tage ausgedehnt hätten, nur damit es kein Bandüberschneidungen gibt und man sich für alles mehr Zeit nehmen kann. Es stimmt zwar, dann wäre alles bisschen relaxter, aber ich empfinde das WGT auch heute nicht als Stress. Nur wenn man Überschneidungen hat, kann es etwas hektisch werden von einer Location zur anderen, aber ansonsten muss man einfach gelöst rangehen. Und 14 Tage – *phew* – da geht ja fast der ganze Jahresurlaub drauf! Außerdem verliert es dadurch auch seinen Reiz, weil ZU lang.

    Mit der Pause, Scyllarus, hm, da bin ich unschlüssig. Mal so einen Tag dazwischen aus- und durchschlafen wäre zwar für mich ganz nett, aber ich hätte wohl ‚Angst‘, dass durch die Unterbrechung auch der Zauber weggeht und Länge hineinkommt.

    @ r@zorbla.de: Danke Dir – auch für den A-Split Second Konzibericht. Damit hast du das wenigstens für die Nachwelt erhalten. Ich hoffe, sie auf einem der nächsten BIMfeste zu sehen.

    @elektrische Amsel: Schön 🙂 – die Version von Toyah kann man echt lange in Dauerschleife hören. Der perfekte Ohrwurm! Geht für mich noch bisschen besser ‚rein’als das Original von Martha. Wie hat Dir denn A-Split Second gefallen? Da haben wir sicher auch was verpasst, aber ich glaub, dass Sleeping Dogs Wake doch die bessere Wahl war – für uns.

    @Alice: Ich glaube, es war dieses Jahr nicht SO faszinierend, aber ich kann nicht recht sagen, woran es lag. Aber immerhin haben wir uns öfter mal gesehen – dahingehend eine Verbesserung zu 2012.

    @Lucretia Levi: Danke und beim nächsten Mal klappt es aber mit dem persönlichen Hallo. Vielleicht schon auf der Eröffnungstanznacht!

  13. elektrische amsel 6. Juni 2013 zu 21:02 #

    A Split Second fand ich total super. Es ging sofort ziemlich energetisch los und blieb so bis zum Ende. Und auch der Sound war genau richtig. Ich kann mich dem Bericht von r@zorbla.de nur anschließen: Die Band war total sympathisch, die Strangulationseinlage hat mich etwas irritiert, aber mit Blick zum Keyboarder musste man sich einfach mitfreuen. Ich bin nicht mit so vielen Erwartungen ran gegangen, weil ja leider manche ältere Bands scheinbar gern noch mal jung sein wollen, aber sich dann nur selbst kopieren und nur noch Schatten ihrer selbst sind. Aber das war hier überhaupt nicht so. Ich hab das Konzert so ziemlich durchgetanzt und danach war ich sehr euphorisch. Bei mir beides Anzeichen für ein sehr gutes Konzert. 🙂
    Ich hab mich letztendlich auch für A Split Second entschieden, weil ich sowohl Pankow als auch Cassandra Complex sehen wollte. Da hat mir dann der Ort die Entscheidung, zu welchem Konzert ich gehe, abgenommen. Ich persönlich fand im Übrigen das Alte Landratsamt gar nicht so schlecht. Ich stand aber auch immer ganz vorne links an der Bühne, da hat man die Säulenproblematik und Enge nicht so mitbekommen. Am Anfang der Konzerte haben sich zwar alle nach vorne gedrängt, aber nach einer Viertelstunde ging es dann immer, weil doch viele woanders hin sind. (hmm, wahrscheinlich nach hinten, wo es dann so voll war?) Bei Cassandra Complex gebe ich dir aber auf jeden Fall Recht: komischer Sound, zu voll (manche sind ja gar nicht mehr reingekommen). Da war der Ort echt eine Fehlentscheidung, auch wenn das Konzert trotzdem eines meiner besten war. (Das lag aber nur an der Band)

  14. SDW 15. Juni 2013 zu 13:42 #

    Sleeping Dogs Wake:

    Robert Wilcocks – guitar, voice
    Karin Sherret – voice, percussion
    Bruno Caurat – bass
    Slobodan Kajkut – drums

    SDW

  15. Shan Dark 15. Juni 2013 zu 14:45 #

    Thank you for adding and correcting the names of SDW Band members – i’m Sorry for being wrong but couldnt find anywhere better information, so THANK YOU! I will correct them tomorrow Night when I have stable Internet access (currently only mobile in Barcelona :)).

  16. Irmin 16. Juni 2013 zu 22:39 #

    Schöner Bericht! Noch etwas verspätet was von mir, unter anderem zum Thema „L“…

    Es ist ja nicht so, dass jede Neofolk-Band nur an der Gitarre zupft und dazu singt… 😉 Und Ianva fand ich schon druckvoll genug. Klar, im Kohlrabizirkus hört der Magen deutlich mehr mit (sowohl bei elektronischen als auch bei metallischen Klängen), aber dafür hallt’s dort auch mehr. Aber ja, zur richtigen Beurteilung der Fähigkeiten der Lautsprecher im Bassbereich hätte ich mir im Landratsamt wohl auch etwas aus anderen Musikrichtungen anhören müssen.

    Über den Sicherheitsdienst habe ich gehört, dass die wohl überall recht schnell Feierabend machen wollen… weiß aber nicht, inwieweit das stimmt, da war ich immer schon vorher weg. Das ist natürlich ein ziemlich dämliches Verhalten, zumal mir die Leute ansonsten (für einen Sicherheitsdienst) erstaunlich freundlich vorkamen.

    Die (nicht funktionierende) Belüftung sprach ich ja bei Spontis schon an… wenn das an anderen Tagen auch so war, wird’s wohl nicht daran gelegen haben, dass die am Neofolk-Abend erst recht spät eingeschaltet wurde…

    Ich denke, als Veranstaltungsort für „kleinere“ Bands ist das Landratsamt immer noch zu gebrauchen, von mir aus macht man da im nächsten Jahr auch nur noch Neofolk *g* Deine Gründe, das nicht zu mögen, kann ich jedenfalls völlig nachvollziehen, mir hat’s trotzdem gefallen. Aber vielleicht gefällt einem beim ersten Mal WGT auch einfach noch alles, weil es so neu ist – dann wird das nächstes Jahr wohl anders 😉

    Zum Thema „P“: Wenn du bezüglich der Bühnenshow etwas „Inspirierteres“ sehen wolltest, hättest du nach Predominance noch einen Abstecher zu „A“ wie „Arktau Eos“ machen sollen. Das war schon etwas sehr Eigenes, wie die drei Jungs in Mönchskutten und mit Sack über dem Kopf in einer Prozession auf die Bühne kamen und dort ihr Ritual feierten…

    Und zum Thema „U“ hab ich lustigerweise viele verschiedene Eindrücke gelesen, nach deinem zu urteilen wäre ich mal doch besser dageblieben… nun ja, man kann nicht alles haben 😉

    Ach ja, zur Frage, wie lange das WGT sein sollte: vier Tage sind schon der Idealwert. Wenn man es kürzer macht, würde wohl die Bandbreite des Gebotenen leiden, länger muss aber auch nicht sein – nicht nur, aber auch wegen der Urlaubsplanung und des lieben Geldes.

  17. Shan Dark 17. Juni 2013 zu 16:15 #

    @Irmin:
    Danke Dir für Deinen Kommentar – verspätet macht nix 😉

    Ja, der Sicherheitsdienst wollte definitiv schnellstens Feierabend machen, daran wird es wohl gelegen haben. Ansonsten kann ich über die Secs auch nicht meckern – waren OK wie jedes Jahr. Nur in dieser Location an diesem Tag nach dem letzten Konzert eben nicht. War aber sicher ein Ausreißer, der das ganze Bild jedoch weiter verfinstert hat.
    Was die Locations angeht und Dein 1. WGT so hast Du natürlich auch gar keine Vergleichsmöglichkeit, wie ich z.B. mit dem Felsenkeller. Und beim 1. Mal ist wirklich alles toll oder zumindest vieles. Kann schon daran liegen ;). Ich hab auch schon schlechtere Locations erlebt, aber das LRA rangiert definitiv am unteren Ende der Skala.

    Ach, Arktau Eos. Was hab ich mich geärgert, dass wir nach Predominance kurz Luft schnappen und vor dem Volkspalast dann hängen geblieben sind. Wir sind noch zum letzten Stück des Konzerts gekommen, als die Musiker da mit ihrem Kartoffelsack gruselig verhüllt von der Bühne durch das Publikum gingen. Das war echt beeindruckend. Da hab ich wohl definitiv was verpasst! 🙁 Hoffe, ich hab nochmal die Gelegenheit, Arktau Eos zu sehen. Auch musikalisch klang es sehr nach meinem Geschmack.

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