Schädelbarfußpfad & Sargschnuppern

Links zum Abbiegen – Oktober 2013

Da geht doch nix über den Herbst! Es riecht nach Vergänglichkeit und Verwesung, vor allem wenn man mit der Nase am Boden durch den Wald läuft. In der Stadt lauern an jeder Ecke Kürbisse – meist zu leckeren Gerichten verfremdet – und daheim ein leckerer Tee, rauchiger Whisky oder kräftiger Rotwein. Die laaaaangen Filmnächte brechen an und man darf bereits morgens bei Kerzenlicht frühstücken, während der Novembernebel am Fenster vorbei wabert.

Diese Woche geistert und kaspert aber erstmal Halloween durch Deutschland. Ich bin jedes Jahr aufs Neue überrascht, wie stark der schwarze Ami-Karneval hier um sich greift. Mich lässt das relativ kalt, denn für mich ist jeden Tag Halloween! Wenn ich es will. 👿  Das wussten Ministry auch schon in den frühen 80ern mit ihrem Clubhit „Everyday is Halloween“ – hier sehr genial mit Horrorfilmen unterlegt. Enjoy!

Morbide und skurril mit einem Schuss Halloween sind auch diesmal wieder meine „Links zum Abbiegen“, die zum Teil auch Eure sind –> massig Dank an alle Lieben, die mich in den letzten Wochen mit Linktipps versorgt haben.

Wild Horses for Halloween

Foto: Unknown, cheezburger.com

Foto: Unknown, cheezburger.com

Für alle Black-Beauty-Besitzer (BBBs) eine Bastelanleitung für Halloween:

  1. glow-in-the-dark Farbe anrühren
  2. Black Beauty bepinseln
  3. Kopf einziehen und als kopfloser Reiter kostümieren
  4. aufsitzen und ab in die Nacht!

Damit gewinnt ihr das Rennen ums beste Halloween-Kostüm! Mein Favorit 2013.

Schock-Rocker oben ohne – Kiss ungeschminkt

Mit der Schminke und ihrer Selbstinszenierung hatten es KISS echt drauf, davon lebten sie streckenweise besser als von ihrer doch eher mittelmäßigen Musik. Sänger Gene „The Demon“ Simmons sagte über sein Make-up, dass er es oft verfluchte, aber es veränderte ihn auch und gab ihm auf der Bühne ein „Gefühl der Macht“. Am 18. September 1983, zehn Jahre nach der Gründung von KISS, zeigten sich die 4 Schock-Rocker zum 1. Mal in der Bandgeschichte ungeschminkt. Eine Sensation!? „Und dann sah man sie: vier langhaarige Männer mit harmlosen Allerweltsgesichtern.“ Doch ihr Marketing-Plan ging auf…

Room 237 – Dokumentation über Kubrick’s Metaphorik in „Shining“

Offensichtlich ist bei Stanley Kubrick nichts so wie es shiningt. Das will die neue Dokumentation „Room 237“ von Rodney Ascher beweisen und damit eine der größten Verschwörungstheorien der Filmgeschichte aufdecken. In Wirklichkeit handele „The Shining“ von der Ausrottung der amerikanischen Indianer, dem deutschen Massenmord an den Juden und der gefälschten Mondlandung von „Apollo 11“. Die Doku sei eine Liebeserklärung ans leidenschaftliche Filmegucken – was ich sofort glaube. „Room 237“ ist komplett auf YouTube (in English) verfügbar.

Nasino: Vom Mensch zum Menschenfresser

Nur ein grausamer Bruchteil von Stalins Diktatur sind die Gulags – Arbeitslager. Um Städte von vermeintlichen Regimegegnern zu säubern, ließ der sowjetische Diktator 1933 rund 6000 Menschen auf der unbewohnten Insel Nasino im Fluss Ob aussetzen. Hunger und Todesangst trieben die Deportierten zu kannibalistischen Verzweiflungstaten. Ein Artikel, der mir sehr nahe ging.

Haben Bestatter Sex mit Leichen?

Foto: fotolia @Eric Simard

Foto: fotolia @Eric Simard

Das wird Mr. Undertaker vom Bestatterweblog oft gefragt – wenn auch „größtenteils von Pubertierenden oder vorpubertären Mal-bloß-so-Fragern“. Doch diesmal erörtert er das Thema noch einmal ausführlicher und wie gewohnt in seiner ernstzunehmenden, aber nicht todernsten Art. Zum Schluss kommt auch noch Domian zu Wort.

Bestattung backstage

Der liebe Schatten aus Marburg hat mal wieder ein Kleinod österreichischen Morbidikertums entdeckt: DerStandard.at verkündet mit satirischem Text und eingewebter Todespoesie die „Schnuppertage im Sarg“, die die Innsbrucker Bestattungsfirma J. Neumair („Der Spezialist für moderne Verstorbenenversorgung“) anbietet. Ich kann sowohl den Text als auch die Idee zum Tag des offenen Sargdeckels als auch das ‚austriakische Naturell‘ nur ein weiteres Mal bewundern und feststellen: Sie können’s einfach am besten, die Österreicher!

PS: Kleiner Übersetzungstipp zum Artikel von (meinem Lieblingsösterreicher) Dunkelelb: Gfrieser = Gesichter; eher negativ besetzt (zum Beispiel die „schiachen Gfriser“ (hässlichen Gesichter) kann ich nicht mehr sehen)

Schädelbarfußpfad mit Kunst

What will you leave behind? (Foto: Nino Sarabutra)

What will you leave behind? (Foto: Nino Sarabutra)

Über 100.000 Schädel laufen konnte man dieses Jahr in Nino Sarabutra’s Ausstellung in Bangkok und Singapur. Diese trug den Namen „WHAT WILL YOU LEAVE BEHIND?“ und beherbergte 100.000 Miniatur-Schädel aus Porzellan, die der thailändische Künstler u.a. mit Freunden, Verwandten, Nachbarn, Studenten anfertigte. Diese sollten während der Schädelbauarbeiten für das Projekt ihre persönliche Antwort auf die Frage finden, was sie einmal hinterlassen werden. Die Antworten konnten die Besucher an den Wänden der Ausstellung lesen. Sarabutra sagt: “I don’t see the skulls as images of fear or sadness. They are liberating: look at all the opportunities, all the lives you could live, how serious your life is. Then go out and make the most of it.”

Ich fordere, dass diese Ausstellung samt Schädelbarfußpfad auch nach Europa / Deutschland kommt. Bis dahin überlege ich mir, was ich nach meinem Ableben noch hinterlassen werde außer einem im Orbit treibenden schwarzen Planeten. 😉

Goths up trees

Unsere schwarze Subspezies tummelt sich gern auf Bäumen. Das wusste ich gar nicht – bis ich diesen liebenswert schrägen Goths-up-trees-Tumblr-Blog entdeckte. In dem sammelt  die Australierin Verity all jene, die behaupten schwarz zu sein und an einem Ast hängen oder wahlweise auf ihm sitzen. Verity belohnt jedes Baum-Grufti-Foto mit einem herzhaft-amüsanten Kommentar und vergibt Punkte für Kletterhöhe, Körperhaltung und versprühte Gothy-ness. Höchstnoten gibt es, wenn das Bild nachts aufgenommen und man selbst möglichst blass ist, nicht lacht und finster dreinschaut wie ein fieser Baumgeist. Ich vergebe an Verity 5 von 5 Punkten, denn hier haben wir einen Goth, der uns den Spaß an Szeneklischees zurückbringt.

DAF zerstört

Jawoll, jetzt ist sie kaputt, die Deutsch-Amerikanische Freundschaft. Oder zumindest stark in Mitleidenschaft gezogen. Seitdem Angela Merkels Handy von der NSA abgehört wurde und Obama wir-wissen-noch-nicht-wie-viel darüber bescheid wusste, erleben die USA ihr „Handygate“ mit Deutschland. Ist nur die Frage, wie sehr es ihnen egal ist. Apropos egal: Als nur die deutsche Bevölkerung abgehört wurde, war für die Kanzlerin alles noch Neuland. Mittlerweile hat sie offenbar dazu gelernt und jetzt kommt doch mal etwas Druck auf den Kessel. Unser Herr Bundesfriedrich, unfreiwillig an vorderster Front, fordert jetzt nicht nur Transparenz sondern sogar, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Ich bin gespannt, wie er das machen will. Was bisher geschah, bringt dieser geniale Cartoon auf den Punkt.

nsa-merkel

Sorry für das netzpolitische Thema zum Schluss, aber ich konnte es mir einfach nicht verkneifen und schiebe das auf meine Ohnmacht in der Sache.

 

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7 Responses to Schädelbarfußpfad & Sargschnuppern

  1. solitary_core 28. Oktober 2013 zu 19:43 #

    hm das mit den Goth-up-trees klingt schon wieder Gibsonesque (William, nich Mel 😀 ), in „neuromancer“ berschreibt er das die dortigen Gothicks auf SimStim* von wild korpulierenden Ratten und Affen auf Bäumen abfahrn, das wecke ihr atavistisches Grundbedürfniss zur Natur …

    *(vergleichbar mit Fernsehen, nur das du als Nutzer die Gefühlswelt und Sensorik selber miterlebtst, klingt erstmal aufregend, aber als Video-Spieler is mir das ganze zu passiv, ich käme mir vor wie im Körper eines anderen eingesperrt, oder wie ne endlose VidoeSequenz, die Folter aller Gamer 😀 )

    Das mit den Schminken und Kunstfiguren is ja nich nur Kiss, wenn ich an Brian Warner alias Marilyn Manson denke, es hilft dem Künstler meist selber sich von der Kunstperson abzugrenzen und auch mal abzuschalten, anderfalls sitzt du irgendwann mal beim Friseur und schneidest dir selber ne Glatze …

    Die Idee mit Glow in the Dark Farbe auf Pferden klingt spassig, hab aber dabei eher die Bedenken das das ganze nich grade gesund ist und weis bei Hottehüh’s das sie praktisch alle Stellen an sich anknabbern können, wenn man mal von den Hals-Flanken und Kopf absieht …

  2. Shan Dark 28. Oktober 2013 zu 22:09 #

    @solitary_core
    *Gibsonesque* haha 🙂 – aber bei „abfahrn“ haste dich bestimmt verschrieben – soll es von Ratten und Affen auf Bäumen abstammen heißen, oder? Das würde auch Sinn machen.

    Halloween ist an sich nicht gesund, daher… ist aber ein berechtiger Einwand! Ich muss das umformulieren in „pferdeverträgliche Glow-in-the-dark-Farbe besorgen“. Vermutlich kitzelt die Farbe nämlich, wenn sie fest wird und dann geht die Knabberei los. *seufz*

  3. Andreas 29. Oktober 2013 zu 09:19 #

    „nichts so wie es shiningt“ 😀 Wie immer super geschrieben. Dankeschön.

  4. solitary_core 29. Oktober 2013 zu 15:12 #

    nene das abfahrn is schon richtig, im Sinne von mitfiebern und so, sie feiern regelrechte Parties mit derartiger Untermalung 😀

  5. Nighttears 30. Oktober 2013 zu 11:30 #

    Ja, unsere südlichen Nachbarn aus Österreich sind uns in diesen Dingen schon weit voraus. Ein vollkommen anderer und offenerer Umgang mit dem Thema Tod, mit dem wir ja alle früher oder später konfrontiert werden. Manche mögen es für krank oder morbide halten, in meinen Augen ist es aber weitaus besser, diesem Thema offen zu begegnen.

  6. Kathi 6. November 2013 zu 21:50 #

    Hey,
    interessante Links dabei.

    Was die Farbe angeht kann ich euch beruhigen die ist ungiftig. Hab die schon im Reitgeschäft gesehen und ein paar meiner Mädels haben sie benutzt.

    Grüße Kathi

  7. Shan Dark 7. November 2013 zu 00:06 #

    Hi Kathi,
    echt, so Farben gibts zu kaufen – mit Glow-in-the-dark? Ich bin fasziniert. Und froh, dass Black Beauty keine Vergiftung droht…danke!
    Liebe Grusels
    Shan

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