Vampire & ekelhafte Untermieter

Links zum Abbiegen – Juli 2013

Sommer. Täglich 30+ Grad. Eigentlich lässt man es besser mit den Blogbeiträgen. Bei Hitze liest sobiso keiner. Auch zum Schreiben ist es zu warm – ich sitze auf dem Sofa und tippe, während sich mein Laptop auf den Oberschenkeln in ein Heizkissen verwandelt. Dabei ist es gar nicht so einfach, einen kühlen Kopf zu bewahren und die interessantesten Links & News der letzten Wochen zusammen zu tragen. Apropos tragen: irgendwann muss ich mich mal über die Zweckentfremdung von Kleidungsstücken auslassen. Über den deutschen Hang zu Pragmatismus und übersteigerter Bequemlichkeit. Ich sage bewusst „Hang“, denn von Geschmack kann man nicht mehr sprechen. Es kommt ans Licht bei Dauerlicht: Trekkingsandalen, Männer in FlipFlops, Schirmmützen… Sonne an, Stil aus! Früher gab es noch Männer in langen Mänteln und mit Zylinder auf dem Kopf – auch bei 35°C im Schatten, da bin ich mir ganz sicher. Vampire zumindest machten schon immer und auch in heißen Sommernächten einen schlanken Hals, äh Fuß!

„Fürsten der Finsternis – Vampirkult im Film“

vampirfilme-nosferatu-murnauEine Ausstellung über Vampirfilme! Das Filmmuseum Düsseldorf zeichnet vom 28. Juni bis 13. Oktober 2013 die Geschichte des Vampirfilms nach und stellt diesen den Vorlagen aus Legende und Literatur gegenüber: „Die Besucher begegnen allen wichtigen Vampirfiguren aus über 100 Jahren Filmgeschichte (…) Eine besondere Attraktion sind begehbare Studiosets wie ein viktorianisches Schlafzimmer oder Draculas Gruft.“ On top gibt es die Fotoausstellung „Universal Horror“ mit Fotos von den Dreharbeiten und mit außergewöhnlichen Dokumenten zu den Horror-Produktionen der Universal Studios, die u.a. für Wolfman, Phantom der Oper oder Frankenstein ‚verantwortlich‘ sind. Na das gibt was! > Meine besten Vampirfilme

Der Friedhof der Vampire

…wurde gerade erst neu entdeckt in Polen, nahe Gleiwitz (Gliwice). Dort rätselt man derzeit über 42 Skelette, von denen die ersten vier mit abgetrennten Schädeln gefunden wurden. Diese lagen entweder zwischen den Knien oder der Tote hielt seinen Schädel ‚unter dem Arm‘. Daraus hätte man einen schönen „Friedhof der Vampire“ machen können, denn früher wurden Menschen so „außerhalb ihrer Anatomie“ begraben, von denen man Angst hatte, dass sie als untote Wiedergänger zurückkommen könnten. Allerdings sind unter den 42 auch normal bestattete Leichen – der Großteil hat seinen Schädel auf den Schulterknochen und nicht woanders. Einige Skelette besitzen aber ein „katzengesichtiges“ Aussehen, was ihnen vielleicht zum Verhängnis wurde: Wegen ihrer Andersartigkeit habe man ihnen böse Eigenschaften zugeschrieben. Warten wir mal ab, was die weiteren archäologischen Untersuchungen herausfinden. Ich jedenfalls hätte nichts dagegen, den „Friedhof der Vampire“ auf den Reisespeiseplan zu setzen.

Vampirspinnen lieben Blut

Weiter geht’s mit Vampiren und einer Spinnenart, die hält, was ihr Name verspricht: Wie es die 8-äugigen Vampirspinnen schaffen unter ihren Beute-Mücken genau diejenigen herauszufiltern, die ordentlich mit Blut vollgesogen sind, lest ihr bei den „Boten des Todes“ im Schemenkabinett.

Filmschurkinnen

misery„Diese Frauen sind der Horror!“ titelt Spiegel Online und präsentiert 26 fiese, unzimperliche Damen aus Horrorfilm und Thriller. Von Kathy Bates über Sharon Stone, Charlotte Gainsbourg und Nastassja Kinski hin zu Barbara Steele und Jennifer Jason Leigh. Nur die Rubrik „Darum haben wir keine Angst mehr vor ihr“ ist so entsetzlich normalo, die hätten sie sich sparen können.

Ekelhafte Untermieter

Jeder hat sie. Der eine mehr, der andere weniger. Aber einen Haushalt ohne sie gibt es nicht, denn unser Ungeziefer gehört einfach zum Ökosystem und teilt Küche, Bad und Bett mit uns. Eine hervorragende, lehrreiche Wissenschafts-Doku im Stile eines Tier-Horror-Movies – aber mit Witz dabei!

ListenToTheSilence

Es gibt ja viele gute Fotografen in der Szene – Ives Zander ist einer von ihnen. Sehr schöne Konzertfotografien von Philipp Boa, Dead Can Dance, The Cassandra Complex oder Hooky – wieder aus einem ganz eigenen Blickwinkel. PLUS: Fotografien der Gräber von Joy Divisions „Closer“ und „Love will tear us apart“ vom Staglieno Friedhof in Genua. Muss ich hin… Lieben Dank für den Tipp an hasejoe.

Pfingstgeflüster – WGT 2013

Shan Dark WGT 2013 (Foto: Marcus Rietzsch)

Shan Dark WGT 2013 (Foto: Marcus Rietzsch)

Geschafft! Marcus Rietzsch, Edith und alle am „Pfingstgeflüster“-Magazin beteiligten Autoren und Fotografen haben sich wieder mächtig ins Zeug gelegt, um das Wave-Gotik-Treffen 2013 qualitativ hochwertig zu Papier zu bringen. Wie immer liebevoll zusammengestellt mit richtig, richtig viel Aufwand von allen Beitragenden, der durch die 8,90 € pro Magazin nicht mal ansatzweise gedeckt ist. „Hingabe von der Szene für die Szene“ lautet hier noch das Motto. Das diesjährige Pfingstgeflüster enthält 92 Seiten mit WGT-Erinnerungen, Leipziger Geschichte (Völkerschlacht und ein Portrait des Verwaltungsgerichts), Kolumnen zur Szene (hervorragend ist Robert Spontis Artikel über den „Blitzkrieg“ beim Viktorianischen Picknick) und Ausschnitte aus Büchern, die in Lesungen vorgestellt wurden.

Gerade für diese Lesungs-Leseproben bin ich immer sehr dankbar, weil ich sowas beim WGT nicht mitnehme. Ich verpasse da was, ja, aber noch gehen für mich Konzerte, Absinth-Frühstück, Leute treffen oder profanes Schlafen vor. Bei jedem Pfingstgeflüster denke ich dann: „Hm, muss mir das Buch kaufen.“ An der Umsetzung hapert es mitunter, aber das liegt nicht am Autor oder am Buch, sondern an meiner übervollen Festplatte im Kopf, die gern mal Dateien mit reinem Lesezugriff aus dem Speicher löscht. In Erinnerung geblieben vom diesmaligen Pfingstgeflüster: Christian von Aster „Neulich im getöpferten Heinzelmann“ und die Exzerpte von Klaus Märkert, Bianca Stücker und Bettina Bormann, der Sängerin von „Oberer Totpunkt“ – die mit ihrer Geschichte „Der Paradiesvogel“ für mich wahrlich den schwärzesten Vogel abgeschossen hat (der mir mehrere Tage im Kopf herumflatterte).

Und dann gibt es im Pfingstgeflüster dieses Jahr auch meine Freunde Alice & Nec, r@zorbla.de und M.Synthetic zu bewundern – und mich auch. Ebenfalls drin ist Lucretia Levi – hat mich sehr gefreut! Für die WGT-Besucher-Portraits wurden wir auf dem Gelände des Grassi-Museums vor Marcus‘ Linse gestellt und mussten im Nachgang noch eine peinliche Szene-Befragung per Fragebogen von Robert über uns ergehen lassen. 😉 Aber das hat sich alles echt gelohnt!

 

Wieder vielen Dank an Euch für eure guten Tipps zu Links & Events!

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4 Responses to Vampire & ekelhafte Untermieter

  1. Schatten 25. Juli 2013 zu 10:19 #

    Hallo Du bleiches Schwesterlein,

    wieso liest bei Hitze „sobiso keiner“ ? Ich tu es, aber vielleicht hängts ja auch daran, daß es in meinem hübschen Wohnlabor momentan 23°C sind ? Ich wohne auf der Schattenseite und auch nicht unter dem Dach – dort ists schlimm. Und tatsächlich vermute ich, daß Du in der Arbeitsgruppe Thanbichler (welche just auf der Sonnenseite haust) grad keine Leser hast !

    Jaja „Trekkingsandalen, Männer in FlipFlops, Schirmmützen“. Das ist hier in Marburg auch nicht anders. Wobei ich aus tiefsitzender Gewohnheit eher nach Frauen schaue (solange es die Gender-Aktivist*innen noch nicht verbieten) und mich oft über erbsgrün-graue knielange Flatterhosen und Turnschuhe entsetze. Die marschierende Venus wurde ja schon von Ödön von Horvath beobachtet !

    Wie wäre es mit einem Artikel „Vampire, marschierende Venen & ekelhafte Untermieter“ ?

    Ich saß mal mit der sehr bezaubernden Yulia (welche nun leider wieder in Jekaterienburg ist) in einem Straßencafe und ich fragte sie, warum sie ihre schönen Absatzstiefel nicht mehr trage. Sie antwortete, Marburg sei eine dress down city, und wenn ich ihr innerhalb einer Stunde eine Frau mit schönen Absatzschuhen zeigen könne, dann trage sie die ihren auch wieder.

    Würde denn ein Vampir den Autoklaven überleben ? Damit töten wir routinemäßig die transgenen Monster die wir hier zusammenbasteln. Erst gestern mußte ich wieder mithelfen zwei wachstumsgetunte Fauchschaben zu überwältigen damit sie aus den Vernichtungsbeuteln (Die heißen wirklich so !!) nicht wieder rauskamen. So eine Schabe (Kakerlake) von reichlich 30 cm Länge ist schon beeindruckend. Erinnert irgendwie an Schildkröte, ist aber auf ekelhaften dünnen Beinen sehr viel schneller …

    Ich bin diese Woche dran mit Mediendienst. Das klingt anders als es ist: Medien sind bei uns verschiedene Lösungen mit Nährstoffen und Salzen und Puffersubstanzen. Das Zeug muß vor Lagerung bzw. Einsatz autoklaviert werden. Auf diesen Medien lassen dann die Kolleg*innen irgendwas wachsen, gerne auch was transgenes, siehe oben.

    Hab ich schon erwähnt, dass diese totautoklavierten hässlichen Fauchschaben immernoch nebenan im Waschbecken rumliegen ?! So ist das dauernd: wenn einer die Abfälle autoklaviert glaubt er seine Pflicht getan zu haben nachdem er die Tonne befüllt und eingeschaltet hat. Sauerei !

    Also lieber doch keine Vampire in den Autoklaven, die liegen dann auch bloß wochenlang rum und keiner schafft sie weg !
    *murmelmurmel*

    Heftige Düstergrüße vom Schatten

  2. Shan Dark 25. Juli 2013 zu 23:42 #

    Hallo Schatten-Meister ;),
    bist ja momentan sehr gefragt – bei der vielen Sonne… Marburg ist eine dress down city – ich musste so lachen!! Wobei das nicht nur auf Marburg zutreffen wird sondern auch auf andere deutsche Städte. Die Deutschen haben es eben gern praktisch und da sind Turnschuhe, Trekkingsandalen im Stadtverkehr und FlipFlops genau richtig! Auch Männer haben sich – was die FlipFlops angeht – da gehörig emanzipiert. Kann ja jeder machen was er will, aber gefallen muss es mir nicht. Direkt am STrand kann ich das verstehen, aber sonst, nee. Aber wenn es um Kleidungskultur geht, braucht eh keiner nach Deutschland zu schauen. Warum nicht, das geht einem gut auf, wenn man sich mal die Zeit im Straßencafé oder Biergarten nimmt und mal die Leute beobachtet. Es ist schwer, dress-up People zu finden, die mit Stil gekleidet sind. Es gibt sie, aber sie sind rar. Mittlerweile ist es aber auch in der schwarzen Szene nicht so einfach, Stil zu finden. Da läuft halt auch viel Karneval und schlechter Geschmack rum. Naja, das haben Szenen so an sich, wenn sie zu breitenwirksam werden.

    Autoklav – für Dich ist das alltägliches Ding, ich musst erstmal googeln. Faszinös! Ich habe nur einen Mini-Autoklav namens „Schnelli“ – also mein Schnellkochtopf. In den würd ich auch keine 30cm Fauchschaben reinkriegen. Die gingen mir heute noch mehrfach durch den Kopf, dabei will ich sie mir gar nicht vorstellen so wirklich. Auch nicht, dass die vermehrt im Waschbecken rumliegen. Ich hab eh schon leichte Probleme mit Kakerlaken, da ich in Studizeiten recht viele von der benachbarten Studenten-WH-Küche bei mir beherbergen durfte. wenn die dann aber auch noch 30cm groß sind… **örks** Ich beneide Dich nicht mehr um deinen Job! Aber was alles geht ist schon faszinierend. Oder ist es eher beänstigend?

    Ich musste an „Die Fliege“ denken. Pass auf, dass Du nicht in so eine transgene Aktivierungskapsel gerätst… ein Ende im Vernichtungsbeutel wäre nicht so toll. Man muss ja auch immer dran denken, was dann mal auf dem eigenen Grabstein steht.

  3. Schatten 26. Juli 2013 zu 14:09 #

    Hach wie sag ichs meiner Schwester … !
    *ächz*
    Ich war gestern in so übermütiger Stimmung und hatte richtig Spaß mit Kopfkino wie ich zusammen mit der Marlene aus der Tierphysiologie eine wild strampelnde 30 cm große Fauchschabe in den Plastikbeutel stopfe … oder wie davon dann zwei Exemplare heftig weichgekocht in ihren Beuteln im Waschbecken liegen. Naja, es ist ja fast alles wahr. Das stehen die Autoklaven und die sind tatsächlich so groß, dass man einen Vampir in Hockstellung reinkriegen könnte. ( … ich krieg schon wieder Bilder … wie der dann aussieht wenn man den Autoklav anschließend öffnet … buuuhh). Wir autoklavieren hier alles irgendwie genveränderte, allein schon aus Sicherheitsgründen (obwohl in Wirklichkeit keinerlei Gefahr von diesen Bakterien ausgeht, aber das ist ein anderes Thema). Und es ist völlig zutreffend, dass die drüben an der Uni Fauchschaben haben. Aber ich glaube, es wurde noch nie solche Schabe eine auf Größe gezüchtet oder getunt; weder in Marburg noch sonstwo. Ich fragte vorhin zwei Kolleginnen drüben per mail, bekam aber noch keine Antwort.
    Ob die mir zuliebe zwei solche Schaben wirklich machen könnten ? Drüben an der Tierphys haben sie Madagaskar-Fauchschaben und die sind bis zu 8 cm groß. Aber die werden nicht autoklaviert; wir machen das nie mit lebenden Tieren (oder halb lebenden Vampiren) sondern nur mit Bakterienkulturen und was damit in Berührung gekommen ist.
    Und die Leute lassen das dann wirklich einfach rumliegen, zum Beispiel die Pipettenspitzen im Waschbecken, das ist wahr. Außerdem hatte ich wirklich diese Woche Mediendienst und das mit der Yulia ist ebenso völlig zutreffend. (forgive me pulling your leg … )
    Reuige Grüße vom übermütigen Schatten

  4. Shan Dark 28. Juli 2013 zu 18:22 #

    Was soll ich nur mit so einem übermütigen Schatten machen?? Ich werde Dich gleich ungeschützt der Sonne aussetzen, wenn Du die Planetenkönigin so hinters Licht führst und im wahrsten Sinne des Wortes „SCHABErnack“ treibst. 😉 Ich hatte zwei Tage schlimme Bilder von Riesenkakis in meinem Kopf! Denn ich traue der Biochemie und gewissen Laboratorien doch so einiges zu und – obwohl überrascht – auch 30cm große Schabereien. Genmanipulation kann das bestimmt – hast Du denn schon Antwort von „drüben“?

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