Gothic Clubs in Wien: Fledermäuse, U-Boote und Schlawiner

Gothic Clubs in Wien: Fledermäuse, U-Boote und Schlawiner

Jetzt war es einige Wochen still auf dem schwarzen Planeten. Dafür bitte ich die geneigte Leserschaft um Verständnis. Shan Dark war verreist, um neue skurrile Reiseziele zu entdecken. Eines der Highlights unseres Sommerurlaubs war dabei Wien – eine Stadt die förmlich überquillt vor skurrilen ‚Sehenswürdigkeiten’ und die einem unter www.gothic.at/termine schon voraussagt: Egal, wann Du kommst, schwarz sind die Nächte! Gothics and Freaks are always welcome!

Zombie-Outfit gratis

Das begeisterte und überforderte mich gleichermaßen. An wirklich jedem unserer Abende in Wien gab es eine andere interessante Dark Party, oft auch zwei parallel. Auch immer in einem anderen Gothic Club, so dass es stets eine neue Location zu entdecken gab. Das düstere Nachtleben war also gesichert und die Tage waren auch gehörig verplant. Erholung Fehlanzeige. Nach zwei Tagen mutierten wir zu zombie-ähnlichen Kreaturen, die sich freundlich lächelnd durch die Wiener Nächte schleppten…

Cabaret Fledermaus

Dark Party Wien-Cabaret Fledermaus

Hier hat nicht nur die Leuchtreklame Stil

Don’t miss it – unser zuletzt besuchter Gothic Club in Wien war zugleich der Beste und Schönste! Im Cabaret Fledermaus stimmt einfach alles: die Innenstadt-Lage in der Spiegelgasse 2, die Räumlichkeiten im Stil eines kleinen Theaters mit Bühne und Bar, die gemütlich-plüschig-schummerige Atmosphäre, die Dekoelemente a la Jugendstil meets Horror-Trash, selbst die Sitzgelegenheiten sind geschmackvoll von bequemen, samtbezogenen Sitzbänken, Sesseln und Sofas bis hin zu Barhockern im Sex-Pistols-Punk-Design.

Gothic-Club-Cabaret- Fledermaus-Wien

Eintreten, Platz nehmen, wohlfühlen.

Wien-Cabaret-Fledermaus-Deko Theke

Wem gehört diese Hand in der Theke?

Gothic-Party-Wien-Cabaret-Fledermaus-freitags

Schaukasten zur "Gothic Classics Party", die immer freitags stattfindet

Man kommt rein – übrigens ohne Eintritt – und fühlt sich gleich wohl. Es gibt viel Tolles zu entdecken, von der Thekengestaltung der „Twister Bar“ über Bild- und Filmprojektionen bis hin zu Schallplatten an der Decke im Gang zur Toilette. Wie erwähnt, wir waren montags zur „Mercy Clubnight – Dance the 80s“ dort – die Anzahl der Gäste war an diesem Wochentag natürlich überschaubar. Man kennt sich hier, ist aber aufgeschlossen und freundlich Neuzugängen gegenüber. Das ist wohl „systemimmanent“ bei Österreichern – alle sind supernett! So kam ich beim Fotografieren gleich mit dem Club-Inhaber ins Gespräch, der meinte, freitags wäre hier immer die größte Gothic-„Classics“-Party in Wien mit ca. 300-400 Gästen. Das haben wir dann leider verpasst. Musikalisch lief an diesem Montagabend alles Oldschoolige, u.a. Anne Clark, Kraftwerk, Die Goldenen Zitronen mit „Für immer Punk“ („Sollen deine Kinder alle Grufties werden?“ haha), Nine Inch Nails, Covenant etc. Sehr gut, auch wenn sich der DJ unbedingt noch „Luna Square“ von Boytronic zulegen sollte…

Hier noch 3 Dinge, die es nur im Cabaret Fledermaus gibt:

  • Hausrunde für alle um Mitternacht mit Karamell-Wodka (lecker!) – spätestens lernt man sich hier beim gemeinsamen Anstoßen kennen
  • interessante Beamershow mit Gothic-Pictures und seltenen s/w-Filmen
  • „Lost & Found“-Liste mit Fundstücken von den Veranstaltungen – darunter eine Klapperschlange ;-)

 

U96 – 80′s Zone

Da 80er Hits gerade wie Zombies von den Tanzflächen auferstehen, schleppten wir uns am ersten Abend mit 9h Autofahrt in den Knochen ins U96 zur „80s Pop, Wave & Underground“-Party.

Dark Party Wien-U96-DJPult

Die DJs der 80ies Zone in ihrem "Maschinenraum"

Dark Party Wien-U96-Tanzfläche

Immer gut gefüllt: das pulsierende Herz des U-Boots

Dark Party Wien-U96-Falco

Falco war natürlich bei der "80s Zone" audiovisuell präsent.

Das U96 ist in der Nußdorfer Straße 69 und liegt ganz in der Nähe vom sogenannten „Wiener Gürtel“. Hier fährt die U6 überirdisch auf einer alten Brückentrasse entlang und darunter, quasi in den Brückenmauern, befinden sich viele alternative Clubs und Kneipen. Es lohnt sich vorab an der „Josefstädter Straße“ auszusteigen und dort irgendwo etwas zu essen oder vorzuglühen.

5 Euro Eintritt gelatzt und danach steigt man hinab in Räume, die wie ein U-Boot designed sind. Aha, daher der Clubname (hätte ich auch früher drauf kommen können!). Die u-bootige Innenarchitektur besteht aus Maschinenraum-Elementen, Drehzahlmessern und Cockpit am DJ-Pult sowie Metallplatten und Einstiegsluke an der Tanzfläche. Im hinteren Bereich ist die Gestaltung dann eher im Stil eines 80er-Jahre-Clubs mit gemütlichen Sitzecken, Spiegeln und Marmorklebefolie an Wänden und Möbeln. Durchaus zum Wohlfühlen.

Die „80′s Zone“ war gut besucht und obwohl es kein Gothic Club ist, waren zur Hälfte Gothics da, die uns interessiert „musterten“ weil unbekannt. Wieder waren alle sehr nett, man kam leicht ins Gespräch, spätestens beim Warten an der Theke. Die Getränkepreise sind moderat: für 4,40 Euro bekommt man ein 0,5er Bier und einen 0,1er Rotwein inkl. 1 Glas (Leitungs-)Wasser gratis.

Musikalisch wurden die bekannten und guten 80er Tanzflächenfüller gespielt (Alphaville, Aha, Billy Idol, Depeche Mode…) sowie Gothic Classics von The Cure oder Sisters Of Mercy. Leider überhaupt nichts Ausgefallenes. Mir hat es im U96 trotzdem sehr gut gefallen, von der Atmosphäre und den Leuten her und weil ich endlich mal wieder zu Faith No More’s „Epic“ tanzen konnte – yeah!

Schlawiner – Art & Music Club

Schlawiner Wien-Metallica-Celesion-Coverband

Metallica live - jedenfalls für die Ohren ;-)

Schlawiner Wien-Wein

Mein 0,4er (!) Becher randvoll mit Rotwein :-o ... das reichte erst mal eine Weile.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Schlawiner in der Elisabethstraße 13 (Nähe Burggarten und Oper) ist eher eine gemütliche, alternative Kneipe als ein Gothic Club. Wir entdeckten den Schlawiner zufällig und hatten Glück, denn im Keller spielte überraschend Metallica! Und das für lau. Jedenfalls kam diese junge Cover-Band sehr nahe an ihre Helden ran, von der Stimme her meinte man tatsächlich James Hetfield steht da auf der Bühne. Wenn ich das bei der Lautstärke richtig verstanden habe, so gab hier die junge Nachwuchsband „Celesion“ ein Abschiedskonzert für ein Bandmitglied. Es waren fast nur Freunde der Band da, viele Alternative und Metaller.

Irgendwie war das ein lustiger Abend, die Leute mal wieder umwerfend nett, ein kultiger Club und das Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Getränken äußerst angemessen (besonders beim Wein – siehe Foto). Für Gothics findet im Schlawiner jeden 1. Samstag im Monat der dunkle Abstieg **lach** statt, die Dark Descent-Party. Wir hatten stattdessen die jungen Metallicas – mindestens genauso gut.

Düsteres Schmankerl: Der Horror House Film Club

Wien-Horror-House-Film-Club

Pikant: Auf älteren Apple-Mac-Monitoren gab es die Programmvorschau und Informationen zu "bedenklichen Entwicklungen in der Welt", wie z.B. Mensch-Tier-Chimären. Drinnen lief der Film, der Raum war gefüllt.

Wien-Horror-House-Film-Club-Logo

Einfach genial - das Logo des Horror House Film Clubs

Wien-Celluloid-Film-Club

Warum wohne ich nicht in Wien?? **auch-haben-will**

Leider haben wir das als totale Stummfilm-Horror-Liebhaber viel zu spät entdeckt. Hinter den Glastüren eines Clubs am Wiener Lerchenfelder Gürtel sahen wir einen s/w Film, blieben verwundert stehen und schauten dann ein paar Minuten von „Seven Footprints to Satan“ (auf mainzer-deutsch: „Sibbe Fussstabbe zum Satan“). Wie faszinierend! Ich habe jetzt über das Internet erfahren, dass es sich um ein geniales Projekt des celluloid-cinema-club der Wienstation handelt, das aktuell noch bis zum 14. September 2010 dienstäglich s/w-Gothic Horror-Filme zeigt – hier das Programm. Ich glaube, dass der Horror House Film Club keine einmalige Geschichte ist, daher ruhig vor Eurem Wien-Besuch nochmal online checken.

Andere Gothic Clubs in Wien

…die wir nicht besucht haben, weil man ja nicht auf allen dunklen Hochzeiten tanzen kann: der Club Pi ist – soweit ich das mitbekommen habe – derzeit so der angesagteste Gothic Club in Wien mit verschiedenen Dark-Motto-Parties.

Bei LucretiaLevi aus Wien gibt es einen aktuellen, sehr guten Bericht über Wiens schwarze Seite – mit tollen Tipps für Clubs und schwarze Veranstaltungen.

Party gibt es in Wien auf jeden Fall genug, Gothic Clubs auch – ich empfehle zwei Tage “vorschlafen” und zwei Wochen Erholungsurlaub danach, wenn ihr nicht wie die Zombies heimkehren wollt :-) .

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10 Responses to Gothic Clubs in Wien: Fledermäuse, U-Boote und Schlawiner

  1. Clerique Noire 6. September 2010 zu 13:03 #

    Ich bin dann mal die 1.:
    Als ich so durchgescrall habe, wollte ich erst eine Liste abgeben, so a la gefällt mir am besten und laß ich vielleicht doch weg beim Wien-Besuch, aber nach dem Lesen ist wohl echt jeder Club für sich sehenswert. Also nicht nur Sight-Seeing, sondern auch Club-Hobbing in Wien!
    ; )

  2. Der K-Mann aus dem W-Wald 6. September 2010 zu 13:23 #

    Wie immer sehr schön geschrieben!!! Wirklich informativ, vielen Dank für den Bericht. Ich hätte nicht gedacht, dass es da noch mehr gibt als die berühmten Kaffehäuser und den Prater.

  3. shan dark 7. September 2010 zu 00:30 #

    @K-Mann Oh ja, es gibt eine Menge mehr in Wien…ich hab noch “Stoff” für mind. 2 Beiträge ;-)

    @Clerique Noire Ja, eine Best-of-Liste ist schwer – wobei die “Fledermaus” rein von der Location her wirklich schwer zu toppen ist. Wenn in Wien, dann unbedingt dahin – gefällt Dir sicher! Ansonsten Kondition tanken und einen Club nach dem anderen testen. Vllt. sind auch die, die wir nicht geschafft haben richtig gut – wer weiß?

  4. Robert 21. September 2010 zu 09:08 #

    Eine Gemeinheit! Sicherlich weißt du, dass ich immer schon mal nach Wien wollte und sicherlich weißt du, das ich mich sehr darauf freue und NUR darum hast du jetzt eine so großartigen Reisebericht veröffentlicht. Das ist seelische Nötigung! Das ist so wie eins von diesen Hunderennen, bei dem die Tiere einer fahrenden Attrappe hinterherhetzen, gelockt von ewigen Jagdtrieb und in meinem Fall schwarztrieb.

  5. shan dark 21. September 2010 zu 09:41 #

    :-P Schön, wenn ich den Schwarztrieb in Dir geweckt habe…und auch gleich eine neue Wortkreation, die man so stehen lassen kann.
    Also ab nach Wien! Da gibt es für unsereins wirklich viel viel viel zu entdecken. Waren 5 Tage da und haben immer noch nicht alles gesehen. Am besten eine ganze Woche dort bleiben und alles in Ruhe genießen.

  6. r@zorbla.de 28. September 2010 zu 14:42 #

    Ich habs aufgrund meines Erholungsbedarfs bisher nur in die Fledermaus geschafft. Optisch und musikalisch fand ich es wirklich nett dort. Allerdings habe ich wohl einen noch übleren Zeitpunkt erwischt. Los war gar nichts, die wenigen anwesenden kannten sich anscheinend alle und haben auch alle tüchtig geraucht. Wären Einrichtung, Musik und Videoshow nicht gewesenm wäre ich mir dort in schwarz zudem gänzlich fehl am Platz vorgekommen. Freien Eintritt gab es nur für die ersten 20. Damit waren also alle anwesenden kostenlos drin (und noch Puffer). Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, wie dort 400 Leute reinpassen sollen. Ich hafte leider kein Knipsgerät dabei, sonst hätte ich die Bar noch fotografiert: Titty Twister – nur ohne echte Vampire.

  7. shan dark 28. September 2010 zu 15:13 #

    r@zorbla.de An welchem Wochentag wart ihr denn dort? Auch montags? Da ist wenig los, stimmt – wie bei uns auch. Unter der Woche – außer FR / MO – haben die andere Veranstaltungen, nix Gothic, oder einfach nur so offen… Für die 400 Leute-Party gibt es noch einen 2. Raum, da durfte ich mal kurz reinschauen vom Inhaber aus. Wenn beide geöffnet sind, passt das (gerade so).

  8. r@zorbla.de 29. September 2010 zu 12:09 #

    Es war auch Montag, ja. Hat sich nicht anders ergeben. Wären die Feiernden nicht dort gewesen, wären es drei Gäste gewesen. Und nochmal drei, die nach 15 Minuten wieder gegangen sind. Andererseits könnte es sein, dass ich an einem volleren Tag früher wieder gegangen wäre. Bin halt etwas empfindlich geworden, was Zigarettenrauch angeht.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Spontis Wochenschau #30 – Spontis Weblog - 24. September 2010

    [...] Gothic Clubs in Wien: Fle­der­mäuse, U-Boote und Schla­wi­ner Wer immer schon mal nach Wien rei­sen wollte — so wie ich — der sollte sich unbe­dingt vor­her dar­über infor­mie­ren, was es nicht alles zu ent­de­cken gilt. Wenn man dann — so wie ich — über den aus­führ­li­chen Besuch der Wie­ner Nacht beim schwar­zen Pla­ne­ten stol­pert, gewinnt man den Ein­druck einer schwar­zen Hoch­burg : „Shan Dark war ver­reist, um neue skur­rile Rei­se­ziele zu ent­de­cken. Eines der High­lights unse­res Som­mer­ur­laubs war dabei Wien – eine Stadt die förm­lich über­quillt vor skur­ri­len ‚Sehens­wür­dig­kei­ten’ und die einem unter http://www.gothic.at/termine schon vor­aus­sagt: Egal, wann Du kommst, schwarz sind die Nächte!” [...]

  2. Spontis - 10. März 2011

    Gastartikel auf Gothic.at…

    Das Öster­reich mehr zu bie­ten hat als Berge und Kai­ser­schmarrn dürfte jedem, der dort schon mal zu Gast gewe­sen ist, in Erin­ne­rung geblie­ben sein. Doch auch für das gemeine Schwarz­volk bie­tet das Land aus­rei­chend Rück­zugs­mög­lich­kei­ten….

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