Ghul – Monster im Portrait

Also, der Dezember ging ja rum wie nüscht! Das diesmonatige Monster hatte ich ja schon länger ausgesucht – aber an einen Blogbeitrag war vor Weihnachten einfach nicht zu denken. Sorry für die vorweihnachtliche Stille hier auf dem schwarzen Planeten. An Themen, Reisezielen oder Monstern 😉 mangelt es mir wirklich nicht, aber an Zeit. Meine Hoffnung für 2012 ist, dass mich der Job wieder öfter zum Bloggen kommen lässt und ich es schaffe, mir alles bisschen besser zu organisieren.

Gleichzeitig wünsche ich euch für 2012 alles Gute, Gesundheit, viele schwarzromantische Stunden und interessante, skurrile Entdeckungen und Abenteuer. Kommt gut rüber ins neue Jahr, feiert schön und habt einen guten Start!

Jetzt aber zum Dezember-Monster im Portrait: Ghule sind altorientalische Nachtgestalten und in der gesamten moslemischen Welt bekannt. Wir in Europa kennen eher ihre berühmten Verwandten, die Zombies und Vampire. Gern werden Ghul, Zombie und Vampir in einen Topf geworfen – aber es gibt doch feinmonströse Unterschiede.

STECKBRIEF – Ghul / Ghoul

Spitzname(n): Leichenfresser, seltener: Menschenfresser

Gehört zur Monster-Sub-Spezies der: (Friedhofs-)Dämonen in Altpersien und Arabien; in späteren Mythen und Märchen werden Ghule oft als Bewohner eines Zwischenreiches von Leben und Tod dargestellt – den Vampiren ähnlich.

Stammt aus: Tausendundeine Nacht, Arabien

Aussehen:

ghul-ghoul

Bildrechte: ©TheDevilsDemons.com

Als Dämonen haben auch die Ghule einen menschlichen Körper.

Sie besitzen ein abscheuliches Gesicht mit gelben, hervorquellenden Augen und spitzen Reißzähnen.

Wird der Ghul als Dämon verstanden, so hat er keinen festen Körper, d.h. man kann durch einen Ghul hindurchgehen und dieser kann verschiedene Gestalten annehmen.

In den alten arabischen Mythen gehörten die Ghule zu einer diabolischen Klasse von Dschinns (Geister) und von ihnen wurde behauptet, sie seien die Nachkommen von Iblis, des muslimischen Prinzen der Dunkelheit. Sie waren in der Lage, ihre Form jederzeit zu ändern, aber ihre Präsenz war durch ihr unveränderliches Merkmal stets erkennbar: Eselshufe. (Quelle: Xemaris.de)

In späteren Ghoul-Darstellungen kam man von Eselshufen und Bocksbeinen ab – die teuflische Reminiszenz wurde ihnen also genommen. Stattdessen werden Ghule raubtierartig mit klauenhaften Händen und teilweise auch Füßen dargestellt.

Ghule sind häufig nackt oder nur mit Lumpen bekleidet.

In manchen moslemischen Kulturen wird auch von weiblichen Ghula berichtet. Sie werden häufig als Wiedergänger– also Untote/wiederbelebte Tote – beschrieben und sind somit den Vampiren ähnlicher. Ghulas haben einen echten, also nicht-schemenhaften und meist sinnlichen Körper, mit dem sie Männer in den Tod locken. Bevorzugt lauern sie in der Wüste Wanderern auf. In einer Erzählung von Tausendundeine Nacht heiratet eine Ghula einen arglosen Mann. Diesen packte das nackte Grauen, als er sie nachts bis auf den Friedhof verfolgt und sieht, wovon sich seine Frau ernährt – die tagsüber kaum eine Speise anrührte. (Quelle: Lexikon der Monster, Geister und Dämonen – Norbert Borrmann)

Lieblingselement: Nacht

Magische Charakteristika:

Ghoule sind teuflisch-dämonische Fabelwesen, die dem Menschen gegenüber stets bösartig und gefährlich veranlagt sind.

Ghule bevölkern in Gemeinschaft mit anderen Leichenfressern Friedhöfe, Gruften und Gräber.

„Konsequenterweise hält er sich am liebsten an Orten auf, die der Beerdigung dienen, wobei er eine besondere Vorliebe für Kinderleichen entwickelt.“ (Quelle: Lexikon der Monster, Geister und Dämonen – Norbert Borrmann)

Ghule ernähren sich jedoch nur von Toten, nicht wie Vampire von Lebenden. Und im Gegensatz zu diesen geben sie sich mit Blut nicht zufrieden – sie wollen ordentlich Fleisch zu beißen haben.

Wo begegnet man heute einem Ghul?

ghoul

Bildrechte: ©BloodyLexicon.com

Ghouls gaben als wiederbelebte Tote sozusagen die Vorlage für Zombies in Horrorfilmen. Man kann sich fast sicher sein, dass die frühen Zombiefilme wie The Last Man on Earth (1964, mit Vincent Price) eher Ghule statt Zombies meinen, wenn sie von The Undead sprechen. Auch in George Romero’s 1968er Horror-Klassiker Night of the Living Dead sind es wohl eher Ghule statt Zombies. Ghule sind allgemein in der Gemeinschaft etwas organisierter und bewegen sich auch schneller als Zombies. Außerdem sind sie nicht wählerisch, in welchen Teil des menschlichen Körpers sie ihre Zähne schlagen. Ihr Fokus liegt nicht auf Hiiiirrrrrn!

Ab und zu kann man den Begriff Ghoul noch bei vertrashten (Horror-)Punks und Batcavern aufschnappen. Sie benennen ihre Bands oder einzelne Titel mit Ghouls (siehe Punkt 3 + 4) bzw. kokettieren allgemein gern mit dem Begriff Ghoul – sehr gut passend zum zerfetzt-löchrigen Klamottenstil, zum ‚rotten’ Batcave-Horrorpunk-Look eben.

Die Ghul-Spezies ist ansonsten vermutlich nur noch allen Spielefreaks bekannt, denn oft treten Ghule/Ghouls als missmutige Gegner in Computerspielen auf.

  1. Recht häufig in den Erzählungen von H.P. Lovecraft, z.B. in Pickmans Modell.
    „In Lovecrafts Werken haben Ghule hundeähnliche Gesichtszüge und leben unterirdisch in der Nähe von Friedhöfen gemeinschaftlich zusammen.“
    (Quelle: Wikipedia)
  2. Ghule sind häufig Gegner in Computer- und Online-Games und Fantasy-RPGs, z.B. World Of Warcraft, The Witcher, Fallout 3 oder in Risen.
  3. Ed Wood – der angeblich schlechteste Regisseur aller Zeiten – drehte einen Film namens „Night Of The Ghouls“ und die Misfits machten einen schönen horrorpunkigen Song dazu namens „Ghouls night out“, den Glenn Danzig geschrieben hatte (Song ab 1:14min)
  4. Apropos: Ghouls Night Out ist auch der Name einer Rockabilly-Horrorpunk-Girl-Band: „combines the trashy garage sound of the ‘60s with the horror punk sensibility of The Misfits…all in all a necrophiliac’s dream band!“ Aha.
  5. In einem s/w-Horrorfilm von 1933 mit Boris Karloff namens „The Ghoul“
  6. Radio Ghoul School ist eines meiner favorisierten Internet-Radios – spielen viel Horrorpunk, Goth Rock, Batcave, Underground-80s und Minimal-Sachen.
  7. In Joanne K. Rowlings Harry Potter-Romanen kommt auch ein Ghul vor, der in der Dachkammer der Familie Weasley haust. Hier ist der Ghul allerdings ziemlich harmlos dargestellt und ernährt sich von Motten und Spinnen. Pah!
  8. Die vierteilige Spielfilm-Serie „Ghoulies I-IV“ (USA 1983–1994) zeigt puppenartige Ghouls, die etwas den Critters ähnlich sehen. Aber vielleicht ist ja die Handlung wenigstens gruselig?
  9. Sehr amüsant fand ich auch diesen 1,20m großen Ghul als Halloween Party Dekoration **hahahaarrrr**

Wenn ihr jetzt noch wissen wollt, ob ihr auch ein Ghul seid und wenn ja, welcher, dann einfach mal dieses Quiz machen: What kind of ghoul are you?

Also ich bin ein Gloomy Ghoul. Was auch immer das bedeuten mag… und ihr??

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14 Responses to Ghul – Monster im Portrait

  1. mattensan 30. Dezember 2011 zu 20:36 #

    Tja, ich bin ein NeuroticGhoul und stelle mir wie du die Frage, was das denn wohl ist. Auf jeden Fall, von Neurotic to Gloomy: Komm‘ gut in’s neue Jahr. Freue mich schon auf viele Reise- und Monsterberichte

  2. solitary_core 31. Dezember 2011 zu 13:42 #

    hm grad nochmal Wiki geguggt aber mit Ra’s al Ghul hatt dieser Ghoul nichts zu tuen, Ra’s is eine Figur vornehmlich bekannt aus Batman und verdammt schwer zu töten da er durch ein magisches Ritual sein Leben verlängerte … er is mir grad in Batman Arkham City begegnet 🙂

    das der Ghoul die Urform des modernen Zombie is wusste ich nich, aber nen interresannter Fakt.

    Moderner Zombie deshalb, weil der eigenliche Begriff Zombie von Voodoo entiehen wurde, dort schaffte man sich eben Diener indem man Menschen den eignen Willen raubte und diese fortan als Zombie galten…

    Ghoule sind auch Bezeichnungen für untote Vampir-Diener, denen die volle Transformation nich gewährt wurde oder etwas schief lief, in ersten „Blade“ Film der Surfer zb, oder bei „Vampires the Masquerade : Bloodlines“ trift man öfter auf Ghouls, für einen muss man sogar sein Meister suchen

    noch 10 Stunden bis Jahreswechsel, kommt gut rein, bzw hoffe ihr seid unversehrt eingetreten =P

  3. solitary_core 31. Dezember 2011 zu 16:35 #

    hm bin auch nen gloomy ghoul … würd mich aber eher als technoir ghoul sehen, der mit vorliebe film noir und cyberpunk sachen verschlingt =P

  4. shan dark 31. Dezember 2011 zu 19:37 #

    @mattensan: So so, ein Neurotic Ghoul – na, dir möchte ich ja lieber nicht begegnen! 😉 Ghoul ist ja schon schlimm, aber wenn die dann noch neurotisch sind…phew.

    @solitary_core: Hi, Gloomy 😀 – wir sind also Zwillings-Ghouls! Ich wollte schon fragen, was Du für einer bist, aber Du hast ja den Test noch gemacht. Ja, Technoir Ghoul klingt gut, aber nur wenn Du mir noch ein paar Film Noir- und Cyberpunk-Filme übrig lässt…
    Ra’s al Ghul hatte ich gecheckt, aber war wie Du zu dem Schluss gekommen, dass er außer seinem Namen nix mit Ghulen gemein hat.
    Ja, Ghule als Urform des Zombies bezieht sich hier nur auf Zombies in Filmen. Die ‚wahren‘ Zombies aus dem Voodoo-Glauben haben mit den Ghouls nichts zu tun bzw. sind unabhängig von diesen entstanden im Volksglauben afrikanischer Kulturen. So wie Du auch schreibst.

    Wünsche Dir eine gelungene Transformation ins neue Jahr!

  5. solitary_core 2. Januar 2012 zu 00:26 #

    “ .. most Ghouls are actually quite lonely and won’t harm you if offer to play with them – certainly you’ve heard the saying, ‚Ghouls just want to have fun!'“ … “

    gibt auch ne nette Wikiseite zu „Monster in my Pocket“ trading cards, wo mit Ghouls und andere Monster gut erklärt werden, Shan’s Text umfasst alles wesentliche was dort auch steht.
    MimP hatt das ganze etwas augenzwinkernd aufbereitet und eigene Texte verfasst, das Zitat is ein Beispiel für, finde nur grad keine deutschen für, wir hatten ja auch nur ein Bruchteil des ganzen Konzepts hier.

    wer das trotzdem lesen will : http://monsterinmypocket.wikia.com/wiki/Ghoul

    Ra’s al Ghul hatt auch grade ein eigenes „origins of“ Vid bekommen, falls einer auf dennoch über den Namen stolpert : http://www.youtube.com/watch?v=njAgsPrIfXY&feature=g-all-u&context=G2dd8c29FAAAAAAAACAA

    zusammengefasst is Ra’s eben doch ein Ghoul, wenn man von der arabischen Mythologie ausgeht 🙂 , allerdings eben keiner der Sorte der „fresh cuts“ futtert sondern einfach nich todzukriegen is dank seines Lazarus Pit =P

  6. Andreas 2. Januar 2012 zu 16:15 #

    Ghoul werden auch gern mal im Black Metal thematisiert:

    – Chapel of Ghouls auf „Antichrist“ der Briten Akercocke aus dem Jahr 2007 (geniales Album – geniale Band)
    – Ghoul auf „Pure Fucking Armageddon“ der Black Metal Legenden Mayhem von 1986 und die Cover-Version von Carpathian Forrest aus 2001

    Dann gibt es auch noch den Death Metal Song von Nile (welche sich bevorzugt mit ägyptischer/arabischer Mythologie auseinander setzen) aus „Those Whom the Gods Detest“ von 2009: „Yezd Desert Ghul Ritual in the Abandoned Towers of Silence.“

    Das Wesen ist also auch im Metal noch nicht in Vergessenheit geraten. 🙂

  7. shan dark 2. Januar 2012 zu 22:38 #

    @solitary_core: Coole Tipps, von den Monster-in-my-Pocket Trading Cards wusste ich gar nix und die Wikia ist meinen Monstern im Portrait nicht unähnlich – echt gut gemacht. Auch wieder so ein Fall, wo man unabhängig von einander ähnliche Ideen hat. Aber ich werde mir da künftig vllt. paar Fakten holen bei dem ein oder anderen Monster. „Ghouls just wanna have fun!“ ist einfach zu gut ^^hahaha

    Auch danke für das Video zu Ra’s al Ghul. Hm. Gut erklärt und da taucht auch tatsächlich noch eine weitere Parallele zu Original-Ghuls auf: er wird ja zum rasenden Dämon immer nach der Verjüngung im Lazarus Pit. Also ich muss mich revidieren, so ganz ohne Reminiszenz oder Bezug zu Ghul ist der dann doch nicht. :-8

    @Andreas: Danke Dir – echt interessant und scheint fast so, als wären Ghouls die Lieblingsmonster der Düster-Metaller ;-). Ungewohnt, aber nach ner Weile ganz schön endlich mal wieder guten Black Metal zu hören. Irgendwie bin ich retro, aber mir gefällt das Morbid Angel-Original besser als die Akercocke-Version, weil die Stimme besser ist. Musikalisch ist Akercocke echt gut und sie haben da auch was anderes aus dem Song gemacht, aber die Stimme hätten sie besser weglassen sollen (hört man eh kaum, was der da gurgelt).

    Nile war eine interessante Erfahrung – gutes Stück.

    Und naja Mayhem ist natürlich geil, aber Carpathian Forrest konnte ich auch gut hören. Das beste ist der elaborierte Text des Songs:

    The sweet smell of warm blood,
    It fills the air
    Your fucking guts
    Splattered everywhere

    Ghoul!!!!

    The suffocating stench
    Of corpses putrefying,
    I love this butchery
    I’m the king of the world!!!!

    Ghoul!!!!

    ^^ I love it, too!! ^^ 😀

    Eben noch entdeckt und wie ich finde auch g(ho)u(l)te Partymucke: Ghouls gone wild von Alice Cooper – hätte ich mir eigentlich denken können, dass sich der Altmeister diese Kreatur nicht entgehen ließ.

  8. clerique noire 4. Januar 2012 zu 20:00 #

    So, Ewigkeiten später …. ich bin ein stoner ghoul.
    Was habe ich nur falsch gemacht??

    Übrigens sehr informativer und lustiger Beitrag.

  9. shan dark 4. Januar 2012 zu 22:46 #

    @clerique noire: 😀 Danke! So so, ein Stoner Ghoul. Hm, was fangen wir jetzt damit an. Vermutlich schläfst Du gern auf GrabSTONERs und bist dabei immer geSTONEd vom Modergeruch um dich herum. Das fehlt so ein bisschen bei dem Quiz, die Erklärung. Da hätte man noch mehr draus machen können…

  10. Andreas 15. Juni 2012 zu 13:04 #

    Und hier ein neues Video von Ministry mit dem Titel „Ghouldiggers“: http://www.youtube.com/watch?v=TCQppWC6iLE

  11. Shan Dark 17. Juni 2012 zu 22:30 #

    @Andreas: Danke für das Video – ich weiß zwar noch nicht, was ich davon halten soll, nachdem ich jetzt die 7:42min durchgehalten habe – ich muss erstmal bisschen Gras drüber wachsen lassen… 😉 Der Titel ist allerdings schon mal perfekt in Bilder umgesetzt. Besonders die Geier…

  12. Alex 5. August 2012 zu 08:50 #

    Ich lese gerade einen Steampunk-Roman von Alastair Reynolds. Darin tauchen als Nebenfiguren auch ein paar Ghouls auf. Dank dieses Blogposts wusste ich sofort, mit wem ich ich es zu tun hatte.

  13. Shan Dark 5. August 2012 zu 13:23 #

    Whoo, danke für den Tipp. Steampunk-Roman klingt ja auch spannend… Wie heißt er denn und kannst Du ihn empfehlen (bis jetzt)?

  14. Alex 5. August 2012 zu 21:15 #

    Er heißt „Terminal World“. Ich weiß nicht, ob es auch eine deutsche Übersetzung davon gibt. Als Urlaubslektüre finde ich es ein spannendes Buch. Eine interessante Idee, reichlich Action und durchaus auch Humor. Man kann darin richtig abtauchen.

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