Der kettenrauchende Magier

Ab und zu muss mal einer kommen und mich über den europäischen Tellerrand schubsen. Ich bin zwar auch schon um die Welt geflogen, in 14 verschiedenen Flugzeugen sogar, aber etwas erwähnenswert Skurriles habe ich dabei nicht entdeckt. Planetenleser …242 allerdings schon. Als wir uns vor einigen Wochen im Schlachthof Wiesbaden trafen (das ist eine Konzert-/Party Location!), erzählte er mir von seinem Urlaub in Myanmar und dem kettenrauchenden Magier. Ich fand die Story schräg genug für den schwarzen Planeten, wenn sie auch nicht unbedingt tiefschwarz ist. Aber es geht um Geisterverehrung und der kettenrauchende Magier hatte garantiert auch eine schwarze Lunge. Da passt es ja dann wieder. 😉

asien myanmar

Myanmar, auch Birma oder Burma genannt, liegt da so oberhalb von Thailand in Südostasien. Die am weitesten verbreitete Religion in Myanmar ist mit fast 90% der Buddhismus. Offenbar gibt es hier eine ganz spezielle Spielart des Buddhismus. Er bringt auch eine sehr lebendige Verehrung der Geister von Verstorbenen mit sich, von der uns …242 im Folgenden berichtet.

In Myanmar werden im Zusammenhang mit dem Buddhismus übernatürliche Wesen und Geister der Verstorbenen angebetet – Nats genannt. Die 37 großen Nats sind menschliche Lebewesen, die gewaltsam – häufig durch ungerechte Herrscher – zu Tode kamen. Nats können sowohl beschützen als auch heftiges Unheil bringen. Sie sind ständig auf der Suche nach Rache (für ihr hartes Schicksal) und Schabernack. Deshalb sollte man sich gut mit ihnen stellen, sie verehren und ihnen mit kleinen Opfergaben huldigen.

Shwedagon Pagode bei Nacht, Yangon, Myammar - Foto: eigenes Werk von YashiWong (CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 via Wikimedia Commons)

Shwedagon Pagode bei Nacht, Yangon, Myammar – Foto: YashiWong (CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 via Wikimedia Commons)

Der Nat-Glaube hat sich in Birma bis heute gehalten. An der Hauptsehenswürdigkeit des Landes, der Shwedagon-Pagode in Yangon (die ich anlässlich der weiss-nicht-mehr-wieviel-Tausend-Jahr-Feier im Festtagsgewand sehen durfte – wer Asien kennt weiss das bedeutet vor allem: Lichterketten, Lichterketten, Blinklichterketten!!) wurde an einem Seitentrakt dem kettenrauchenden Magier (=Nat) gehuldigt. Dazu musste man ihm Zigaretten (sind im engeren Sinne ja ebenfalls Räucherstäbchen), Blumen und Cash opfern. Zu Lebzeiten soll er einen äußerst extravaganten wie teuren Lebensstil gehabt haben und zudem furchtbar eitel gewesen sein. Er ist zwar keiner der großen 37 Nats, aber wenn Du da unten warst, merkst Du auch schnell, dass die es dort mit allem nicht ganz so genau nehmen. Vermutlich haben sie sich den kettenrauchenden Magier einfach dazugebastelt ;-).

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Die Figur im Glaskasten ist der kettenrauchende Magier. Nur geschützt. Er hat ein menschliches Gesicht mit zwei Zähnen (Hauern!?), wie sie Wildschweine und Orcs 😉 haben… Und zu dessen Füßen, ausserhalb der Scheibe, steht eine weitere Figur seiner selbst, die das huldigende Volk mit Scheinen und Blumen und Schmuck behängen darf. Die Zigaretten, die ihm gehuldigt werden, werden in ein größeres Sandfeld außenrum gesteckt (wie bei einem Sandascher – nur dass die Filter nach unten gesteckt werden, so dass der glimmende, vordere Teil der Zigarette nach oben schaut).

Da mir dieser NAT auf Anhieb symphatisch war, hab ich ihm prompt mittels einer angefackelten Gauloises sowie einer ansehnlich gefalteten Dollar-Note gehuldigt. Der Mann erfreute sich auch posthum äußerster Beliebtheit, daher wurde die Opferpuppe ca. minütlich „abgeräumt“. Doch sie war aufgrund des hohen Andrangens (von vielen kleinen asiatischen Zauberhänden) binnen weniger Sekunden bereits wieder komplett mit Scheinen und Blumen eingedeckt – und sah jedes Mal anders aus. Vom dauerglimmenden Kippenmeer ringsum mal ganz abgesehen.

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Opferpuppe für den kettenrauchenden Magier – schon gut „behuldigt“

Da an sämtlichen heiligen Sehenswürdigkeiten im ganzen Land jedoch striktes Rauchverbot herrscht (dabei besteht kaum Brandgefahr! Ist alles aus Echtgold oder echtgoldüberzogen – was soll da abfackeln?), könnte es sich bei dieser speziellen Kultstätte einfach um eine geschickt eingerichtete Raucherlounge gehalten haben. 😉 Hat sich der ein oder andere asiatische Familienvater doch erstaunlich lange Zeit gelassen zwischen dem Anstecken der Opfergabe und ihrer Niederlegung vor der großen Magierpuppe. Vielleicht war das „fast-ganz-Aufrauchen“ der Opfergabe ja ein Zeichen der besonderen Huldigung!? Ich habe es nicht herausgefunden – aber ein Schelm, der Böses dabei denkt…

Zum Abschluss noch etwas Pikantes: Myanmar ist ein Vielvölkerstaat mit rund 54 Millionen Einwohnern, die 135 verschiedenen Ethnien angehören. Die größte Ethnie ist mit 70 % Bevölkerungsanteil die der Birmanen (Bamar). Die Shan sind die zweitgrößte Volksgruppe (8,5 %) und leben hauptsächlich im Shan-Staat des Landes, in Gebieten ab etwa 1000 Metern Höhe. Die Shan States sind ein britisches Protektorat und besitzen sogar eine eigene Flagge. [1]
Also Shan Dark, ab nach Myanmar in die Berge – da wartet dein Volk! Stellt sich nur die Frage, was sie mit einem „Alien“ wie dir anfangen würden: rösten, exorzieren oder huldigen? – Haha, ich tippe auf einen Exorzismus! 😀

 

— 1.000 DANK an …242 für dieses skurrile, geist(er)reiche Mitbringsel aus Asien —

Alle Bilder sind von …242 – bitte beachtet das Urheberrecht!

 

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  1. [1]Quelle: Wikipedia

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Eine Antwort zu Der kettenrauchende Magier

  1. lenelein 6. Mai 2014 zu 07:47 #

    So viele positive Erinnerungen mich auch mit Burma verbinden, so kann ich doch nie die bewaffneten Milizen, den Geld-Zwangsumtausch und die Armut der Bevölkerung vergessen. Ja, die Kultur dort ist sehr reich (also an kulturellen Werten), aber eine Diktatur, die ihre Bevölkerung selten mehr als 1 Mal im Leben das Land verlassen lässt und für das Militärbudget Krankenhäuser und Klöster verkommen lässt, hinterlässt bei mir einen sehr schlechten Beigeschmack…

    Trotzdem ein sehr schön geschriebener Artikel, der aufzeigt wie anders manche Kulturen doch zu unserer Westeuropäischen sind!

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