Baital / Vetala – Monster im Portrait

Es gibt sie noch, die Monster im Portrait. Hier im Blog! Frisch abgehangenes indisches Vampirfleisch steht heute auf der Speisekarte. Wer wie ich immer dachte, Vampire wären halb Mensch, halb Fledermaus wird den Baital mögen, denn er zeigt: genauso ist es. Aber der Baital ist noch viel mehr…

STECKBRIEF – Baital / Vetala

Spitzname(n): Baitala, Betail, Vetala

Gehört zur Monster-Sub-Spezies der: bösen Geister – evil spirits

Vetala / Baital sind böse Geister der Toten – gefangen in der „Grauzone“ zwischen Leben und dem Leben nach dem Tod. Gern betätigen sich die Baital oder Vetala als Vampire und ernähren sich vom Blut und gelegentlich auch Fleisch toter Menschen und Tiere.

Baital - Interpretation / Artwork by Kurt Komoda - Thank you!

Baital – Interpretation / Artwork by Kurt Komoda – Thank you!

 

Stammt aus: dem alten Indien und der Hindu-Mythologie

Bekannt wurde der Baital in den „Baital Pachisi“ or „Vetala Panchavimshati“, den sogenannten „25 Geschichten von Baital“, die in Sanskrit geschrieben wurden. Man sagt ihnen nach, dass sie die Vorlage für „Tausendundeine Nacht“ waren. In dieser Geschichtensammlung verspricht der legendäre König Vikram einem tantrischem Zauberer (Yogi), einen Baital zu fangen, der von einem nahegelegenen Baum kopfüber herabhängt. Viele Zauberer wollen einen Baital / Vetala zum Sklaven machen, um seine übernatürlichen Kräfte für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Baital zu Vikram "Vorsicht, ich entblöße meinen Geist!"

Baital zu Vikram „Vorsicht, ich entblöße meinen Geist!“

Jedesmal, wenn der König den Baital gefangen hat, erzählt der Baital ihm eine Geschichte, in der es vorzugsweise um menschliche Torheiten geht und die mit einem Rätsel endet. Wenn König Vikram das Rätsel nicht löst, willigt der Baital in seine Gefangenschaft ein. Wenn der König die Antwort weiß, aber nicht sagt, soll sein Kopf in 1000 Teile zerspringen. Und wenn er das Rätsel löst, flüchtet der Baital jedes Mal zurück zu seinem Baum.

So erzählt der Baital dem König Vikram 24 Geschichten und Vikram beantwortet jede Frage richtig. Die 25. Story und Rätselfrage spielt in der Zukunft und der König verstummt, da die Antwort für ihn für die damalige Zeit amoralisch und unvorstellbar ist. Daraufhin lässt sich der Baital gefangen nehmen und zum Tempel des Yogi-Zauberers bringen. Dort durchschaut er aber die bösen Absichten des Zauberers, der König Vikram seinen Göttern opfern und den Baital dazu nutzen will. Baital wird zum Retter von Vikram, der ihm gegenüber eingestehen muss, dass die Menschen töricht und fehlerhaft sind (und gegen böse Geister keine Chance haben). Die einzelnen Geschichten findet ihr bei YouTube als Trickfilme. In Indien sind sie sehr populär.

Aussehen:

Geister sehen zunächst ja nach nix aus – es sei denn, sie nehmen Gestalt an.  😈

Zeichnung aus Wayne Douglas BARLOWE'S GUIDE TO FANTASY

Zeichnung aus Wayne Douglas BARLOWE’S
GUIDE TO FANTASY

 

Der Baital fristet seit Jahr und Tag ein blutleeres Dasein. Da er kein Blut hat, kann es ihm auch nicht zu Kopf steigen, wenn er als menschliche Fledermaus kopfüber von seinem (Mimosen-)Baum herabbaumelt und offenbar den Salto Postmortale übt. Dabei macht der Baital / Vetala einen extrem schlanken Fuß, ist dürr und eher ausgemergelt. Seine Haut ist straff über seinen Körper gezogen (wie bei Iggy Pop). Der Legende nach soll sie aus unzerstörbarem Eisen sein (wie bei Iggy Pop) und sich kühl und klamm anfühlen wie bei einer Schlange – oder einer Leiche.

Vorherrschende Farbe beim Baital ist braun – sie wird in Indien mit Hexerei und dem Bösen assoziiert. Baitals haben ein braunes Gesicht, dunkelbraune Fledermausflügel, braune Haut, braune Haare und einen Ziegenschwanz ( 😯 why?). Seine Augen wiederum sind nicht nur braun, sondern grün-braun, schmal und… tot. Ein Baital zwinkert übrigens niemals. Mit flirten ist also nix, liebe Geisterinnen.

Lieblingselement: Nacht

Magische Charakteristika:

Baitals sind böse Geister mit der Kraft, Tote zum Leben zu erwecken, indem sie sich vom Blut frischer Leichen ernähren und in sie hineinschlüpfen. Das stoppt gleichzeitig den Prozess der Verwesung und der Baital hat ein günstiges „Fortbewegungsmittel“. Es nützt übrigens nichts ihre Körper zu zerstören, weil sie hinaus schlüpfen und sich einen neuen Körper suchen.

Der Baital kann ein gesprächiger und sogar ironischer Vampir(geist) sein – ganze 25 Geschichten lang kaute er auf dem Ohr von König Vikram herum und beide fanden’s gut. Er besitzt ein schon unheimliches Wissen über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, was er geschickt manipulativ einsetzt. Vetalas können uns beeinflussen, ohne dass die Menschen davon etwas mitkriegen – auch über Träume und Gedanken, sogar auf das „manasu“, die sogenannten ‚Gedanken des Herzens‘ haben sie Zugriff. So erreichen sie ihr sinistres Ziel: Menschen werden wahnsinnig oder schwach und bringen sich um. Neue Leichen – endlich Beute – frisches Blut.

Wo begegnet man heute einem Baital?

Trading Card Baital (Foto: Wierd N'wild Creatures Wiki)

Trading Card Baital (Foto: Wierd N’wild Creatures Wiki)

Vielleicht im Traum… und es gibt einige Games, in denen sie als evil Charaktere vorkommen. Außerdem gibt es eine gelungene Trading Card zum Baital. Aber sonst? Wo liegen denn heutzutage noch Leichen einfach so herum, in die man als Geist kurzerhand schlüpfen könnte? Am ehesten wird man da fündig in buddhistischen Regionen, wie Indien, wo sie in den Ganges geschoben werden. Oder in Tibet – dort gibt es noch sogenannte Sky Burials on charnel grounds. Charnel grounds sind Leichenstätten für traditionelle Himmelsbestattungen, von denen es heutzutage nur noch sehr wenige in Tibet gibt. Nachdem die Seele einen Toten verlassen hat (dazu hat sie 3-5 Tage nach dem Tod Zeit), wird der tote Körper entkleidet, zerstückelt und den – zuvor angelockten – Geiern zum Fraß überlassen. Die Hülle ist wertlos. Pragmatisch begründet ist diese Form der Bestattung durch für eine Erdbestattung zu harte Steppenerde und den Mangel an Brennholz für eine Feuerbestattung. Auf diesen charnel grounds könnt ihr sicher einem Baital oder Vetala begegnen, werdet das aber selbst nicht mehr erleben…

Himmelsbestattung: Wer ist schneller? Die Geier oder der Vetala? (Foto: The Collective Intelligenc

Himmelsbestattung: Wer ist schneller – Geier oder Vetala? (Foto: The Collective Intelligenc)

 

Quellen: Vampires from around the world; Wikipedia-Baital Pachisi; Wikipedia-Vetala; Wierdnwildcreatures-Wikia (trading card); Buddhism for Vampires und Danke an Jyoti Jyotishee!

 

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4 Responses to Baital / Vetala – Monster im Portrait

  1. Flusskiesel 10. Januar 2014 zu 07:57 #

    Die Parsen praktizieren heute noch die Himmelsbestattungen, da sie weder die Erde, noch das Feuer oder das Wasser mit den Toten verunreinigen wollen. Ist aber aus hygiensichen Gründen problematisch (es fallen schon mal Leichenteile vom Himmel) und es gibt in Indien immer weniger Geier.
    Die Parsen behelfen sich inzwischen wohl damit, dass sie ihre Toten in Betonsärgen bestatten.
    In dieser Sendung erfährt man ein bisschen was über diese interessante Religion:
    http://www.wdr5.de/sendungen/zeitzeichen/zarathustra106.html

  2. solitary_core 11. Januar 2014 zu 21:47 #

    mir fällt auf Anhieb Samir Duran ein, eine Entität aus dem StarCraft-Universum, welche nun als Gestalt-Wandler unterwegens ist, man munkelt das Dr Narud eine weitere Maske Duran’s ist (schon allein DURAN NARUD 😀 ), würde mich aber nicht überraschen wenn er nur ein Diener Duran’s wäre, also Kerrigan ihn nicht direkt ausgeschaltete hatt ^^

    gut das er jetz Blut von andren getrunken hatt wär mir neu, aber er hatt Wissen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und scheint Zweckbündnisse einzugehen um seine [bzw Amon’s, ein verstoßener alter Xel’Naga ] Pläne umzusetzen und manipuliert die terranische Geschichte meiner Vermutung nach schon seit ihren Eintreffen im Kuprullu-Sektor …
    Und welche bessere Tarnung gäbe es da als den Platz eines Toten einzunehm um dessen Rolle zu spielen ?

    Duran bzw Amon will nicht das die Menschen sterben, er will gleich die Auslöschung der gesammten Schöpfung durch Zerg-Protoss-Hybride (Alien-Rassen im jahrtausende alten Krieg um die Gunst ihrer verschwundenen Schöpfer, beide beeinflußt durch die Xel’Naga in ihrer Entstehungsgeschichte), die Menschen sind eher zufällig in den Sektor gekommen und eröffnen neue Wege für Amon …

    Blizzard hatt schon nen epischen Storybogen geschaffen, neben den ganzen Hommagen und EasterEggs den Spielen sowie den charmanten Characktären wie Jim Raynor, Sarah Kerrigan oder eben Arcturus Mengsk sowie auf Protoss-Seiten Zeratul, Fenix und Aldaris und den Zerg Overmind, Kerrigan die Königin der Klingen oder Niiadra und einige interresante Wendungen in den letzen 15 Jahren Starcraft erwirkt.

    Aber wie sooft is es wiedermal nur soviel Wert wie man selber bereit is in die Geschichte zu investieren, und sicher ein netter Gedanke das sich Blizzard wohl am Baital orientiert hatt um Duran zu erschaffen 😀
    , an anderen Beispielen is es ja mehr offensichtlich, schon allein das Einheitendesign sieht verdammt nach Warhammer40k aus und einige Zwischensequenzen in StarCraft Broodwar waren ziemlich genaue Umsetzungen von Starship Troopers aber die Entwickler machen ja da auch kein Geheimnis draus ^^

  3. Shan Dark 16. Januar 2014 zu 21:04 #

    @Flusskiesel: Vielen Dank für den Link zu den Parsen. Ich muss gestehen, dass ich erst dachte, Du hast den falschen Link erwischt, denn etwas mit Zarathustra hatte ich nicht erwartet und zuvor auch noch nie von den Zarathustriern gehört. Sehr lehrreich, wirklich! Eines hab ich mich nur gefragt: wie begraben denn die in Deutschland lebenden Zarathustrier ihre Toten? Jetzt auch in Betonsärgen?

    @solitary_core: Ich hab mal Samir Duran und Duran Narud gegoogelt, aber bin natürlich nicht ins gesamte Starcraft-Universum eingedrungen. Obwohl Samir Duran einem Baital nicht annähernd ähnlich sieht, er hängt auch gar nicht verkehrt herum ;), könnte die Eigenschaft, in einen Toten zu schlüpfen und in ihm weiterzuleben Blizzard schon beeinflusst haben. Maybe!

  4. Flusskiesel 17. Januar 2014 zu 08:02 #

    @Shan Dark
    Übrigens hatte ich mich vertan – die Parsen in Indien praktizieren die Himmelsbestattung nicht mehr. Aber ich habe letztens mal im Radio gehört, dass es in einem Nachbarland (Bangladesch? Pakistan?) noch vorkommt. Nur haben die das Problem, dass durch Umweltgifte etc. die Geier aussterben.

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