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10 Gründe „Crimson Peak“ zu sehen

Gäbe es mehr neue Filme wie Crimson Peak, wäre ich Kino-Inventar. Würde fasziniert in meinem Kinosessel festkleben und mir wünschen, dass selbst dieser wunderschönste aller Abspanne nie endet. Kurzum: Crimson Peak hat mir gefallen, will ich auf DVD, wird total empfohlen. Bevor ich damit loslege ein dickes Danke an „Magic Manfred“, der mich doch bisschen gut kennt 😉 (faszinierend!) und durch seinen geschickten Hinweis zielsicher zum sofortigen Kinobesuch veranlasste.

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Nicht ganz koscher, aber schick: Thomas & Lucille

Hier ganz ohne zu spoilern meine 10 Gründe, warum ihr euch diesen fantasievollen Gothic-Horror-Film von Guillermo del Toro unbedingt ansehen solltet…

  1. …weil er ein farbenkräftiger Bilderrausch ist
    Bilder zum Schwelgen, mir ging das gotische Herz weit auf! Liebevoll & farbtief am Computer nachkoloriert. Guillermo del Toro erschafft mystisch, finstere Bildwelten, bei denen ich mich wie „drinnen“ in der Handlung fühlte – mitten im Set. Was Bilder doch können! Manchmal fröstelte mich etwas oder ich hatte das Gefühl, ich kann Spinnweben greifen. Und das wohlgemerkt in 2D!
  2. …wegen der gotisch-viktorianischen Ausstattung
    Meine neue Wortschöpfung zum Film lautet üppulent. Allen voran bezogen auf Allerdale Hall, das Haus auf Crimson Peak, in das die Protagonistin Edith zu ihrem Mann Thomas Sharpe zieht. Wahrlich ein Anwesen zum Niederknien. Obwohl der Zahn der Zeit wunderbar an dieser übermächtigen Villa nagt, war die Einrichtung doch einst oppulent. Sitzmöbel, Vorhänge, Betten, der Kamin, der Fahrstuhl… *lechz* Ich würde sofort einziehen, so wenig wie möglich renovieren und jeden Abend im Dachboden-Badezimmer ein Schaumbad nehmen. Auch die anderen Schauplätze sind üppig ausgestattet. Selbst kleinste Elemente sind mit Liebe zum Detail modelliert, aber „in der Zeit“ gehalten, nicht fantasyartig verspinnt. Zusätzlich Messing, Bronze, Kamera Obscura und Maschinen, die den Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert glaubhaft vermitteln. Victorian times FTW! Steampunkern und Grufties wird permanent das Wasser im Mund zusammen laufen. Das garantiere ich euch – und ich garantiere sogar, dass ihr euch diesen traumhaft schönen Abspann bis zum Ende anseht.
  3. …weil er ein Remix großer Schauermärchen vergangener Zeiten ist
    Ein Gruselfilm für Bibliophile featuring E.T.A. Hoffmann, Mary Shelley und Edgar Allan Poe. Elemente früherer Schauergeschichten tauchen hier wieder auf – manchmal in Dialogen, in Nebenschauplätzen, in Personen. Wie die Geister der Ahnen. In dieser Filmkritik hat man noch jede Menge mehr darin erkannt.
  4. …weil er die gesellschaftlichen Widersprüche der viktorianischen Zeit thematisiert
    Auf der einen Seite die Entwicklung von Maschinen, Apparaten und Wissenschaften, auf der anderen Seite eine Vorliebe für Schauermärchen, der Glaube an das Übersinnliche, Geisterfotografie, Stimmenaufzeichnungen. Faszinierend, wie man die Gegensätze einer Zeit in einem Film derart verweben kann.
  5. …wegen dem Cast
    Jessica Chastain als Lucille spielt überragend! Abgründig. Furienhaft. Bedrohlich. Unheimlich. In ihren wunderschönen Kleidern und ihrer starken Ausstrahlung ist sie der finsterschöne (Alb)Traum von Crimson Peak. Und nur sie hat es geschafft, dass ich im Affekt vor Schreck zusammengezuckt bin bei der „Topfszene“ – wer noch?
    Jessica Chastain sollte eigentlich die Hauptrolle der Edith spielen, aber lehnte es ab, das „gute Mädchen“ zu sein. Das ist nun die ätherisch-zarte, rotblonde Mia Wasikowska, die wir schon aus „Only Lovers Left Alive“ als nervige Vampir-Göre kennen. Auch hier musste ich mich mühevoll an sie gewöhnen. Mia ist vom Aussehen her schon ein spezieller Typ und dann hat man sie noch größtenteils in unattraktive, eigenartige Kleider gesteckt. Gemein! Doch auch schauspielerisch schien sie mit ihrer Rolle als Edith nicht ganz zu verschmelzen. Mit fortschreitender Handlung würde ich aber sagen „sie wächst mit ihren Aufgaben…“.
    Tom Hiddleston, der gutaussehende Vampir aus „Only Lovers Left Alive“, machte es als Ediths ‚bessere Hälfte‘ wieder wett. Manchmal erinnerte er mich an Edward mit den Scherenhänden, fremdgetrieben, so wie auch der gesamte Film den Werken eines Tim Burtons in nichts nachsteht.
  6. …weil der Film wunderbar fließt
    Keine Langeweile, keine Längen, ausgewogenes Tempo. Kein Nagelbeißer, sondern ein klassischer Grusler, der ein anhaltend wohlig-schauriges Gefühl auslöst, was gegen Ende in fatalistischer Anspannung gipfelt.
  7. …wegen der Geister
    Die Geister sind bei „Crimson Peak“ wie die Milch im schwarzen Tee: sie machen die Story diffuser. Sie verschleiern und beschleunigen die Handlung. Und die Geister auf Crimson Peak sind spezielle Wesen: blutige, skelettartige Zombies, deren Erscheinung mich ein wenig an den Hagens’schen „Körperwelten“-Zirkus erinnerten. Aber sie kommen gut und hat man so noch nicht oft gesehen. Kaum gruselig – bis auf den schwarzen, eigentlich guten Geist der Mutter, den man vielleicht etwas freundlicher hätte darstellen können.
  8. …weil Crimson Peak Farbe hat
    Und zwar KARMESINROT. Eine Goten-Villa auf einem Hügel aus karmesin- oder purpurroter Lehmerde. Angerichtet im Dialog mit Herbstlaub und Schnee. Blutroter Boden. Blutrote Zombie-Geister. Allein die Farbe macht den Film unvergesslich!
  9. …weil Guillermo del Toro nicht zimperlich ist
    Auch wenn es Herr del Toro nicht in meine Top15-Liste der Regisseure schafft – mit „Pan’s Labyrinth“ hat er etwas ziemlich Gutes hingelegt. Und auch da mit einer Gewaltszene alle in ihrer Kinder-Fantasiewelt aufgeschreckt. Der Guillermo ist eben ein Horrorfreak und das muss er auch ab und zu mal rauslassen. Auch hier gibt es wieder zwei heftige Szenen. Aber es passt und es muss sein! Und da FSK 16 das neue FSK 18 ist, wird auch nicht weggeblendet, wenn es blutig wird. Doch ohne diese Schlenker zum Erwachsenen-Horror wäre Crimson Peak zu märchenhaft und so blutarm wie „Sleepy Hollow“ oder „Pakt der Wölfe“ geworden.
  10. …wegen der Motten von Crimson Peak
    Motten statt Fledermäuse. Die hübschen „Kinder der Nacht“ sind das Symbol des Todes auf Allerdale Hall. Ein weiterer Beweis, dass dieser Film für Nachtschattengewächse wie uns gedreht wurde.

Und der Trailer…

Muss man sich Crimson Peak im Kino ansehen? Ja, wegen der unglaublichen Bilder, die in klein nicht wirken. Wenn ihr aber daheim einen XXL-Flatscreen oder gutes Beamer-Raum-Wand-Verhältnis habt, dann geht auch Heimkino.

Und, gesehen? Würdet ihr Crimson Peak weiterempfehlen? Was gefiel, was nicht?

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8 Responses to 10 Gründe „Crimson Peak“ zu sehen

  1. solitary_core 6. November 2015 zu 15:27 #

    Loki als Schriftsteller dem Trailer nach, könnte interressant sein xd musste auch direkt an den Untergang des Hauses Usher denken bei deiner Beschreibung und was ich im Trailer sah vom Haus macht Lust auf mehr…

    Guilermo del Toro, das er Horror und dessen Inszenierung meisterlich beherrscht ist sicher jedem klar, der sich p.t. Angesehen oder gar selber gespielt hatt, aber da Konami nun jegliche Zusammenarbeit mit Hideo Kojima als mastermind ablehnt ist p.t. nun gestorben, sogar aus den playstation network entfernt, und dabei sollte das der Auftakt zu einen völlig neuen Silent Hill Erlebnis werden, getrieben von del Toro’s Inszenierung und Kojima’s genialer Umsetzung…

    Wäre sicher ein interessanter Betrachtungswinkel, die Wechselwirkung von Spielen und Regisseuren und deren Endresultate,
    sollte dabei sicherlich aber gewisse Boll-Werke umschiffen ^^o…O^^

    Denke allerdings werde mir dieses Vergnügen erst mit DVD gönnen schon allein weil ich die englischen Stimmen haben muß und sicherlich der eine oder andere subtile Schreckensmoment sich nicht sichtbar aber dafür klarer im Hintergrund des arbeitenden Gebälks hörbar macht

    Layout und textverarbeitung auf nen touchscreen is ja ne komplett eigene Horrorstory ._.

  2. Shan Dark 6. November 2015 zu 16:55 #

    Lieber solitary_core,
    hehe, das stimmt, ich finds auch Horror via Smartphone kommentieren. Daher ganz besonders Danke und ich hab mir erlaubt, paar Vertipper zu korrigieren in deinem Kommi.

    Dauert sicher nicht allzu lange, bis er auf DVD kommt. Ich hoffe, sie ist schick aufgemacht. 🙂 Ich kann zwar auch ganz gut englisch, aber finde es bei Filmen immer anstrengend, sie in Englisch zu sehen (zumindest erstmalig). Da muss ich mich dann doch ziemlich konzentrieren und Filmgucken ist Entspannungstat!
    Ich grüble auch gerade ganz angespannt, was Du gemeint haben könntest mit

    „schon allein weil ich die englischen Stimmen haben muß und sicherlich der eine oder andere subtile Schreckensmoment sich nicht sichtbar aber dafür klarer im Hintergrund des arbeitenden Gebälks hörbar macht“

    Subtile Schreckensmomente im Hintergrund des arbeitenden Gebälks – vs. Kino?
    Lass mal wissen…
    Bin jedenfalls gespannt, wie er Dir gefällt.
    Liebe Grusels
    Shan

  3. Dolo 6. November 2015 zu 18:47 #

    Tom Hiddleston ist Erfinder / Wissenschaftler – die Schriftstellerin ist Edith – also Mia Wasikowska 🙂 Aber das nur am Rande – der Film ist auch mein ultimativer Filmtipp für 2015 🙂

  4. Nighttears 7. November 2015 zu 07:23 #

    Liebe Shan, vielen Dank für den tollen Filmtipp!

    Mangels wirklich sehenswerter, interessanter Filme war auch ich schon länger nicht mehr im Kino. Ok, das letzte Mal beim diesjährigen WGT. Da haben sie ja den Film über das Leben und Schaffen von H.R. Giger gezeigt. Auch ein interessanter Film, den ich mir als DVD zugelegt habe.

    Thema DVD: ich habe eben mal ein wenig geschaut, die DVD zu „Crimson Peak“ soll am 01.04.2016 erscheinen. Kann aber jetzt schon vorbestellt werden.

    Verregnete ud nebelige Grüße
    Nighttears

  5. Schwarzer Nieswurz 9. November 2015 zu 13:23 #

    Als ich vor einer Weile den Trailer zu „Crimson Peak“ im Kino sah war ich sehr abgeschreckt. Ich sah einen bunten Aufguß der gewöhnlichsten und plattesten Gruselbilder. Es kam mir fast so blöd und einfallslos vor wie „Van Helsing“. Was nützt tolle Darstellungstechnik wenn die Atmosphäre der Darbietung über ein Comic-haftes Huuuh ! und Kawummm! nicht hinausgeht ? Bombastische Musik die mir aber schon wie 85x gehört vorkommt? Ich wollte den Film nicht sehen weil ich bloß eine Mischung ururaltbekannter Motive und Szenen mit modernem extra-Kontrast des Huuuh ! und Kawummm! erwartete. Nun lese ich diese 10 Gründe die mir ganz was Anderes versprechen. Kaum sehe ich mir nochmal den Trailer an langweilen mich auch schon wieder Huuuh ! und Kawummm! Am Mittwoch gehe ich nun mit Hexlein ins Kino zu „Crimson Peak“. Danach melde ich mich nochmal. Gegebenenfalls mit Huuuh ! und Kawummm!

  6. Shan Dark 9. November 2015 zu 22:56 #

    Lieber
    @Nighttears: Lieben Dank fürs Recherchieren zur DVD – ich hab sie darauf hin von der Weihnachtsgeschenkeliste gestrichen… 🙁 Und ja, bin auch nur selten heutzutage im Kino. Ich glaube, das ist relativ normal, wenn man älter wird, keinen mainstreamigen Geschmack und schon viel (Gutes) gesehen hat.

    @Schwarzer Nieswurz: Danke für Dein Vertrauen! Ich ‚zittere‘ jetzt etwas Deinem Urteil entgegen, aber ich kann Dir jetzt schon sagen: so ein Schrott wie „Van Helsing“ ist es nicht. Wobei ich darüber ja gar nicht urteilen darf, ich hab ihn mir nämlich gar nicht angesehen. Da war mir der Trailer zu blöd. Ich gebe Dir auch recht – der Trailer zu Crimson Peak hat mich auch nicht gleich vom Hocker geschmissen und gerissen. Dazu bedurfte es schon Magic Manfreds Empfehlung und des etwas übermetaphorierten Filmreviews, das im Artikel unter „Reminiszenz“ an die Schauermärchen verlinkt ist. Alles in allem haben wir ja auch schon viel gesehen und fanden ihn selbst im Vergleich sehr gut. Die Story ist zwar nicht von unauslotbarer Tiefe, aber sonst… nun, ich bin gespannt auf Euer Resümee! Geht nicht mit zu hohen Erwartungen, aber auch nicht mit zu niedrigen hinein. Einfach lecker Abend machen mit Hexlein, Rotwein, Leinwand. 😉

  7. Hexe 14. November 2015 zu 14:45 #

    Hallo Ihr Lieben,

    ich war schon sehr gespannt auf den Film .
    Wg.den 10 Gründen von Dir wollte ich den unbedingt sehen. Schon im Kino bei der Vorschau war ich interessiert. In dieses Haus wäre ich sofort eingezogen. Jörg ja weniger, aber er wäre doch mitgegangen. Nun bleibt uns nur noch die DVD . Oder mit Glück in einem anderen Kino. SCHADE !!

    (Schwarzer Nieswurz) Ersatzweise haben wir uns am Freitag mittels DVD den Film „Frau in Schwarz“ angesehen. Diesen Film finde ich angenehm langsam und ruhig. Bei https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Frau_in_Schwarz findet man treffende Kurzkritiken. Zitat: „Das Geisterhaus ist der Star.“ So wie das in hohem Maße wohl auch auf „Crimson Peak“ zutrifft. Den werden wir dann eben auch via DVD sehen.
    Hex und ich haben beraten wie wir mit so einem extrem düsteren, gespenstischen Geisterhaus umgehen würden. Ich behauptete, ich wäre gerne bereit auf einer Luftmatratze ebendort mitten in der Eingangshalle zu übernachten. Naja, mit einem Pentagramm um den Hals. Hexes Kommentar wie aus der Pistole geschossen: „Das hilft dir nicht!“ Warum eigentlich nicht ? Wenn der übersinnliche Spuk real & wirksam ist, dann müßte es der übersinnliche Schutz doch auch sein ? Nach Hölderlin „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

  8. solitary_core 14. November 2015 zu 23:15 #

    Alte Herren-Häuser und deren Eingangshallen sind mit Vorsicht zu genießen, man weis ja nie was für Machenschaften da liefen, Stichwort „Spencer Anwesen “ aus den klassichen Resident Evil spielen etc XD

    Ach ja und falls dich eine Wesenheit aus einer parallelen Geisterdimension fragt ob du nen Gott bist weist du hoffentlich deine Antwort..

    Ich hatte immer den Eindruck das Schutzzeichen ansich zwar funktionieren, aber mal angenommen diese Geister scheren sich nicht darum sondern wollen mit Voodoo-Ritualen angesprochen werden stehste halt auch nich grad gut da mit dem Pentgramm um den Hals. XD

    Auch wenn Voodoo hier wohl nen schlechtes Beispiel is, zumindest wenn ich nach W.Gibson’s Beschreibung gehe ist Voodoo sehr zielgerichtet, oder wie es Beauvier ausdrückt: „wir stehen in der Tradition Dinge geregelt zu kriegen“ wobei schon der Grundgedanke gaszonierend ist das in deren cyberspace Wesenheiten ‚leben‘ die mit Voodoo-Riten kommunizieren und handeln, im grunde also ganz buchstabliche „deus ex machinas“ sind von der Tatsache mal abgesehen das ihre Macht eben größtenteils auf eben jenes Datengeflecht beschränkt ist..

    Sollte wohl weniger Pratchett lesen, irgendwie haben seine ausufernden Nebensächlichkeiten gewisse Inspiriation auf meine Denkmuster…

    Wieso das alles hier jetz? Musste grad an Hex denken, dem Gerät, das in der unsichtbaren Universität einen Computer am nachsten kommt o.O

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